Technologien zur Prozessautomatisierung: RPA, BPA und DPA

RPA, BPA, DPA und IPA sind Automatisierungstechnologien, die auf dem Vormarsch sind. Doch wie unterscheiden sie sich? Wir erklären die Grundlagen und die wichtigsten Unterschiede.

Prozesstransformation und -automatisierung haben für CIOs hohe Priorität. Eine globale CIO-Umfrage von Deloitte ergab zum Beispiel, dass IT-Führungskräfte Prozesstransformation und -automatisierung als ihren Hauptschwerpunkt für die digitale Transformation betrachten. 69 Prozent der 1.437 der an der Studie teilgenommen Führungskräfte nannten dies als Priorität – vor allen anderen Bereichen.

Gartner berichtet gleichzeitig, dass das Interesse der Unternehmen an Prozesstransformation die Nachfrage nach Software für Robotic Process Automation (RPA) ankurbelt, wobei der Umsatz im Jahr 2018 um 63,1 Prozent auf 846 Millionen US-Dollar gestiegen ist im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahr 2019 ist der Umsatz weiter auf 1,3 Milliarden US-Dollar gewachsen.

RPA ist nur eine von vielen Prozessautomatisierungstechnologien, die Unternehmen implementieren, um organisatorische Ziele zu erreichen, von Effizienzsteigerungen bis hin zur digitalen Transformation. Der aufblühende Automatisierungsbereich umfasst zahlreiche Softwareoptionen – und entsprechende Akronyme von BPA über RPA bis hin zu DPA –, von denen jede die Transformation eines Teils des Unternehmens verspricht.

Abbildung 1: Welche Vorteil RPA-Technologie bietet.
Abbildung 1: Welche Vorteil RPA-Technologie bietet.

Die Liste der Prozessautomatisierungstechnologien hat jedoch auch zu unterschiedlichen Interpretationen und Definitionen geführt, was auf dem Markt zu Meinungsverschiedenheiten und sogar zu Verwirrung darüber geführt hat, was genau die einzelnen Technologien bedeuten.

Robotic Process Automation (RPA)

RPA repräsentiert einen bedeutenden Teil des Automatisierungsmarktes, wie die Gartner-Statistiken zeigen. Die Analysten sind sich darin einig, dass diese Technologieklasse für einen zielgerichteten Einsatz gedacht ist, um wiederholende Aufgaben zu automatisieren, wobei ihre Hauptvorteile in einer höheren Effizienz, niedrigeren Kosten und weniger Fehlern liegen – und das alles, indem menschliche Tätigkeiten durch Bots ersetzt werden.

„Bots kommunizieren mit Geschäftssystemen, um Prozesse zu rationalisieren und die Belastung der Menschen zu verringern. Doch RPA besitzt von Natur aus keine Intelligenz. Ein eigenständiges RPA verfügt weder über künstliche Intelligenz noch über maschinelles Lernen. Es kann einen Menschen nachahmen, hat aber keine Entscheidungs- oder Urteilsfähigkeit“, erklärt Anurag Saxena, Partner für Automation und Cognitive beim Technologieforschungs- und Beratungsunternehmen ISG.

„Bei RPA geht es darum, Aufgaben zu automatisieren, um taktische Effizienz zu erreichen“, sagt Craig Le Clair, Vice President und Principal Analyst bei Forrester Research und Autor des Buches Invisible Robots in the Quiet of the Night: How AI and Automation will Restructure the Workforce.

Le Clair weist darauf hin, dass Geschäftsanwender einen Großteil der RPA-Einführung vorantreiben. „Viele Geschäftsbereichsleiter beauftragen externe Berater und IT-Servicefirmen, um RPA-Plattformen zu implementieren und Bots nach den individuellen Bedürfnissen des Unternehmens zu konfigurieren. Es ist viel stärker geschäftsorientiert als die anderen Technologien.“

Digital Process Automation (DPA)

Forrester verwendet den Begriff Digital Process Automation (DPA) als Ersatzbegriff für Business Process Management (BPM).

„DPA automatisiert einen Prozess von Anfang bis Ende“, sagt Le Clair und fügt hinzu, dass DPA-Technologien für Prozesse verwendet werden, die länger und komplexer sind als die Aufgaben, die von RPA bewältigt werden. Diese Prozesse enthalten in der Regel eine Vielzahl von Entscheidungen, die bei Verwendung von RPA Bots erzeugen würden, die zu lang und zu schwierig zu warten sind.

