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Vier häufige Irrtümer bezüglich der Vorteile von SD-WAN

Nur allzu leicht lassen sich viele von der Begeisterung rund um Software-defined WAN mitreißen. Doch die beworbenen Vorteile von SD-WAN entpuppen sich oft als Missverständnisse.

Immer wenn eine Technologie oder ein Service massiv vermarktet wird, können Missverständnisse und Bedenken entstehen. Im Zusammenhang mit Software-defined WAN (SD-WAN) vermarkten Anbieter die IT-Management-Funktionen auf eine Weise, die in gewisser Hinsicht die eigentlichen Vorteile von SD-WAN in den Hintergrund drängt.

SD-WAN wird regelmäßig als Wundermittel für die WAN-Kosten, -Flexibilität und -Performance angepriesen. Aber wie bei jeder anderen Technologie kommt es auf Sorgfalt und Aufmerksamkeit an, um von den Vorteilen durch SD-WAN zu profitieren. Dieser Artikel beschäftigt sich mit gängigen Missverständnissen und Irrtümern, denen IT-Teams gern aufsitzen, wenn es um die SD-WAN-Technologie geht.

Irrtum 1: Internetkonnektivität als Patentlösung

Das erste Missverständnis besteht darin, zu glauben, SD-WAN sei eine internetbasierte Technologie, die keine anderen Typen von WAN-Schnittstellen nutzen könne.

Die allgemeine SD-WAN-Vision ist die einer neutralen WAN-Technologie, die dazu ausgelegt ist, beliebige Arten der Netzwerkkonnektivität zu verwenden, gepaart mit Sicherheits- und Traffic-Priorisierung. Die Realität der Produktentwicklung bei SD-WAN weicht davon allerdings etwas ab, denn das Marketing definiert die Funktionen in puncto Internet-Backbones häufig als Basis für Kosteneinsparungen.

In der Tat ermöglicht SD-WAN Kosteneinsparungen, insbesondere im Vergleich zu VPRN (Virtual Private Routed Network) auf Layer 3, wie MPLS. Um diese Einsparungen zu erzielen, nutzt die SD-WAN-Technologie kostengünstige Anbindungen in Form von Internetkonnektivität. Doch mit dem allgegenwärtigen Marketing, das Kosteneinsparungen durch das Internet propagiert, werden die IT-Teams zu dem Glauben verleitet, SD-WAN würde ausschließlich eine internetbasierte Konnektivität unterstützen. Bedenken Sie hierbei, dass SD-WAN-Provider ihre Angebote nach eigenem Ermessen positionieren können.

Die Architektur der meisten aktuellen Netzwerke basiert jedoch auf einem Mix aus Breitbandverbindungen, die verschiedene Kombinationen von MPLS, VPLS (Virtual Private LAN Service) und optischer Punkt-zu-Punkt- oder Multipoint-Konnektivität nutzen. Diese hybride Netzwerkarchitektur hilft Unternehmen, ihre geschäftlichen Anforderungen auf das richtige Design auszurichten.

Zusätzlich zu Kosteneinsparungen gibt es weitere Vorteile von SD-WAN, die als Nebenerscheinungen bestimmter Softwarefunktionen auftreten. Zu diesen Vorteilen zählen granulare Sicherheit, Quality of Service (QoS) basierend auf dem Konnektivitätsstatus und vereinfachtes Management. Kurz gesagt, ist die Internetkonnektivität nur ein Vorteil, um Kosteneinsparungen per SD-WAN voranzutreiben.

Irrtum 2: SD-WAN ersetzt MPLS

Von Anfang an wurde SD-WAN als Ersatztechnologie für MPLS positioniert. SD-WAN als Ersatz für MPLS einzuführen, beschreibt zwar einen Teil der Motivation. Dennoch bleibt Private Networking eine Komponente sowohl von hybriden Architekturen als auch von Software-defined Networks (SDN).

Die Treiber hinter internetbasiertem SD-WAN sind Mobilität, Public-Cloud-basierter Zugriff und Agilität. Wo allerdings eine garantierte, globale End-to-End Performance notwendig ist, bleibt Private IP die vorherrschende Technologie. Das Internet als ein VPN mit zusätzlicher SD-WAN-Funktionalität mag eine Möglichkeit darstellen, die gut genug ist, aber Private-IP-Verbindungen sind zukunftweisende Lösungen, wenn es um zentrale globale Unternehmensstandorte geht.

