Mythos vs. Realität: Was bei Netzwerk-Monitoring wirklich funktioniert

IT-Monitoring-Tools gibt es viele, doch welche Werkzeuge eignen sich wofür? Wir zeigen, wie Netzwerk-Monitoring in der Praxis funktionieren kann.

Werkzeuge zur Netzwerk-Überwachungsollen nicht nur dafür sorgen, dass Administratoren bei Problemen eine Warnmeldung bekommen: Im Idealfall erkennen sie auch Trends beim Zustand des Netzwerks und erleichtern die Berichterstellung im Zusammenhang mit Dienstgüte-Vereinbarungen (service-level agreements – SLAs). Die Anbieter solcher Werkzeuge versprechen natürlich das Blaue vom Himmel. In der Realität aber sind Berichte über Netzwerk-Monitoring oft schwer zu entziffern, und nicht jedes angebotene Werkzeug eignet sich für jeden Zweck.

Mythos: Lösungen für Netzwerk-Überwachung übernehmen zuverlässig die aufwendige Aufgabe, mit Filtern und Zusammenfassungen aus den vielen Einzelmeldungen nutzbare Informationen zu machen.

Realität: Tatsächlich gehören Bericht-Vorlagen und einfache Filter meist zum Funktionsumfang. Trotzdem liegt es am Administrator selbst, die gewählte Lösung zu etwas Nützlichem zu machen.

Was funktionieren könnte: Jedes Unternehmen hat seine eigenen Prozesse und Architekturen, so dass jede Monitoring-Lösung für das jeweilige Umfeld angepasst werden muss. Die Anbieter mögen die Berichtsfunktionen und die einfache Bedienung ihrer Plattformen loben, doch Administratoren müssen sich immer noch selbst um die Anpassung für ihre Netzwerke kümmern. Die IT-Abteilung muss nicht nur den Umgang mit der neuen Software lernen, sie braucht auch Zeit, um herauszufinden, wie sich neue Gerätschaften in die Lösung integrieren lassen.

Mythos: Werkzeuge für Netzwerk-Monitoring unterstützen jedes Gerät im Netzwerk eines Kunden.

Realität: Technisch gesehen ist das korrekt, denn die meisten Lösungen arbeiten mit SNMP (Simple Network Management Protocol), um Diagnose- und Status-Informationen auszutauschen. Jedoch kann es bei typischen Netzwerk-Geräten wie Routern oder Switches hunderte von SNMP-Nachrichten geben, die ihren aktuellen Status melden – Probleme ebenso wie Performance-Daten. Angesichts derart vieler Meldungen von jedem einzelnen überwachten Gerät können wirklich wichtige Informationen schnell im Hintergrund-Rauschen verloren gehen. Für die Anbieter der Werkzeuge wäre es kaum möglich, die Nachrichten aller unterschiedlichen Hersteller und ihrer einzelnen Modelle zu übersetzen. Deshalb konzentrieren sie sich meist auf die Switches, Router und anderen Netzwerk-Geräte, die in Unternehmen am häufigsten zum Einsatz kommen. Dies ist ohne Zweifel eine Erleichterung für Anwender, die solche verbreiteten Geräte nutzen. Wer jedoch Produkte von außerhalb des Mainstreams nutzt, hat wenig davon.

Was funktionieren könnte: Die meisten Software-Anbieter würden sicher gern mit ihren Service-Profis zu Ihnen kommen und dort dafür sorgen, dass ihre Lösung in der Kunden-Umgebung funktioniert. Wer diese Aufgabe lieber intern erledigen möchte, für den gibt es Alternativen. Um viele Lösungen herum, sowohl Open Source als auch kommerzielle, sind lebhafte Online-Communities entstanden, wo Nutzer sich über Ideen austauschen und oft auch Bericht-Vorlagen und Konfigurationsdateien einstellen. Eine starke und hilfsbereite Nutzerbasis kann neuen Nutzern nicht nur dabei helfen, schneller einsatzbereit zu sein, sondern macht auch Schluss mit der Notwendigkeit, das Rad bei jeder neuen Installation neu zu erfinden.

Mythos: Die meisten Werkzeuge für Netzwerk-Monitoring bieten sowohl Echtzeit-Meldungen über Ereignisse als auch historische Daten für alle Geräte im Netz.

Realität: Bei der Evaluierung von Monitoring-Lösungen sollten sich Administratoren darüber im Klaren sein, dass die Produkte Daten aus dem gesamten Netzwerk verarbeiten und archivieren müssen. Viele Anbieter müssen hier einen Kompromiss finden: Sie wollen einerseits den Status von Geräten in Echtzeit aktualisieren, andererseits auch ausführliche historische Daten sammeln und aufbereiten. Manchmal führt dies dazu, dass nur ein Teil der Geräte in Echtzeit überwacht werden kann. Die Kunden müssen sich also entscheiden, welche Komponenten sie als missionskritisch ansehen und deshalb genauer überwacht haben wollen. Andersherum haben Werkzeuge mit umfangreichem Echtzeit-Monitoring oft bei historischen Daten weniger zu bieten.

Was funktionieren könnte: Entscheidend ist, die Bedürfnisse der Organisation und die Rolle zu verstehen, die Netzwerk-Überwachung für ihre IT spielen soll. Ein Werkzeug für das Helpdesk zum Beispiel hat andere Anforderungen als eines, das der Vorbereitung von SLA-Berichten für den CIO dient. Wie bei jedem Technologie-Projekt ist es hilfreich, die Erwartungen früh zu steuern. Dadurch gibt es weniger Missverständnisse und es wird wahrscheinlicher, dass die gewählte Lösung zum Bedarf des Unternehmens passt.

Artikel wurde zuletzt im Juni 2010 aktualisiert

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