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Vier mögliche Problemfelder bei der Fehlersuche in VDI-Umgebungen

Die Fehlersuche in VDI-Umgebungen betrifft vier Problemfelder: Infrastruktur, VDI-Plattform, Persona-Management sowie Performance-Probleme.

Probleme mit VDI-Bereitstellungen (Virtual Desktop Infrastructure) sind aus einem einfachen Grund unvorhersehbar: Das Verhalten von Anwendern ist unvorhersehbar. Ein Server im Rechenzentrum wird für eine konsistente Aufgabe eingesetzt, die sich nur dann ändert, wenn jemand die dafür verwendete Applikation verändert.

Virtuelle Desktops dagegen werden von Menschen genutzt, und es ist unmöglich vorherzusagen, wie sie die Desktops verwenden. Zusammen mit der komplexen technischen Basis von VDI-Umgebungen ist es klar, dass IT-Abteilungen bei VDI-Problemen auf ganz andere Art auf Fehlersuche gehen müssen als bei Problemen mit der übrigen IT.

Probleme mit VDI-Bereitstellungen fallen meistens unter eine der folgenden vier Kategorien: Persona-Management, Performance, Infrastruktur und Plattform. Allerdings überschneiden sich die Problemfelder auch oft, so dass ein Infrastrukturproblem zum Beispiel auch die Performance beeinträchtigen kann. Trotzdem hat jede Problemkategorie ihre eigene Charakteristik.

Persona-Management

Die Fehlersuche in VDI-Umgebung beginnt oft damit, dass sich Anwender über sehr lange Ladezeiten oder fehlende Dateien ihrer virtuellen Maschinen beschweren. Egal ob IT-Abteilungen native Tools zum Persona Management wie VMware Horizon View Persona Management oder Citrix User Profile Management, Drittanbieter-Tools wie Liquidware Labs Profile Unity, Unidesk, AppSense oder gar Active-Directory-Gruppenrichtlinien verwenden, einige Fragen sollte in diesem Zusammenhang immer gestellt werden.

In den meisten Fällen beinhaltet das Management von Nutzerprofilen die Weiterleitung von Daten, temporären Dateien und Benutzereinstellungen, die auf einem Netzwerklaufwerk abgespeichert sind. Sobal sich Anwender über die Performance beschweren kann es also nicht schaden, sich die Verbindungsarchitektur in einem Diagramm zu veranschaulichen.

Wenn die Datei-Weiterleitung auf einem NAS gespeichert ist, sollte das Netzwerk zwischen NAS und VM schnell genug sein, um Anwenderdaten während eines Log-ins zu übertragen. Wie sieht es mit dem zugrundeliegenden Storage aus? Gibt es hier genug Reserven bei Datendurchsatz und IOPS für Lastspitzen, wenn sich Anwender an- oder abmelden?

Wennn sich VDI-User über fehlende Applikationen beschweren, dann sollten sich IT-Abteilungen fragen, ob sie überhaupt über die richtigen Tools zur Bereitstellung von Anwendungen durch Fachabteilung oder Nutzer verfügen. Falls die verwendete Lösung zum Persona Management diese Anforderung gar nicht erfüllt, dann sollte über einen Wechsel nachgedacht werden. Eine weitere Unzulänglichkeit mit Persona-Management-Tools offenbart sich, wenn Anwender Probleme mit dem Zugriff auf gespeicherte Anpassungen haben, sobald ein virtueller Desktop-Pool neu zusammengestellt wurde.

Performance-Probleme

Die Performance virtueller Desktops kommt vor allem bei grafikintensiven Workloads wie CAD-Berechnungen (Computer Aided Design), 3D-Modelling oder Video-Rendering schnell an ihre Grenzen, was eine weitere Ursache für Beschwerden sein kann. Diese Art negativer Rückmeldung kommt aber meist von einer kleinen Anwendergruppe wie Designern oder Ingenieuren oder auch von einigen wenigen Abteilungsleitern mit Systemanforderungen, die über die Ansprüche normaler Anweder hinausgehen.

