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Best Practices für KI entwickeln und so zum Vorreiter werden

Unternehmen können eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung von Best Practices für künstliche Intelligenz einnehmen. Auf dem Weg dahin müssen aber einige Faktoren beachtet werden.

Künstliche Intelligenz (KI) hat sich schnell zu einem zentralen Katalysator für den Wandel in verschiedenen Branchen entwickelt. Auch die rasante Entwicklung von generativer KI (gen AI) ist beispiellos. Im Gartner Hype Cycle for Emerging Technologies 2023, befindet sich KI auf dem Gipfel der überhöhten Erwartungen (Peak of Inflated Expectations).

Die virale Verbreitung von generativer KI wird enorme Auswirkungen auf Unternehmen haben und eine neue Ära der Synergie zwischen Menschen und Maschine einläuten. Mit der Weiterentwicklung der KI-Technologien müssen die Unternehmen jedoch auch ihre Verantwortung bei der Gestaltung von Best Practices im Zusammenhang mit KI erkennen.

Selbst wenn die Regulierungsbehörden sich in dieser schönen neuen Welt zurechtfinden, sind Unternehmen in einer einzigartigen Position, um proaktiv den Weg zu ebnen. Sie müssen verantwortungsvolle Sicherheit, Governance, Kontrollen und Maßnahmen für KI einführen. Für Unternehmen ist es wichtig, Initiativen für bewährte KI-Praktiken zu initiieren und gleichzeitig ihre KI-Kompetenzen aufzubauen.

Durch die regulatorische Landschaft navigieren

Es wird bestenfalls in einigen Jahre so weit sein, dass Regulierungsbehörden und Gesetzgeber ein umfassendes Paket von KI-Vorschriften und -Gesetzen ausgearbeitet haben, dass ein Gleichgewicht zwischen Innovation, Ethik und Sicherheit herstellt. Dieser Prozess wird ein kontinuierlicher sein, der sich dynamisch weiterentwickelt und nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschlossen ist.

Es kann zunächst als Vorteil angesehen werden, wenn es keine strengen Vorschriften gibt. So ist ein großer Spielraum für Innovationen gegeben. Ein fortschrittliches Unternehmen sollte jedoch schnell erkennen, dass dies ein zweischneidiges Schwert ist: Es öffnet die Tür für unethische und schädliche KI-Implementierungen. Wer jedoch die Initiative ergreift, KI-Best-Practices und einen Responsible by Design-Ansatz zu etablieren, die mit seiner Branche und seinen Werten übereinstimmen, ist auf dem richtigen Weg unterwegs.

Proaktive Geschäftsinitiativen

Unternehmen, die frühzeitig robuste KI-Verfahren einführen, verschaffen sich einen Wettbewerbsvorteil. Vertrauen ist für jede Organisation wichtig, jedoch legen Firmen bei KI die Messlatte deutlich höher: Sie erwarten, dass KI-Lösungen vertrauenswürdig, transparent, verantwortungsbewusst und ethisch einwandfrei sind.

Wenn ein Unternehmen eine Führungsrolle übernimmt und den Weg für KI-Best-Practices vorgibt, setzt es eben diese Messlatte hoch. Damit agiert es als ein Vorbild und hat einen positiven Einfluss auf andere Firmen in der Branche, ihrem Beispiel Folge zu leisten. Die frühzeitige Einführung von Best Practices kann Unternehmen auch vor potenziellen Haftungsansprüchen schützen – denn es wird künftig Richtlinien und Gesetze geben.

Ethische KI-Führung demonstrieren

Ethische KI darf nicht nur als ein weiteres Schlagwort behandelt werden. Sie ist vielmehr eine Verpflichtung, künstliche Intelligenz so einzusetzen, dass sie der Gesellschaft nützt und Vertrauen bei Verbrauchern und Nutzern schafft. Um eine ethische KI zu demonstrieren, müssen Unternehmen ihre KI-Praktiken, Quellen, die gesamte Datennutzung, Algorithmen und Entscheidungsprozesse sowie die Wiederholbarkeit und Überprüfbarkeit transparent machen.

Balaji Ramanuja, Infosys

„Die KI-Ära bringt eine Welle von Chancen und Herausforderungen für Unternehmen mit sich. Während die Regularien für KI noch in der Entwicklungsphase sind, können Organisationen es sich nicht leisten, nur passiv zuzusehen. Eine aktive Beteiligung an der Gestaltung von KI-Best-Practices und Responsible by Design-Ansätzen ist unerlässlich.“

Balaji Ramanuja, Infosys

Sie müssen aktiv daran arbeiten, eine Kultur der Verantwortung auf Basis von Design-Richtlinien zu schaffen. Gleichzeitig ist es wichtig, Voreingenommenheit in ihren KI-Systemen zu reduzieren. Nur dann sind die getroffenen Entscheidungen fair und nicht diskriminierend. Darüber hinaus müssen sie dem Datenschutz und der Sicherheit Vorrang einräumen, um sicherzustellen, dass KI-Anwendungen nur so viel Zugriff auf Nutzerdaten haben wie notwendig. Dies kann nur durch regelmäßige Audits von KI-Systemen geschehen. Dadurch lassen sich auch potenzielle ethische Probleme lösen. Unabhängige Dritte sollten die Audits durchführen, um die Unparteilichkeit zu gewährleisten.

