H.264, VP9 und Multipoint: Das wird 2015 für WebRTC-Technologien wichtig

Web-Browser, Videokonferenzen, VoIP und Video-Codecs: In all diesen Bereichen ist 2015 mit Veränderungen für die WebRTC-Technologie zu rechnen.

Einen Blick in die Zukunft werfen zu wollen und grob vorauszusagen, wie sich irgendeine Technologie entwickeln wird, ist schwer genug. Je mehr man dabei ins Detail geht, umso schwieriger wird die Angelegenheit natürlich. Allerdings mag ich Herausforderungen und wage daher eine Prognose zur WebRTC-Technologie (Web Real-Time Commnications) im Jahr 2015.

Browser-Unterstützung für WebRTC

  • Im zweiten Quartal 2015 wird Internet Explorer 11 Unterstützung für WebRTC bekommen. Ich bezweifle allerdings, dass Microsoft WebRTC auch in einer früheren IE-Version eine entsprechende Unterstützung implementieren wird. Sollte das dennoch der Fall sein, bekommen Unternehmen ein unerwartetes Extra spendiert. Mobile Versionen des Internet Explorers dürften später im Jahre 2015 mit Unterstützung für WebRTC ausgestattet werden.
  • Apple wird WebRTC in Safari wohl nicht vor 2016 integrieren.
  • Auf meiner Website BlogGeek.me habe ich vor gar nicht allzu langer Zeit noch das komplette Gegenteil bezüglich der Implementierung von WebRTC in IE und Safari behauptet. Daran kann man sehen, wie schnelllebig die IT-Landschaft ist.

Video-Codecs für WebRTC

Die IETF (Internet Engineering Task Force) hat sich mittlerweile für H.264 und VP8 ausgesprochen. So dürften die großen Browserhersteller darauf reagieren:

  • Google wird in Chrome H.264, VP8 und VP9 unterstützen.
  • Mozilla wird in Firefox H.264 und VP8 unterstützen.
  • Microsoft wird beim Internet Explorer H.264 ziemlich sicher, VP8 aber nur vielleicht unterstützen.
  • Opera wird H.264, VP8 und VP9 in seinem gleichnamigen Browser unterstützen. Die Software basiert auf dem gleichen Chromium-Code wie Google Chrome.

API-Plattformen für WebRTC

API-Plattformen für WebRTC bieten UCaaS (Unified Communications as a Service) via WebRTC an. Durch die Verfügbarkeit dieser Engines wird die Technologie auch für Unternehmen interessant.

Im Jahre 2014 gab es in der Branche einige Änderungen, beispielsweise die Akquisition von AddLive durch SnapChat und Requestec durch Blackboard. Weiterhin wurde Crocodile RCS von Acision lizenziert. Wir konnten auch beobachten, dass neue Plattform-Provider wie Bistri, Kandy, ooVoo, Respoke oder Sinch auf den Markt gekommen sind.

Der Bereich wird im Jahre 2015 weiterhin aktiv bleiben und ich denke, dass wir hier noch einiges zu sehen bekommen werden:

  • Mindestens zwei der kleineren WebRTC-Plattform-Anbieter werden wegen ihrer Technologie geschluckt – und nicht wegen der Kunden oder des Marktanteils. Beide Anbieter werden vom Markt verschwinden.
  • Ein Plattform-Anbieter wird nicht schnell genug wachsen können und muss deswegen die Pforten dicht machen.

Die Verwendung von WebRTC in Call-Centern

Im Call-Center werden diese beiden Anwendungsfälle vorherrschen:

  • WebRTC wird in CRM-Software (Customer Relationship Management) eingebettet und somit herkömmliche Desktop-Telefone von Call-Center-Mitarbeitern und VoIP-Software ersetzen. Die Kunden werden genau wie derzeit anrufen, Call-Center-Mitarbeiter allerdings WebRTC als darunterliegende Technologie verwenden. Diese stille Evolution wird im Jahre 2015 stark voranschreiten.
  • Video-Call-Center werden an der Stelle glänzen, wo menschliche Interaktion im Verkaufsprozess notwendig ist. Zu den führenden Branchen in diesem Bereich werden zum Beispiel Banken, Versicherungen, Gesundheitswesen, Autohandel, Immobilienmakler und Juweliere gehören.

Die Möglichkeit zur Nutzung von Sprachanrufen über Kontaktformulare von Webseiten aus wird im Jahre 2015 allerdings noch keine großen Sprünge machen. Dieser Bereich muss erst noch erwachsen werden, bevor er sich in den nächsten Jahren etabliert.

