Drahtlose Netzwerke: Sieben wichtige WLAN-Trends, die Sie beachten sollten

Drahtlose Netzwerke werden immer besser. Allerdings nimmt auch die Komplexität bei WLANs zu. Gehen Sie gut vorbereitet an das Thema Wireless heran.

Der heutige Ansatz bei drahtlosen Netzwerken besitzt ein hohes Verwirrungs-Potenzial. Aus Sicht der Technologie sind WLANs wesentlich komplexer als drahtgebundene Netzwerke. Die Herausforderung liegt nicht nur darin, drahtlose Technologien zu verstehen, damit man diese effizient entwickeln, verkaufen oder unterstützen kann.

Wenn Sie beim Thema WLAN mitmischen wollen, dann müssen Sie die dynamischen Änderungen mitmachen. Dabei ist es egal, ob Sie Anwender oder Provider sind. Diese wilden Achterbahnfahrten machen es oft schwer, den Durchblick zu behalten. Deswegen wollen wir mit diesem Beitrag den Nebel etwas lichten und stellen Ihnen die aktuellen Trends und wichtige Tipps vor. Dabei gehen wir auf verschiedene Bereiche der Technologie ein.

1. Holen Sie sich Hilfe, wenn das notwendig ist oder besuchen Sie entsprechende Schulungen.

Ob Einzelhandelsflächen oder Stadien, das A und O bei den modernen WLAN-Designs sind Kapazität und Abdeckung. Effiziente WLANs, die eine hohe Konzentration an Client-Geräten bedienen, gibt es eigentlich nicht. Sie sind primär konstruiert und konzipiert für Erfolg. 

Es ist egal, ob es um den Teil der Radio-Frequenz geht oder um das Signal, das auf die Switches in den Schaltschränken trifft. Um Wi-Fi-Netzwerke aufzubauen ist spezielles Fachwissen gefragt. Haben Sie dieses Wissen nicht im eigenen Haus, dann suchen Sie sich einen vertrauenswürdigen Partner. Sollten Sie eigene Fachkräfte beschäftigen, stellen Sie sicher, dass diese immer auf dem aktuellen Wissensstand sind und gegebenenfalls ihre Zertifikate erneuern. 

Ein CWNA (Certified Wireless Network Administrator) aus dem Jahre 2004 ist nicht mit einem aus 2015 zu vergleichen. Drahtlose Technologien ändern sich wesentlich schneller als alle anderen Netzwerk-Technologien. Hier auf dem Laufenden zu bleiben ist eine Herausforderung.

2. Hüten Sie sich vor inhaltslosen Vergleichen und großen Zahlen.

Jeder sollte beim Blick auf die Werbung der Anbieter komplett unvoreingenommen und skeptisch sein. Gehen Sie lieber mit einem demonstrieren Sie das an die Sache heran. Dann wird sich schnell herausstellen, ob die Produkte das halten was die bunten Marketing-Materialien versprechen. 

Ob Sie ein Millionen-Budget haben oder nur einen handelsüblichen Router für ein kleines Büro oder zu Hause kaufen, es sollten die Alarmglocken schrillen, wenn Sie Sprüche wie 10x bessere Performance, 4x größere Reichweite, bis zu 100 Meter oder liefert bis zu 1,3 Gbps lesen. 

Das ist alles reine Theorie und die Ergebnisse lassen sich wahrscheinlich nur unter speziellen Laborbedingungen erzielen. Das hat mit der Realität allerdings wenig zu tun. Diese Behauptungen sollten Sie von Anfang an ignorieren. Haben Sie die Möglichkeit, die Hardware vor einem Kauf auszuprobieren, dann tun Sie das – dann wissen Sie wovon ich spreche. 

Ist der Test vor einem Kauf keine Option, dann sprechen Sie mit anderen, die mit dieser Hardware Erfahrung gesammelt haben. Auch Recherche im Internet oder das Lesen von Rezensionen ist an dieser Stelle legitim. Beachten Sie dabei aber, wie ähnlich der Anwendungsfall zum eigenen ist.

