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Wie COVID-19 die Digitalisierungsstrategien verändert hat

COVID-19 hat vielen IT-Abteilungen bei der Digitalisierungsstrategie einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Eine Studie untersucht die Folgen für Betrieb und Mitarbeiter.

Durch die Coronapandemie standen Unternehmen und deren IT-Abteilungen vor einer noch nie dagewesenen Herausforderung. Über Nacht mussten sie Ressourcen für eine leistungsfähige Home-Office-Infrastruktur bereitstellen. Auch im privaten Bereich verschiebt sich das gesellschaftliche Leben in den digitalen Raum: Von Online-Shopping bis zu Streamingdiensten, die Menschen nutzen vermehrt digitale Angebote.

Sowohl von Seiten der Kunden als auch von Seiten der Remote-Mitarbeiter stiegen also die Anforderungen an IT-Abteilungen. Der Agents of Transformation Reports von AppDynamics untersucht deshalb die veränderten Ansprüche und Prioritäten für IT-Abteilungen mit einer Befragung von 1.000 IT-Mitarbeitern weltweit zu den Auswirkungen der Pandemie auf Business Continuity (BC) und -Praktiken.

Bereits vor COVID-19 gaben 71 Prozent der Anwender in einer Umfrage von AppDynamics an, dass digitale Anwendungen aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken sind. Die Verlagerung des öffentlichen, privaten und wirtschaftlichen Lebens in den digitalen Raum hat dessen Rolle noch einmal verstärkt in den Fokus gerückt.

Die geplanten digitalen Transformationsstrategien mussten plötzlich auf andere Art und Weise vollzogen werden – und zwar unter enormen Druck. Dies belegen auch Zahlen aus dem Agents of Transformation Report 2020: 76 Prozent der Mitarbeiter geben an, dass die COVID-19-Pandemie die größte technologische Herausforderung herbeigeführt hat, der ihr Unternehmen jemals gegenüberstand.

68 Prozent geben an, dass die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Veränderungen Schwächen in ihrer digitalen Strategie aufgezeigt haben.

Neue Prioritäten und Tools für Technologie-Experten

Ganze 90 Prozent der Unternehmen haben ihre Technologieprioritäten im Zuge der COVID-19-Pandemie verändert. Über die Hälfte der Technologen mussten ihnen bisher unbekannte Aufgaben und Funktionen ausführen.

Die Experten sahen sich plötzlich mit einer Vielzahl an neuen Anforderungen konfrontiert: Sie mussten allen Mitarbeitern einen effizienten und gleichzeitig sicheren Arbeitsplatz zuhause zur Verfügung stellen. Dafür mussten die Netzwerke auf eine höhere Belastung vorbereitet und die Sicherheit des Technologie-Stacks gewährleistet werden. Neben den eigenen Mitarbeitern, mussten auch die Kunden mit neuen digitalen Lösungen versorgt werden: 82 Prozent der Befragten sehen die Priorität zurzeit bei der digitalen Customer Experience (Kundenerfahrung, CE).

Das schlägt sich auch in einer veränderten Arbeitsweise und im Zurückgreifen auf andere technologische Hilfsmittel nieder. Die Nachfrage nach Application Performance Monitoring (APM) steigt, Cloud-Services verzeichnen gesteigerten Traffic und Entwickler greifen vermehrt auf Microservices zurück. Dadurch können sie Code schnell entwickeln, testen und einsetzen.

Die veränderten Arbeitsweisen und gesteigerten Anforderungen führen aber nicht nur zu einem Technologiesprung, sie haben auch negative Folgen: 61 Prozent der Befragten empfinden mehr Druck bei der Arbeit als je zuvor und mussten schneller entscheiden und handeln.

So berichten 74 Prozent der Technologen, dass digitale Transformationsprojekte, die vorher jahrelange Freigabeschleifen durchlaufen mussten, innerhalb weniger Wochen an den Start gehen konnten. Oft entfällt die Vorbereitungszeit und IT-Teams müssen zusätzlich zur Umstellung der Betriebsprozesse auch an der schnellstmöglichen Umsetzung von Transformationsprojekten arbeiten, obwohl diese selbst unter normalen Umständen deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würden.

Karsten Flott, AppDynamics

„Die IT-Abteilung ist nicht nur ein entscheidender Faktor für den Fortbestand des Unternehmens während der Krise. 70 Prozent der Befragten geben an, dass hochqualifizierte IT-Mitarbeiter entscheidend dafür sein werden, dass sich Unternehmen von den Effekten der COVID-19-Pandemie schnell erholen können.“

Karsten Flott, AppDynamics 

Nachhaltige und umfassende Digitalisierungsstrategien für kommende Herausforderungen

Wie erwähnt gab mehr als die Hälfte der befragten Experten an, dass Schwachstellen in der Digitalisierungsstrategie ihres Unternehmens deutlich wurden. Diese Erkenntnis müssen Unternehmen nutzen, um eine nachhaltige und umfassende Digitalisierungsstrategie für die Zukunft zu entwickeln.

Hierbei lohnt es sich, auf die Forderungen der IT-Abteilung im eigenen Betrieb einzugehen. Diese identifiziert verschiedene Schlüsselbereiche, in denen sie sich Unterstützung von Seiten der Unternehmensführung erhofft. 88 Prozent der Technologen wünschen sich klare Ziele und Vorgaben, 86 Prozent fordern mehr Autonomie und Eigenverantwortlichkeit. Außerdem sehen sogar bis zu 80 Prozent der Befragten den Mangel an Transparenz und die fehlenden Einblicke in die Leistung ihres Technologie-Stacks als kritisch, denn die dadurch verursachten Probleme kosten sie wertvolle Zeit.

Die IT-Abteilung ist nicht nur ein entscheidender Faktor für den Fortbestand des Unternehmens während der Krise. 70 Prozent der Befragten geben an, dass hochqualifizierte und spezialisierte IT-Mitarbeiter ihrer Meinung nach entscheidend dafür sein werden, dass sich Unternehmen von den Effekten der Coronapandemie schnell erholen können.

Sie zeichnen sich durch die Fertigkeiten und Eigenschaften aus, die notwendig sind, um Innovation voranzutreiben. Unternehmen sollten daher genau darauf achten, dass ihre IT-Mitarbeiter mit den notwendigen Tools ausgestattet sind. Es gilt, diese Schlüsselfiguren in eine umfassende und nachhaltige Digitalisierungsstrategie einzubetten. Hier müssen die Forderungen der Technologen an erster Stelle stehen. So können Unternehmen auch zukünftigen unerwarteten Herausforderungen optimistisch entgegenblicken.

Über den Autor:
Karsten Flott ist seit 2014 Sales Engineer bei AppDynamics und im Bereich des Performance Testing und Application Performance Management tätig. AppDynamics ist ein Anbieter von Lösungen für Application Performance Management.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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