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Wo traditionelle IT der Hyperkonvergenz überlegen ist

Herkömmliches Rechenzentren sollten nicht immer dem hyperkonvergenten Ansatz weichen. Hier einige Gründe, warum traditionelle RZs besser als HCI sein können.

Hochkonvergente Infrastruktur-Rechenzentren haben in den letzten Jahren aus guten Gründen großes Interesse geweckt. Sie haben das Potenzial, Kosten zu senken und bieten gleichzeitig mehr Automatisierung, verbesserte Data Protection, vereinfachte Technologiebeschaffung und Support. Und HCI ermöglicht oft, mit einem kleineren, effizienteren IT-Personal auszukommen.

Doch trotz all dieser überzeugenden Vorteile gibt es Zeiten, in denen es sinnvoll ist, auf die HCI-Technologie zu verzichten und die dreistufige traditionelle Rechenzentrumstechnologie zu nutzen.

Im Vergleich: HCI vs. traditionelles Rechenzentrum

HCI wurde entwickelt, um Rechen-, Netzwerk- und Speicherfunktionen nahtlos in eine einzige, einheitliche Box zu integrieren. Alle diese Technologien funktionieren einzeln, obwohl sie in der gleichen physischen Einheit untergebracht sind. Dieses „Data Center in a Box“-Konzept ermöglicht die effiziente Bündelung und gemeinsame Nutzung wichtiger Ressourcen. Je nach Aufbau kann ein HCI-System auch eine Vielzahl anderer nützlicher Komponenten wie Kapazitätsoptimierung, Datenkompression, Auto-Tiering und WAN-Optimierung umfassen. Die gesamte HCI wird über eine Software verwaltet.

Eine HCI bildet oft die Grundlage für ein komplettes Software-defined Data Center (SDDC). Der Hauptunterschied besteht darin, dass eine Orchestrierungsschicht hinzugefügt wird, die eine richtliniengesteuerte Automatisierung und Verwaltung bietet. Die Orchestrierungsschicht ermöglicht eine proaktivere Überwachung, eine automatisierte Richtlinienverwaltung und automatisierte Bereitstellung sowie eine effektivere Kapazitätsplanung. Selbst dann haben viele Unternehmen vielleicht noch gute Gründe, sich für ein herkömmliches Rechenzentrum zu entscheiden.

Vorteile und Herausforderungen einer hyperkonvergenten Infrastruktur
Abbildung 1: Vorteile und Herausforderungen einer hyperkonvergenten Infrastruktur

„Je nach Art der im Rahmen des SDDC-Szenarios verwendeten Managementsysteme kann es viele Vorteile bei der Bereitstellung in einem traditionelleren Rechenzentrum geben“, meint Jack Pouchet, Vice President of Business Development bei Vertiv, einem Anbieter von Rechenzentrumsausrüstung und -dienstleistungen.

Zu den Vorteilen eines herkömmlichen Rechenzentrums gehören laut Pouchet die folgenden:

  • Nicht alle IT-Ressourcen sind Plug-and-Play-kompatibel mit SDDC-Managementsystemen.
  • Viele Unternehmen verwenden weiterhin Legacy-Systeme, insbesondere Speichergeräte, bei denen die mit der Migration verbundenen Kosten und Sicherheit die wahrgenommenen Vorteile überwiegen können.
  • Es ist einfacher, Hardwarelieferanten nach Bedarf mit einem traditionellen Rechenzentrum zu kombinieren.
  • SDDC führt einen weiteren Bedrohungsvektor ein – vielleicht mehrere, je nach Implementierung – für Cyberangriffe.
  • Ein Wechsel zu HCI bedeutet Personalkosten im Zusammenhang mit dem Implementierungsprozess und Investitionen in neue Hard- und Software, die stattdessen in zusätzliche Speicher oder Switching-Hardware investiert werden könnten.
  • Eine hyperkonvergente Infrastruktur kann auch Kosten im Zusammenhang mit Betriebsmanagementsystemen, Protokollen und Audits beinhalten.

Überwindung von Hindernissen

Faktoren, die viele Unternehmen davon abhalten, ein traditionelles Rechenzentrum zu nutzen, wie zum Beispiel Strom- und Kühlkostenprobleme, fallen zunehmend weg.

HCI wurde entwickelt, um Rechen-, Netzwerk- und Speicherfunktionen nahtlos in eine einzige, einheitliche Box zu integrieren.

„Wir sehen weltweit eine Zunahme der Fläche des Rechenzentrums und/oder der Rack-Fläche, die den Speicheranwendungen zugewiesen wird“, sagt Pouchet. „Wenn dies von Anfang an geplant ist, kann dies zu optimalen Kühlzonen im Rechenzentrum mit thermischem Lastausgleich führen, um den niedrigeren Kilowatt-Belastungen, die typischerweise im Speicher vorkommen, mit thermischen Zonen höherer Dichte für IT-Workloads gerecht zu werden."

Pouchet stellt auch fest, dass Datenhoheits- und Datenschutzbestimmungen einen Bedarf an lokaler oder regionaler Datenspeicherung schaffen, die zweckgebunden sind und fast ausschließlich aus Storage sowie nur wenig Compute-, Such- oder Networking-Ressourcen für die Administration bestehen.

„Im Rechenzentrum gibt es einen Trend, Daten, die einmal verwendet oder von der lokalen IT-Anwendung erzeugt wurden, so schnell wie möglich vom Cache auf die SSD zu migrieren“, erläutert Pouchet. „Dann migrieren Sie je nach Datenvolumen, Komplexität, Anwendung, geschäftlichen oder gesetzlichen Anforderungen auf einen Langzeitspeicher (cold oder kalter Storage), entweder vor Ort, in der Nähe des Standorts oder bei einem externen Speicherdienstleister.“

Die globale Datenexplosion aus Milliarden von drahtlosen und vernetzten Geräten erzeugt Zettabytes von Daten. Fürs Erste werden diese Daten gespeichert, bis die rechtlichen und sozialen Aspekte der Datenspeicherung und -löschung richtig ausgearbeitet sind, sagt Pouchet. „Bis dahin werden unzählige Katzenvideos neun Milliarden Leben erleben“, so seine Meinung.

Fazit

Wenn es um Rechenzentren geht, gibt es keine Einheitslösung. Allerdings dürften einige Trends bei uns bleiben, so Pouchet.

Die Anforderungen an die Datenspeicherung werden nicht weniger. Darüber hinaus werden die Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Integrität voraussichtlich steigen, während sich die Datengenerierung weiter beschleunigen wird. „Schauen Sie sich daher Systeme, Designs und Architekturen an, die das Potenzial haben, Ihnen das Leben in Zukunft leichter zu machen“, mahnt Pouchet. Und diese finden sich vielleicht eher in traditionellen Rechenzentren als in HCIs.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2019 aktualisiert

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