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Neue Aufgaben für Storage-Administratoren

Reine Storage-Administratoren werden durch Cloud-Storage-Services immer seltener benötigt werden, prognostizieren Analysten, weswegen das Berufsbild neu definiert werden muss.

Bedingt durch die Cloud und hyperkonvergente Technologien, gibt es immer weniger IT-Spezialisten die sich ausschließlich auf Storage konzentrieren. So berichten es jedenfalls übereinstimmend die Marktforscher und IT-Spezialisten, die sich vor Kurzem zur jährlichen Gartner IT Infrastructure, Operations & Cloud Strategies Conference trafen.

„In fünf Jahren wird es kaum noch klassische Storage-Administratoren geben“, prognostiziert Julia Palmer, Research Vice President bei Gartner.

Laut Palmer ersetzen Generalisten und  Entwickler in vielen Unternehmen Storage-Spezialisten. „Niemand will mehr Storage-Adminstrator oder -Ingenieur sein. Alle wollen in die Softwareentwicklung“, sagt Palmer. „Deshalb entwickeln viele Hersteller einen KI-getriebenen Betrieb und von KI unterstützte Funktionen. Diese Hersteller sehen die Zukunft schon vor sich. Sie wird den Vielseitigen und Generalisten gehören.“

Gartner prognostiziert, das 2025 40 Prozent aller Workloads in der Public Cloud liegen werden, 30 Prozent am Edge und 30 Prozent On-Premises – verglichen mit 80 Prozent On-Premises noch im Jahr 2019. Viele IT-Führungskräfte haben ihrerseits Storage-Spezialisten nahe gelegt, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen und neue Fähigkeiten zu erwerben, die in ihren Unternehmen gebraucht werden.

Gartner prognostiziert, dass die Mehrheit der Workloads in den nächsten fünf Jahren in die Cloud verschoben wird.
Abbildung 1: Gartner prognostiziert, dass die Mehrheit der Workloads in den nächsten fünf Jahren in die Cloud verschoben wird.

Die Rolle der Storage-Administratoren ändert sich

Kyle Weigum ist Director of Enterprise Infrastructure beim Teacher Retirement System (TRS),Texas/USA, der dortigen staatlichen Rentenversicherung für Lehrer. Er berichtet, dass drei Storage-Manager aus seinem zentralen Infrastrukturteam nun zusätzlich für VMware, Office 365 und andere Systeme zuständig sind. Laut Weigum werden die „Verantwortlichen für unternehmenskritische Systeme“ zu „leitenden Lösungsingenieuren“.

„Sie können einfach zu viel, um ausschließlich Firmware-Upgrades durchzuführen“, sagt Weigum. „Sie sollen sich stärker am Geschäft orientieren und sich um Dinge kümmern, die unsere Geschäftsprozesse beschleunigen.“

Laut Weigum ist TRS in ein Cloud-Projekt für das Management der Unternehmensdaten eingestiegen und evaluiert derzeit Amazon Outposts und andere Cloud-Optionen, um die Verantwortung für die Hardware abgeben zu können. Ein Umzug in die Cloud würde die Rolle des Infrastrukturmanagement-Teams verändern: Es würde nicht mehr Server bauen und Applikationen laden, sondern eher die Kosten und den Zugriff managen.

Der Assistant Vice President für Infrastruktur und Betrieb eines Versicherungsunternehmens berichtet, er habe in Übersee das Daten- und das Rechenzentrumsteam getrennt. Dies geschah, nachdem Applikationen, bei denen das sinnvoll ist, in die Cloud verschoben wurden.

Weiter migrierte dieses Unternehmen von einem On-Premises-Exchange-Server auf Office 365. Allerdings seien die Exchange-Ingenieure dadurch nicht überflüssig geworden. Genauso wenig würde die Cloud-Migration Storage-Spezialisten wegrationalisieren. Allenfalls einige wenige Mitarbeiter werde man nicht mehr brauchen.

„Storage-Ingenieure können sich zu Cloud-Storage-Architekten weiterbilden, um ihre Unternehmen zu unterstützen“, sagt der Manager, „denn schließlich muss auch das Storage in der Cloud verwaltet werden.“

Wie können sich Storage-Administratoren an die Situation anpassen?

Angelina Troy, Senior Director im Bereich Gartner Technical Professionals, rät Storage-Administratoren, sich in Cloud-Technologien oder auf anderen IT-Feldern weiterzubilden. In Frage kommen etwa Data Governance, Analytics sowie Datenschutz und -sicherheit in vielen Bereichen vom Edge bis zur Cloud. Mitarbeiter, die eine entsprechende Herangehensweise mitbrächten und die dort üblichen Arbeitsgrundsätze beherrschten, könnten so auf andere Arbeitsplätze wechseln.

