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Dell EMC präsentiert neue Storage-Lösung PowerStore

PowerStore ist das neue Midrange-Angebot des Herstellers und könnte bestehende Dell-Produkte ablösen. Umfassende Funktionen und neue Storage-Technologien sollen Anwender überzeugen.

Mit PowerStore stellt Dell EMC eine in Eigenentwicklung entstandene neue Midrange-Lösung vor, die das Potential hat auch firmeninterne Produkte wie XtremIO, Unity oder die SC Arrays (ehemals Compellent) abzulösen. Der Hersteller will mit dem Speichersystem neue Maßstäbe setzen und Unternehmen die Möglichkeit geben, Daten- und Betriebsprozessanforderungen gleichermaßen priorisieren und ansprechen zu können. Wo vorher der Fokus auf Data Protection, Effizienz und Kapazität gelegen hätte, kämen nun Automation, Agilität und Intelligenz hinzu. An der inhouse entwickelten Lösung waren mehr als 1.000 Ingenieure beteiligt, dabei nicht nur Speicherexperten, sondern auch VMware-Fachleute, was eine engere Verzahnung mit VMware-Tools gewährleisten sollte.

Der Anbieter sah die Notwendigkeit einer neuen Speicherarchitektur, das Anwender (laut Herstellermeinung) in den letzten 20 Jahren ihre Infrastruktur entweder nach den Daten oder den Betriebsprozessen ausrichteten und so meist in einem Kompromiss endeten, der beide Seiten nicht optimal unterstützte. PowerStore soll das ändern und eine datenzentrische, intelligente und flexible Speicherplattform für fast alle Workloads, Protokolle und Anwendungen bieten. Dabei spielt es beispielsweise keine Rolle, ob die Apps virtuell oder physisch operieren oder ob es sich um klassische Files oder moderne Container handelt.

PowerStore soll sowohl traditionelle als auch moderne Workload-Anforderungen erfüllen.
PowerStore soll sowohl traditionelle als auch moderne Workload-Anforderungen erfüllen.

Die Appliance bedient Protokolle wie FC, iSCSI, NVMe-oF sowie NFS und SMB. Sie umfasst eine aus zwei PowerStore-Nodes bestehende Konfiguration im active-acive (Hochverfügbarkeits)-Modus. Es handelt sich um eine End-to-End-NVMe-Installation, die als Medien Flash-Speicher oder Storage Class Memory integriert. Laut Hersteller gewährleistet das System eine Verfügbarkeit von sechs Neunen, also 99,9999 Prozent, und ist so sieben Mal schneller als ein Unity XT Modell bei drei Mal geringerer Latenz.

Die Appliance ist modular skalierbar, wobei sowohl eine Scale-up- als auch eine Scale-out-Skalierung umsetzbar ist. Rechen- und Storage-Ressourcen werden dem entsprechend unabhängig voneinander erweitert, entweder über die Nodes in einem Cluster oder die Kapazitätseinheiten. So lassen sich zum Beispiel bis zu 2,8 PByte im Scale-up-Modus erreichen. Ein Scale-out-Szenario lässt mit acht active-active Nodes bis zu 11,3 PByte pro Cluster zu.

Eine Skalierung ist sowohl über Erweiterungsmodule oder per Nodes im Cluster möglich.
Eine Skalierung ist sowohl über Erweiterungsmodule oder per Nodes im Cluster möglich.

Um den Speicherplatz optimal zu nutzen, verspricht der Hersteller eine garantierte Datenreduktionsrate von 4:1 mittels inline Deduplizierungs- und Kompressionsverfahren, die die CPU nicht belasten sollen.

Für die Intelligenz des Systems sorgen eine programmierbare Infrastruktur, Autonomie-Tools und proaktive Analysen, um den Zustand der Lösung stetig zu überprüfen. Die programmierbare Infrastruktur soll Automation und DevOpsermöglichen. Sie lässt die Nutzung von VMware, Kubernetes und Ansible auf PowerStore zu, was wiederum automatisierte Workflows und Self-Service-Kataloge realisierbar machen soll. Laut Anbieter können neue Ressourcen in Sekunden statt Tagen installiert und das Fehlerrisiko durch manuelle Eingriffe eliminiert werden. Die Appliance agiert autonom und nutzt hierfür eine Machine-Learning-Engine. Mit deren Hilfe werden zum Beispiel neue Ressourcen automatisch erkannt und Daten optimal platziert. Für die Überwachung und Analyse des Systemzustandes kommt CloudIQ zum Einsatz, das Probleme erkennt und Problembehebungen anstößt. Ebenso antizipiert das Tool Geschäftsanforderungen und verhindert Ausfälle. Darüber hinaus bietet es einen zentralen Überblick über das Rechenzentrum.