„In der DPA-Welt geht es darum, einen Prozess zu transformieren; es geht darum, einen neuen Prozess zu schaffen“, erläutert der Analyst. „DPA hat eher eine weitere Ende-zu-Ende-Sicht auf einen Prozess, und wir gehen davon aus, dass es sich mit der Zeit immer weiter verbessert.“

In dem Bericht RPA, DPA, BPM, And DCM Platforms: The Differences You Need To Know, bezeichnen die Forrester-Analysten BPM-Suiten als DPA und nennen als weitere Optionen entweder DPA Deep oder DPA Wide.

DPA Deep wird als Automatisierung beschrieben, die einen Geschäftsprozess transformiert und verbessert und aufgrund der Komplexität qualifizierte Technologien zur Implementierung erfordert.

Andererseits beschreibt Forrester DPA Wide als das Ziel, „das Prozessdesign über kleine, hochqualifizierte Entwicklungsgruppen hinaus auf Geschäftsanwender auszudehnen“, und weist darauf hin, dass diese Projekte „vom Unternehmen verwaltet und unter Verwendung von Low-Code-Plattformen und agilen Methoden durchgeführt werden sollten.“

RPA versus BPA versus DPA versus RDA

Business Process Automation (BPA) wird von einigen Experten als Oberbegriff für das Spektrum der Prozessautomatisierungstechnologien verwendet. Es gibt jedoch unterschiedliche Meinungen zu diesem Begriff wie auch zu anderen im Bereich der Automatisierung.

Abbildung 2: In welchen Branchen RPA zum Einsatz kommt.
Abbildung 2: In welchen Branchen RPA zum Einsatz kommt.

Zum Beispiel sagt Gina Schaefer, Managing Director bei Deloitte Consulting LLP, dass die verschiedenen Begriffe – DPA, BPA und RPA – praktisch austauschbar sind.

„Digital, Business und Process Automation sind im Wesentlichen dasselbe. Wenn sie richtig angewendet werden, beziehen sie sich auf eine umfassende Ende-zu-Ende-Prozessautomatisierung“, erläutert sie. „Insbesondere beziehen sich diese Begriffe auf die Verwendung von skriptgesteuerter Automatisierungssoftware zur Nachahmung menschlicher Handlungen bei der Ausführung regelbasierter Aufgaben, bei denen eine Person typischerweise auf Daten aus mehreren Anwendungen zugreift und diese verarbeitet.

Inzwischen definieren andere DPA ähnlich wie Forrester, fügen aber ihre eigenen Unterscheidungen hinzu. Pegasystems verweist zum Beispiel auf seiner Website darauf, dass DPA kein anderer Name für BPM ist, und es stärker um RPA geht. „DPA ist eine Ende-zu-Ende-Strategie für die digitale Transformation.“

Schaefer bietet auch eine weitere alternative Definition für DPA an: Desktop Process Automation. Auch bei diesem Prozess gibt es Variationen. Einige Anbieter, die den Begriff Desktop-Automatisierung nutzen, wenden ihn speziell auf Softwareroboter an, die sich im individuellen Computer eines Mitarbeiters befinden, wo die Bots bestimmte Aufgaben ausführen. Andere Anbieter verwenden den Begriff Robotic Desktop Automation (RDA), um kleine RPAs für Desktop-Anwendungen zu beschreiben.

Zusätzliche Technologien

Technologien zur Prozessautomatisierung stützen sich häufig auf andere Technologien, darunter Natural Language Processing (NLP), die künstliche Intelligenz zur Interpretation menschlicher Sprache nutzt, um Prozesse in die richtige Richtung zu lenken sowie optische und intelligente Zeichenerkennung, um geschriebenen und gedruckten Text zu erkennen und in standardisierte Daten umzuwandeln, mit denen Automatisierungssysteme Prozesse durchlaufen können.

Neue Lösungen erweitern die Liste der Prozessautomatisierungstechnologien und der entsprechenden Akronyme, die CIOs sortieren und analysieren müssen, noch weiter. Eine dieser neuen Technologien ist Intelligence Process Automation (IPA).

Laut Saxena stellt IPA eine Weiterentwicklung von RPA dar, bei der die Technologie mit Intelligenz wie Machine Learning und KI kombiniert wird, um den automatisierten Prozess „intelligent“ zu machen.

McKinsey & Co. beschreiben IPA als eine neu entstehende Reihe von Technologien, die eine grundlegende Neugestaltung von Prozessen mit [RPA] und maschinellem Lernen kombiniert.

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