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Digitale Souveränität beginnt mit der richtigen Cloud-Strategie

Wie lassen sich Cloud-Strukturen gezielt für digitale Souveränität nutzen? Multi-Cloud, offene Architekturen und klare Datenkontrolle helfen, Innovation und Kontrolle zu verbinden.

Cloud-Technologien bilden heute die Grundlage vieler Digitalisierungsinitiativen. Unternehmen entwickeln neue Anwendungen in der Cloud und analysieren dort große Datenmengen. Außerdem integrieren sie zunehmend KI-Services in ihre Geschäftsprozesse. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Agilität, schnellere Innovationszyklen und eine hohe Skalierbarkeit.

Gleichzeitig wächst jedoch eine andere Herausforderung. Viele Unternehmen fragen sich, wie sie die Kontrolle über ihre Daten, Anwendungen und Betriebsprozesse langfristig sichern können. Genau an diesem Punkt gewinnt digitale Souveränität an Bedeutung.

Dabei geht es nicht um die Frage, ob Unternehmen Cloud-Technologien einsetzen sollten. Die eigentliche Frage lautet, wie sich die Cloud nutzen lässt, sodass Innovation und Kontrolle im Gleichgewicht bleiben.

Digitale Souveränität bedeutet Handlungsfähigkeit

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, selbstbestimmt über seine digitalen Ressourcen zu verfügen. Dazu gehört die Kontrolle über Daten ebenso wie die Kontrolle über zentrale Anwendungen und Betriebsprozesse. Digitale Souveränität umfasst die Möglichkeit, technologische Entscheidungen unabhängig zu treffen und bei Bedarf an neue Rahmenbedingungen anpassen zu können.

Diese Perspektive gewinnt an Relevanz. Geopolitische Entwicklungen, verschärfte regulatorische Anforderungen und die zunehmende Konzentration des Cloud-Marktes führen dazu, dass viele Unternehmen ihre Technologie- und Beschaffungsstrategien neu bewerten. Die Frage nach Datenhoheit steht dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Frage nach der langfristigen Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern.

Wer digitale Souveränität erreichen will, sollte deshalb sowohl seine eigenen Daten schützen als auch strategische Abhängigkeit vermeiden.

Datenhoheit wird zum Wettbewerbsfaktor

Viele Unternehmen verarbeiten geschäftskritische Informationen in Cloud-Umgebungen, doch die Anforderungen an den Umgang mit diesen Daten steigen. Nationale Gesetze und branchenspezifische Vorgaben definieren zunehmend detailliert, wie Daten gespeichert, verarbeitet und geschützt werden müssen.

Mit dem Data Act, NIS2, DORA oder dem AI Act wächst die Bedeutung eines kontrollierten Datenmanagements weiter. Unternehmen benötigen Transparenz darüber, wo ihre Daten gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann und welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten.

Digitale Souveränität setzt deshalb voraus, dass Unternehmen die Hoheit über ihre Daten behalten. Zu einer sicheren und effizienten Umgebung gehören sowohl nachvollziehbare Betriebsprozesse als auch klar definierte Verantwortlichkeiten. Ergänzt wird dies durch klare Kontrollmechanismen, die Zugriffe und Datenflüsse transparent machen, überwachen und steuerbar halten.

Eine Cloud für alles funktioniert selten

Obwohl viele Unternehmen noch immer das Ziel verfolgen, ihre IT möglichst auf einer Plattform zu konsolidieren, funktioniert eine einzige Cloud für alle Anwendungsbereiche selten. Dieser Ansatz vereinfacht zwar zunächst den Betrieb, schafft jedoch neue Risiken, da die Anforderungen stark variieren.

Eine Kollaborationsplattform benötigt völlig andere Rahmenbedingungen als ein ERP-System, während eine Entwicklungsumgebung andere Schutzmaßnahmen erfordert als die Verarbeitung personenbezogener Daten. Auch kritische Produktionssysteme verlangen nach grundlegend anderen Sicherheits- und Verfügbarkeitskonzepten als standardisierte Office-Anwendungen.

Der Schutzbedarf einer Anwendung sollte deshalb maßgeblich die Wahl des jeweiligen Cloud-Modells bestimmen. Während sich für standardisierte Workloads hochskalierbare Cloud-Services eignen, profitieren Anwendungen mit gehobenen Ansprüchen an die Verfügbarkeit sowie den Schutz und die Compliance von dedizierten Betriebsmodellen. Für besonders sensible oder stark regulierte Daten sind souveräne Cloud-Architekturen besonders relevant, die strenge Vorgaben zur Datenhoheit nebst lückenloser Zugriffskontrolle und digitaler Governance erfüllen. Die zentrale Aufgabe besteht somit darin, für jede Anwendung die exakt passende Umgebung zu wählen.