Daher kann es eine Lösung sein, spezielle Anwendergruppen in dedizierten VDI-Pools mit leistungsstärkerer Ausstattung zusammenzufassen und ihnen ein entsprechend zugeschnittenes Master-Image zur Verfügung zu stellen. Dabei sollte auf mehr virtuellen Arbeitsspeicher, einer höheren maximalen Auflösung und der Unterstützung für mehrere Bildschirme geachtet werden.

Bei der Erstellung dieses hochperformanten Master-Images sollte aber nicht zu großzügig mit virtuellen Prozessoren umgegangen werden. So verführerisch die Idee ist, einfach ausreichend vCPUs zuzuweisen, so schnell kann sich diese Strategie auch negativ auswirken, wenn die vCPUs auf Rechenzeit des physischen Prozessors warten müssen. Wenn VDI-Admins bereits mehr als zwei virtuelle CPUs pro VDI-VM vergeben haben, sollte diese Konfiguration nochmals überdacht werden. Gleichzeitig sollten auch Vorgaben der CPU-Affinität überdacht werden, weil dadurch nicht – wie oft fälschlicherweise gedacht – ein CPU-Kern einer spezifischen virtuellen Maschine zugeordnet wird, sondern durchaus Performance-Nachteile entstehen können.

Wenn eine VDI-Umgebung groß genug ist, können Anwender mit anspruchsvollen Workloads auch zusammengefasst werden. Diese Anwendergruppen können dann mit hardwarebasierten Accelerator-Karten (APEX) oder mit NVIDIA-GRID-GPUs ausgestattet werden, um die Performance dieser virtuellen Desktops zu verbessern.

Infrastrukturüberlegungen

Auf Ebene der Infrastruktur geht es bei der Fehlersuche oft einfach um zu knappe Ressourcen. Daher sollte man sich die VDI-Umgebung zu Zeiten hoher Auslastung ansehen und dabei CPU, Arbeitsspeicher, Storage und Switches der Hosts analysieren.

Zwischen VDI-Hosts und Storage-Array sollte mindestens eine 10-GbE-Verbindung bestehen. Sofern das Array ein so hohes Level an Datendurchsatz und IOPS nicht unterstützt oder 10 GbE einfach keine Option ist, dann gibt es auch andere Möglichkeiten, die Performance der Infrastruktur zu erhöhen. Zum Beispiel könnten die Hosts mit SSDs ausgestattet und Hypervisor-Level Caching aktiviert werden, um für Storage und Netzwerk einen Leistungsschub zu realisieren.

Ein oft übersehenes Problem in der Infrastruktur sind die VDI-Endpunkte. So könnten beispielsweise ältere Thin Clients nicht ausreichend Rechenkraft für neuere Broker-Software haben und deshalb Memory-Fehler anzeigen. Auch die USB-Redirection funktioniert oft nicht mit älteren Geräten.

Probleme mit der VDI-Plattform

Bei der Fehlersuche in VDI-Umgebung sollte auch immer auf einheitliche Versionen zwischen den eingebauten VM-Tools, den Brokern und dem Client geachtet werden. Probleme entstehen zum Beispiel oft dadurch, dass die VDI-Software, etwa VMware Horizon, auf eine neue Version aktualisiert wurde, aber niemand die Version der VMware Tools oder des Horizon View Agent aktualisiert hat. Oft sind auch die Softwarestände auf dem Server aktuell, während die Client-Endpunkte drei Versionsstände hinterherhinken.

Eine nützliche Sache bei der Fehlersuche auf Plattformebene sind auch Benchmark-Tools für VDI-Umgebungen. Viele IT-Abteilungen verfügen zwar über Tools zur Performance-Messung der Infrastruktur, aber oft fehlen genau die gleichen Tools für VDI-Umgebungen. Unternehmen wie Liquidware Labs, Manage Engine, SolarWinds oder Login VSI bieten Drittanbieter-Tools zum VDI-Benchmarking. Zudem bieten aber auch die meisten VDI-Anbieter inklusive VMware, Citrix und Microsoft native Monitoring-Tools für ihre Produkte.

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Artikel wurde zuletzt im September 2016 aktualisiert

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