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Lit Fiber vs. Dark Fiber: Glasfaser für WANs auswählen
Lit Fiber oder Dark Fiber? Ein Vergleich zeigt die Unterschiede bei Kosten, Skalierbarkeit, Sicherheit und Kontrolle sowie beim Einsatz von Private Fiber und WDM-Technologien.
IT-Verantwortliche stehen oft vor einer zentralen strategischen Entscheidung, wenn es um den Aufbau von Unternehmensnetzwerken und die Anbindung von Rechenzentren oder entfernten Standorten geht. Dabei müssen sie zwischen Lit Fiber und Dark Fiber wählen. Obwohl beide auf der gleichen physikalischen Glasfasertechnologie basieren, unterscheiden sie sich in ihren Betriebsmodellen, Kostenstrukturen, Skalierbarkeitsoptionen und dem Grad der administrativen Kontrolle grundlegend voneinander. Der folgende Überblick beleuchtet die entscheidenden Unterschiede zwischen diesen beiden Bereitstellungsmodellen und hilft dabei, die optimale Infrastrukturstrategie für die spezifischen Anforderungen eines Unternehmens zu finden.
Lit Fiber
Lit Fiber (beleuchtete Glasfaser) ist aktiviert, sofort einsatzbereit und wird vom Anbieter verwaltet. Es handelt sich um ein fertiges Produkt, für das das Unternehmen bezahlt. Der Dienstanbieter liefert bei Lit Fiber sowohl die Glasfaser als auch die zugehörige optische Ausrüstung, die für die Inbetriebnahme erforderlich ist. Wartung, Überwachung und der Austausch von Hardware sind Teil der Dienstleistung. Die Bandbreitenkapazität ist klar definiert und wird im Rahmen von Service-Level-Agreements (dark fiber) zwischen dem Anbieter und dem Unternehmen garantiert.
Lit Fiber ist eine schnelle Möglichkeit für mittlere und große Unternehmen mit geografisch verteilten Standorten, den Netzwerkbetrieb aufzunehmen. Auch für Greenfield-Projekte und Start-ups, die Wert auf Komfort und einfache Handhabung legen, ist Lit Fiber eine praktikable Option.
Moderne Lit-Fiber-Angebote basieren häufig auf Carrier-Ethernet-, MPLS- oder Wavelength-Services. Viele Provider bieten inzwischen Bandbreiten von 10, 100 oder 400 GBit/s sowie teilweise bereits 800 GBit/s an, ohne dass Kunden eigene optische Hardware betreiben müssen.
Dark Fiber
Dark Fiber (unbeleuchtete Glasfaser) ist eine Glasfaserleitung, die noch nicht mit optischen Netzwerkgeräten aktiviert wurde. Um sie in Betrieb zu nehmen, müssen Unternehmen die notwendige Infrastruktur selbstaufbauen. Nach der Bereitstellung müssen sie sämtliche aktive Netzwerktechnik selbst installieren. Dazu zählen beispielsweise:
- DWDM-Systeme
- optische Verstärker
- Multiplexer
- Router
- Switches
- Transceiver
Erst durch diese Komponenten wird die Glasfaser betriebsbereit.
Dark Fiber kann als langfristig gemieteter Dienst oder als gekaufte Infrastruktur bezogen werden. IT-Verantwortliche können nicht aktivierte Glasfasern von Herstellern oder Dienstanbietern mieten oder kaufen. Solche Mietverträge werden in der Branche oft als IRU (Indefeasible Right of Use) bezeichnet und haben typischerweise sehr lange Laufzeiten von 10 bis 25 Jahren.
Dark Fiber ist besonders für stark regulierte und als kritisch eingestufte Branchen geeignet, die den Informationsfluss vollständig kontrollieren und absichern möchten.
Die Verfügbarkeit von Dark Fiber hängt jedoch stark vom Standort ab. Während in Ballungsräumen häufig ungenutzte Glasfaserreserven vorhanden sind, ist Dark Fiber in ländlichen Regionen oftmals gar nicht oder nur eingeschränkt verfügbar.
Auswahl der Glasfaser-Infrastrukturdienste
Die meisten Unternehmen nutzen Lit-Fiber-Dienste. Hyperscaler (wie Google, AWS oder Microsoft) setzen hingegen auf Dark-Fiber-Infrastrukturen. IT-Verantwortliche müssen die finanziellen Auswirkungen sorgfältig abwägen. Lit-Fiber-Dienste führen zu höheren wiederkehrenden Betriebskosten (OpEx), während Dark-Fiber-Infrastrukturen weitaus höhere Vorab-Investitionskosten (CapEx) erfordern.