Die PowerStore-Appliance basiert auf der gleichnamigen Betriebssystem, PowerStoreOS. Dieses verfügt über eine Container-basierte Architektur und ein modulares Software-Design, was konsistente plattformübergreifende Services, schnellere Innovationen und künftige Deployment-Modelle umsetzbar machen soll. PowerStore verfügt über einen integrierten Hypervisor, der eine Abstrahierung des Storage-OS möglich macht. Somit kann PowerStore auch auf virtuellen Maschinen (VMware ESXi) laufen.

Dell stellt zudem AppsON vor, womit Applikationen direkt auf der Appliance operieren können, wie zum Beispiel Splunk, Flink oder Apache Spark. Weniger überraschend ist natürlich die tiefe Integration mit VMware. Integrationspunkte sind ESXi (VASA & VAAI), vVols, vor/vRa und die VMware Cloud Foundation.

Das PowerStore-System soll Anwendern zudem Einsatzszenarien ermöglichen, bei denen Daten am Edge, im Zentrum (Core) und in der Cloud genutzt werden sollen und entsprechend verarbeitet, gespeichert und repliziert werden müssen. Hier spielt die Verzahnung mit AppsON und VMware eine wichtige Rolle. So können beispielsweise Daten auf einer PowerStore-Appliance am Edge zunächst analysiert und erst dann an das zentrale System repliziert werden. Von dort wiederum ist eine Weiterleitung in die Cloud – Vmware oder AWS – möglich.

Eine Migration von anderen existierenden Dell-Lösungen (XtremIO, Unity, SC Series, VNX Series, PS Series) ist laut Angaben des Unternehmens in weniger als 10 Klicks möglich. Dabei stehen zwei Migrationsoptionen zur Verfügung: eine Array-basierte und eine Host-basierte. Eine softwaredefinierte Version des PowerStore soll in Zukunft auch verfügbar sein, ebenso die Migration von Drittanbietersystemen.

Darüber hinaus wurde das Anytime Upgrade Programm vorgestellt, dass flexible und unterbrechungsfreie Upgrades zu jedem Zeitpunkt im Vertrag zulässt, ohne das Lizenz- oder Vertragserneuerungen nötig werden. Auch die Abrechnung wurde entsprechend flexibel gestaltet: Bezahlen, je nach wachsendem Verbrauch (Pay aAs You Grow), Bereitstellung von Ressourcen und Abrechnung nur nach aktuellem Verbrauch (Flex On Demand) oder eine nutzungsabhängige Bezahlung über die gesamte IT-Infrastruktur hinweg (Data Center Utility). Konkrete Preismodelle für PowerStore gab der Hersteller nicht bekannt.

Kommentar der Redaktion

PowerStore kommt als gänzlich neue Entwicklung Dells daher und ist insofern schon überraschend als dass es sich hier in erster Linie um eine reine Hardware-Lösung handelt, während andere Anbieter in Richtung SDS oder Cloud-first streben. Allerdings bestätigt sich hier ein Trend hin zur Portfoliokonsolidierung. Die Option bestehende ältere Systeme einfach ablösen zu können, ohne sich durch 25 neue Systemoptionen durchkämpfen zu müssen, wurde kürzlich erst bei IBM zelebriert, die auch eine Simplifizierung (will heißen Verkleinerung) ihrer Produktpalette durch neues Storage anvisieren. Die tiefe VMware-Integration von VMware könnte sich sowohl als Segen als auch als Fluch herausstellen. Kunden, die auf VMware schwören, sind sicher begeistert. Anwender, die bei der Virtualisierung mehr Flexibilität wünschen, wird es wohl weniger faszinieren.

Open Source, Cloud-native und Kubernetes-fokussiert scheint derzeit im Trend, und doch: Dell setzt auf einen eher proprietären Hardware-Ansatz, der erst später in einer Softwareversion und mit Support für die Migration anderer Hersteller erscheinen soll. Für Bestandskunden kann dies verlockend sein, wie sehr man Neukunden überzeugen muss, wird die Zukunft zeigen.

Nicht überraschend ist die Überarbeitung der Upgrade-Optionen und des Bezahlmodells. Pure Storage hat mit Evergreen beides bereits vor einiger Zeit etabliert. Hersteller wie NetApp oder HPE haben solche auch schon eingeführt.

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