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Offene Switches: Ist Open Networking eine Alternative?

Steht die Anschaffung von Campus Edge Switches bevor? Dann sollten Sie auch offene Switches berücksichtigen. Der Open-Networking-Ansatz verspricht schließlich etliche Vorteile.

Obwohl Open Networking wie ein neuer Ansatz erscheinen mag, gibt es das Merchant Silicon, das im Inneren der neuen offenen Switches werkelt, seit geraumer Zeit und ist wahrscheinlich bereits Bestandteil Ihres Netzwerks.

Dazu ein kurzer historischer Abriss: Als die ersten LAN-Switches Anfang der 1990er Jahre auftauchten, gestaltete und fertigte jeder Anbieter die anwendungsspezifischen ASICs (Application Specific Integrated Circuits), die für die Switching-Funktion notwendig sind. Viele Anbieter priesen ihre ASICs als geheimes Detail, durch das ihre Produkte um ein Vielfaches besser als die der Konkurrenz waren. Doch das ASIC-Design war zeitaufwendig und die Herstellung von anwendungsspezifischen ASICs teuer, insbesondere bei solch relativ begrenzten Mengen.

Damit schlug die Stunde für Unternehmen wie Broadcom, Marvell und Mellanox Technologies. Diese Anbieter begannen mit der Produktion von Hochleistungs-Chips, die sehr viel schneller – und günstiger – als die proprietären ASICs der Switch-Entwickler geliefert werden konnten.

Zudem stellten sie ihre ASIC-Schnittstellen Dritten zur Verfügung, teilweise gefördert durch das Open Compute Project (OCP), das Facebook 2013 mitgründete. Obwohl das OCP sich vor allem auf Data Center mit Hyperscale-Architekturen konzentrierte, gewannen Ideen langsam an Boden, wie Open Networking sich im gesamten Networking etablieren könnte.

Im Wesentlichen lässt sich Open Networking mit einem einzigen Wort definieren: Disaggregation. Die Hardware und Software für den LAN-Switch sind getrennt, und die einzelnen Komponenten werden von unterschiedlichen Anbietern entworfen, hergestellt und verkauft.

Das Schöne an Open Networking ist, dass Anbieter sich intensiver mit einem einzelnen Produkt beschäftigen können. Hardwareanbieter können sich darauf konzentrieren, wie sie ein besseres Gerät bauen, während Anbieter von Netzwerkbetriebssystemen keine Ressourcen für die Entwicklung der Switching Engine bereithalten müssen. Sie können davon ausgehen, dass sie vorhanden ist, funktioniert und ihre Softwareschnittstellen dokumentiert sind.

Dieser Software-First-Ansatz bedeutet, dass Open-Networking-Anbieter in der Lage waren, den Ballast jahrzehntealter Switching-Betriebssysteme über Bord zu werfen und einen neuen Anfang zu wagen. Als Ergebnis erhalten wir einen innovativen Networking-Ansatz anstelle nur einer günstigeren Kopie von beispielsweise Cisco IOS.

Als Kaufentscheider für Edge Switches müssen Sie verstehen, ob Open Networking eine ungeheure Chance für Ihre Infrastruktur darstellt oder tunlichst vermieden werden sollte. Werfen wir einen Blick auf einige Aspekte, die für die Wahl von offenen Switches oder Switches eines traditionellen Anbieters sprechen.

Wann lohnen sich Open Switches?

Herkömmliche Switch-Anbieter können einen höheren Preis verlangen, weil Kunden nur eingeschränkte Auswahlmöglichkeiten haben. Wenn ihnen die Hardware gefällt, müssen sie die Software kaufen. Wenn sie die Software kaufen, müssen sie die Support-Kosten des Anbieters ohne jedes Wenn und Aber akzeptieren (obwohl bei einigen traditionellen Anbietern der Support inklusive ist).

Hardware und Software voneinander zu entkoppeln, bedeutet eine größere Auswahl unter Komponenten und infolgedessen eine bessere TCO (Total Cost of Ownership). Trotzdem gibt es auch andere Überlegungen zu Open Switches, besonders im Zusammenhang mit technischem Support. Es steht außer Frage, dass Support-Szenarien und -Zuständigkeiten bei Open Networking komplizierter werden können. Entscheiden Sie sich für traditionelle Anbieter, brauchen Sie nur eine Telefonnummer anzurufen, damit jemand sich um Ihr Problem kümmert. Bei Open Networking haben Sie es mit verschiedenen Anbietern zu tun. Als Folge davon kann das Lösen von Problemen zeitaufwendiger sein und mehr Kopfzerbrechen bereiten. Die Frage, die Sie beantworten müssen, bevor Sie sich auf Open Networking festlegen, lautet: Sind diese Optionen schlimmer, besser oder lediglich anders?

Als Kaufentscheider für Edge Switches müssen Sie verstehen, ob Open Networking eine ungeheure Chance für Ihre Infrastruktur darstellt oder tunlichst vermieden werden sollte.

Die größte Umstellung für Unternehmenseinkäufer kann auch schlicht darin bestehen, sich an viele verschiedene neue Anbieter zu gewöhnen. Obwohl es einige Anbieter gibt, die sowohl traditionelles als auch Open Networking abdecken – Verkauf und Support von Hardware wie Software –, konzentrieren sich die meisten Open-Networking-Anbieter nur auf eines dieser Elemente.

Sicherlich bringt der Kauf von offenen Switches Kostenvorteile mit sich. Die Funktionspalette kann umfassender sein und lässt sich, abhängig von der zugrunde liegenden Switch-Software, häufig anpassen, um die speziellen Bedürfnisse eines Unternehmens zu erfüllen. Darüber hinaus kann die Software schneller aktualisiert werden, so dass sich bei geänderten Anforderungen an die Netzwerkkonnektivität neue Funktionen hinzufügen lassen.

Welche Rolle Open Networking im Edge-Switch-Design Ihrer Infrastruktur spielt, wird zu guter Letzt von den Erfordernissen Ihres Unternehmens und Netzwerks abhängen. Bevor Sie eine endgültige Entscheidung treffen, evaluieren Sie Ihre Anforderungen sorgfältig, und stellen Sie sicher, dass die Anbieter, die Sie in Betracht ziehen, die benötigte Funktionalität auch liefern können.

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