Weitere Faktoren bei der Wahl der Glasfaserinfrastruktur sind:
- Kostenzyklus: Da es sich bei Lit-Fiber-Diensten um einen Managed Service handelt, zahlen Unternehmen für Installation, Konfiguration, Abonnements, Upgrades und Wartung. Trotz der höheren CapEx bietet Dark Fiber auf lange Sicht oft deutlich geringere Kosten pro Gigabit als Lit Fiber.
- Technisches Fachwissen: Neben den einmaligen Hardwarekosten erfordert die Entwicklung und Bereitstellung von Dark Fiber und der dazugehörigen Ausrüstung zusätzliches Personal. Einige Unternehmen schaffen hierfür neue Stellen oder beauftragen Dienstleister, die optisches Engineering mit Netzwerkexpertise verbinden. Bei Lit Fiber ist das Team des Dienstanbieters vollständig für die Verwaltung des Lebenszyklus verantwortlich.
- Bereitstellungszyklus: Es kann Monate dauern, bis Dark Fiber vollständig einsatzbereit ist. Lit Fiber kann je nach Anbieter innerhalb weniger Tage oder Wochen verfügbar sein. Wenn bereits eine gemietete Dark-Fiber-Strecke vorhanden ist, kann die Aktivierung jedoch durchaus innerhalb weniger Wochen erfolgen.
- Skalierbarkeitsziele: Lit Fiber bietet Bandbreite in einem vordefinierten Rahmen und eignet sich für eine moderate Bandbreitennutzung sowie die typischen Latenzanforderungen von Unternehmensanwendungen. Dark Fiber ermöglicht dagegen sehr hohe Bandbreiten und gibt Unternehmen die volle Kontrolle über die eingesetzte Übertragungstechnik. Dadurch lässt sich die Infrastruktur flexibel an wachsende Anforderungen, etwa durch KI- und Machine-Learning-Workloads, anpassen. Durch den Einsatz von WDM-Technologien (Wavelength Division Multiplexing) können mehrere optische Kanäle gleichzeitig über eine einzige Glasfaser übertragen werden. So lässt sich die verfügbare Kapazität erheblich erweitern, ohne dass zusätzliche Glasfasern angemietet oder verlegt werden müssen.
- Anpassbarkeit: Wenn ein Unternehmen die Bandbreite einer Lit-Fiber-Verbindung erhöhen möchte, ist oft ein Wechsel in einen leistungsfähigeren Tarif notwendig. Die Umsetzung hängt von den Prozessen und Service-Level-Vereinbarungen des Providers ab und kann einige Tage oder Wochen dauern. Bei Dark Fiber ist die Flexibilität deutlich höher: Da die Unternehmen die aktive Übertragungstechnik selbst betreiben, lassen sich Bandbreite und Kapazität oft kurzfristig erweitern, beispielsweise durch leistungsfähigere Transceiver oder zusätzliche WDM-Kanäle.
- Fehlermanagement: Bei Dark Fiber sind die eigenen Engineering-Teams für Betrieb, Überwachung und Fehlersuche der aktiven Netzwerktechnik verantwortlich. Konfigurations- und Hardwareprobleme an den Endgeräten lassen sich häufig schneller beheben als bei einem gemanagten Dienst, da kein Ticket beim Provider erforderlich ist. Ergänzung: Das gilt jedoch nicht für Schäden an der Glasfaser selbst. Bei einem Kabelbruch, etwa durch Tiefbauarbeiten, ist auch ein Dark-Fiber-Kunde auf den Eigentümer beziehungsweise Betreiber der Glasfaserinfrastruktur angewiesen, der die Faser reparieren oder neu spleißen muss.