Echte Souveränität entsteht hierbei durch gezielte Differenzierung, da Unternehmen heute eine Vielzahl anspruchsvoller Ziele gleichzeitig erreichen müssen:

  • Innovation und Agilität zugleich fördern
  • Cyberrisiken zum Schutz der digitalen Infrastruktur reduzieren
  • Regulatorische Vorgaben und lückenlose Compliance einhalten
  • strategische Abhängigkeit minimieren zur Sicherung langfristiger Flexibilität

Da sich diese Anforderungen kaum mit einem einzigen Cloud-Modell abbilden lassen, etablieren sich Multi-Cloud- und Hybrid-Cloud-Strategien zunehmend als bevorzugter Ansatz. Sie ermöglichen eine klare Trennung zwischen unterschiedlichen Workloads und Schutzbedarfen, sodass weniger kritische Anwendungen von Standard-Services profitieren, während geschäftskritische Systeme in dedizierten Umgebungen laufen und sensible Daten in hochsicheren, souveränen Architekturen verarbeitet werden. Der entscheidende Vorteil dieser Strategie liegt am Ende nicht allein in der Sicherheit, sondern vor allem in einer deutlich größeren unternehmerischen Entscheidungsfreiheit.

Offene Architekturen reduzieren Abhängigkeiten

Digitale Souveränität hängt nicht nur von der Wahl des Cloud-Anbieters ab. Sie beginnt bereits bei der Architektur von Anwendungen.

Unternehmen schaffen langfristige Flexibilität durch offene Standards und portable Technologien. Container-Plattformen sowie standardisierte Schnittstellen erleichtern den Wechsel zwischen unterschiedlichen Umgebungen und reduzieren die Abhängigkeit von proprietären Plattformdiensten.

Christoph Herrnkind, WIIT AG

„Da sich diese Anforderungen kaum mit einem einzigen Cloud-Modell abbilden lassen, etablieren sich Multi- und Hybrid-Cloud-Strategien. Sie trennen Workloads und Schutzbedarfe klar: Standardanwendungen nutzen skalierbare Services, kritische Systeme dedizierte Umgebungen und sensible Daten souveräne Architekturen.“

Christoph Herrnkind, WITT AG

Dieser Aspekt gewinnt zunehmend an Bedeutung. Viele Organisationen berücksichtigen heute mögliche Exit-Szenarien bereits bei der Entwicklung neuer Anwendungen.

Ziel ist nicht, permanent einen Anbieterwechsel vorzubereiten. Es besteht darin, die Möglichkeit dazu zu erhalten.

Europäische Cloud-Anbieter gewinnen an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung europäischer Cloud-Anbieter und souveräner Cloud-Ansätze. Viele Unternehmen betrachten heute nicht mehr allein technische Leistungsmerkmale. Sie bewerten zunehmend auch den rechtlichen Rahmen der Datenverarbeitung.

Fragen nach Datenhoheit, Transparenz und Kontrollmöglichkeiten stehen stärker im Fokus als noch vor wenigen Jahren. Europäische Cloud-Modelle adressieren genau diese Anforderungen. Sie kombinieren moderne Cloud-Technologien mit klaren Zuständigkeiten, transparenten Betriebsprozessen und einer Verarbeitung von Daten innerhalb europäischer Rechtsräume.

Dadurch erhalten viele Unternehmen zusätzlich die Möglichkeit, regulatorische Anforderungen mit digitalen Innovationszielen zu verbinden.

Fazit

Digitale Souveränität entsteht nicht durch den Verzicht auf Cloud-Technologien. Sie entsteht durch deren bewussten Einsatz. Unternehmen benötigen heute keine Entscheidung zwischen Cloud und Kontrolle. Sie benötigen eine Strategie, die beides miteinander verbindet.

Wer Anwendungen differenziert betrachtet, offene Architekturen nutzt und verschiedene Cloud-Modelle gezielt kombiniert, bleibt langfristig handlungsfähig. Genau darin liegt der Kern digitaler Souveränität. Sie sichert nicht nur Compliance und Sicherheit. Sie stärkt auch die Innovationsfähigkeit in einer zunehmend digitalen Wirtschaft.

Über den Autor:
Christoph Herrnkind ist CEO der WIIT AG sowie Co-CEO der Schweizer WIIT-Tochtergesellschaft Econis AG. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung und zahlreichen Führungspositionen ist Christoph Herrnkind ausgewiesener Experte in der europäischen IT-Branche. In seiner Position als CEO der WIIT AG hat er die Expansion der WIIT-Gruppe in Deutschland und in der Schweiz maßgeblich vorangetrieben. Gemeinsam mit seinem Management-Team und in enger Kommunikation mit den Kunden entwickelt er das Portfolio des Unternehmens stetig weiter und richtet es strategisch aus, um die Position der WIIT-Gruppe als führendes europäisches Unternehmen im Bereich der Cloud für kritische Anwendungen und Infrastrukturen zu stärken und weiter auszubauen.

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