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In vier Schritten von MPLS zu SD-WAN migrieren

Ohne Migrationsplan sollten Sie lieber keinen Umstieg von MPLS auf SD-WAN riskieren. Wir zeigen, wie Sie unliebsame Überraschungen bei Verträgen, Kosten und Installation vermeiden.

Im Laufe der letzten Jahre hat es bei der Bereitstellung von Software-defined WAN (SD-WAN) eine Änderung gegeben, auf welche Weise Unternehmen den Umstieg von MPLS auf SD-WAN angehen. Die entscheidende Frage dreht sich zunehmend weniger darum, ob SD-WAN eingeführt werden soll, sondern immer mehr darum, wie sich die Migration zu SD-WAN bewältigen lässt.

Nach Bewertung der verfügbaren SD-WAN-Optionen – vorzugsweise auf Basis von Gesprächen mit Beratern – müssen die Organisationen aber noch die praktischen Schritte für den Umstieg von MPLS in Angriff nehmen. Im Folgenden finden Sie einige der weniger offensichtlichen Maßnahmen, die es zu beachten gilt, wenn Sie einen reibungslosen Übergang von MPLS zu SD-WAN sicherstellen wollen.

1. Lesen Sie Ihren MPLS-Vertrag

Bei der Migration von MPLS auf SD-WAN müssen Sie zunächst einige Grundlagen von MPLS-Verträgen verstehen. Bei MPLS-Verträgen gelten normalerweise mehrjährige Laufzeiten – in der Regel drei Jahre, manchmal aber auch 5 oder7 Jahre. Der Preis für den Service umfasst eine MPLS-Port- und eine Local-Loop-Gebühr. Die MPLS-Port-Gebühr fällt für die eigentlichen MPLS-Services an, während die Gebühr für den Local Loop das Leasing der Infrastruktur von den lokalen Carriern abdeckt. Service Level Agreements (SLA) und Kündigungsklauseln sind im Vertrag festgehalten.

Ihr Vertrag sollte klar erläutern, wie schnell und einfach Sie MPLS wieder loswerden können. Die Carrier wissen das und zögern daher womöglich, Ihnen eine Kopie des Vertrags auszuhändigen, falls er Ihnen nicht vorliegt. Das ist ein Problem insbesondere für Unternehmen nach diversen Fusionen und Übernahmen, in deren Folge die Personen, die den Servicevertrag ausgehandelt haben, nicht mehr bei der Firma angestellt sind.

Wenn Sie von MPLS auf SD-WAN umsteigen, bestellen Sie die Internetleitungen rechtzeitig vor dem Umstellungstag.

Es kann auch vorkommen, dass ausländische Carrier lediglich eine Version des Vertrags in ihrer jeweiligen Landessprache zur Verfügung stellen. Sollte dies der Fall sein, engagieren Sie wenn nötig einen professionellen Übersetzer. Die Mühe lohnt sich. Quintessenz: Unternehmen Sie was immer erforderlich ist, um möglichst frühzeitig den MPLS-Vertrag in die Hände zu bekommen.

2. Kündigungsgebühr und Mindestverpflichtung

Nachdem Ihnen eine Version des Vertrags vorliegt, müssen Sie einige Punkte beachten. Da wäre zunächst die Kündigungsgebühr. Die meisten MPLS-Verträge sehen eine Strafe bei vorzeitiger Beendigung vor. Der Provider könnte also sagen, dass Sie aus dem Vertrag herauskommen, aber weiterhin eine Gebühr für die vereinbarte Vertragslaufzeit zahlen müssen, als ob Sie das Netzwerk nach wie vor nutzen würden.