3. Große Netzwerke, großer Funktionsumfang, große Preise.

Es ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, wie sehr sich WLAN seit den Zeiten von 802.11b weiterentwickelt hat. Das trifft auch für Profis zu, die wir von Anfang an involviert waren. 802.11ac repräsentiert die fünfte große Evolution der Wi-Fi-Technologie. Wir sehen heute auch, dass sich die Auffassung von drahtlosen Systemen dementsprechend geändert hat. 

Früher ging es lediglich darum, Signale zu transportieren. Heute kann man seine Wahl anhand eines großen Funktionsumfangs treffen. Dazu gehören Authentifizierung, Autorisierung und Accounting, Netzwerk-Zugriffskontrolle, Performance-Monitoring, Alerting, MDM (Mobile Device Management) und viele weitere modulare Funktionen. 

Zum Glück gilt nach wie vor eine Regel, wenn man in Sachen Enterprise Wireless eine Entscheidung treffen muss: Produkte und Plattformen müssen die organisatorischen Richtlinien durchsetzen und die entsprechende Ziele ermöglichen. Das ist der Grundstein in Ihrem Auswahlprozess. 

Sobald Sie erkennen, dass Sie nicht jede Option brauchen, mit der Ihnen der Anbieter vor der Nase wedelt, können Sie sich darauf konzentrieren, was Sie tatsächlich benötigen. Haben Sie noch nicht beschlossen, was Sie von einem drahtlosen System wollen oder was Sie genau brauchen, legen Sie das Scheckbuch vorerst zur Seite, weil man Ihnen sonst alles verkauft. Das bringt uns zum nächsten Punkt.

4. Nicht alle Umgebungen müssen Wireless vom Feinsten bereitstellen. 

Ich glaube fest an die Weisheit Sie bekommen, für was Sie bezahlen, weiß allerdings auch, dass man es maßlos übertreiben kann. Das beste drahtlose System muss nicht unbedingt das teuerste auf dem Markt sein. Nehmen Sie das Produkt eines Marktführers, müssen Sie auch nicht unbedingt die besten Access Points (APs) einsetzen, wenn Sie diese Art an Hardware nicht brauchen.

Möglicherweise planen Sie nicht, Ciscos CleanAir-Option zu verwenden. In diesem Fall sparen Sie sich mit Sicherheit eine ordentliche Stange Geld, wenn Sie Access Points ohne diese Funktionalität kaufen. Außerdem ist es legitim, den gesamten Wireless-Markt zu untersuchen und nicht nur beim Anbieter nachsehen, den man eben schon immer genommen hat. 

Mit den neuen Cloud-gemanagten Optionen und den Funktionslücken zwischen WLAN-Produkten am unteren und oberen Ende, hat der potenzielle Käufer alle Möglichkeiten. Behalten Sie aber immer die Bedürfnisse des Unternehmens im Hinterkopf.

5. Alle rüsten auf 802.11ac um, richtig? 

Es wird derzeit so viel Wirbel um den Standard 802.11ac gemacht, dass die Herde verständlicherweise dem Trieb folgt und auf den aktuellen Standard aufrüsten will. Auf der anderen Seite bringt Ihnen der Umstieg auf 802.11ac vielleicht gar nichts. 

Als Anbieter oder Anwender im Wireless-Spiel ist man ein Mitfahrer in einer sich dynamisch verändernden, nebligen Achterbahnfahrt, bei der gelegentlich die Realität außer Sicht gerät.

Das hängt von den Umständen ab. Wenn Sie immer noch ältere 802.11a/g- oder 802.11n-Hardware im Einsatz haben und es gibt keine Altlasten, die unbedingt via WLAN ins Netzwerk müssen, steht einem Upgrade eigentlich nichts im Wege. Betreiben Sie allerdings ein gut designtes 802.11n-Netzwerk, das in den letzten paar Jahren installiert wurde, können Sie mit einem Upgrade auf 11ac sehr wahrscheinlich noch warten. 

