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Drei Hyperscaler, drei Philosophien: welche passt zu Ihnen?

Ob Azure, AWS oder Google Cloud – die Hyperscaler-Wahl prägt die IT-Architektur. Eine strukturierte Anforderungsanalyse ist die Grundlage für eine zukunftsfähige Zielarchitektur.

Cloud-Technologie bildet heute das Fundament digitaler Geschäftsmodelle. Dennoch treffen viele Unternehmen die Entscheidung für einen Hyperscaler nicht strategisch, sondern aus pragmatischen Gründen: Wer beispielsweise bereits Microsoft-Kunde ist, bucht Azure über das bestehende Enterprise Agreement hinzu. Bequem, aber kurzsichtig.

Denn mit der Wahl der Cloud-Plattform legen Unternehmen fest, auf welcher technischen Basis sie in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren operieren. Die Entscheidung beeinflusst KI-Strategien, Datenarchitekturen und Sicherheitskonzepte ebenso wie die digitale Souveränität. Vergleichbar mit der Einführung eines ERP-Systems verdient sie eine entsprechend gründliche Vorbereitung.

Anforderungsanalyse statt Bauchentscheidung

Eine fundierte Hyperscaler-Wahl beginnt nicht mit dem Vergleich von Preislisten, sondern mit einer strukturierten Bedarfsanalyse. Welche Business-Anforderungen bestehen aus den Fachabteilungen heraus? Welche Probleme soll die Cloud lösen, welche Use Cases ermöglichen? Dabei gilt es, sowohl kurzfristige Ziele zu betrachten, als auch künftige Entwicklungen einzubeziehen. KI mag heute noch kein Thema sein, kann aber morgen geschäftskritisch werden. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann später schneller agieren.

Diese Anforderungsanalyse überfordert viele Unternehmen. Intern fehlt häufig der Überblick über die tatsächlichen Möglichkeiten der verschiedenen Plattformen. Zudem sind die eigenen IT-Teams im Tagesgeschäft gebunden. An dieser Stelle zahlt sich die Zusammenarbeit mit externen Spezialisten aus. In gemeinsamen Workshops lassen sich Use Cases identifizieren und eine passgenaue Cloud-Roadmap entwickeln. Ein neutraler Blick von außen hilft, Betriebsblindheit zu überwinden und die Transformation strategisch anzugehen.

Was Azure, AWS und Google Cloud unterscheidet

Die drei großen Hyperscaler mögen auf den ersten Blick austauschbar wirken. Wer genauer hinsieht, erkennt jedoch deutliche Unterschiede in Ausrichtung und Stärken. Diese Unterschiede wurzeln in der jeweiligen Unternehmensgeschichte.

Microsoft kommt aus dem Softwareproduktgeschäft. Windows, Office, Microsoft 365 – das Unternehmen begleitet Anwender seit Jahrzehnten am Arbeitsplatz. Azure spiegelt diese Herkunft wider: Die Plattform glänzt überall dort, wo enge Verzahnung mit der Office-Welt und der internen IT gefragt ist. Bei KI setzt Microsoft konsequent auf die Partnerschaft mit OpenAI und integriert Copilot tief in das Microsoft-365-Ökosystem.

Amazon Web Services (AWS) hingegen entstand aus den Anforderungen des E-Commerce-Geschäfts von Amazon. Die Microservices-Architektur des Webshops prägt die Plattform bis heute. AWS entwickelt radikal kundenorientiert: Über 96 Prozent aller Features gehen auf konkrete Nutzeranforderungen zurück. Unternehmen, die selbst Software entwickeln, KI-Modelle trainieren oder eigene Plattformen aufbauen, finden hier ein passendes Umfeld.

Google schließlich kennt nichts anderes als die Cloud. Aus Suche, Gmail und Workspace ist eine Plattform gewachsen, die Cloud-native Services von Grund auf denkt. Im KI-Bereich gehört Google zu den Pionieren, bei Datenanalyse setzt BigQuery Maßstäbe. Wer Analytics-Projekte plant oder datengetriebene Geschäftsmodelle entwickelt, findet in der Google Cloud einen starken Partner.

Die passende Cloud für den jeweiligen Fokus

Aus diesen Unterschieden ergeben sich klare Orientierungspunkte. Wer auf Büro-Anwendungen und enge Verknüpfungen mit dem Microsoft-Universum setzt, für den ist Azure die erste Wahl. Im Office-Bereich bietet lediglich Google mit Workspace eine ernstzunehmende Alternative. Wer dagegen eine E-Commerce-Plattform aufbauen, kundenorientierte Lösungen entwickeln oder KI-Projekte umsetzen möchte, wählt meist AWS oder Google Cloud.

Diese Zuordnung ist keine starre Regel. Jedes Unternehmen hat individuelle Anforderungen, die eine differenzierte Betrachtung erfordern. Genau hier liegt der Mehrwert externer Beratung: Ein erfahrener Partner kennt die Stärken und Schwächen aller Plattformen aus hunderten Projekten und kann objektiv einordnen, welche Umgebung zu welchem Anwendungsfall passt.

Best-of-Breed statt Vendor-Lock-in

Die Wahl eines favorisierten Hyperscalers bedeutet nicht, sich auf einen einzigen Anbieter zu beschränken. Der Trend geht zu Multi-Cloud-Architekturen, die verschiedene Plattformen in einem Best-of-Breed-Ansatz kombinieren. So können Unternehmen für jeden Anwendungsfall die beste Lösung auswählen und Vendor Lock-in vermeiden.

