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Was wäre, wenn es die voll digitalisierte Arbeitswelt gäbe?

Unternehmen versprechen sich viele Vorteile von der digitalisierten Arbeitswelt, sind aber noch im Analogzeitalter verhaftet. Lesen Sie hier, wie digitales Arbeiten aussehen könnte.

In unserer „Was wäre, wenn….“-Rubrik erklären Branchenexperten, wie verschiedene Szenarien im Ideal- oder auch im schlimmsten Falle aussehen könnten.

Digitalisierung hört und liest man aktuell überall und in den verschiedensten Zusammenhängen. Besondere Relevanz hat das Thema in der Berufswelt; erhoffen sich doch Unternehmen Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen und vieles mehr durch Technologie und damit einhergehende neue Arbeitsweisen.

Doch viele Vorgänge und Prozesse in Unternehmen sind immer noch erstaunlich analog. Grund genug, sich einmal die Frage zu stellen, wie eine vollkommen digitale Arbeitswelt aussehen könnte.

Erst kürzlich wurde die digitale Krankmeldung und damit das Aus für den sogenannten „gelben Schein“ beschlossen. Der soll ab 2021 endgültig abgeschafft werden. Mit der digitalen Krankmeldung möchte die Bundesregierung Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen entlasten. Doch ähnlich obsolete Relikte des Analogzeitalters begegnen uns noch an vielen anderen Stellen. Um eine wirklich digitale Arbeitserfahrung zu schaffen, von der Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren, müssen wir daran arbeiten, diese Relikte zu beseitigen.

Jobsuche und Bewerbung

Auch wenn die klassischen Bewerbungsmappen mittlerweile fast vollständig verschwunden sind, erinnern viele Abläufe bei der Stellensuche noch an vordigitale Zeiten. Die meisten Unternehmen schalten auch heute noch Anzeigen und warten darauf, dass sich Bewerber melden.

Zwar geschieht das heute in aller Regel digital und Bewerber antworten per E-Mail oder Online-Tool auf die Ausschreibung, dennoch ist das nicht der optimale Weg. Früher blieb den Unternehmen kaum etwas anderes übrig als diese abwartende Haltung. Schon heute verfügen wir aber über Technologien, die ein wesentlich aktiveres Vorgehen von Unternehmen ermöglichen. Der verstärkte Einsatz von KI-Anwendungen wird es ermöglichen, das aktive Sourcing noch weiter zu verbessern und so direkt auf die vielversprechendsten Bewerber zuzugehen.

Ist der Bewerbungsprozess erfolgreich verlaufen, egal ob analog oder digital, geht es an die Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages. Dabei ist „Unterzeichnung“ hier noch sehr wörtlich zu nehmen. Verträge werden verbindlich, indem beide Seiten ein Papier unterschreiben.

In unserer globalisierten Welt von heute kann die neue Arbeitsstelle aber durchaus hunderte oder tausende Kilometer vom aktuellen Wohnort entfernt sein, was die Unterzeichnung natürlich erschwert. In einer digitalisierten Arbeitswelt wird es daher auch digitale Identitätsnachweise geben, die den verbindlichen Vertragsschluss auch ganz ohne Papier ermöglichen.

Im Büro

Hier ist die Digitalisierung schon relativ weit fortgeschritten könnte man meinen. Doch die Tatsache, dass jeder über PC und Smartphone verfügt, sagt noch nichts über die Arbeitsweise aus. Auf dem Weg zu einer vollständig digitalen Erfahrung gibt es auch hier noch einiges zu tun.

Das fängt bei Logins an, viele kennen das Problem: Kommt man morgens an den Arbeitsplatz muss man sich zunächst bei einer Vielzahl von Anwendungen und Diensten einzeln anmelden. Meist mit Nutzername und Passwort. Das ist nicht nur umständlich, sondern auch unsicher. Hier werden wir schon in näherer Zukunft andere Methoden sehen, die beispielsweise auf biometrischen Merkmalen beruhen.

Ein weiteres Problem: Der PC ist längst nicht mehr das einzige Arbeitsgerät von Büroangestellten. Laptops, Tablets und Smartphones ergänzen die Ausstattung. In Zukunft könnten noch einige andere smarte Geräte hinzukommen, wie zum Beispiel Uhren oder Brillen.

Dabei kommt es dann darauf an, die Schnittstellen zwischen den einzelnen Geräten zu überbrücken, so dass eine nahtlose Nutzererfahrung entsteht. Konkret sieht das dann etwa so aus: Liest man morgens in der Bahn E-Mails, kann man, einmal im Büro angekommen, an derselben Stelle fortfahren. Oder ein Kundenbetreuer kann Informationen, die er am PC recherchiert hat, mit seiner smarten Brille unauffällig mit ins Kundengespräch nehmen.

Automatisierung wird im Büro von morgen eine wichtige Rolle spielen. Sprache-zu-Text-Lösungen werden immer besser, so dass vielleicht schon bald Tastaturen überflüssig werden. Viele Routineaufgaben lassen sich bereits heute mit innovativen Lösungen automatisieren, etwa das Akzeptieren von Einladungen oder Übertragen von Kalendereinträgen.