Aufbau von KI-Fähigkeiten innerhalb eines Unternehmens

Unternehmen müssen dem Aufbau von KI-Kompetenzen innerhalb der Organisation Priorität einräumen. KI gestaltet die geschäftliche und gesellschaftliche Landschaft derzeit um. Für Mitarbeiter ist es daher unerlässlich, sich das benötigte Wissen und die Fähigkeiten anzueignen, um das Potenzial der KI effektiv zu nutzen

Unternehmen sollten folgende Initiative ergreifen, um dies zu erreichen:

  • Organisationen sollten damit beginnen, KI-Champions in ihren eigenen Reihen zu identifizieren. Diese Mitarbeiter könnten die Leitung von KI-Projekten übernehmen, die Feinheiten der KI-Technologien verstehen und ihre Kollegen anleiten. Die so erworbene Expertise sollte in einen Prozess einfließen, der Wissen in Daten umwandelt. Fördert ein Unternehmen internes Fachwissen, ist es weniger abhängig von externen Beratern und Anbietern. Das senkt die Kosten und trägt dazu bei, Technologie besser in den Betrieb zu integrieren. Ein erster Schritt: KI-Champions zu identifizieren und Responsible by Design-Praktiken innerhalb des Unternehmens aufbauen. Dies trägt dazu bei, eine Kultur des kontinuierlichen Lernens und der Anpassungsfähigkeit zu schaffen. Das ist besonders im Bereich der KI wichtig, der sich kontinuierlich weiterentwickelt. Es ist außerdem unabdingbar, mit den neuesten Entwicklungen Schritt zu halten.
  • Bildungseinrichtungen sollten darüber hinaus eine neue Generation von Arbeitskräften ausbilden. Mehrere Universitäten und Hochschulen – zum Beispiel das King's College in London – haben die wachsende Nachfrage nach KI-Fachwissen erkannt und beginnen damit, KI-Schulungen in ihre jeweiligen Lehrpläne einzubauen. Durch die Zusammenarbeit mit Universitäten und Unterstützung bei der Entwicklung von KI-Schulungsprogrammen, die auf die Anforderungen der Branche abgestimmt sind, können Unternehmen bei der Besetzung von KI-Stellen aus dem Vollen schöpfen.
  • Lebenslanges Lernen der Mitarbeiter fördern. Die dynamische Natur von KI erfordert ein Engagement für lebenslanges Lernen bei den Mitarbeitern. Um KI-Fähigkeiten innerhalb des Unternehmens effektiv aufzubauen, müssen sie kontinuierliche Schulungs- und Entwicklungsprogramme, Workshops und Zertifizierungen sowie das Verständnis für Vorschriften und Gesetze fördern und unterstützen. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die KI-Fähigkeiten der Mitarbeiter aktuell und anpassungsfähig bleiben, wenn sich die Technologie weiterentwickelt.

Die KI-Ära bringt eine Welle von Chancen und Herausforderungen für Unternehmen mit sich. Während die Regularien für KI noch in der Entwicklungsphase sind, können Organisationen es sich nicht leisten, nur passiv zuzusehen. Eine aktive Beteiligung an der Gestaltung von KI-Best-Practices und Responsible by Design-Ansätzen ist unerlässlich. Denn nur so lässt sich gewährleisten, dass KI-Technologien ethisch und verantwortungsbewusst eingesetzt werden und ihr volles Potenzial entfalten.

Über den Autor: 
Balaji Ramanuja mist Head of Architecture, Healthcare and Life Sciences bei Infosys. Balaji Ramanujan ist Enterprise Architect mit einem Gespür für die Lösung komplexer Datenprobleme. Er hat mehr als 21 Jahre Erfahrung in der Informationstechnologie mit Schwerpunkt auf Biowissenschaften, Gesundheitswesen, Einzelhandel und Banken. Balaji Ramanujan verfügt über umfangreiche Expertise hinsichtlich der Architektur und Leitung von Initiativen zur Datenmodernisierung/Monetarisierung, Datenmanagement, Stammdaten und Data Governance. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Infosys-Kunden im Gesundheitswesen und in Biowissenschaften sich auf globale Modernisierungs- und Digitalisierungsinitiativen konzentrieren konnten.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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