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Wie Netzwerkeffizienz ESG-Ziele vorantreibt
Von SDN bis hin zu Ökostrom spielt die Netzwerkoptimierung eine entscheidende Rolle dabei, Emissionen zu senken, Kosten zu reduzieren und den IT-Betrieb an ESG-Zielen auszurichten.
Umwelt-, Sozial- und Governance-Prinzipien (ESG) bestimmen, wie Unternehmen ihre Nachhaltigkeits- und Ethikziele erreichen wollen.
Für IT-Unternehmen ist einer der wichtigsten Ansatzpunkte, um ESG-Ziele zu erreichen, ihren Energieverbrauch zu minimieren und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck ihres Betriebs insgesamt zu verringern. Wenn sie sicherstellen, dass ihre Netzwerke so umweltfreundlich wie möglich sind, können Unternehmen ihre Betriebskosten senken, die Datensicherheit stärken und das Vertrauen der Anteilseigner gewinnen.
Der Weg zu einer netzwerkeffizienten ESG-Strategie ist jedoch nicht einfach. Netzwerke sind komplex und umfassen Rechenzentren, Infrastruktur, Fest- und (Mobil)funknetze, eine Vielzahl von Endgeräten sowie IoT-Produkte mit geringem Stromverbrauch. Investitionen in energieeffiziente Netzwerke können kostspielig sein. Eine weitere Herausforderung ist die Kompatibilität mit bestehender Unternehmenshardware.
Verbesserung der Netzwerkeffizienz
Laut dem Bericht Electricity 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) verbrauchten Rechenzentren weltweit im Jahr 2024 rund 415 Terawattstunden (TWh) Strom, was etwa 1,5 Prozent des globalen Gesamtbedarfs entspricht. Getrieben durch den massiven Ausbau von künstlicher Intelligenz (KI) wird prognostiziert, dass dieser Bedarf bis zum Jahr 2030 auf etwa 945 TWh ansteigen wird – dies entspricht einer mehr als Verdopplung und einem Anteil von fast 3 Prozent am weltweiten Stromverbrauch. Ein kritisches Hindernis für dieses Wachstum sind zunehmende Netzengpässe: Weltweit warten derzeit Projekte mit einer Gesamtkapazität von 2,5 Terawatt (einschließlich erneuerbarer Energien und Rechenzentren) auf einen Netzanschluss.
Kühlung und Klimatisierung machen dabei mehr als 30 Prozent der Stromkosten aus. Storage- und Netzwerkgeräte sind für etwa fünf Prozent des Stromverbrauchs in Rechenzentren verantwortlich. Stromfressende Netzwerkgeräte wie Router, Switches und Access Points tragen erheblich zum CO₂-Fußabdruck bei.
Veraltete oder nicht ausgelastete Netzwerkgeräte führen durch häufige Upgrades und kürzere Lebenszyklen zu betrieblicher Verschwendung. Die Herstellung von Hardware und Software verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen.
Der Einfluss von ESG auf den Netzwerkbetrieb
Bei der Festlegung ihrer ESG-Ziele berücksichtigen Unternehmen möglicherweise schon die Effizienz und Wiederverwertbarkeit von Netzwerkgeräten. Doch das ist nur ein Teil des Puzzles. Sie sollten auch prüfen, welchen Beitrag innovative Technologien leisten können, um ihre Ziele zu erreichen, ohne den bestehenden Netzwerkbetrieb zu beeinträchtigen.
Im Folgenden werden einige Ansätze vorgestellt, mit denen Unternehmen ihre Ziele in Bezug auf Netzwerkeffizienz und ESG erreichen können.
Software-defined Networking (SDN)
SDN trennt die Hardwareebene des Netzwerks von der Steuerungsebene. Dadurch wird das Netzwerk zentral über Software statt durch manuelle Konfiguration verwaltet. SDN verbessert die Bereitstellung von Rechenzentrumsnetzwerken sowie die Effizienz, Flexibilität und Sicherheit von Datenverkehr und Routing. SDN kann auch dazu genutzt werden, inaktive Maschinen zu identifizieren und zu verwalten. Dadurch können energieeffiziente Richtlinien im gesamten Unternehmensnetzwerk durchgesetzt werden. Cloud-basiertes SDN kann den betrieblichen Aufwand und die damit verbundenen Kosten weiter reduzieren.
Auswahl der Netzwerktopologie
Weniger Hops und kürzere Routing-Pfade führen zu einem geringeren Energiebedarf während des gesamten Betriebs. Ziehen Sie eine zentralisierte Stern- oder Baumtopologie mit SDN in Betracht, um das Netzwerk zu optimieren. Dasselbe gilt für High-Performance-Computing in Hyperscale-Rechenzentren. Andere Topologien wie Torus und Dragonfly verbrauchen tendenziell weniger Strom und arbeiten unter anderem im Supercomputing-Bereich effizienter.
