Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: Einführung in Software-defined Networking (SDN)

Welche SDN-Schulungen Unternehmen priorisieren sollten

SDN kommt und Netzwerktechniker müssen sich anpassen. Dafür sind Schulungen notwendig, die Unternehmen priorisieren sollten.

Die Software-zentrische Natur von Software-defined Networking (SDN) wird die Netzwerktechnik und die Management-Praktiken grundlegend verändern. Im Laufe der Jahre hat sich die Netzwerktechnik in Richtung eines Hardware-zentrischen Modells entwickelt. Aus diesem Grund müssen die IT-Abteilungen der Firmen Ihre Netzwerkteams für eine Implementierung von SDN neu schulen.

Viele Netzwerktechniker glauben, dass sie in einer SDN-Welt Softwareentwickler werden müssen, da sich die APIs in einem SDN-Ökosystem stark vermehren. Sie sind der Meinung, Anwendungen schreiben zu müssen, die diese APIs nutzen, damit sich die SDN-Netzwerke mit Funktionalität und Verwaltbarkeit ausrüsten lassen. Natürlich werden diese Fähigkeiten gefragt sein, aber sie sind nicht die oberste Priorität für frühzeitige SDN-Anwender.

Enterprise Management Associates (EMA) hat einige Schulungsprioritäten für SDN ausgearbeitet. Auf diese sollten sich Unternehmen konzentrieren, wenn sie die Technologie einsetzen wollen. EMA hat den Bericht Managing Tomorrow's Networks: The Impacts of SDN and Network Virtualization on Network Management herausgegeben, in dem 150 frühzeitige Anwender (Early Adopters) von Enterprise-SDN-Technologie befragt wurden. Das ist ein genereller Leitfaden, der sich nicht nur auf die Prioritäten bei den Schulungen bezieht. Sie erhalten auch Informationen, ob ihre existierenden Tools für die Netzwerk-Administration und das Management für so einen Schritt bereit sind.

Expertise zu den Cloud-Management-Systemen

Die oberste Priorität in Sachen Schulungen für SDN-Erstanwender ist das Aneignen von Wissen über Cloud-Management-Systeme. Von den Early Adopters sagten 47 Prozent, dass ihre Netzwerkteams derzeit lernen, solche Systeme zu benutzen. Dazu gehören OpenStack, CloudStack und auch kommerzielle Produkte wie zum Beispiel VMware vCloud Air.

Viele SDN-Projekte im Data Center sollen private und hybride Cloud-Initiativen unterstützen. Der Trend stammt offensichtlich aus der großen Anzahl an Data-Center-SDN-Anbietern, die ihre Produkte mit mehreren kommerziellen OpenStack-Distributionen integriert haben. Viele Unternehmen setzen auf bereichsübergreifende und Cloud-Teams, um die hybriden und privaten Clouds zu unterstützen. Die Netzwerkteams implementieren SDN und werden daher automatisch in diese bereichsübergreifenden Teams involviert. Das Wissen über Cloud-Management-Systeme hilft sehr dabei, effizienter miteinander arbeiten zu können.

Neues Wissen über die Protokolle

An zweiter Stelle bei den Prioritäten für SDN-Schulungen steht das Wissen über die SDN-Protokolle. Das geben 39 Prozent an. Zu welchem Protokoll das entsprechende Netzwerkteam Schulungen erhält, das kommt auf die gewünschten SDN-Lösungen an. Sollte eine Firma zum Beispiel ein Data Center SDN Overlay implementieren, dann muss das Netzwerkteam das Encapsulation-Protokoll verstehen, das das entsprechende Overlay benutzt, um Datenverkehr durch das physische Netzwerk zu tunneln. Zu diesen Protokollen gehören NVGRE, VXLAN und der kommende Standard GENEVE. Netzwerkprofis müssen wissen, wie die physischen Netzwerke für die Weiterleitung des eingekapselten Datenverkehrs konfiguriert werden müssen. Außerdem müssen Sie verstehen, wie sie Fehler suchen und den Traffic überwachen, der das entsprechende Protokoll nutzt.

Erstanwender von OpenFlow-basiertem SDN müssen logischerweise das Protokoll OpenFlow verstehen. Es gibt aber viele andere Protokolle, die im Kommen sind. Cisco hat zum Beispiel OpFlex erfunden. Das dient für die Kommunikation der gruppenbasierten Richtlinien zwischen einem SDN-Controller und einem Switch. Das Protokoll ist in Ciscos Lösung fest eingebaut. Aber das Unternehmen hat OpFlex dem IEEE als Industriestandard vorgeschlagen. Die IETF und der Forschungszweig IRTF arbeiten auch an einigen weiteren potenziellen Protokollen für SDN.

In der Zwischenzeit sind andere SDN-Technologien auf existierende Protokolle angewiesen. Juniper verwendet zum Beispiel BGP, um geclusterte Instanzen seines Contrail-Controllers zu skalieren. BGP ist in der Branche ein sehr gut verstandenes WAN-Protokoll. Sind Netzwerk-Administratoren allerdings die meiste Zeit damit beschäftigt, lokale Netzwerke zu verwalten, dann haben sie damit sehr wahrscheinlich wenig Erfahrung.