Videokonferenzen mit WebRTC-Unterstützung

Im Jahre 2015 werden die meisten Anbieter von Videokonferenz-Plattformen WebRTC-Unterstützung hinzufügen. Dies sind die Gründe dafür:

  • Wir sehen bereits, dass LifeSize, Cisco und Microsoft WebRTC adaptieren. Polycom und Avaya werden folgen. Erwarten Sie aber keine weltbewegenden Änderungen in den Business-Modellen dieser Anbieter. Das gilt auch für die Preisgestaltung und die Anwender-Erfahrung. WebRTC wird diesen Unternehmen allerdings helfen, neuen Lizenzen an die existierende Kundenbasis zu verkaufen. Zu einem umfangreichen Wachstum im Jahre 2015 dürfte es allerdings wohl eher nicht führen.
  • Neulinge wie zum Beispiel Pexip und Acano legen womöglich etwas zu. Das sollte sich allerdings nicht entscheidend auf den Markt auswirken.

Broadcast und Multipoint

Es gibt Situationen, bei denen mehrere Parteien an einer Videokonferenz teilnehmen. Der Fachausdruck dafür ist Multipoint. Auch eine Übertragung (Broadcast) an eine große Anzahl an Menschen ist denkbar, die dann allerdings lediglich Zuschauer sind. WebRTC erlaubt solche Anwendungsfälle zwar, aber dafür ist viel Engineering am Back-End notwendig.

Nur wenige WebRTC-Provider bieten daher Multipoint-Lösungen an. Diese sind zudem meist teuer und Unternehmen bevorzugen es in der Regel, mehr Flexibilität und Kontrolle über die Kommunikationen zu haben. Im Jahre 2015 sehen wir meiner Meinung nach einen oder zwei neue Anbieter, die kostengünstige und nützlichere Lösungen für Broadcast und Multipoint zur Verfügung stellen werden.

VoIP für Verbraucher und Unternehmen

Neue mobile App-Entwickler wie zum Beispiel Switch.co, Talko und Wire Swiss versuchen derzeit, den Sprachanruf neu zu erfinden und die Suche nach Next-Generation Audio wird auch im Jahr 2015  mit Anbietern weitergehen, die entweder den Consumer- oder den Business-Markt anvisieren. 

Auch wenn diese Produkte möglicherweise Video-Funktionen enthalten: Das Hauptaugenmerk wird eher auf Audio liegen.

Anbieter werden zudem versuchen, weitere Innovationen rund um die Nutzer-Erfahrung zu implementieren. Das könnten zum Beispiel automatische Sprachaufzeichnungen, Sprache-zu-Text-Funktionen oder Analytics-Lösungen sein.

Wer als Konsument WebRTC bereits jetzt testen möchte, kann sich Firefox ab Version 35 und die darin enthaltene App Hello ansehen. 

Damit lassen sich WebRTC-basierte Videoanrufe sehr einfach bewerkstelligen. Die App dürfte auch sehr bald in Mozillas Betriebssystem für mobile Geräte, FireOS, Einzug erhalten und dort Standard werden.

Wer möglicherweise unerwartet Akzente bei WebRTC setzt

Nachfolgend finden Sie etwas Wunschdenken über Themen, die 2015 vielleicht wichtig werden. Ich hoffe, dass einige dieser Dinge auch tatsächlich wahr werden.

  • Apple spendiert iOS und Safari Unterstützung für WebRTC. Sollte das geschehen, setzt das Unternehmen wohl am ehesten auf die Video-Codecs H.264 und H.265.
  • Microsoft stattet den Internet Explorer mit H.265-Unterstützung aus. Möglicherweise gibt es an dieser Stelle einen Lizenz-Deal mit Vidyo.
  • Eine große Messaging-Plattform wie zum Beispiel WhatsApp, Line oder WeChat bietet den Zugriff auf das eigene Netzwerk via WebRTC von einem Browser aus an.
  • Akamai fügt P2P via WebRTCs Datenkanal als Teil seines Content Delivery Networks (CDNs) hinzu.

Über den Autor:
Tsahi Levent-Levi ist Consultant für VoIP und WebRTC. Er betreibt außerdem den Blog BlogGeek.me. Dort spricht er über aufregende Technologien im Bereich Kommunikation.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Facebook, Twitter und Google+!

Erfahren Sie mehr über Unified Communications

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close