Auf der Suche nach Effizienzgewinnen durch SDN

Kosten spielen eine entscheidende Rolle dabei, ob SDN ein Unternehmen effizienter macht. Unser Experte erläutert die entscheidenden Punkte.

Hersteller preisen für Verkaufszwecke Software-defined Networking (SDN) als effiziente Technologie an. Ein programmierbares und flexibles Netzwerk ziehe damit in die Firma ein, so ein Versprechen. Ein weiteres lautet: Damit lässt sich mehr mit weniger Arbeit und Hardware machen.

Das Problem ist, dass es sich dabei um operative Effizienz handelt. Das ist eigentlich nur die Gegenüberstellung von von Input gegen Output, also der Benchmark für den operativen Gewinn. Die von SDN tatsächlich gelieferte Effizienz lässt sich dagegen nur unter dem Aspekt der langfristigen Verbesserung betrachtet. Rentable, operative Effizienz dauert oft länger, als sich das viele vorstellen.

SDN lässt sich nur als eine Gruppe oder ein Ökosystem an Technologien betrachten. Die beiden zentralen Elemente einer SDN-Strategie sind die Abstraktion verschiedener Elemente traditioneller Netzwerke und das Öffnen von APIs für dessen Programmierbarkeit. Insgesamt bietet SDN faszinierende Anwendungsfälle, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mindestens in einem Bereich zu einer Effizienzsteigerung führen können: Opex (Operational Expense). Dies taucht allerdings zunächst im Bereich des Change Managements (Veränderungs-Management) auf.

Bei traditionellen Netzwerken kann man Änderungen manuell vornehmen. Wir ziehen mit Geräte von einem VLAN oder VFR in ein anderes Netzwerk um, ändern die Policies in Teilen des Netzwerks, justieren Geschwindigkeiten und Endpunkte oder fügen Server hinzu. In den meisten Fällen gehören diese Änderungen zum Tagesgeschäft und sind Routine. Allerdings müssen Sie dabei eine Menge Geräte anfassen. Die Gefahr des menschlichen Fehlers mischt sich in das Szenario ein. SDN beseitigt die meisten dieser Risiken. Zum Beispiel bieten SDN-Controller tiefere Einblicke in jede Verbindung des Netzwerks. Außerdem gibt es einen zentralen Punkt, von dem aus Änderungen implementiert und aufgezeichnet werden. Allein diese Punkte sind Quantensprünge im Bezug auf das Netzwerkänderungs-Management.

Bis Sie allerdings bei diesem Punkt ankommen, sind weitere Inputs notwendig: Capex (Capital Expenditures) für neue Ausrüstung oder weitere Opex-Komponenten, inklusive Software-Design, Programmier-Kenntnisse, Schulungen und das Umstrukturieren des Netzwerks. Zählt man das alles zusammen, mindert dies zumindest kurzfristig die operative Effizienz.

Die Frage lautet also: Wie lange dauert es, bis sich nach diesen Investition die Kosten decken? Oder besser: Ab wann spüre ich die Vorteile von SDN effektiv, so dass sich die Investition egalisiert haben? Eine ehrliche Antwort ist: "Das kommt darauf an."

Budget-Zyklen werden in der Regel jährlich berechnet. Allerdings wirken sich die Änderungen in einem Kreislauf über mehrere Jahre aus. Das investierte Geld sollte sich innerhalb der ersten Hälfte dieses Zyklus egalisieren. In der zweiten Hälfte sollten Sie dann von den Änderungen hinsichtlich Input/Output profitieren.

Allerdings geht diese Rechnung von der Annahme aus, dass die Infrastruktur bereits Ihnen gehört und man sie einfach durch SDN ersetzen kann. Zur Erinnerung: Die Einführung von SDN bedeutet eine komplette Umgestaltung des Netzwerks. Die einzelnen Komponenten lassen sich nicht nach und nach ersetzen. Außer Servern und Endgeräten ändert sich alles mit der SDN-Implementierung. Keine geringe Investitionssumme also. Das beeinflusst die Effizienz-Kalkulation nachhaltig.

Meines Erachtens sehen viele Administratoren das Potential von SDN-Technologie und sind davon begeistert. Neben anfänglichen Schwierigkeiten und dem Reifen der Technologie, gibt es noch ein weiteres Problem. Sie müssen sich überlegen, wie viel Sie investieren wollen, um das volle Potential von SDN auszuschöpfen. Für viele IT-Profis ist SDN immer noch eine Lösung, die nach einem Problem sucht und allein dadurch die operationale Effizienzsteigerung obsolet macht.

Über den Autor: Teren Bryson ist professioneller Netzwerk-Techniker, VMware-Programmierer und Unix-Enthusiast. Er liebt alles, was mit Computer-Hacking in Verbindung steht und tüftelt gerne mit den neuesten Technologien. Diese Erkenntnisse gibt er als freiberuflicher Autor weiter. Sie finden seinen Blog unter blog.packetqueue.net und können Teren Bryson auf Twitter unter @SomeClown folgen.

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