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Euro-Office startet als Alternative zu Microsoft und Google

Nextcloud stellte auf seinem Summit nicht nur eine verbesserte Version seiner Open-Source-Software Hub 26 Spring vor, sondern gab auch die Verfügbarkeit von Euro-Office bekannt.

Mit Euro-Office steht seit dem 9. Juni 2026 erstmals eine allgemein verfügbare Version einer europäischen Office-Suite bereit, die gezielt auf digitale Souveränität und Unabhängigkeit von US-Anbietern abzielt. Das Open-Source-Projekt richtet sich an Unternehmen, Behörden und Organisationen, die kollaborative Office-Anwendungen selbstbestimmt betreiben wollen.

Die Software, die das Unternehmen zum Nextcloud Summit 2026 im Juni als verfügbar erklärte, ermöglicht die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten, Tabellen und Präsentationen und positioniert sich damit als Alternative zu Microsoft 365 und Google Workspace. Der Download erfolgt über GitHub, womit Euro-Office von Beginn an als offen zugängliches Projekt angelegt ist.

Europäisches Ökosystem als Grundlage

Euro-Office ist aus einer Kooperation mehrerer europäischer Unternehmen und Initiativen hervorgegangen, darunter IONOS, Nextcloud, Open-Xchange, XWiki, OpenProject und weitere Anbieter aus dem Umfeld von Open Source und Collaboration-Software. Die Initiative ist Teil einer breiteren Bewegung hin zu einem souveränen europäischen Software-Stack (EuroStack).

Abbildung 1: Euro-Office soll die Kollaborationsalternative für Google Workplace und Microsoft werden.
Abbildung 1: Euro-Office soll die Kollaborationsalternative für Google Workplace und Microsoft werden.

Nach Angaben der beteiligten Unternehmen wurden bereits dedizierte Entwicklungsteams aufgebaut. So haben IONOS und Nextcloud im April 2026 mit dem Aufbau gemeinsamer Entwicklerkapazitäten begonnen, um die Weiterentwicklung der Plattform zu beschleunigen.

Integration in bestehende Plattformen

Ein zentrales Ziel der ersten Version ist die schnelle Integration in bestehende Kollaborationslösungen. Euro-Office wird unter anderem Bestandteil von Nextcloud Hub 26 Spring und kann von Kunden von IONOS Managed Nextcloud ab dem Starttermin installiert werden. Eine tiefere Integration in das Nextcloud-Workspace-Angebot von IONOS ist für den Spätsommer 2026 geplant.

Weitere Anbieter bereiten ebenfalls Integrationen vor: XWiki plant die Einbindung für das vierte Quartal 2026, während Office.eu die Suite ebenfalls in sein Portfolio aufnehmen will.

Fokus auf Sicherheit und offene Standards

In der initialen Entwicklungsphase lag der Schwerpunkt auf Stabilität und Sicherheit. Laut Nextcloud-CEO und Gründer Frank Karlitschek wurde der Code zunächst bereinigt, Sicherheitsupdates implementiert und die Integration in bestehende Systeme vorbereitet.

Für die kommenden Versionen stehen insbesondere folgende Punkte auf der Roadmap:

  • Unterstützung offener Dokumentenstandards wie ODF
  • Entwicklung von Desktop- und Mobile-Clients
  • Ausbau von Integrations- und Kollaborationsfunktionen

Die konsequente Ausrichtung auf offene Standards gilt als zentraler Baustein für digitale Souveränität, da sie Vendor Lock-in reduzieren soll.

Open Source und Community-Ansatz

Euro-Office ist als Open-Source-Projekt konzipiert und soll bewusst eine breite Entwicklerbasis anziehen. Dafür wurden unter anderem automatisierte Tests eingerichtet, die Dokumentation verbessert und Code-Kommentare vereinheitlicht.

Die zugrunde liegende Brancheninitiative, die Ende März 2026 gestartet wurde, hat laut den Initiatoren schnell an Dynamik gewonnen. Obwohl der Fokus auf europäischen Akteuren liegt, steht das Projekt weltweit zur Mitarbeit offen.

Souveränität als strategischer Treiber

Der Launch von Euro-Office fällt in eine Phase, in der europäische Unternehmen und öffentliche Einrichtungen verstärkt nach Alternativen zu US-Hyperscalern suchen. Regulatorische Anforderungen, Datenschutzbedenken und geopolitische Entwicklungen treiben die Nachfrage nach lokal kontrollierbaren IT-Lösungen.

Frank Karlitschek, Nextcloud

„Digitale Souveränität braucht Mut zu kulturellem Wandel, sinnvolles Change Management und eine starke Geschäftsleitung.“

Frank Karlitschek, Nextcloud

Frank Karlitschek weiß jedoch, dass es nicht nur neuer Technologien und Lösungen für die Umsetzung digitaler Souveränität bedarf. „Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter auf die Reise hin zu digitaler Souveränität mitnehmen,“ so Karlitschek. „Das bedeutet offene und verständliche Kommunikation und die Bereitschaft zu einem kulturellen Wandel.“ Für ihn ist ein wichtiger Teil dessen eine gute Geschäftsführung, die durch diese Veränderungen mit einem sinnvollen Change Management leitet.

Mit Euro-Office entsteht nun ein weiterer Baustein in einem wachsenden europäischen Software-Ökosystem, das von Infrastruktur (Cloud, Storage) bis hin zu Anwendungen reicht. Ob sich die Lösung langfristig gegen etablierte Plattformen durchsetzen kann, dürfte maßgeblich von Funktionsumfang, Benutzerfreundlichkeit und Integrationsfähigkeit abhängen.

Mit neuem ISV-Programm zum umfassenden Ökosystem

Nextcloud versteh sich nicht als einzelstehendes Unternehmen oder Produkt. Vielmehr soll es die Plattform sein, die Partnern und Entwicklern sowie Independent Software Vendors die Chance gibt, sich ein größeres Publikum zu schaffen. Das neue ISV-Programm soll helfen, ihre Apps zu bewerben und ihren Kunden über die Nextcloud-Plattform Support zu bieten.

Frank Karlitschek sieht hier das Potenzial innerhalb eines Jahres die Anzahl der Anwendungen zu verzehnfachen. Derzeit lassen sich 600 Apps über Nextcloud erreichen, zum nächsten Summit möchte er dann auf 6.000 blicken.

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