MPLS-Provider brauchen die Kündigungsgebühr, jedenfalls teilweise, um sich gegen Local-Loop-Kosten zu wappnen. Sie mieten die Local Loops vom Carrier und sind während der Laufzeit des Vertrags an ihn gebunden. Wenn Sie diesen Umstand verstehen, kann Ihnen das etwas Verhandlungsspielraum geben. Zum Beispiel könnten Sie prüfen, ob Sie nicht die Kosten für den Local Loop übernehmen und dafür bei den MPLS-Port-Kosten sparen, die zirka 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

Als Nächstes sehen Sie sich die Klausel zur Mindestverpflichtung näher an. MPLS-Verträge verpflichten Sie häufig dazu, jährlich 70 bis 80 Prozent Ihrer tatsächlichen Jahresausgaben aufzuwenden. Falls sich Ihre MPLS-Nutzung während der Vertragslaufzeit erhöht hat – etwa aufgrund neuer Standorte oder gestiegenen Traffics auf Ports mit variabler Datenrate –, kann es sein, dass Sie die Mindestbedingungen für eine Kündigung vor Vertragsablauf bereits erfüllt haben.

3. Wechsel zu monatsbasierten MPLS-Services

Idealerweise sind Sie in der Lage, den Umstieg von MPLS auf SD-WAN zeitlich in die Phase zu legen, wenn der MPLS-Vertrag ausläuft. Falls dies nicht möglich ist oder Sie die Flexibilität benötigen – beispielsweise um Zeit für die Installation der Internetleitungen zu haben –, stehen Ihnen eventuell andere Optionen offen. MPLS-Provider erlauben oft, auf monatlich kündbare Verträge umzusteigen, wenn Sie dies zu Beginn vertraglich vereinbart haben.

Abbildung 1: Folgen Sie bei der Migration von MPLS zu SD-WAN diesen Schritten.
Abbildung 1: Folgen Sie bei der Migration von MPLS zu SD-WAN diesen Schritten.

Denken Sie aber daran, dass monatliche MPLS-Verträge äußerst teuer sein können. Carrier räumen für mehrjährige Verträge einen Nachlass von nicht weniger als 60 Prozent auf MPLS-Port-Preise ein. Sobald Sie zu einem monatsbasierten Vertrag wechseln, verlieren Sie im Allgemeinen diese Ermäßigungen.

4. Bestellen Sie Internetleitungen so schnell wie möglich

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Wenn Sie von MPLS auf SD-WAN umsteigen, bestellen Sie die Internetleitungen rechtzeitig vor dem Umstellungstag. Es stimmt, dass SD-WAN schneller als MPLS bereitgestellt werden kann, doch lassen Sie sich nicht täuschen – das gilt im Vergleich mit kostengünstigen Breitbandverbindungen. Für einen hochqualitativen, dedizierten Internetzugang benötigen Sie die richtige Glasfaser, und die Suche nach einem entsprechenden Anbieter kann fast genauso lange dauern wie die Einrichtung von MPLS.

Abbildung 2: Beispiel für einen Minimum Point of Entry (MPOE).
Abbildung 2: Beispiel für einen Minimum Point of Entry (MPOE).

Die Auswirkungen einer längeren Wartezeit können Unternehmen kalt erwischen. Einem meiner Fortune-100-Kunden riet ich, sich bei seinem Internet-Service-Provider (ISP) frühzeitig um die Installationen zu kümmern. Doch er wartete ab, und als der MPLS-Umstieg anstand, gab es keinen Internetzugang. Das Ergebnis: Am Ende zahlte der Kunde 250.000 US-Dollar mehr an MPLS-Gebühren, während er darauf wartete, dass Glasfaserkabel an den zahlreichen Standorten seines Unternehmens verlegt wurden.

Nachdem Ihre Entscheidung für die SD-WAN-Internetanbindung gefallen ist, erteilen Sie den Auftrag. Veranschlagen Sie mindestens zehn bis zwölf Wochen für die Installation der Internetleitungen. Sie müssen für jeden Standort den Minimum Point of Entry (MPOE) ermitteln. Das ist der Übergabepunkt, an dem die Kabel des Telekommunikations-Providers von außen in ein Gebäude hineinführen oder es passieren.

Dabei handelt es sich häufig um einen Kasten außen am Gebäude oder auch im Keller. Innerhalb des Gebäudes ist diese Schnittstelle üblicherweise als kleinere oder größere Box oder als Schaltschrank ausgeführt.

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