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So helfen Managed-Service-Provider bei der BC/DR-Planung

Große und kleine Unternehmen sehen sich der Gefahr von IT-Ausfällen gegenüber. Für KMUs gibt es die Möglichkeit, sich von erfahrenen Managed-Service-Provider helfen zu lassen.

Kleinere Unternehmen genauso wie große sehen sich konfrontiert mit den harten Realitäten von Störfällen wie Feuer, Überflutung und sogar Ransomware-Angriffen.

Gerade KMUs müssen sich selbst vor Geschäftsunterbrechungen wie Naturkatastrophen, menschlichen Fehler oder den Tücken von Cybereindringlingen schützen. Der Weg zum Schutz davor beginnt mit einem gründlichen Plan für Business Continuity/Disaster Recovery (BC/DR). Aber anders als die großen Unternehmen mangelt es ihnen an großen IT-Abteilungen mit dem Wissen und der Erfahrung bei BC/DR-Planungen.

Ein KMU kann jedoch auch in der Lage sein, eine nahe liegende Quelle für Planungserfahrungen anzuzapfen. In der Tat wenden sich kleinere Unternehmen bereits häufig an Managed-Service-Provider (MSPs), um sich beim Betrieb ihrer Technologie helfen zu lassen.

MSPs überwachen und verwalten die IT-Anlagen eines Kunden aus der Ferne – von Desktops bis hin zu Servern. Sie agieren auch als virtuelle CIOs, indem sie Unternehmen bei der Strategie ihrer Technologie beraten. Mit dieser Beratungsleistung wird ein Service-Provider oft zum wirklichen BC/DR-Gutachter für ein KMU.

MSPs: genau richtig für einen BC/DR-Plan

„MSPs sind voll verantwortlich in diesem Bereich für DR-Planungen“, führt Dan Timko aus, Chief Strategy Officer bei J2 Global, einem in Los Angeles ansässigen Unternehmen für Cloud-Services und Digital Media. „Höchstwahrscheinlich wenden sich KMUs an einen MSP oder sie unternehmen überhaupt nichts in dieser Richtung“, fügt er hinzu. Timko arbeitet in seinem Unternehmen in der Abteilung für Data Protection und Cloud Backup, zu der auch das Geschäft mit OffsiteDataSync DR-as-a-Service von J2 Global gehört.

Die meisten MSPs bieten BC/DR in ihrem Service-Portfolio an. Laut Ryan Weeks, Chief Information Security Officer bei Datto, einem Provider von BC/DR Technology in Norwalk, Connecticut, haben 75 Prozent der mehr als 1.600 MSPs BC/DR-Dienstleistungen in ihrem Programm (State of the MSP Report, Datto 2019). Für die Untersuchung wurden die MSPs allgemein über ihre BC/DR-Services befragt, wobei nicht unterschieden wurde nach Installation, Management und Monitoring.

Weeks merkt an, „dass letztlich die Mehrheit unserer MSP-Partner am BC/DR-Planungsprozess ihrer Kunden beteiligt, wenn nicht sogar voll dafür verantwortlich sind.“

Worauf bei einem MSP zu achten ist

Unternehmen, die mit einem MSP für BC/DR Planning Services kooperieren wollen, sollten die folgenden Auswahlkriterien beachten.

Kenntnis des Geschäfts und der Kernsysteme des Kunden. Hier bietet ein etablierter MSP einen Vorteil. BC/DR-Planungen erfordern ein umfassendes Verständnis des Betriebs des Kunden und seiner unterstützenden Systeme – zusammen mit ihrer kritischen Bedeutung für das Geschäft. Ein Service-Provider, der bereits die IT-Systeme eines Unternehmens managt, sollte dieses Wissen besitzen und deshalb in der Lage sein, einen BC/DR-Plan aufzustellen.

„Eine Menge der BC/DR-Planungen stammt aus Gesprächen mit den Verantwortlichen des Unternehmens“, bemerkt Weeks. „Welche Systeme und Services sind absolut geschäftskritisch und wieviel Ausfallzeiten können toleriert werden? Welche Systeme sind weniger kritisch, aber brauchen dennoch eine Absicherung? Mit diesen Informationen kann ein MSP einen BC/DR-Plan entwerfen, der genau die Recovery-Ansprüche des Unternehmens trifft.“

Die wichtigsten Kriterien für die Wahl eines MSP, der bei der BC/DR-Planung helfen soll.
Abbildung 1: Die wichtigsten Kriterien für die Wahl eines MSP, der bei der BC/DR-Planung helfen soll.