Auch wer eine Multi-Cloud-Architektur anstrebt, legt mit dem ersten Hyperscaler aber die Haupt-Cloud fest, von der aus sich die Infrastruktur verzweigt. Hier gilt es abzuwägen, wie stark man sich von einem einzigen Anbieter abhängig machen möchte und wo Vorteile und Risiken liegen. Diese Abwägung erfordert sowohl technisches als auch wirtschaftliches Know-how – eine weitere Aufgabe, bei der externe Expertise den Unterschied macht.

Souveränität realistisch bewerten

Die Debatte um digitale Souveränität verstärkt die Nachfrage nach souveränen Cloud-Lösungen. Sowohl Google als auch Amazon und Microsoft bieten mittlerweile dedizierte Sovereign Clouds für den europäischen Markt an. Diese Umgebungen unterliegen vollständig der europäischen Jurisdiktion und werden ausschließlich von europäischen Mitarbeitenden betrieben. Alle Daten werden in Europa gespeichert und verarbeitet, ohne dass Metadaten in die USA abfließen.

Allerdings sind souveräne Clouds teurer als herkömmliche Public Cloud Services. Daher sollte man genau prüfen, welche Workloads dieses hohe Schutzniveau tatsächlich benötigen. Auch in den Public Clouds lassen sich Daten durch Verschlüsselung schützen, wobei der Schlüssel in der Hoheit des Kunden bleibt. Google Cloud und AWS ermöglichen Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bis auf den Prozessor.

Die beste Strategie besteht darin, zunächst die eigenen Anforderungen genau zu prüfen: Welche Workloads dürfen in die Public Cloud, welche erfordern eine souveräne Cloud, welche sollten lokal im eigenen Rechenzentrum bleiben? Diese Klassifizierung ist komplex und erfordert sowohl technisches als auch regulatorisches Verständnis.

Jede Cloud erfordert eigene Expertise

Ein Punkt wird häufig unterschätzt: Jeder Hyperscaler hat seine Besonderheiten. Ein Pilot benötigt für jede Flugzeugklasse eigene Zertifizierungen, da Cockpit und Instrumente völlig unterschiedlich sind. Ganz ähnlich verhält es sich mit der Cloud. Wer eine Multi-Cloud-Architektur anstrebt, braucht Expertenwissen in allen eingesetzten Umgebungen.

Dieses Know-how im eigenen Haus aufzubauen ist aufwendig, zumal Cloud-Experten auf dem Arbeitsmarkt schwer zu finden sind. Viele Unternehmen lagern das Cloud-Management daher als Managed Service aus. Das entlastet die interne IT und stellt sicher, dass zertifizierte Spezialisten die Umgebung betreuen.

Aus wirtschaftlicher Sicht bietet die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Cloud-Partner weitere Vorteile. Sowohl Microsoft als auch Google und Amazon bieten finanzielle Unterstützungsprogramme für Cloud-Migrationen an. Der Hyperscaler übernimmt dann einen Teil der Migrationskosten, etwa für Assessments, Proof of Concepts oder Beratungsleistungen. Meist umfasst das Paket auch Credits für Compute- oder Storage-Ressourcen.

Alexander Müllner-Gilli, SoftwareOne

„An der Cloud führt kein Weg vorbei. Doch die Wahl des Hyperscalers ist keine operative, sondern eine strategische Entscheidung. Azure eignet sich für Unternehmen mit tiefem Microsoft-Fokus, Google punktet mit KI- und Analytics-Kompetenz, AWS richtet sich an entwicklungsorientierte Organisationen.“

Alexander Müllner-Gilli, SoftwareOne

Das Funding ist zweckgebunden und hängt vom erwarteten Cloud-Volumen ab. Ein erfahrener Partner kann das beste Funding aushandeln und das Projekt so orchestrieren, dass der Umzug in die Cloud nahezu kostenneutral erfolgt. Ohne entsprechende Kontakte und Erfahrung bleiben diese Möglichkeiten oft ungenutzt.

Den richtigen Partner finden

Bei der Wahl des Cloud-Partners sollten Unternehmen darauf achten, dass dieser die Transformation ganzheitlich begleitet – von der technischen und wirtschaftlichen Beratung über die Lizenzierung und das Funding bis hin zur Umsetzung und zum späteren Betrieb. Entscheidend ist ein Team, das seit Jahren mit allen großen Hyperscalern zusammenarbeitet, entsprechend zertifiziert ist und Best Practices aus zahlreichen Projekten einbringt.

Ebenso wichtig sind klare Kompetenzen in Security und Governance sowie Applikationsentwicklung und KI. So können Unternehmen nicht nur ihre Workloads sicher und kosteneffizient migrieren, sondern haben auch einen Partner, der sie bei der künftigen Entwicklung unterstützt – sei es mit proaktiver Beratung oder Managed Services.

Fazit: Cloud-Strategie konsequent umsetzen

An der Cloud führt kein Weg vorbei. Doch die Wahl des Hyperscalers ist keine operative, sondern eine strategische Entscheidung. Azure eignet sich für Unternehmen mit tiefem Microsoft-Fokus, Google punktet mit KI- und Analytics-Kompetenz, AWS richtet sich an entwicklungsorientierte Organisationen. Für sensible Workloads stehen souveräne Clouds zur Verfügung.

Wer die Cloud-Transformation strategisch angeht, startet mit einer fundierten Anforderungsanalyse und arbeitet mit einem erfahrenen Partner zusammen. Dieser bringt nicht nur technisches Know-how ein, sondern hilft auch, Funding zu sichern und die Zielarchitektur auf die Business-Ziele abzustimmen. So entsteht eine belastbare Grundlage für nachhaltigen Erfolg.

Über den Autor:
Alexander Müllner-Gilli verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der IT-Branche und hält einen Master of Business Administration (MBA). Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Cloud-Migration und Cloud-Architektur, die er seit 2023 als Business Development Executive Cloud and Applications DACH bei SoftwareOne einbringt.

 

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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