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Gehaltsumfrage 2019/2020: Frauen in der IT in der Unterzahl

Die IT-Gehaltsumfrage 2019/2020 von TechTarget zeigt, dass sich Firmen zwar mit Diversity-Themen beschäftigen, aber nicht umfassend. Zudem sind Frauen in der IT unterrepräsentiert.

TechTarget hat IT-Fachkräfte und -Manager in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) nach ihrer Arbeitssituation, Gehaltsentwicklung und Plänen befragt. Allerdings wurde auch danach gefragt, wie sehr sich die Unternehmen mit Diversity-Themen auseinander setzen, zum Beispiel mit dem Frauenanteil in der IT, der Balance zwischen der männlichen und weiblichen Angestelltenzahl sowie generellen Diversitätsthemen wie Alter oder Sexualität. Dabei zeigt sich deutlich, dass Frauen in IT-Teams nach wie vor nicht oft zu finden sind.

Die Unternehmensgröße spielt beim Frauenanteil eine Rolle

Die Umfrage belegt bei den befragten Unternehmen einen scheinbaren Zusammenhang zwischen Firmengröße und Frauenanteil. In Firmen mit weniger als 49 Mitarbeitern liegt der Anteil in der Majorität (39 Prozent) zwischen ein und zehn Prozent. Unternehmen mit 50 bis 99 Angestellten haben 48 Prozent gar keine weiblichen IT-Fachkräfte. Erst ab einer Mitarbeiterzahl von 250 wird das Bild etwas positiver. In der Regel gaben die meisten Unternehmen an zwischen, dass ein und zehn Prozent ihres IT-Teams aus Frauen besteht. Gleich dahinter beschäftigen Firmen elf bis 20 Prozent an Frauen in der IT.

Der Gesamtfrauenanteil in IT-Teams liegt unter 20 Prozent.
Der Gesamtfrauenanteil in IT-Teams liegt unter 20 Prozent.

In wenigen Fällen übersteigt der Frauenanteil 20 oder 40 Prozent. In größeren Organisationen von mehr als 1000 Mitarbeitern ist zumindest der Prozentsatz derer, die keine Frauen im IT-Team haben, am geringsten und liegt bei nur sieben Prozent.

Generell lässt sich allerdings sagen, dass diese Zahlen noch viel Luft nach oben lassen, egal in welcher Managementebene. Erschwerend kommt hier sicherlich hinzu, dass weibliche Angestellte laut der Umfrage außer auf Direktor- und Managerebene, sehr viel weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen in der gleichen Position. Teilweise werden bis zu 50 Prozent weniger Gehalt an Frauen gezahlt.

Änderungen für höheren Frauenanteil nicht auf der Agenda

Obwohl Frauen in der IT offensichtlich unterrepräsentiert sind, scheint es keine größeren Bestrebungen zu geben, dies in nächster Zukunft mit entsprechenden Maßnahmen zu ändern. Auf die Aussage „Mein Unternehmen hat einen Plan, um die Balance zwischen Frauen und Männern in unserem IT-Team zu verbessern“ sagte die große Mehrheit der Befragten „weder noch“, gleich gefolgt von „stimme (überhaupt) nicht zu“. Auch hier sind zustimmende Antworten eher bei großen Unternehmen von über 250 Mitarbeitern zu finden.

Leider ist keine Tendenz zu erkennen, den Frauenanteil in der IT zu erhöhen.
Leider ist keine Tendenz zu erkennen, den Frauenanteil in der IT zu erhöhen.

Ob dies auch daran liegt, dass der Fachkräftemangel sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftritt, lässt sich hier natürlich nicht ableiten. Allerdings müssen sich Unternehmen angesichts solcher Ergebnisse schon der Frage stellen, wie ernst Gleichberechtigung und Gleichstellung genommen werden.

Diversität: Leider nur ein Thema für die großen Firmen

Bei der Frage, mit welchen Diversitätsthemen sich die Unternehmen derzeit beschäftigen, kristallisierten sich insgesamt vier Kerngebiete heraus: Alter, Behinderungen, Geschlechtergleichstellung und Sexualität. Allerdings sind es fast ausschließlich die ganz großen Firmen mit über 1000 Angestellten, die sich einen solche Diskussion innerhalb des IT-Teams leisten. Auch in Firmen mit weniger als 49 Mitarbeitern setzt man sich mit allen vier etwas mehr Themen auseinander.

Offenbar gibt es eine Korrelation zwischen Firmengröße und dem Auseinandersetzen mit Diversity-Themen.
Offenbar gibt es eine Korrelation zwischen Firmengröße und dem Auseinandersetzen mit Diversity-Themen.

In großen Organisationen scheint Inklusion derzeit das wichtigsten Thema zu sein, da 78 Prozent der Befragten sich mit dem Thema Behinderungen beschäftigen. In diesen Unternehmen rangieren Geschlechtergleichstellung mit 58 Prozent auf Rang zwei und Alter mit 56 Prozent auf Platz drei. In den kleinsten Firmen sind die Themen Alter und Geschlechtergleichstellung als wichtigste Punkte fast gleich (23 und 22 Prozent), ebenso die Themen Behinderung und Sexualität (elf und zehn Prozent).

Es fällt zudem auf, dass sich nur sehr wenige Firmen mit 50-99 Angestellten mit diesen Themen auseinandersetzen. Gerade einmal drei Prozent der hier befragten Gruppe haben Alter und Geschlechtergleichstellung auf ihrer Agenda. Es steht zu hoffen, dass die mittelständischen Firmen beim Thema Diversität nachziehen werden.

Details zur Umfrage

Die europaweite Online-Umfrage wurde im Zeitraum von Oktober bis November durchgeführt. In der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) nahmen 260 IT-Profis teil. 73 Prozent der Teilnehmer arbeiten in Deutschland, 15 Prozent in der Schweiz und 12 Prozent in Österreich.

47 Prozent der Umfrageteilnehmer arbeiten in kleineren und mittleren Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten. 16 Prozent der Umfrageteilnehmer sind in Unternehmen mit 250 bis 999 Mitarbeitern tätig. Aus Großunternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern kommen 37 Prozent der Befragten.

Eventuelle Abweichungen von 100 Prozent für den Gesamtwert ergeben sich aus Rundungen. Bei einigen Fragen waren außerdem Mehrfachnennungen möglich.

Informationen zu den Gehaltsentwicklungen finden Sie hier. Was die Umfrage im Bereich Fachkräfte zutage brachte, lesen Sie hier.

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