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APIs vereinen Softwaresysteme und verringern Komplexität

Programmierschnittstellen, kurz APIs, vereinen Softwaresysteme miteinander und ermöglichen es Nutzern, auf eine heterogene Datenlandschaft schneller zuzugreifen.

Tradition, Lehre, Goldstandard, Best Practice: egal, mit welchen Worten man einen etablierten Standard ausschmückt, irgendwann kommt immer die Better Practice. Diese Einsicht sollte man als Unternehmen in der globalisierten Welt nicht aus den Augen verlieren.

Klammert man sich zu lange an Bewährtes, läuft man Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Eine angestaubte Tradition, die in vielen Firmen nach wie vor gepflegt wird, ist die strikte Trennung von Abteilungen und Zuständigkeitsbereichen.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass immer mehr Firmen diesen Anachronismus abstreifen. Der Mehrwehrt einer integrierten IT-Infrastruktur wird immer noch von vielen Entscheidern unterschätzt.

Schneller Service stellt Kunden zufrieden

Ein Beispiel aus der Praxis. Ein Kundenbetreuer bekommt von der Zentrale Frau Müller durchgestellt. Diese möchte am Nachmittag die Fahrt zu einem ihrer Kunden antreten und bemerkt eine Warnmeldung auf dem Display ihres Fahrzeugs. Sie hört sich besorgt an und möchte schnellstmöglich einen Termin zur Wartung vereinbaren, am besten noch vor ihrem Kundentermin.

Leider kann Frau Müller die Frage nach dem Fahrzeugmodell nicht spontan beantworten. Da ihr Fahrzeug neu ist, war sie damit bisher noch nicht bei der Wartung. Somit kann sie die Frage nach ihrer bevorzugten Werkstatt nicht beantworten. Es bleibt dem Kundebetreuer nichts anderes übrig, als Frau Müller mit einem baldigen Rückruf zu vertrösten, denn er benötigt weitere Informationen, um einen kurzfristigen Wartungstermin für sie organisieren zu können.

Welches Modell fährt Frau Müller? Wo wohnt sie? Wo befindet sich die nächstgelegene Lizenzwerkstatt? All diese Informationen befinden sich auf verschiedenen Datenbanken, die wiederum mit unterschiedlichen Anwendungen arbeiten und separate Logins benötigen. Der Kundenbetreuer verliert viel Zeit, um alle Informationen zu besorgen und den Termin für Frau Müller rechtzeitig in die Wege leiten zu können. Sie muss ihren Kundentermin absagen.

An dieser Stelle helfen APIs (Application Programming Interfaces oder Programmierschnittstellen). Sie vereinen Softwaresysteme miteinander und ermöglichen es dem Nutzer, in Bruchteilen einer Sekunde auf alle gewünschten Informationen zuzugreifen. Dabei spielt es keine Rolle, von welchem Endgerät der Zugriff erfolgt. Die Nutzung der API kann vom Arbeits-PC ebenso erfolgen wie vom Mobiltelefon.

Für den oben geschilderten Fall würde das bedeuten, dass der Servicemitarbeiter ohne Zeitverlust alle relevanten Daten der Kundin einsehen kann. Frau Müller fährt einen Kompakt-SUV der 3er Reihe, die nächste Vertragswerkstatt ist einen halben Kilometer von ihrem Standort entfernt und hat alle benötigten Ersatzteile vorrätig. All das kann noch während des initialen Telefonkontakts zwischen Servicemitarbeiter und Kundin geregelt werden. Frau Müllers Problem kann noch am Vormittag behoben werden, ihr Kundentermin am Nachmittag ist gerettet und somit auch ihre Zufriedenheit dem Kundenservice ihrer Automarke.

Konnektivität und Integration sind Treiber für Erfolg

Bis vor kurzem war es möglich, alle relevanten Daten mit einem firmeneigenen Server zu beherrschen. Doch in der heutigen Zeit von Cloud-Speicher, Software as a Service (SaaS), mobiler Datennutzung und Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) müssen Daten und Applikationen mit unterschiedlicher Struktur unter einen Hut passen.

