Victoria - Fotolia

NFV und SDN arbeiten beim Design der Netzwerkinfrastruktur Hand in Hand

NFV und SDN setzen an unterschiedlichen Stellen an, um eine neue Netzwerkinfrastruktur zu ermöglichen. Entscheidend ist, wie gut sie zusammenspielen.

Dies ist die Fortsetzung des ersten Artikels, der sich um die Rolle von virtuellen Kabeln bei der zukünftigen Netzwerkinfrastruktur drehte.

Software-defined Networking (SDN) und Network Functions Virtualization (NFV) sind grundlegende Elemente bei der Transformation der Netzwerkinfrastruktur in eine virtuelle Umgebung. Sie werden beim Design der Netzwerkinfrastruktur an entgegengesetzten Enden des Spektrums angewendet. SDN zielt darauf ab, Dinge im OSI-Modell (Open Systems Interconnection) von der Basis her zu ändern.

Dabei geht es darum, Verbindungsdienste und sogar Netzwerke neu zu definieren, indem die Weiterleitung von Paketen auf der Geräteebene geändert wird. Bislang ist NFV oberhalb der Verbindungsschichten des Netzwerks ausgerichtet und fügt Funktionen wie Firewalls oder NAT (Network Address Translation) hinzu oder erstellt, aufgesetzt auf IP (Internet Protocol), mobile oder Content-Delivery-Dienste. Neuen Technologien bieten sich somit zwei Möglichkeiten, Änderungen voranzutreiben – oder zwei Möglichkeiten, zu scheitern.

In einer SDN-getriebenen Transformation der Verbindungsdienste würde ein Ansatz mittels virtueller Kabel (Thema im ersten Teil dieses Artikels) garantieren, dass eine dienstunabhängige Infrastruktur entstehen könnte. Die resultierende Netzwerkinfrastruktur würde aus optischen Geräten, sowie aus für virtuelle Kabel vorbereiteten White-Box-Geräten und -Servern bestehen.

Da die meisten aktuellen Switches und Router das SDN-Controller-Management über das OpenFlow-Protokoll zulassen können, könnte sich daraus die Nutzung von virtuellen Kabeln für ein Verbindungsmodell ergeben. Die Herausforderung besteht darin, einen Mehrwert zu schaffen, um jeden einzelnen Schritt auf diesem Weg zu rechtfertigen, denn der Einsatz von virtuellen Kabeln bei kleineren SDN-Bereitstellungen würde die Infrastrukturkosten von Layer 2 oder Layer 3 nicht reduzieren oder die Flexibilität beziehungsweise die Betriebseffizienz verbessern. Zudem müssten die Operator die Sache lange genug durchstehen, um Vorteile zu erkennen.

Die Top-down-Transformation von NFV konzentriert sich darauf, wo der Dienstnutzen höchstwahrscheinlich hinzugefügt wird – oberhalb der Verbindungsschichten des Netzwerks. Anwendungen für den NFV-Ansatz gibt es heute in der mobilen und Content-Delivery-Infrastruktur.

Aber diese Transformationen hängen nicht nur von der Bereitstellung neuer gehosteter virtueller Funktionen ab, um individuelle Geräte zu ersetzen, sondern auch von der Erstellung von Tools zur Dienstautomatisierung durch die Ebene der Betriebsunterstützungs- und Abrechnungsunterstützungssysteme bis hin zum Bereitstellen und Verbinden von gehosteten Dienstfunktionen. Erste Versuche und Tests mit NFV haben dieses Niveau der Dienstautomatisierung noch nicht validiert, und es ist nicht klar, welche Standardisierungsgruppe oder Open-Source-Aktivität die notwendigen Tools zur Verfügung stellen wird.

Das Tempo der Änderung ist aber nach wie vor mit einem Fragezeichen versehen. Die Antwort wird es geben, wenn wir die mit jeder neuen Technologie verbundenen Kosten, Vorteile und Risiken vergleichen.

Sich schnell um die Herausforderungen von NFV und SDN zu kümmern, würde das Design der Netzwerkinfrastruktur rasch transformieren. Doch selbst wenn weder NFV noch SDN sich so rapide entwickeln, wie Operator hoffen, werden wir letzten Endes im Zeitalter der virtuellen Kabel und der per Software definierten und auf Servern gehosteten Funktionen ankommen. Es ist wichtig, sich zu erinnern, wann die IP-Konvergenz erstmalig vorgestellt wurde. Die meisten Menschen nahmen an, die damit einhergehende Transformation sei zu radikal, aber heutzutage ist die Konvergenz fast universell akzeptiert.

Ein Grund, warum die Transformation des Netzwerkinfrastruktur-Designs mithilfe von NFV und SDN unweigerlich kommen wird, ist das parallel stattfindende gewaltige Interesse in Open-Source-Tools, um diese beiden neuen Technologien zu nutzen. Operator und Anbieter, die – einige bereitwilliger als andere – bei Open Source kooperieren, treiben neue Technologien voran, sogar dort, wo Anbieter zögern, aggressive Änderungen vorzunehmen, um ihre Märkte zu schützen. Sollte sich herausstellen, dass Open Source der schnellste oder einzige Weg ist, auf dem sich ein neues Design der Netzwerkinfrastruktur erreichen lässt, kann es sein, dass die Anbieterunabhängigkeit sich durch die Infrastruktur der nächsten Generation so stark wandelt wie die Technologieoptionen.

Das Netzwerk ändert sich, wie es immer schon der Fall war. Das Tempo der Änderung ist aber nach wie vor mit einem Fragezeichen versehen. Die Antwort werden wir erhalten, wenn wir die mit jeder neuen Technologie verbundenen Kosten, Vorteile und Risiken vergleichen. Eines wissen wir dennoch sicher: Die Virtualisierung von Diensten und Ressourcen wird die gestalterische Kraft für das Netzwerk der Zukunft sein.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Nächste Schritte

Die Unterschiede zwischen SDN und NFV.

Die Unterschiede zwischen NFV und VNF.

Der Status von Network Functions Virtualization heute.

Wie weit ist SDN bereits in Unternehmen vorgedrungen?

Artikel wurde zuletzt im August 2016 aktualisiert

Erfahren Sie mehr über Software-defined Networking

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close