„Wir haben den Eindruck, dass die meisten Organisationen das vorhandene Personal weiter nutzen möchten, auch wenn sie in die Cloud migrieren“, sagt Troy. „Sie wollen die dafür nötigen Fähigkeiten aufbauen, weil man auf dem Arbeitsmarkt nur schwer Cloud-Experten findet. Internes Training wird oft als der beste Weg betrachtet, das zu tun.“

Organisationen, die sich nicht mit IT-Altlasten herumschlagen müssen, werden wahrscheinlich aus einer anderen Perspektive über die Notwendigkeit von Storage-Administratoren nachdenken.

Das Finanzunternehmen Capital One gründete 2017 ein eigenes Tech College für Online-Kurse und persönliche Workshops in einem Dutzend Disziplinen, die Technologie mit der Langfriststrategie des Unternehmens verbinden. Die Firma, die zu den Fortune 100 der Finanzbranche gehört, plant, noch in diesem Jahr vollständig in die Cloud zu gehen und keine eigenen Rechenzentren mehr zu betreiben.

Allerdings stellt George Brady, dort Enterprise Vice President of Technology fest, dass man noch immer Storage-Spezialisten brauche, um komplett in die Cloud umzuziehen. Laut Brady sind Storage-Fachleute in der Regel professionelle Systemingenieure. Sie könnten programmieren und hätten das nötige Wissen über Betriebssysteme, Vernetzung und Leistungsoptimierung. Diese Fähigkeiten ließen sich aber On-Premises und in der Cloud einsetzen.

Dough Knight, verantwortliche für Server-Services bei Capital Blue Cross, einem Unternehmen aus Pennesylvania, meint, IT-Profis mit Spezialgebiet Storage tendierten dazu, auch von anderen Themen viel zu verstehen, weil sie oft „komplexe Überlegungen“ anstellen müssten, wenn sie ihre Storage verteilen und die Daten darauf so ablegen, dass die Leistung optimiert wird.

Laut Knight haben die schnelleren Flash-Arrays Leistungsprobleme weitgehend beseitigt, weshalb er seine Storage-Spezialisten dazu dränge, sic neue technologische Kenntnisse anzueignen. Sie würden auf Plattformen wie Microsoft Azure oder zum Thema Data Warehousing weitergebildet.

Major League Baseball (MLB) verwendet Storage von AWS und Google Cloud. Allerdings liegen die meisten der 100 PByte an betrieblichen, statistischen und Videodaten aber nach wie von On-Premises auf traditionellen SAN- und NAS-Systemen, Open-Source-Ceph-Storage und Tape. Truman Boyes, als Senior Vice President für die IT-Infrastruktur verantwortlich, geht davon aus, dass MLB immer große Datenmengen firmenintern speichern wird. Er glaubt nicht daran, dass gut ausgebildete Storage-Experten verschwinden werden.

Boyes: „Wir werden vielleicht erleben, dass sie mit anderen Technologien arbeiten. Sie werden sich möglicherweise vom traditionellen Speicher wegbewegen, mehr Werkzeuge zur Verfügung haben und auch andere Cloud-Themen bearbeiten, so dass Storage nur noch eine ihrer Aufgaben ist.“

Organisationen, die sich nicht mit IT-Altlasten herumschlagen müssen, werden wahrscheinlich aus einer anderen Perspektive über die Notwendigkeit von Storage-Administratoren nachdenken. Der Vice President Infrastructure eines Konsumartikelherstellers konnte die IT von Grund auf neu aufbauen. Er plant, Netz- und Sicherheitsspezialisten, aber keine Storage-Experten anzustellen.

„Der Bedarf meines Unternehmens wird durch Software-konfigurierbare Storage in der Cloud befriedigt. Wenn es Probleme mit I/O, Leistung oder anderen Themen gibt, erwarte ich von meinen Cloud-Architekten und vielleicht Amazon eine Lösung“, sagt er.

Dieser Infrastrukturmanager konzediert zwar, dass Workloads aus Hochleistungs-Analytik oder Maschinenlernen zukünftig die Anstellung einer Vollzeitkraft oder die Beiziehung eines externen Beraters erfordern könnten. Allerdings würde es nie mehr sein wie bei seinem vorigen Arbeitgeber: Dort gab es Spezialisten für EMC, NetApp und Switching-Produkte „Die Welt und die Dimensionen, in denen wir arbeiten, haben sich ganz einfach verändert“, sagt er.

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