- Sicherheit und Kontrolle: Mit Dark Fiber haben Unternehmen die vollständige Kontrolle über die eingesetzte optische Übertragungstechnik sowie über Routing, Überwachung und Sicherheitsmechanismen. Die angemietete Glasfaser steht dem jeweiligen Kunden exklusiv zur Verfügung, auch wenn die physische Trasse oder das Kabelbündel häufig gemeinsam mit weiteren Glasfasern genutzt werden. Unternehmen können eigene Verschlüsselungslösungen, etwa auf Basis von Layer-1-Verschlüsselung, MACsec oder IPsec einsetzen und so den Schutz sensibler Daten an ihre Sicherheitsanforderungen anpassen. Die tatsächliche Sicherheit hängt jedoch sowohl bei Dark Fiber als auch bei Lit Fiber von der eingesetzten Technik und der Expertise des IT- und Security-Teams ab. Ein weiterer Vorteil von Dark Fiber ist die Möglichkeit der gezielten Path Diversity (Wegemultiplex). Unternehmen kennen den physischen Verlauf ihrer Glasfaserstrecken und können bewusst redundante Trassen planen. Dadurch lässt sich das Risiko eines Ausfalls durch einzelne physische Beschädigungen, etwa infolge von Tiefbauarbeiten, deutlich reduzieren. Bei Lit-Fiber-Diensten bleibt der genaue Leitungsverlauf dagegen häufig innerhalb der Infrastruktur des Providers verborgen.
Private Fiber
Private Fiber bezeichnet dedizierte Glasfaserverbindungen, die sich vollständig im Eigentum eines Unternehmens oder einer öffentlichen Einrichtung befinden oder exklusiv von diesen genutzt werden. Im Gegensatz zu öffentlichen Telekommunikationsdiensten betreiben Unternehmen ihre Datenübertragung über eine eigene physische Infrastruktur oder über exklusiv bereitgestellte Glasfaserstrecken. Private-Fiber-Verbindungen transportieren den Datenverkehr unabhängig vom öffentlichen Internet. Je nach Netzarchitektur können sie jedoch mit anderen privaten oder öffentlichen Netzen verbunden werden.
Die Planung und Verlegung solcher Glasfaserstrecken erfordert umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen und erfolgt in Zusammenarbeit mit Netzplanern, Tiefbauunternehmen, Netzbetreibern und Genehmigungsbehörden. Bei Unterseekabeln übernehmen spezialisierte Konsortien und Kabelnetzbetreiber die Planung, Verlegung und Wartung.
Mit Private Fiber lassen sich Rechenzentren, Unternehmensstandorte oder Forschungseinrichtungen über Entfernungen von mehreren Hundert oder sogar Tausenden Kilometern verbinden. Da der Aufbau und Betrieb eines eigenen Glasfasernetzes enorme Investitionen erfordert, verfügen meist Hyperscaler, Telekommunikationsunternehmen oder staatliche Organisationen über entsprechende Infrastrukturen. Unternehmen profitieren von einer vollständigen Kontrolle über die eingesetzte Übertragungstechnik, einer exklusiv nutzbaren Glasfaser, hoher Skalierbarkeit und bei dauerhaft hoher Auslastung potenziell niedrigeren Kosten pro übertragenem Gigabit.
Private Fiber bietet jedoch keine automatische Ende-zu-Ende-Sicherheit. Erst durch geeignete Maßnahmen wie Verschlüsselung, Zugriffskontrollen und redundante Netzarchitekturen lässt sich ein hohes Sicherheitsniveau erreichen.
Fazit
Die Bereitstellung von Glasfaserinfrastruktur ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Deshalb sollten Unternehmen vor der Entscheidung zwischen Lit Fiber und Dark Fiber sowohl die technischen Anforderungen als auch die langfristigen Betriebs- und Investitionskosten sorgfältig analysieren. Lit-Fiber-Dienste eignen sich besonders für Unternehmen, die eine schnell verfügbare, gemanagte WAN-Anbindung mit kalkulierbaren Betriebskosten bevorzugen. Dark-Fiber-Dienste empfiehlt sich vor allem für Organisationen mit hohem Bandbreitenbedarf, strengen Compliance-Anforderungen oder dem Wunsch nach maximaler Kontrolle über die eigene Netzwerkinfrastruktur.
Neben den beiden Modellen haben sich inzwischen auch Wavelength Services (Wave Services) etabliert. Dabei stellt der Netzbetreiber dedizierte optische Wellenlängen auf seiner Glasfaserinfrastruktur bereit. Unternehmen erhalten dadurch hohe Bandbreiten und eine größere Flexibilität als bei klassischen Lit-Fiber-Diensten, ohne selbst eine komplette Dark-Fiber-Infrastruktur betreiben zu müssen.
Dieser Artikel ist im Original in englischer Sprache auf Search Networking erschienen.