Gorodenkoff - stock.adobe.com

Diese Optionen haben CentOS-8-Nutzer nach dem Support-Ende

Durch Umstellung von CentOS von einem Downstream zu einem Upstream-Projekt ändert sich einiges. Dieser Beitrag erläutert Hintergründe und zeigt Alternativen auf.

CentOS gehört zusammen mit RHEL, SUSE Linux Enterprise, OpenSUSE, Debian, Fedora und Ubuntu zu den häufigeren Linux-Distributionen in Unternehmen. Red Hat hat 2014 CentOS gekauft und es zunächst unverändert als Downstream-Projekt von RHEL fortgeführt. Das bedeutet, CentOS war immer ein Klon von Red Hat.

Das Projekt erhielt deshalb stets den gleichen Support-Zeitraum und mit einiger Verzögerung die gleichen Updates, wie die zugrunde liegende Red Hat Enterprise Linux-Version (RHEL).

Das ändert sich mit CentOS Stream

CentOS 8 ist die letzte Downstream-Variante von RHEL. Zum 31.12.2021 soll der Support für die Distribution auslaufen. Wer auf CentOS 7 setzt, kann die aktuelle Variante mit Support noch bis zum Juli 2024 nutzen.

Red Hat wird zum 31.12.2021 CentOS als CentOS Stream weiterführen. Neue Funktionen von RHEL sind daher zunächst in Fedora verfügbar, danach in CentOS Stream und bei entsprechender Stabilität anschließend bei RHEL. CentOS wird damit kein Downstream-Projekt mehr von RHEL sein, sondern ein Upstream-Projekt.

Der Vorteil bei dieser Umstellung ist laut Red Hat vor allem, dass Updates für CentOS Stream sehr viel schneller erscheinen können, als es für CentOS der Fall war. Wie bisher sollen die zugehörigen CentOS-Versionen so lange Support erhalten, wie die RHEL-Version.

Für viele Anwender wird CentOS dadurch faktisch zu einer Betaversion von RHEL, was für den produktiven Einsatz problematisch ist.

Das Upstream-Projekt von RHEL war und ist jedoch Fedora. Hier sind neue Funktionen vor RHEL und CentOS verfügbar. Da CentOS jetzt ebenfalls ein Upstream-Projekt wie Fedora wird, stellt sich die Frage, was mit letzterem passieren soll, denn die Distribution funktionierte bisher im Grunde wie eine Betaversion von RHEL.

Red Hat versucht die neue Version zwischen RHEL und Fedora positionieren. Das Unternehmen spielt zwar neue Patches bei CentOS Stream auf, bevor sie in RHEL veröffentlicht werden, allerdings erst dann, wenn sie grundsätzlich auch für Letzteres qualifiziert sind. Red Hat will die Patches unter strenge Qualitätssicherung nehmen. Das ist ein großer Unterschied zu Beta-Versionen.

Die Verantwortlichen bei Red Hat sind der Meinung, dass auch in Zukunft CentOS noch problemlos in einer produktiven Umgebung eingesetzt werden kann. Doch viele Unternehmen und Organisationen sorgen sich um die Stabilität und wollen oder können das Betriebssystem in der produktiven Umgebung nicht mehr einsetzen. Für sie gibt es glücklicherweise einige Alternativen.

Alternativen zu CentOS

Auch wenn sich an der generellen Qualität von CentOS nicht viel ändern wird, suchen bereits jetzt viele Unternehmen und Organisationen einen Ersatz für das Betriebssystem. Die Open-Source-Gemeinde hat den Bedarf bereits erkannt und viele CentOS-Forks werden unabhängig weiterentwickelt. Gregory Kurtzer, der Gründer und Entwickler von CentOS steht mit seiner Distribution Rocky Linux bereits in den Startlöchern. Rocky Linux wird in Zukunft ein Downstream-Projekt von RHEL sein, so wie es CentOS war.

Weitere Varianten sind Cloud Linux und Project Lenix. Auch hierbei handelt es sich um Downstream-Projekte von RHEL. Eine weitere Alternative will Navy Linux werden. Dieses Projekt ist noch in der frühen Entwicklungsphase.

Unternehmen sollten die Entwicklung auf diesem Markt beobachten und möglicherweise erst dann eine Entscheidung treffen, wenn sich abzeichnet, welche Distribution sich dauerhaft behaupten kann. Sicherlich werden auch nicht alle CentOS-Nutzer zu einer anderen Distribution wechseln, sondern auch in Zukunft auf CentOS setzen

Aktualisierung von CentOS 8 zu CentOS 8 Stream

Wer CentOS 8 Stream testen will, kann bereits jetzt vorhandene CentOS-8-Installationen zu CentOS 8 Stream aktualisieren. Dazu verwendet man die folgenden Befehle im Terminal:

sudo dnf install centos-release-stream

sudo dnf swap centos-{linux,stream}-repos

sudo dnf distro-sync

Fazit

Vielen CentOS-Usern stößt vor allem sauer auf, dass Red Hat den Support von CentOS 8 auf den 31.12.2021 verkürzt. Ob CentOS Stream auf Dauer so stabil sein wird, wie es bisher CentOS war, ist noch nicht klar. Glaubt man Red Hat, dass Patches für CentOS Stream für RHEL getestet wurden, und bei gleicher Stabilität lediglich schneller erscheinen, dann könnte sich gar nicht so viel ändern.

Das wird aber erst die Zeit zeigen und gerade in produktiven Umgebungen sind Experimente nicht die beste Idee. Ende des Jahres müssen Anwender mit CentOS 8 entweder zu CentOS 8 Stream wechseln oder auf CentOS 7 umzusteigen, um weiterhin Support zu erhalten. Wer die Möglichkeiten von CentOS 8 Stream jetzt schon testen will, kann vorhandene Installationen jederzeit umstellen. Wer CentOS 8 Stream nicht nutzen will, aber weiterhin Support für seine CentOS-Installation braucht, sollte den Einsatz von CentOS 7 in Erwägung ziehen, und in Zukunft auf eine Alternative wie Rocky Linux setzen.

Erfahren Sie mehr über Serverbetriebssysteme

ComputerWeekly.de

Close