tl6781 - stock.adobe.com
SNMP vs. CMIP: Unterschiede und Einsatz im Netzwerk
SNMP und CMIP verfolgen unterschiedliche Ansätze im Netzwerkmanagement. Der Vergleich zeigt, warum sich das einfachere SNMP durchgesetzt hat und wo CMIP weiterhin genutzt wird.
Sowohl das Simple Network Management Protocol (SNMP) als auch das Common Management Information Protocol (CMIP) wurden entwickelt, um eine Methode zur Verwaltung von Netzwerken bereitzustellen. Doch ihre Ursprünge unterscheiden sich.
SNMP und CMIP wurden jeweils Ende der 1980er Jahre standardisiert. SNMP ist ein Protokoll der Anwendungsschicht und wurde von der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt, die an der Entwicklung des Internets, also der TCP/IP-Protokollfamilie, mitgewirkt haben. CMIP wurde hingegen von der ISO und der ITU-T im Rahmen der OSI-Standardisierung entworfen.
SNMP vs. CMIP: Unterschiedliche Ziele
SNMP und CMIP spiegeln die unterschiedlichen Entwicklungsphilosophien der Internet- und der OSI-Gemeinschaft wider. In den frühen Tagen, als Geräte nur über begrenzte Speicher- und Prozessorleistung verfügten, erachtete die Internet-Community Einfachheit als das Wichtigste.
Die OSI-Gemeinschaft war jedoch der Meinung, dass jedes Protokoll von Anfang an so konzipiert sein müsse, dass es äußerst flexibel ist und auch zukünftigen Anforderungen gerecht wird.
Als SNMP und CMIP in den 1980er-Jahren entwickelt wurden – und auch noch in den 1990er-Jahren – fühlten sich Einzelpersonen in den beiden Gemeinschaften als Konkurrenten. Viele in den OSI-Organisationen glaubten, dass Internet-Protokolle wie SNMP unter Last zusammenbrechen würden. Die Internet-Entwickler wiederum empfanden die OSI-Protokolle oft als zu kompliziert, schwierig zu implementieren und in Bezug auf Speicher- und Prozessorressourcen zu teuer.
SNMP
Das Ziel der SNMP-Entwickler war es, ein einfaches, aber nützliches Protokoll bereitzustellen. SNMP hatte ursprünglich fünf Kernbefehle: GET, GET-NEXT, SET, GET-RESPONSE und TRAP. SNMP-Manager verwenden diese Befehle, um auf Geräteparameter zuzugreifen und diese zu ändern.
Das Application-Layer-Protokoll verfügte zunächst über keine Sicherheitsfunktionen. Erst spätere Versionen, insbesondere SNMPv3, führten Authentifizierung und Verschlüsselung ein. Mit SNMPv2 kamen zudem Erweiterungen wie GETBULK hinzu, die effizientere Abfragen größerer Datenmengen ermöglichen.
Der Austausch zwischen Managementstationen und verwalteten Geräten ist einfach. Sie tauschen Datagramme aus, die Befehle und Antworten enthalten. Mit SNMP wird keine Verbindung zwischen Manager und Gerät aufrechterhalten, da das Protokoll verbindungslos arbeitet. Als Transportprotokoll dient primär das verbindungslose UDP auf den Ports 161 und 162.
SNMP nutzt ein Datenmodell, das auf der Management Information Base (MIB) basiert. Die Datenstrukturen werden mit Abstract Syntax Notation One (ASN.1) beschrieben und in der Regel mit Basic Encoding Rules (BER) kodiert.
CMIP
Die OSI-Entwickler verfolgten das Ziel, ein umfassenderes und flexibleres Managementprotokoll zu schaffen. Neben dem Abrufen und Ändern von Netzwerkparametern kann ein CMIP-Manager sogenannte Managed Objects erstellen oder löschen. Diese werden anschließend verwaltet.
CMIP basiert auf einem objektorientierten Modell, in dem Netzwerkressourcen als Managed Objects mit Attributen und Operationen definiert sind. Diese werden gemäß dem GDMO-Standard (Guidelines for the Definition of Managed Objects) beschrieben.
Die Kommunikation erfolgt über OSI-Protokolle wie das Remote Operations Service Element (ROSE), das Remote-Prozeduraufrufe zwischen Managementstationen und Geräten ermöglicht. Wie SNMP nutzt auch CMIP ASN.1 zur Beschreibung von Datenstrukturen, die typischerweise mit BER kodiert werden.
Im Gegensatz zu SNMP ist CMIP verbindungsorientiert und unterstützt komplexe Interaktionen zwischen Managementsystem und Geräten. Sicherheitsmechanismen sind im Standard vorgesehen, wurden in der Praxis jedoch nur begrenzt umgesetzt.
Verbreitung und praktische Bedeutung
In der Praxis hat sich SNMP als dominierender Standard etabliert. Aufgrund der einfachen Implementierung und des geringen Ressourcenbedarfs wird SNMP von nahezu allen Netzwerkgeräten unterstützt.
CMIP konnte sich hingegen nicht flächendeckend durchsetzen. Seine hohe Komplexität und sein Implementierungsaufwand begrenzten seine Verbreitung erheblich. Dennoch wird CMIP weiterhin in spezialisierten Bereichen eingesetzt, insbesondere im Rahmen des Telecommunications Management Network (TMN) in Telekommunikationsnetzen.
Fazit
SNMP und CMIP stehen für zwei unterschiedliche Ansätze im Netzwerkmanagement. Während SNMP auf Einfachheit und Effizienz setzt, verfolgt CMIP einen umfassenderen, aber komplexeren Modellansatz.
In der Praxis hat sich SNMP als De-facto-Standard etabliert, da es die Anforderungen moderner Netzwerke mit vergleichsweise geringem Aufwand erfüllt. Dies steht im direkten Gegensatz zu den ursprünglichen Befürchtungen der OSI-Gemeinschaft. Sie glaubte, SNMP würde unter hoher Last zusammenbrechen. Diese Annahme wurde jedoch durch die Skalierbarkeit des modernen Internets widerlegt. CMIP bleibt eine Lösung für spezialisierte Anwendungsfälle, insbesondere in der Telekommunikation.
Dieser Artikel wurde im Mai 2026 aktualisiert, um neue Entwicklungen widerzuspiegeln und das Leseerlebnis zu verbessern. Der Beitrag ist im Original in englischer Sprache auf Search Networking erschienen.