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Cloud Sprawl: Wildwuchs in Multi-Cloud-Umgebungen vermeiden

In Multi-Cloud-Umgebungen können Ressourcen schnell und einfach ungewollt wachsen. Mit den fünf Empfehlungen dieses Artikels vermeiden Sie das kostspielige Problem Cloud Sprawl.

In einer Multi-Cloud-Bereitstellung kann es schnell und einfach zu einem Wildwuchs von Ressourcen kommen, im Englischen als Cloud Sprawl bezeichnet. Erst recht in Multi-Cloud-Umgebungen stellt dieses Problem einige Hindernisse in den Weg.

Dieser Cloud Sprawl tritt auf, wenn Anwender ungenutzte Computing-Instanzen oder Dienste in der Cloud nicht wieder freigeben. Dadurch steigen nicht nur die Kosten der Cloud. Auch die Ressourcenverwaltung und die Sicherheitsgewährleistung werden erschwert. Denn der Überblick über all die verschiedenen Dienste, die im Unternehmen genutzt werden, geht schnell verloren, ist aber mindestens deutlich aufwändiger. Noch kritischer wird es, wenn das Personal wechselt: Einige Dienste könnten so einfach vom Radar verschwinden. Denn ein IT-Administrator, der das Unternehmen verlässt, nimmt in aller Regel auch sein Wissen darüber mit, wo wer welche Dienste und Ressourcen betreibt.

Ursachen der Versprengung in der Multi Cloud

Cloud Sprawl kann in vielen IT-Umgebungen auftreten. Weitere Verbreitung hat er allerdings in Multi-Cloud-Architekturen. Und das hat vor allem zwei Gründe:

  1. Unternehmen verwenden bei der Nutzung nur einer einzigen Cloud die Überwachungswerkzeuge ihres Cloud-Anbieters, um verfügbare Ressourcen im Blick zu halten. Diese Werkzeuge der Anbieter sind ein zentralisierter Bezugspunkt für Cloud-Ressourcen. In einer Multi-Cloud-Umgebung allerdings funktionieren die Tools für die Cloud des einen Providers womöglich nicht für den Clouds anderer Anbieter. Versuchen Sie etwa gar nicht erst, mit Amazons CloudWatch Ressourcen auf Microsoft Azure zu finden. Schon ist es vorbei mit dem zentralisierten Bezugspunkt für Ressourcen in der Cloud.
  2. Beim Betrieb mehrerer Clouds ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Ihre Workloads von Zeit zu Zeit, meist sogar häufig zwischen den verschiedenen Clouds hin- und herwechseln. Gerade diese Möglichkeit, Workloads aus jedwedem Grund von einer Cloud auf die andere zu verschieben, stellt für Konzerne eben einer der größten Vorzüge einer Multi-Cloud-Umgebung dar: So lässt sich schließlich schnell und unkompliziert ein gutes Angebot oder besseres Leistungsspektrum eines bestimmten Anbieters nutzen. Beim Verschieben von Workloads passiert es aber auch sehr gerne, dass der Workload trotz der Verschiebung in eine andere Cloud in der bisherigen Cloud noch weiter abgearbeitet wird.

Leitlinien zur Vermeidung von Cloud Sprawl

Es gibt einige bewährte Vorgehensweisen (Best Practices), die den Wildwuchs in Multi-Cloud-Umgebungen verhindern helfen.

1. Legen Sie Cloud-Richtlinien fest

Legen Sie klare und belastbare Richtlinien fest, wie Teams Cloud-Ressourcen in Ihrem gesamten Unternehmen zu provisionieren und freizugeben haben. Überlassen Sie niemals einer einzelnen Abteilung oder einzelnen Personen die Entscheidung, eine Ressource von einer Cloud in eine andere zu verlagern. Auch der Umgang mit inaktiven Cloud-Diensten gehört nicht in diese Hände. Integrieren Sie einen unternehmensweiten Pflichtkatalog.

2. Nutzen Sie Überwachungswerkzeuge von unabhängigen Anbietern

Überwachungswerkzeuge von Fremdherstellern können Ihrer Multi-Cloud-Infrastruktur zu mehr Transparenz verhelfen. Diese Tools können mehrere Clouds gleichzeitig bedienen und Ihnen einen zentralen Bezugspunkt zu sämtlichen Ihrer Ressourcen verschaffen.

Für das Sammeln spezifischer Informationen über bestimmte Cloud-Dienste sind auch die Überwachungswerkzeuge der Cloud-Anbieter von Nutzen. Von einem bestimmten Punkt an sollten Sie jedoch ein Werkzeug in Ihrem Sammelsurium haben, das Ihnen einen holistischen Einblick in alle von Ihnen genutzten Clouds verschafft.

3. Automatisieren Sie die Freigabe von Ressourcen

Nutzen Sie bei jeder möglichen Gelegenheit automatisierte Verfahren für Provisionierung und Deployment-Tools, um eine Ressource oder einen Service automatisch abzuschalten, wenn Sie Workloads zwischen Cloud-Grenzen verschieben. Durch die Automatisierung minimieren Sie das Risiko, dass Ihre Mitarbeiter versehentlich Dienste unnötig aktiv lassen.

4. Prüfen Sie Ihre Cloud-Abrechnungen

Ihre Cloud-Abrechnung ist mehr als nur eine Rechnung. Sie gibt Ihnen Einblick in die Entwicklung Ihrer Ausgaben für die Cloud und in die Leistungsfähigkeit Ihrer Cloud-Apps. Bemerken Sie höhere Ausgaben, ohne dass Sie den Umfang Ihrer Workloads substanziell gesteigert hätten, so könnten die Mehrausgaben ein Warnsignal dafür sein, dass zusätzliche, nicht mehr benötigte Ressourcen noch immer in Betrieb sind. Ihre Cloud-Abrechnung wird Ihnen keine eindeutigen Aussagen zur Cloud-Wildwuchs ermöglichen, beim Entdecken dieser Probleme aber kann sie wirklich hilfreich sein.

5. Was nicht weg kann, kann kleiner werden

Mitunter kann es schon einmal vorkommen, dass Sie ganz absichtlich Ressourcen in einer Cloud weiterhin aktiv betreiben, obwohl diese gar nicht mehr aktiv genutzt werden. Zum Beispiel, um sie zu einem späteren Zeitpunkt schnell und einfach wieder einsetzen zu können. Lassen Sie sich davon nicht grundsätzlich abhalten, aber skalieren Sie die Ressource herab oder verringern Sie ihre Kosten. Halten Sie etwa Daten weiterhin in einer Cloud, obwohl sie bereits in eine andere Cloud kopiert wurden, so wechseln Sie den Storage-Plan für die ursprüngliche Cloud auf eine kostengünstigere Option für ihren Cloud-Speicher. Die Daten werden so weiterhin in der ursprünglichen Cloud vorhanden sein, diese zusätzliche Datenhaltung wird dann aber weniger Geld kosten.

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Artikel wurde zuletzt im April 2019 aktualisiert

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