SD-WAN kommt Unternehmen zugute, deren diverse Zweigniederlassungen eine standardisierte und kostengünstige Anbindung erfordern. Im Gegensatz dazu eignet sich MPLS für Firmenzentralen oder Hub-Standorte, wo eine verlässliche Anwendungs-Performance unabdingbar ist.

Irrtum 3: Eine Technologie ist besser als die andere

Agilität ist ein bedeutender Vorteil von SD-WAN, da die Technologie sich schnell und relativ einfach bereitstellen lässt. Es ist indes ein Missverständnis, anzunehmen, die SD-WAN-Technologie könne in allen Szenarien Probleme mit der Anwendungs-Performance lösen. In jedem Fall sollten die IT-Teams sorgfältig auf Konnektivitätselemente achten, einschließlich Support und Pfad-Performance.

Das Internet bietet mehrere Verbindungsoptionen, unter anderem 3G und 4G sowie Breitband per Kupfer oder Glasfaser, wodurch jedes Unternehmen in der Lage ist, Anbindungen rasch zu realisieren. Aber wenn das Mobilfunksignal beeinträchtigt und die Breitband-Performance eingeschränkt ist, können die Anwendungen sich vollkommen unvorhersehbar verhalten. Obwohl es zutrifft, dass SD-WAN eine effektive Funktionalität bietet, ist es ein Irrtum, zu glauben, alle Probleme würden sich mit dieser Technologie lösen lassen.

Die Internetkonnektivität ist nur ein Vorteil, um Kosteneinsparungen per SD-WAN voranzutreiben.

Denken Sie daran, dass SD-WAN hinsichtlich des Umgangs mit Anwendungen eine Edge-Technologie ist, weshalb MPLS nach wie vor als Komponente des Architekturdesigns fungiert. QoS lässt sich mit jeder internetbasierten Technologie lediglich lokal und nicht End-to-End anwenden.

Irrtum 4: SD-WAN ersetzt die WAN-Optimierung

SD-WAN und WAN-Optimierung ergänzen sich bezüglich ihres Funktionsumfangs. Bei der WAN-Optimierung liegt der Fokus auf Caching, TCP-Optimierung und Kompression. SD-WAN-Dienste ermöglichen eine direktere Traffic-Behandlung, etwa durch den zusätzlichen Vorteil, die Pfadbedingung in puncto Bandbreite, Verluste und Verzögerungen zu erkennen. Die zwei Technologien sind nicht identisch, auch wenn SD-WAN-Dienste nach und nach Techniken für die WAN-Optimierung integrieren.

IT-Teams müssen die SD-WAN-Technologie evaluieren

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Hype und das aggressive Marketing rund um SD-WAN für viele der Irrtümer und Bedenken verantwortlich sind. Wie bei jeder neuen Technologie lenkt die SD-WAN-Euphorie häufig davon ab, dass IT-Teams sich intensiv und mit aller gebotenen Sorgfalt mit Fragen der Netzwerkarchitektur auseinandersetzen müssen.

Wir sind Zeuge gewesen, wie sich im Laufe der Jahre Telekommunikations-Services angepasst haben und gewachsen sind, um die geschäftlichen Anforderungen zu erfüllen. Wenn man sich ansieht, welche starken Verschiebungen es in der Art und Weise der Konnektivitätsnutzung gegeben hat, sind die durch SD-WAN Services hervorgerufenen Änderungen die vielleicht wichtigsten. So wie Layer-3-VPNs die Kunden von der eingeschränkten Private IP abbrachten, ermöglicht SD-WAN den Kunden eine Welt von BYOD (Bring Your Own Device) und Cloud-basierten Zugriffsmöglichkeiten, inklusive Netzwerk-Performance und -sicherheit. Neben der Möglichkeit, nahtlos weiterzuarbeiten, mit anderen zu kollaborieren und unabhängig vom Standort auf Ressourcen zuzugreifen, benötigen Enterprise-Anwender noch einen Mehrwert durch Konnektivität.

Die Vorteile von SD-WAN klingen da sehr vielversprechend. Aber IT-Teams sollten SD-WAN von einer technischen Perspektive aus beurteilen und nicht anhand von Marketing-Aussagen, die oft das entscheidende Detail kaschieren, auf das es bei einer fundierten Kaufentscheidung ankommt.

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