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Nano Server vs. Server Core: Die Unterschiede im Überblick

Mit Windows Server 2016 veröffentlichte Microsoft Nano Server als Alternative zu Server Core. Aber was ist aus ihm geworden? In diesem Artikel erklären wir, wozu er heute dient.

Microsoft bezeichnet den vollständigen Einsatz seines Serverbetriebssystems als Server mit Desktop-Experience. Wie der Name schon sagt, bietet diese Installation das traditionelle Windows-Layout mit Menüs, auf die Nutzer über Maus oder Tastatur zugreifen können, ähnlich wie bei einem gewöhnlichen Windows-10-System.

Viele Administratoren bevorzugen die GUI-Bereitstellung (Graphic User Interface, grafische Benutzeroberfläche) wegen des vertrauten Desktop-Layouts. Das erleichtert in einigen Fällen die Verwaltung. Außerdem sind bestimmte Funktionen, wie die von System Center Server Virtual Machine Manager 2019 und SharePoint Server 2019 beide auf den Server mit Desktop-Erfahrung angewiesen, um zu funktionieren.

Nano Server und Server Core sind beides Darreichungsformen eines Betriebssystems, die eine kleinere Codebasis haben und ohne eine GUI auskommen. Doch wo liegt der Unterschied? Um das zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf die Geschichte der beiden Betriebssystemversionen zu werfen und zu erklären, wozu sie jeweils gut sind.

Server Core

Microsoft führte Server Core mit Windows Server 2008 ein. Als kleinere Bereitstellungsoption verfügt Server Core über keine Benutzeroberfläche und muss mit PowerShell, Kommandozeilen-Dienstprogrammen (CLI, Command Line Interface) oder Tools für die Remote-Benutzerschnittstelle verwaltet werden, wie zum Beispiel Windows Admin Center oder Tools für die Remote-Serververwaltung.

Server Core kann als Host für Container oder virtuelle Maschinen (VM) auf Hyper-V oder zum Ausführen von Infrastruktur-Workloads, einschließlich Dateiservern, Domänencontrollern und Domain-Name-Servern, verwendet werden. Microsoft empfiehlt Server Core als Standard-Bereitstellungsoption und unterstützt auch Exchange Server auf Server Core.

Laut Microsoft ist der Vorteil, dass ein Betriebssystem, das mehr technische Fähigkeiten zur Administration erfordert, eine kleinere Angriffsfläche bietet und – zumindest theoretisch – weniger Patches und daher weniger Ausfallzeiten für Neustarts zum implementieren dieser Patches benötigt

Nano Server

Microsoft hat in Windows Server 2016 eine neue Serverbereitstellungsoption namens Nano Server hinzugefügt. Das Unternehmen warb für Nano Server als Nachfolger von Server Core, als kleinere, noch sicherere Headless-Bereitstellung. Sie sollte optimal für viele der gleichen Infrastruktur-Workloads geeignet sein, die oft auf Server Core laufen, wie zum Beispiel IIS-Webserver oder als Host für Container oder Hyper-V-VMs.

Nur acht Monate nach dem Release, veröffentlichte Microsoft jedoch einen Blogbeitrag, in dem darauf hingewiesen wurde, dass Nano Server seine Infrastrukturfähigkeiten und jegliche Microsoft-Unterstützung für diese Workloads verlieren würde. Das Unternehmen sagte, dass es die Codebasis von Nano Server noch weiter verkleinern würde, um sie ausschließlich für die Verwendung mit Containern umzuwidmen.

Damit wäre es also geklärt: Server Core dient allen üblichen Server-Funktionen im Rechenzentrum, Nano Server nur als Container-Betriebssystem.

In seinem Beitrag mit dem Titel Delivering continuous innovation with Windows Server (Kontinuierliche Innovation mit Windows Server) sagte Microsoft, dass es mit der Funktionsänderung in Nano Server auf die Forderungen von Kunden reagiere, die sich ein Betriebssystem wünschten, das mehr auf Container zugeschnitten ist.

Aufgrund dieses Feedbacks habe Microsoft eine wichtige Änderung an Nano Server vorgenommen. Ab Version 1709 werde man sich darauf konzentrieren, Nano Server zum bestmöglichen Container-Image zu machen. Microsoft gab an, dass die Größe von Nano Server Images nun halbiert sei, wodurch die Startzeiten weiter verkürzt und die Containerdichte verbessert würde. Microsoft empfahl weiterhin, dass Administratoren für Windows Server in Containern Nano Server und für Infrastrukturfunktionen wie gewohnt Server Core verwenden.

Damit wäre es also geklärt: Server Core dient allen üblichen Serverfunktionen im Rechenzentrum, Nano Server nur als Containerbetriebssystem. Zur Verwirrung trägt bei, dass Kunden, die auf der Website von Microsoft nach Nano Server suchen, auch die Dokumentationen für Windows Server 2016 finden, die eine für Windows Server 2019 nicht mehr gültige Beschreibung der Funktionen und Verwendung von Nano Server enthalten.

Server Core im SAC und LTSC verfügbar

Im selben Blogeintrag teilte Microsoft auch Pläne mit, dass es für Windows Server in Zukunft einen Semi-Annual Channel (SAC) geben würde.

Der Long-Term Servicing Channel (LTSC) – früher bekannt als die Long-Term Servicing Branch – ist der Kanal für die langjährige Serviceoption mit fünf Jahren Mainstream-Support, gefolgt von fünf Jahren erweitertem Support. Feature-Updates für Windows Server im LTSC erfolgen weiterhin mit den üblichen zwei oder drei Jahren zwischen den Releases.

Der halbjährliche Kanal für Windows Server folgt der Veröffentlichungs- und Supportkadenz des Windows 10 SAC: eine Hauptversion alle sechs Monate mit 18 Monaten Mainstream-Support und keiner Option für erweiterten Support. SAC ist laut Microsoft für Unternehmen gedacht, die dem schnelleren Tempo von DevOps folgen und so schnell wie möglich die neuesten Funktionen und Aktualisierungen benötigten.

Laut Microsoft sind Nano Server und Server Core im SAC verfügbar, Server Core und Server mit Desktop-Experience sind über LTSC abgedeckt. Server Core ist somit über beide Kanäle erhältlich, die beiden Versionen sind aber aufgrund der unterschiedlichen Supportbedingungen und Versionen nicht austauschbar.

Im Laufe der Zeit hat Microsoft Nano Server immer kleiner gemacht und für den Einsatz in Containern optimiert. Seit dem Mai 2019 müssen Funktionen wie PowerShell Core, .NET-Core und WMI (Windows Management Instrumentation) als Packages hinzugefügt werden, wenn Nutzer einen Nano-Server-Container erstellen. Der Verzicht auf einen Bereitstellungs-Stack bedeutet, dass es keinen Service-Stack mehr gibt, wie in der Windows-Server-2016-Version: kommt die neue SAC-Ausgabe, müssen Admins, die ihre Container upgraden wollen, das neue Image vom Docker Hub ziehen und das alte ersetzen.

Als Grundlage für Containerbereitstellungen bietet Microsoft mehrere verschiedene Basis-Images an. Jedes Basis-Image enthält unterschiedliche Funktionen und eignet sich für unterschiedliche Workloads. Die Container-Basisimages sind Nano Server, Windows, Server Core oder Windows 10 IoT Core, wobei Nano Server sich für die gängigen Containereinsätze eignet.

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