Virtualisierung
Netzwerkfunktionsvirtualisierung (NFV) ermöglicht es Unternehmen, Firewalls, Router, Load Balancer und andere dedizierte Hardware durch Software und handelsübliche Server zu ersetzen. Eine SDN-basierte Netzwerkvirtualisierung kann mehrere virtuelle Netzwerke auf derselben Geräteausstattung betreiben und so den Energieverbrauch und die Kosten optimieren.
Network as a Service (NaaS)
NaaS ermöglicht es Unternehmen, Netzwerkausrüstung, Software, Frequenzbandzuweisungen, WLAN und andere Teile der Netzwerkinfrastruktur zu mieten. Dabei werden Investitionskosten (Capex) in Betriebskosten (Opex) umgewandelt. Unternehmen zahlen nur für die tatsächlich genutzten Ressourcen, wodurch sie ihren Energieverbrauch und ihren CO₂-Fußabdruck reduzieren können.
Netzwerkstrategien für ESG
Einige Netzwerkstrategien, wie beispielsweise Intent-based Networking (IBN) und Zero-Trust-Netzwerkzugang (ZTNA), sind von Natur aus auf ESG ausgerichtet.
- IBN: Nutzt KI und maschinelles Lernen, um das Netzwerk zu optimieren und Richtlinien umzusetzen, die auf die Unternehmensziele abgestimmt sind. Dieser zentralisierte, richtliniengesteuerte Ansatz erfüllt regulatorische Compliance- und Transparenzanforderungen und trägt gleichzeitig dazu bei, Vertrauen zwischen Mitarbeitern, Führungskräften und Stakeholdern aufzubauen. IBN kann als energiebewusste Strategie dienen, die Effizienz und Governance miteinander verbindet.
- ZTNA: Ein Ansatz zur Reduzierung des Risikos bei kritischen Daten. ZTNA kann durch die Durchsetzung strenger Richtlinien die Rechenschaftspflicht verbessern und die Governance stärken.
Best Practices zur Ausrichtung von Netzwerken auf ESG-Ziele
Der erste Schritt ist die Investition in energieeffiziente Hardware und Protokolle. Reduzieren Sie den Stromverbrauch von Ethernet-Geräten, die IEEE 802.3az einhalten. Ein energiesparender Leerlaufmodus, schnelles Aufwachen und adaptive Stromnutzung tragen dazu bei, das Netzwerk im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu optimieren. Setzen Sie Dynamic Power Scaling (DPS) ein und nutzen Sie Adaptive-Link-Rate-Technologien. Cloud-basierte Dienste wie SDN, NFV und NaaS sind ein wesentlicher Bestandteil energieeffizienter Netzwerke.
Im Folgenden finden Sie einige weitere Überlegungen zur Optimierung eines Netzwerks im Hinblick auf ESG.
Content-centric Networking (CCN)
Die Implementierung von CCN – selbst wenn dies nur in einem Teil des bestehenden Unternehmensnetzwerks geschieht – kann dabei helfen, die Bandbreite zu optimieren und redundanten Datenverkehr zu reduzieren.
Edge-Computing
Edge-Computing und die Integration des IoT sind Methoden, um die ESG-Ziele im Bereich Netzwerkeffizienz zu erreichen. Energiesparende Geräte, die offline arbeiten, vermeiden Round-Trip-Anfragen und halten die Daten nahe am Erzeugungsort. Die Datenübertragung ist schnell und weniger energieintensiv.
Ökostrom
Laut einem Bericht von Ericsson hat der Informations- und Kommunikationstechnologiesektor – der Rechenzentren, Netzwerke und IoT-Geräte umfasst – seine Treibhausgasemissionen von 2020 bis 2024 um 3,8 Prozent (von 780 auf 750 Millionen Tonnen) reduziert. Dies ist zu einem erheblichen Teil auf die Integration von Solar- und Windenergie in Rechenzentren zurückzuführen.
Soziale Initiativen
Innovationen im Bereich der Vernetzung ermöglichen es Unternehmen, soziale Ergebnisse zu verbessern, selbst wenn immer mehr Menschen weltweit Zugang zu digitalen Diensten und grundlegenden Ressourcen erhalten.
Stärkung von ESG durch das Netzwerk
Eine ESG-Berichterstattung ist entscheidend für den Erfolg. Das Sammeln und Pflegen zuverlässiger Netzwerkdaten in Form von Audit-Protokollen und Aufzeichnungen ermöglicht die Nachverfolgung von Nachhaltigkeitskennzahlen und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Unternehmen müssen sich für ihre ESG-Leistung verantwortlich zeigen und ihre ESG-Strategien für die Zukunft kontinuierlich optimieren.