Allzu oft sieht es in deutschen Büros allerdings noch anders aus, wie eine Citrix-Studie zeigt: So schicken sich etwa 44 Prozent der deutschen Arbeitnehmer Dokumente an die eigene Mail-Adresse, wenn sie diese außerhalb des Büros bearbeiten möchten.

Einen firmeneigenen, von der IT-Abteilung verwalteten Online-Speicher nutzen dagegen nur 12 Prozent. Die interne Kommunikation wird noch weitgehend von Telefon (36 Prozent) und E-Mail (32 Prozent) dominiert. Lange E-Mail-Ketten mit vielen Empfängern sind dabei alles andere als übersichtlich.

Messenger-Lösungen, die beispielsweise Gruppen-Chats ermöglichen, können hier eine Verbesserung bieten. Doch solche Dienste sind nur für sechs Prozent der Umfrageteilnehmer der präferierte Kommunikationsweg. Hier gibt es also noch einigen Nachholbedarf.

Handeln Unternehmen nicht, kann das sogar zu einem Sicherheitsrisiko werden. Immerhin 12 Prozent der von Citrix befragten Arbeitnehmer haben bereits versucht, auf eigene Faust Software zu installieren. Diese sogenannte Schatten-IT ist gefährlich, da die IT-Abteilung nicht weiß, welche Software überhaupt genutzt wird und diese deshalb auch nicht kontrollieren kann.

Um dem vorzubeugen, brauchen Unternehmen daher umfassende Lösungen, die ihren Mitarbeitern zeitgemäße Funktionalitäten für alle relevanten Aufgaben bereitstellen und sich von der IT einfach verwalten lassen.

In der Produktion

Ein ganz großes Thema, wenn es um die Arbeit in der Zukunft geht, spielt auch Vernetzung im Rahmen der sogenannten Industrie 4.0. Nicht mehr nur Computer und ähnliche Geräte, auch Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude, ja sogar Werkstücke können heute vernetzt werden.

Überall entlang des kompletten Produktlebenszyklus sammeln unzählige Sensoren unablässig Informationen. So kann man etwa sehen, ob Bananen in einem Schiffscontainer bei der richtigen Temperatur transportiert werden, ohne diesen zu öffnen.

Michael Heitz, Citrix

„Automatisierung wird im Büro von morgen eine wichtige Rolle spielen. Sprache-zu-Text-Lösungen werden immer besser, so dass vielleicht schon bald Tastaturen überflüssig werden.“

Michael Heitz, Citrix

In der Industrie können Mitarbeiter der Instandhaltung Maschinendaten direkt auf ihren Geräten auslesen. Die Analyse dieser Daten macht sogar Predictive Maintenance, also vorausschauende Wartung möglich. KI-gestützte Datenanalyse sagt bei diesem Verfahren voraus, nach welcher Zeit Teile verschlossen sein werden, so dass diese rechtzeitig getauscht werden können und die Produktion nicht unnötig stillsteht.

In einer voll digitalisierten Fabrikhalle sehen Mitarbeiter nicht nur Maschinen, sondern auch die Prozessketten, in die diese eingebunden sind. Das wird dadurch möglich, dass Sensoren in jeder Maschine dauernd Daten erheben, die dann aggregiert und visualisiert werden können.

Dabei wird die Automatisierung noch weiter voranschreiten, als sie es heute schon ist. Viele Menschen fürchten, dass durch diese Entwicklungen Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Stattdessen wird es vermutlich eher zu einer Verlagerung kommen. Denn die Digitalisierung ermöglich auch ganz neue Geschäftsmodelle, die neue Jobs schaffen werden.

Fazit

Das war nur ein kurzer Einblick in mögliche Entwicklungen. Die Digitalisierung wird aber letztendlich nahezu alle Branchen weiter verändern, als sie es ohnehin bereits getan hat. Auch für Landwirte, Bauarbeiter und Universitätsprofessoren wird die Nutzung digitaler Technologien immer mehr mit dem Alltag verschmelzen. Diese werden uns dabei immer mehr Routineaufgaben abnehmen, so dass sich Mitarbeiter anderen Aufgaben widmen können. Das wird auch ganze Berufsbilder verändern, die Erfüllung von repetitiven Aufgaben wird dabei zusehends in den Hintergrund treten zugunsten von kreativen Problemlösungsfähigkeiten.

Über den Autor:
Michael Heitz ist seit November 2018 Regional Vice President Germany bei Citrix. In seiner letzten Position als Vice President World Wide Partner Sales verantwortete er das Partnergeschäft für Hitachi Data Systems und passte die Partnerstruktur des Anbieters an, um besser für digitale Transformationsprojekte positioniert zu sein. Zuvor war Michael Heitz als Regional Vice President & Managing Director Germany ebenfalls für Hitachi Data Systems tätig.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder und entsprechen nicht unbedingt denen von ComputerWeekly.de.

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