Und auch die klassischen Kanäle der Informationsübertragung sind vielfältiger geworden. Wo seinerzeit der Scheck die alternativlose Zahlungsmethode war, werden Finanztransaktionen heutzutage häufig online, über mobile Anwendungen oder telefonisch abgewickelt.

Mit APIs gelingt es, die ausufernde Komplexität eines heterogenen Datendschungels abzubauen und dadurch nutzerfreundlicher und beherrschbar zu machen. Der Nutzer sieht die benötigten Daten in einem intuitiven Interface, unabhängig von ihrem Speicherort. Er erhält auf einen Blick den Zugriff auf alle Datenquellen, die er benötigt – ohne dabei die Applikation wechseln zu müssen.

Doch nicht nur die Datenkonsumenten profitieren von der einfachen Handhabung. Die gleichen Vorteile bieten sich auch Entwicklern und Programmierern in der IT-Abteilung. Für sie vereinfacht und beschleunigt sich der Zugriff auf die einzelnen im Unternehmen genutzten Applikationen, ebenso wie der Rollout von Updates.

Häufige Anpassungen sind somit ohne weiteres möglich und erzeugen für alle Beteiligten keine größeren Unannehmlichkeiten, da die APIs die Synchronisation und Integration aller Systeme gewährleisten. Sicherheits-Updates können direkt implementiert werden, ohne spürbare Unterbrechungen im Tagesgeschäft zu verursachen.

Im Gegensatz zum Custom-Integration-Ansatz müssen Veränderungen in einem System nicht separat mit allen anderen Systemen im Unternehmen synchronisiert werden. Einmal in die API integriert, harmonisiert man die Schnittstelle für alle anderen Systeme. Das erhöht die Reaktionsschnelligkeit sowie die Stabilität der IT-Prozesse im gesamten Unternehmen.

Skalierbarkeit und Kompatibilität von APIs

Durch den komplexitätsreduzierenden Charakter von APIs kann sich ein Unternehmen alle Vorteile einer diversen und stetig wachsenden Systemlandschaft leisten, ohne die eigenen Mitarbeiter und Prozesse im Datenlabyrinth zu verlieren.

Eine entscheidende Rolle bei der Wahl der richtigen API für das jeweilige Unternehmen ist die Frage nach der Skalierbarkeit und der Kompatibilität mit großen Anbietern wie SAP, IBM, Cisco oder Microsoft.

Bringt einer dieser Anbieter einen neuen Standard auf den Markt, stellt dies Entwickler vor die Aufgabe, die Kompatibilität ihrer APIs zu den Neuerungen sicherzustellen. So war es lange Zeit ein großes Problem, den SAP S/4HANA reibungslos zu integrieren.

Je größer die Menge der genutzten Applikationen, desto größer sind die potenziell erzielbaren Synergieeffekte. Ein Vorzeigebeispiel ist die Kooperation von Mulesoft mit BMW, die neben Salesforce nun die Anypoint Platform nutzen, um hunderte Applikationen in einer API zusammenzuführen.

Rüdiger Fabian, MuleSoft

„Mit APIs gelingt es, die ausufernde Komplexität im heterogenen Datendschungel nutzerfreundlich zu bündeln und somit beherrschbar zu machen.“

Rüdiger Fabian, MuleSoft

Das dadurch entstandene Applikationsnetzwerk vernetzt alle im Unternehmen genutzten Programme und Datenbanken, mit einer Zugriffsgeschwindigkeit von unter einer Sekunde auf jeden darin befindlichen Datensatz. In der vielumkämpften Automobilbranche ist das ein Wettbewerbsvorteil von unschätzbarem Wert.

Doch auch für mittelständische Unternehmen ist es sinnvoll, mit APIs die Kontrolle über die täglich komplexer werdenden Prozesse nicht zu verlieren und gleichzeitig nicht auf die Synergieeffekte neuer Anwendungen und des Cloud Computing verzichten zu müssen.  Ein solches Application Network ist eine intelligente Möglichkeit, Anwendungen, Daten und Geräte über APIs zu verbinden und so den Überblick zu behalten.

Über den Autor:
Rüdiger Fabian ist Area Vice President Germany & Austria bei Mulesoft.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder. 

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