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Unified-Communications-Systeme: Gründe für On-Premises

Viele Unternehmen wollen UC-Services in die Cloud verlagern, für andere bleibt On-Premises Realität. Sechs Faktoren sprechen für eine lokale Installation von UC-Plattformen.

Moderne UC-Plattformen (Unified Communications) umfassen Services wie IP-Telefonie, Video Conferencing, Instant Messaging, Präsenz und Filesharing.

Trotz der massiven Migration von Anwendungen, Services und Daten in die Cloud sind die meisten Enterprise-Organisationen ihrer zuverlässigen On-Premises-UC-Plattform treu geblieben. Doch mit zunehmendem Alter der Unified-Communications-Systeme entdecken Unternehmen, dass es eine reiche Auswahl von UCaaS-Plattformen (Unified Communications as a Service) gibt, die vielversprechend sind. Warum sollte man angesichts so vieler zusätzlicher Features und erweiterter Funktionalität beim On-Premises-Betrieb bleiben?

Es gibt in der Tat eine Vielzahl berechtigter Gründe, das On-Premises-Modell zu favorisieren und vielleicht sogar auf ein brandneues On-Premises-System aufzurüsten. Betrachten wir einmal sechs praxisrelevante Gründe, warum Sie eventuell besser damit fahren, Ihr Unified-Communications-System lokal zu betreiben.

1. Netzwerkdesign

Netzwerkarchitekturen, die eine große Zahl von Remote-Büros unterstützen, sind häufig über WAN-Links, wie MPLS oder Metro Ethernet, miteinander verbunden. Falls das zutrifft und die meisten Ihrer Nutzer zum Arbeiten ins Büro kommen, sind On-Premises.Installationen besser geeignet.

Das liegt daran, weil Streaming-Datenflüsse in Echtzeit deutlich effizienter und vorhersehbarer sind, wenn sie über dedizierte private WAN-Links laufen als bei einer Verbindung per Public Cloud über das Internet. Aus Performance-Sicht ist es am besten, eine UC-Plattform zu betreiben, die über das Unternehmens-LAN und -WAN kommuniziert, wenn das Netzwerk dafür richtig gestaltet ist.

2. Qualität und Zuverlässigkeit von PSTN

Beim Vergleich von UC-Plattformen für On-Premises mit UC-Systemen für die Cloud besteht die vielleicht größte Infrastrukturänderung in der Art, wie Sie den externen PSTN-Wählton (Public Switched Telephone Network) für Tisch- und Konferenztelefone empfangen. On-Premises-Plattformen basieren fast ausschließlich auf digitalen Legacy-Telefonleitungen, zum Beispiel T1, oder auf einem dedizierten SIP-Trunk zu einem Telefonieanbieter.

Mit UCaaS werden SIP-Verbindungen über das Internet per Standardbreitband aufgebaut. Das heißt, sobald Ihre Echtzeit-Sprachkommunikation das Internet erreicht, gibt es keine Möglichkeit, Voice Traffic gegenüber irgendwelchen anderen Daten zu priorisieren, die über Ihre Breitbandverbindung gesendet oder empfangen werden. Wenn die Qualität und Zuverlässigkeit Ihrer Internetverbindung in der Firmenzentrale oder Außenstellen infrage steht, empfiehlt es sich, bei On-Premises betriebener UC-Telefonie zu bleiben. Denn diese setzt auf die altbewährte PSTN-Konnektivität.

3. Bestehende Telekommunikationsverträge

Bei einem genaueren Blick auf die PSTN-Konnektivität stellen Sie vielleicht fest, dass Ihr Unternehmen an langfristige PSTN-Verträge gebunden ist. Oder Sie haben extrem niedrige Tarife für Ihre SIP-Trunks oder digitalen PSTN-Leitungen erfolgreich ausgehandelt. Die PSTN-Konnektivität ist ein teurer Teil der UC-Bereitstellung insgesamt. In diesen Fällen ist eine lokale UC-Intallation kostengünstiger als die Migration in die Cloud.

4. Längere Nutzung von UC-Endpunkthardware

Unternehmen aktualisieren häufig ihre Unified-Communications-Systeme im Backend, während sie vorhandene Endpunkthardware weiter nutzen, etwa Tisch- und Konferenztelefone sowie Video-Conferencing-Equipment. Es ist nicht ungewöhnlich oder abwegig, UC-Endpunktgeräte mindestens als 10-jährige Investition zu betrachten. On-Premises-Plattformen sind rückblickend gesehen gut, wenn es um die Unterstützung von Legacy-Telefonen und -Video-Equipment auf IP-Basis geht. Das lässt sich von einigen UCaaS-Plattformen nicht behaupten. Wer seine Investition für die aktuellen UC-Endpunkte maximal ausschöpfen will, sollte auf eine lokale Installation setzen.

5. Präferenzen der Endanwender

Endnutzer sind bekanntermaßen empfindlich, was ihre Telefone, Video-Conferencing-Systeme und Chat-Anwendungen betrifft. Selbst wenn bessere UC-Tools zur Verfügung stehen sollten, bleiben viele lieber beim Status quo. Falls Sie ernsthaft eine Migration zu einer Cloud-basierten UC-Plattform planen, empfiehlt es sich, die neue UC-Hardware und -Software bei Ihren anspruchsvollsten und kritischsten Endnutzern zu pilotieren.

Diese Produkte können im Vergleich zu den meisten On-Premises-Systemen aus Nutzerperspektive äußerst unterschiedlich sein. Die Unterschiede können dabei so groß sein, dass es mehr Ärger verursachen kann, die Anwender für ein neues UCaaS zu schulen, als die ganze Sache wert ist. Allein aus diesem Grund ist es deshalb wahrscheinlich besser, Ihr aktuelles On-Premises-UC-System auf die Plattform der nächsten Generation upzugraden.

6. Kontrolle über die Sicherheit

Unternehmen, die auf Datensicherheit Wert legen, sind es womöglich leid, die Kontrolle über ihre Kommunikationsplattform einem externen Service-Provider zu überantworten. Wenn Sie unter diese Kategorie fallen, dürfte die Cloud in Ihrer Organisation schwer an den Mann zu bringen sein.

Viele Firmen geben Millionen von Euro aus, um interne IT-Sicherheitsfachleute zu rekrutieren, damit diese nach Schwachstellen suchen, Sicherheits-Patches verwalten und sicherstellen, dass geistiges Eigentum nicht missbräuchlich nach außen gelangt. Die vollständige Kontrolle über eine UC-Plattform zu besitzen, ist unter Sicherheitsaspekten von allergrößter Bedeutung. Daher kann Ihre einzige Option darin bestehen, bei On-Premises-Plattformen zu bleiben, die komplett vom IT-Sicherheitspersonal des Unternehmens verwaltet werden.

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