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Was ist „echtes SDN“?

Es gibt viele Diskussionen, was echtes SDN ist. Möglicherweise ist der richtige Ansatz, sich erst auf die verschiedenen Kategorien zu konzentrieren.

Was genau ist echtes Software-defined Networking, kurz SDN?

Vor einiger Zeit gab es eine TV-Show, die sich „Sag die Wahrheit“ nannte. Dort gaben drei Kandidaten an, eine spezielle Fähigkeit zu haben. Eine Jury musste dann herausfinden, wer die Wahrheit sagt. Wenden wir das auf SDN (Software-defined Networking) an, befinden wir uns genau in dieser Situation. Personen, Unternehmen und Anbieter streiten sich darüber, was echtes SDN ist.

Meiner Meinung nach ist es für diese Diskussion bereits zu spät, da die sprichwörtliche Katze – oder Katzen – bereits aus dem Sack sind. Ein besserer Ansatz wäre möglicherweise, einige solide Definitionen der großen SDN-Kategorien aufzustellen, die heutzutage in Test-Szenarien und produktiven Umgebungen existieren. Es würde sich dabei um folgende Kategorien handeln:

Es ist vielleicht am geschicktesten, wenn man sich auf die verschiedenen Kategorien in Bezug auf SDN konzentriert und diese angemessen kommuniziert.

Open SDN: Das klassische, traditionelle und ursprüngliche SDN, das aus Bildungseinrichtungen hervorging. Hier hat man sich darauf fokussiert, die Kontroll-Schicht und die Daten-Ebene mithilfe von OpenFlow zu separieren. 

Das Ziel ist es, die Kommunikation zwischen dem Controller und einfacheren, günstigeren Geräten zu realisieren.

API-basiertes SDN: Das ist die Antwort der Netzwerk-Anbieter. Sie enthält einen zentralen Controller mit einem offenen API (Application Programming Interface). Das erlaubt es Applikationen, das Verhalten des Netzwerks zu managen und zu manipulieren. 

Diese APIs können in einer einfachen Form in einem Controller existieren. Ebenso ist eine höhere Ebene an Richtlinien-Abstraktion oberhalb des Controllers denkbar. Die APIs könnten sogar in den Geräten selbst sitzen.

Diese Kategorie ist bei etablierten Netzwerk-Anbietern am beliebtesten, die Nachfolgendes realisieren möchten:

  • Störungen in der Netzwerk-Landschaft minimieren;
  • Existierende Kunden-Investitionen bewahren;
  • Ihre eigenen und persönlichen Interessen schützen.

Overlay-basiertes SDN: Das ist derzeit die vorherrschende Lösung in Data Centern. Somit adressiert man die Netzwerk-Einschränkungen im Hinblick auf Mandantenfähigkeit und Erschöpfung von MAC-Tabellen. Man setzt auf Tunneling-Technologien, um virtuelle Netzwerke auf existierenden physischen Netzwerken aufgesetzt zu betreiben.

Overlay-basiertes SDN ist auch bei Anbietern für Data-Center-Virtualisierung am beliebtesten. Sie wollen einfach nicht mehr länger auf einfache und effiziente Netzwerk-Virtualisierungs-Lösungen warten, die irgendwann von den etablierten Netzwerk-Anbietern zur Verfügung gestellt werden.

Was ist nun also echtes SDN? Das kommt ganz darauf an, wen Sie fragen. Sieht man sich allerdings das Gesamtbild an, sind sie es alle. Wir Puristen haben den Streit um den Namen selbst schon verloren. Somit ist es vielleicht am geschicktesten, wenn man sich auf die verschiedenen Kategorien in Bezug auf SDN konzentriert und diese angemessen kommuniziert. Dazu gehören die zu adressierenden Probleme und was für die jeweiligen Arten spricht. Hoffentlich wird sich die Diskussion in diese Richtung verschieben.

Über den Autor:
Chuck Black ist Mitbegründer und leitender Software-Architekt bei Tallac Networks. Er hat mehr als 30 Jahre Berufserfahrung im Bereich Computer Networking. Während dieser Zeit hat er hauptsächlich im Forschungs- und Entwicklungslabor bei Hewlett-Packard gearbeitet, bevor er Tallac mitbegründete. In der letzten Zeit hat er verschiedene Networking Produkte für HP im Bereich Network Access Control und Security (Netzwerk-Zugangskontrollen und Sicherheit) entwickelt. Davor war er für die Entwicklung von Netzwerk-Management-Produkten für HPs Software-Unternehmen zuständig. Als LAN noch in den Kinderschuhen steckte, hat er als Autor einige der ersten Netzwerktopologie-Discovery-Anwendungen der Branche verfasst.

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