SDN-Monitoring benötigt ein Umdenken bei Netzwerk-Administratoren

SDN wird kommen, das ist aus Sicht unseres Netzwerkexperten Leon Adato sicher. Das SDN-Monitoring bedarf aber noch eines Entwicklungsprozesses.

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mich mit dem Netzwerkexperten Greg Ferro zu unterhalten. Dabei haben wir über die Schnittpunkte von Netzwerk-Monitoring und Software-defined Networking (SDN) diskutiert.

Das Gespräch drehte sich aber nicht um die Vor- und Nachteile bestimmter SDN-Tools. Dafür ist das Spielfeld noch nicht stabil genug. Wenn man so will, wurde der Rasen sogar erst vor wenigen Stunden ausgerollt und die Spieler wissen immer noch nicht, welche Farbe die Trikots haben.

Stattdessen sprachen wir darüber, warum sich Netzwerkprofis mit SDN beschäftigen sollten und wie die aktuellen Monitoring-Techniken für das Netzwerk in das Szenario passen. Die Frage kam auf: Wenn diese Techniken nicht mehr zeitgemäß sind, welche Arten von Monitoring-Techniken wird man für die Netzwerke von morgen benötigen?

Der Übergang zu einem intelligenten Netzwerk

Ich denke, dass die meisten von uns grob wissen, was SDN ist. Ein Software-Controller sowie nicht proprietäre Hardware steuern die Art, wie Daten durch ein Netzwerk geleitet werden. Durch den Controller verändern die Geräte im Netzwerk dynamisch Elemente wie zum Beispiel den idealen Netzwerkpfad, die Quality of Services (QoS) und zugelassene Datentypen. Das ist zwar schön, doch die meisten von uns fragen sich: Warum sollte ich das nutzen, wenn die Kosten hierfür deutlich höher sind? Zudem bedarf es einer Lernkurve, um das Thema zu verstehen.

Die Antwort darauf ist relativ einfach. Die Geschwindigkeit der heutigen Geschäftswelt gestattet einfach nichts anderes. Alles beim Alten zu lassen - also den Ist-Zustand verwalten - wird auf lange Sicht nicht funktionieren. Das gilt vor allem in einer Welt, in der Server, Storage und Applikationen virtualisiert werden.

Ein weiterer Grund, warum wir uns schon heute mit SDN beschäftigen müssen, kam während meines Gesprächs mit Ferro zum Vorschein. Er hat als Beispiel einen CEO genannt, der in eine Abteilung mit 100 Angestellten kommt und 50 davon sitzen untätig herum. Er möchte natürlich wissen, warum sie nicht arbeiten. Als Antwort erhält er vom Abteilungsleiter: Das sind Backup-Mitarbeiter, falls die anderen 50 nicht verfügbar sind.

Damit wäre dieser Mitarbeiter wohl die längste Zeit Abteilungsleiter gewesen. Betreiben wir aber nicht genau dieses Spiel mit Backup-Komponenten, die überall verstreut sind? In der heutigen Zeit haben wir bereits redundante Pfade und mehrere Routen. Deswegen sind heutige Backup-Pfade genau genommen aus dem Fenster geworfenes Geld.

Netzwerk- und SDN-Monitoring haben eine symbiotische Beziehung

Werfen wir einen Blick auf das Netzwerk-Monitoring. Wie wirkt sich das heute betriebene Netzwerk-Monitoring auf SDN aus? Wichtiger ist aber noch: Welchen Einfluss hat SDN auf die Monitoring-Techniken von morgen?

Mehr zum Thema SDN:

WLAN der nächsten Generation: Wie SDN die drahtlose Landschaft verändert.

SDN kann IoT-Geräte unterstützen.

Was ist der Unterschied zwischen einem Overlay-Netzwerk und SDN?

Fünf Gründe warum IT-Profis noch nicht für SDN-Investitionen bereit sind.

Um eine Antwort darauf zu geben, muss ich vorher darauf hinweise, dass SDN immer noch im Entstehen ist. Standards, Optionen für die Implementierung und Anbieter befinden sich derzeit in einem Marketing-Hype. Es sind Theorien, anbieterspezifische Lösungen, Träume und Revisionen von Spezifizierungen.

Was ich auf jeden Fall aus der Konversation mit Ferro zum Thema Montoring mitgenommen habe ist, dass es sich größtenteils um das Zuhören dreht. Man wartet auf Ereignise wie Traps und System-Logs, fragt die Systeme via SNMP nach Werten, arbeitet  mit Windows Management Instrumentation (WMI), verbindet sich mit Terminal-Sitzungen und liest verschiedene Werte vom Bildschirm ab. Auch vom Anbieter-APIs müssen an dieser Stelle genannt werden. Bei SDN geht es hingegen mehr um die Tätigkeit. Man ändert beispielsweise Routen dynamisch für den gesamten oder einen Teil des Traffics und aktualisiert QoS-Richtlinien.

Es ist offensichtlich, dass SDN überwacht werden muss. Einiges davon wird mit neuen Funktionen wie NetCONF und YANG gelöst. In der IT und speziell in der Netzwerkbranche hassen wir es aber, die Vergangenheit hinter uns zu lassen. Das gilt vor allem dann, wenn sie funktioniert, skalierbar ist und gut verstanden wird. Behalten Sie das im Hinterkopf, können Sie vielleicht ruhiger schlafen. Nichts wird über Nacht verschwinden. In der Tat ist es so, dass bei der Ausarbeitung der Standards keine SNMP Object Identifier verdrängt wurden. Daraus resultiert auch, dass Syslog und Traps nicht eingestampft werden.

Neue Protokolle bringen neue Wendungen mit sich

Werden diese erweitert? Mit Sicherheit. Werden sie verbessert? Wahrscheinlich. Aber das unterscheidet sich kaum davon, wie jedes neue Protokoll und jede neue Hardware ebenfalls neue Wendungen mit sich bringen. Einen kleinen Unterschied gibt es aber dennoch. Nehmen wir als Beispiel die Einführung von NetFlow. Damit sind  die Monitoring-Daten des SDNs plötzlich Teil der Feedback-Schleife. Wenn man eine Veränderung in den Datenmustern sieht, wird eine entsprechende Änderung eingeleitet. Ruft diese Änderung weitere Modifikationen in den Datenflussmustern hervor, wird möglicherweise eine weitere Änderungen initiiert.

Was sollten Sie aus dem Artikel mitnehmen? Das ist einfach erklärt. Auch wenn es derzeit nur ein Marketing-Hype ist, wird SDN kommen und ins Data Center einziehen. Das ist eine gute Sache und bedeutet, dass sowohl Netzwerk als auch Netzwerk-Monitoring besser werden.

Über den Autor:
Leon Adato arbeitet als Head Geek und Technical Product Marketing Manager bei SolarWinds, einer in Texas basierten IT-Management-Software-Firma. Er hat mehr als 25 Jahre IT-Erfahrung; unter anderem war er 14 Jahre lang in den Bereichen Systems Management, Monitoring- und Automation-Systeme für Server, Netzwerke und das Web tätig.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Erfahren Sie mehr über Software-defined Networking

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close