Deckungsumfang. MSPs sind in der Regel auf IT ausgerichtet, was eine Stärke sein kann, aber paradoxerweise zugleich eine Schwäche. Ein Service Provider kann zum Beispiel genaue Kenntnisse über die Compute-, Storage- und Networking-Geräte eines Kunden besitzen, aber zugleich über wenig Wissen über die genauso geschäftskritischen Telefonsysteme verfügen.

Der Zugang der Angestellten zu den verschiedenen Systemen ist ein anderer wichtiger Aspekt eines BC/DR-Plans, den ein Service-Provider berücksichtigen sollte. Es ist eine Sache, im Fall einer Katastrophe Server in der Cloud aufzusetzen, aber wie erhalten die Angestellten Zugang zu Anwendungen und Daten, wenn sie ihre Büros nicht mehr betreten können?

Timko ist der Ansicht, dass die meisten MSPs einen auf IT zentrierten DR-Plan aufstellen können, aber dass die besser aufgestellten Service-Provider zu mehr in der Lage seien. Das bedeutet konkret die Berücksichtigung von möglichen Telefon- und Zugangsproblemen neben den reinen IT-Systemen.

Präzision des Ansatzes. Verfügt der MSP über einen formalen Ansatz, um den Kunden zu bewerten und einen BC/DR-Plan zu entwickeln? Ein Service-Provider benutzt eventuell ein Rahmenwerk. Oder er setzt ein BC/DR-Planungsformular ein, um den Planungsprozess daran zu orientieren. Formale BC/DR-Software-Tools wird man jedoch eher selten antreffen.

Ein Service-Provider kann genaue Kenntnisse über die Compute-, Storage- und Networking-Geräte eines Kunden besitzen, aber zugleich über wenig Wissen über die genauso geschäftskritischen Telefonsysteme verfügen.

„Es gibt zur Zeit nicht gerade viele spezifische DR-Planungs-Tools, um ehrlich zu sein“, räumt Weeks ein, wobei die Bandbreite für Planungen bloß von einfachen Spreadsheets bis zu Vorlagen von Excel reicht.

Referenzkunden. Interessierte Kunden sollten einen MSP nach Referenzkunden fragen. Wichtig ist es, diese Kunden dann danach zu fragen, was der MSP bezüglich eines BC/DR-Plans getestet und schließlich geschaffen hat. Gespräche mit Kunden, die einen Testprozess mit einem MSP durchlaufen haben, werden aufzeigen, wie weit der Service-Provider auf ihre Bedürfnisse eingegangen ist und welche Lücken der MSP vor weiteren Tests schließen konnte.

Allianzen von Herstellern. Auf der technischen Seite führt ein BC/DR-Plan oft zu der Installation eines Backup- und DR-Systems (BDR). Ein Kunde kann tatsächlich mehr als einen technischen Ansatz benötigen, um sowohl die physischen als auch die virtuellen Technologieressourcen abzudecken.

Kunden sollten sich vergewissern, über welche Beziehungen ein MSP zu BDR-Herstellern verfügt, die für verschiedene Standorte zuständig sein können. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass selbst ein technisch gut aufgestellter MSP kaum jedes Nischensystem oder abgelaufene Hardware in seinen BC/DR-Angeboten berücksichtigen kann. Timko gibt zu bedenken, dass ein MSP, der 90 Prozent der Umgebung eines Kunden abdecken kann, auch die Flexibilität besitzen sollte, Recovery-Möglichkeiten für einzelne Systeme zu entwickeln.

MSPs als vertrauenswürdige Berater

Solche Allianzen von Herstellern sind oft von technischer Natur und werden sich kaum auf die Planungsaufgaben von BC/DR erstrecken. Weeks berichtet, dass Datto auch mit MSPs arbeitet, um seine BDR-Geräte zu installieren, in der Regel aber nicht an den DR-Planungsdiskussionen beteiligt ist. Dort sind der Geschäftsverstand des MSP und die laufenden Kundenbeziehungen gefragt.

„Sie sind vertrauenswürdige, strategische Berater ihrer Kunden“, fügt Weeks hinzu.

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