Viele Netzwerkprofis werden zu Entwicklern

Wie viele Netzwerkprofis schon seit Jahren vermuten, verlangt SDN von ihnen, dass Sie das Programmieren und Entwickeln von Software lernen. Programmierkenntnisse und Entwickeln von Software stehen mit 37 Prozent und 36 Prozent auf Rang drei und vier bei den Prioritäten für SDN-Schulungen. Das hat nichts mit den einfachen Scripting-Kenntnissen zu tun, die einige Netzwerk-Administratoren bereits für die Automatisierung herkömmlicher Netzwerkaufgaben einsetzen. Programmierkenntnisse bedeuten viel mehr das Schreiben von Code, um SDN unterstützen und managen zu können. Das Entwickeln von Software geht dann für die Netzwerkprofis noch einen Schritt weiter. Damit können sie Software schreiben, die den SDN-Netzwerken Verwaltbarkeit und Funktionalität spendieren.

Es sollte erwähnt sein, dass EMA auch Provider von Kommunikationsservices zu den Prioritäten bei SDN-Trainings befragt hat. Dazu gehören Netzwerkbetreiber, Telekommunikationsunternehmen und so weiter. Bei den Service-Providern sind Programmierkenntnisse und das Entwickeln von Software auf den beiden ersten Plätzen für das Mitarbeitertraining in Sachen SDN. Daraus lässt sich schließen, dass die Service-Provider in diesem Bereich höhere Erwartungen haben. Programmiererfahrung und Kenntnisse für das Entwickeln von Software sind bei Unternehmen eher zweitrangig. Hier sind die anderen bereits erörterten Prioritäten wichtiger.

Kenntnisse über Prozesse und Dienstleistungserbringung

An fünfter Stelle stehen bei der Priorisierung von Kenntnissen für SDN unter den Erstanwendern der Zusammenschluss der Kenntnisse aus den Bereichen SDN und Netzwerk, sowie Dienstleistungserbringung. 35 Prozent der Befragten gaben das an. Diese Priorität ist ein Prozessproblem. IT-Abteilungen realisieren die Notwendigkeit, SDN-Engineering- und SDN-Management-Prozesse auf zweierlei Arten zu integrieren. Zum einen liegt das daran, dass SDN in vielen Unternehmen mit den herkömmlichen Netzwerken koexistieren muss. Deswegen müssen Netzwerkteams wissen, wie sich SDN und die herkömmlichen Netzwerke unter einen Hut bringen lassen, um die Endgeräte mit den entsprechenden Netzwerkservices versorgen zu können.

Zum anderen müssen sie ihre SDN-Kenntnisse und Prozesse in den allgemeinen Auslieferungsprozess der IT-Abteilung einbinden. Die meisten Leser wissen, dass viele IT-Abteilungen sehr prozessorientiert arbeiten, damit die Anwendungen und Services angemessen bedient werden können. SDN ist eine umgestaltende Technologie. Aus diesem Grund müssen Netzwerkteams ihre SDN-Kenntnisse und entsprechende Workflows in diese Prozesse einfließen lassen.

Einige Leser denken sich möglicherweise, dass dieses Prozessproblem sehr abstrakt ist. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es wichtig ist. Als EMA die SDN-Anwender bat, die größte Hürde mit der Technologie zu identifizieren, dann kam an dritter Stelle das Fehlen definierter Prozesse. Davor befanden sich kein Mut zum Risiko oder Risikoaversion bei Unternehmen und das Fehlen von Ressourcen.

SDN-Zertifizierungen haben zumindest im Moment noch keinen hohen Stellenwert

SDN-Erstanwender legen keine hohe Priorität auf SDN-Zertifizierungen. Nur für 28 Prozent sind die SDN-Zertifizierungen der Anbieter wichtig. 24 Prozent bevorzugen neutrale Zertifizierungen. Dieses geringe Interesse an den Zertifizierung ist ein reines Problem des Zeitpunkts.

SDN ist immer noch eine neue Technologie und die unterstützenden Zertifizierungen sind natürlich noch jünger. Einige Anbieter wie Cisco und VMware haben Zertifizierungen vorgestellt, um ihre eigenen Produkte zu unterstützen. Der Wert oder Mehrwert dieser Zertifizierungen muss sich erst noch etablieren. Das ist auch nicht überraschend. Cisco und VMware haben zusammengerechnet momentan weniger als 2000 Kunden, die ihre SDN-Lösungen einsetzen.

In der Zwischenzeit entwickelt sich der neutrale Markt für SDN-Zertifikationen immer noch. Die Open Networking Foundation (ONF) ist bekannt durch das OpenFlow-Protokoll und arbeitet an einem Zertifizierungsprogramm. Die ersten beiden Zertifizierungen im Programm befinden sich immer noch in einer Betaphase.

Cloud, Netzwerkprotokolle und Integration von Kenntnissen

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Kenntnisse für Programmierung und die Entwicklung von Software bei den SDN-Trainings zweitrangig sind. Stattdessen sollten sich IT-Abteilungen auf Schulungen der Netzwerkteams in Sachen Cloud-Management-Systeme konzentrieren. Der Grund ist, dass SDN ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Implementierung von privaten und hybriden Clouds sein wird. Anders gesagt müssen die SDN-Teams OpenStack, CloudStack und so weiter verstehen.

Außerdem müssen die Netzwerkprofis Schulungen über die Protokolle erhalten, die von den ausgewählten SDN-Architekturen genutzt werden. Ob es sich dabei um Encapsulation-Protokolle oder um Protokolle für Controller-zu-Switch-Kommunikation handelt, ist egal.

Unterschätzen Sie die prozessorientierten Aspekte beim Netzwerkbetrieb auf keinen Fall. Netzwerktechniker müssen ihre SDN-Kenntnisse in den allgemeinen Betrieb für Netzwerk- und Servicebereitstellung einbringen. Somit garantieren Sie, dass die formalen Prozesse Ihrer IT-Abteilung für eine erfolgreiche Serviceauslieferung funktionieren. Außerdem lassen sich die umgestaltenden Effekte von SDN adaptieren.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close