Im Moment ist es so, dass 802.11ac Wave 2 noch nicht ganz ausgereift ist und es müssen immer noch viele Wi-Fi-Leistungsfähigkeiten auf den Client-Geräten implementiert werden. Drückt der Schuh nicht irgendwo gewaltig und Sie haben ein funktionierendes 802.11n-WLAN, dann lassen Sie den 802.11ac-Bus erst einmal abfahren und warten auf den nächsten. So schinden Sie außerdem mehr Zeit für die Client-Geräte, damit diese dann in vollem Umfang von 802.11ac profitieren können. Gibt es allerdings neue Bereiche, die mit WLAN ausgestattet werden sollen, dann sollten Sie schon auf 802.11ac setzen. 

Stellen Sie auf jeden Fall sicher, dass Ihre Wahl nicht als allerneueste aber unausgereifte Technologie, oder gar als fehlerbehaftet eingestuft ist. Unterhalten Sie sich außerdem mit dem Anbieter Ihres Vertrauens, was er für die Verkabelung von 802.11ac Access Points vorschlägt. An dieser Stelle hören Sie wahrscheinlich, dass Sie ein einzelnes Kabel oder zwei pro AP einsetzen sollen. Sie wollen schließlich wissen, was auf die Verkabelung in Ihrer Umgebung zukommt. Das gilt im Speziellen bei großen Installationen.

6. Da ist Endanwender-Zeugs in meiner Enterprise-Hardware! 

Ich beschäftige mich täglich mit der Materie und mosere auch regelmäßig über die Verbraucher-Gadgets, die in den Business-WLAN-Einstellungen auftauchen. Da die Wi-Fi Alliance aus den Firmen besteht, die viele solcher Geräte auf den Markt werfen, werden wir deswegen aus Sicht der Kompatibilität nicht so schnell eine Einigung finden. Einige Geräte werden niemals in sicheren 802.1x-Netzwerken funktionieren. 

Damit müssen wir uns einfach abfinden. Wie Sie mit diesen Geräten in Ihrer eigenen Umgebung umgehen, müssen Sie ganz alleine herausfinden. Manchmal werden Sie einfach Nein sagen und unter anderen Umständen versuchen Sie mit der Brechstange den jeweiligen Client zum Laufen zu bringen, auch wenn dieser Nachteile hat. 

Zu einem weiteren Zeitpunkt schlagen Sie einfach Alternativen vor. Das hängt immer sehr stark von der jeweiligen Situation ab. Dieser Bereich hat nun mal Ecken und Kanten und wir gehen alle auf unsere eigene Art an die Sache heran. Es gibt hier leider keine einfachen und allgemeinen Antworten.

7. Die WLAN-Schwemme berücksichtigen! 

Die WLAN-Branche wollte uns im letzten Jahrzehnt überzeugen, dass drahtlose Technologie Ethernet für die Methode der Client-Zugriffe ersetzen kann. Das gilt sowohl für zu Hause als auch für geschäftliche Bereiche. 

Wir sehen die Sache im Grunde genommen so: Die drahtlosen Netzwerke in unseren Räumlichkeiten sind entscheidende Infrastrukturen. Deswegen haben wir das Recht, diese mit allen Tools zu schützen, die wir vom entsprechenden WLAN-Anbieter an die Hand bekommen. 

Wer sich für einen Wi-Fi-Einsatz entscheidet, muss mit allen möglichen Signal-Interferenzen leben. Punkt! Kein WLAN ist wichtiger als ein anderes. Bevor Sie also die Kabeln bei Geräten „abschneiden“ und sie drahtlos anbinden, sollten Sie daran denken, dass es mehr und mehr konkurrierende WLANs gibt.

Über den Autor:
Lee Badman ist Netzwerk-Techniker und technischer Leiter eines WLANs für eine große, private Universität. Er unterrichtet außerdem die Themen Netzwerk, drahtlose Netzwerk-Administration und drahtlose Security.

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Artikel wurde zuletzt im März 2015 aktualisiert

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