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Wie sich die IT auf die 5G-Einführung vorbereiten kann

Die neuen Funktionen von 5G führen auch zu neuen Herausforderungen für die IT-Abteilung. Ein gutes Netzwerk-Monitoring ist unverzichtbar, meint Patrick Hubbard von Solarwinds.

Die 5G-Konnektivität erweitert die technischen Grenzen und Unternehmen bewegen sich in einem Bereich, an dem es zuvor noch kein Netzwerk gab. Wie bei der Weltraumforschung erfordert es Vorbereitung und etwas Mut, diesen Weg erfolgreich zu beschreiten und 5G vollumfänglich zu nutzen.

Viele Unternehmen würden gerne mit den Geschwindigkeits- und Kapazitätsvorteilen von 5G für mehr Produktivität und Effizienz sorgen, aber bislang fühlen sich nur wenige sicher genug darin, die Technologie einzuführen. Offenbar gibt es also eine Lücke zwischen den versprochenen Möglichkeiten und den Angaben der Anbieter zur tatsächlichen Implementierung von 5G im Unternehmen.

Diese Herausforderung kann IT-Abteilungen zusätzlich unter Druck setzen. Die angepriesenen zahlreichen Vorteile von 5G sind zwar gut dokumentiert, die zu ihrer Umsetzung nötigen Änderungen und Ausbesserungen im Backend sind es jedoch nicht. Auf welche möglichen Fallstricke muss die IT sich gefasst machen? Mit welchen Strategien kann sie den Übergang so reibungslos wie möglich gestalten?

Hochgeschwindigkeit oder überhöhte Erwartungen?

5G-Implementierungen, die Netzwerke und Geräte stecken noch in den Kinderschuhen, so dass die meisten Unternehmen das volle Potenzial erst im kommenden Jahrzehnt ausschöpfen können. Wie bei LTE warten die Unternehmen auf geeignete Netzwerkinfrastrukturen und Praktiken. Gleichzeitig steigert der 5G-Hype jedoch die Erwartung der Benutzer auf baldige große Sprünge bei Performance und Zugänglichkeit. Kunden werden erwarten, dass alle Anwendungen und Services vom ersten Tag an eine wesentlich bessere Leistung bieten.

Ohne ausreichende Vorbereitung werden IT-Experten ungeplante Ressourcen zum Lösen von Konnektivitäts- und Stabilitätsproblemen einsetzen und gleichzeitig den Transformationsdruck vom Unternehmen abwehren müssen. Das bedeutet für die meisten Unternehmen eine sehr spekulative Budgetplanung.

Monitoring bleibt die wichtigste Verteidigungsmaßnahme der IT

Verbesserungen bei der IT-Überwachung sollten diese Anfangsprobleme mildern. Außerdem haben die Unternehmen von der 4G-/LTE-Einführung gelernt. Monitoring in nahezu Echtzeit bleibt die wichtigste Verteidigungsmaßnahme der IT und bietet die nötigen Daten, um Engpässe und Kapazitätsbeschränkungen auf der letzten Meile bei der flickenteppichartigen 5G-Abdeckung zu erkennen.

Anwendungen können beispielsweise abhängig von der Frequenz, der Dichte der Basisstationen und vorübergehenden mmWave-Interferenzen unterschiedlich funktionieren. Auch neue Optionen wie End-to-End-Network Slices und dedizierte IoT-Netzwerke sorgen für neuartige Traffic-Arten und -Volumen. Ohne die Überwachung von Infrastruktur und Endnutzern ist es nicht möglich, über diese Verbindungen einen zuverlässigen Service zu erbringen und unerwartete Entwicklungen im Blick zu behalten.

Auch hier kann die Sicherheit ein weiteres Problem darstellen. Im Idealfall würden IT-Experten das Sicherheitswissen nutzen, das sie sich bei den vorherigen Mobilfunkbereitstellungen angeeignet haben. Allerdings bringen die einzigartigen Eigenschaften von 5G neue Sicherheitsanforderungen für Administratoren und CIOs mit sich.

5G ist aufgrund der Frequenzen im Millimeterwellenbereich von einer hohen Basisstationsdichte abhängig, was eine größere Angriffsfläche und zusätzliche Schwachstellen in Netzwerken schaffen könnte. Gleichzeitig werden unternehmensweit mehr IoT-Geräte eingesetzt, was die Zahl der selten gepatchten und für Cyberangriffe anfälligen Geräte stark erhöht. Hyperpersonalisierte Shopping-Erlebnisse sind eine tolle Sache, solange Angreifer nicht erfolgreich Kunden anvisieren oder den Ruf eines Unternehmens zerstören. Mit 5G wird Netzwerk-Monitoring mehr benötigt als je zuvor.

5G bringt mehr Bandbreite und mehr Daten

Die meisten erfahrenen IT-Profis sehen bereits ein anderes bekanntes Problem am Horizont. 5G bringt mehr Bandbreite und damit auch mehr Daten in Unternehmen, so dass selbst gut ausgestattete IT-Teams möglicherweise ihre Datenmanagement-Methoden überdenken müssen.

Es wird unverzichtbar sein, nützliche Daten zur Identifizierung von zugrunde liegenden Netzwerk- und Anwendungsproblemen zu erfassen und aus den vielen unwichtigen Informationen im Netzwerk herauszufiltern. Üblicherweise reagieren IT-Teams auf Datentransport- und Speicheranforderungen mit Hardwareaufrüstung.

Moderne Überwachungssysteme machen es IT-Teams leichter, zusätzliche Metriken und ihr individuelles Unternehmen betreffende Signale einzubeziehen. Administratoren werden 5G-bezogene Performance-Daten mit der Cloud- und On-Premises-Infrastruktur in Bezug setzen, verbunden durch den Anwendungskontext.

Das Engineering legt großen Wert auf die Erfassung detailgenauer 5G-spezifischer Performance-Daten, die Unternehmen von den Vorteilen von 5G überzeugen dürften. Die IT passte schon immer neue Technologien in nützliche Plattformen und Unternehmensservices ein.

Wenn Probleme zu ihrem Ursprung zurückverfolgt, identifiziert und kartografiert wurden, geschah das immer anhand von Produktionsdaten, nicht von Testdaten. So können nicht nur Serviceprobleme schnell behoben werden, sondern IT-Experten werden auch auf Nutzerprobleme außerhalb der Firewall aufmerksam, selbst wenn diese technisch in den Zuständigkeitsbereich eines anderen Unternehmens fallen.

Gesammelte Benutzerdaten fließen auch in die IT-Strategie für Business-Anwendungen ein und liefern spezifische Details dazu, wie aktuelle und zukünftige 5G-Produkte verbessert werden können. Nicht zuletzt ermöglicht eine bessere Transparenz es IT-Teams auch, die unterschiedlichsten Cybersicherheitsmaßnahmen, Warnmeldungen und Firewalls einzusetzen – vom Netzwerkern bis hin zum nebulösen 5G-Edge.

Datengesteuerte Diplomatie

IT-Teams brauchen eine erweiterte Bridge mit vielen Scannern. Während ihre Unternehmen auf dem Weg in Richtung 5G voranschreiten, müssen sie Kundenerwartungen und Geschäftsrisiken gleichermaßen managen. Die größte Gefahr bei der Einführung besteht für Unternehmen darin, den Frust von Kunden zu ignorieren und überhandnehmen zu lassen.

Mit einer proaktiven Herangehensweise kann die IT jedoch weiterhin mangelhafte Benutzererlebnisse minimieren und die Kunden zu Partnern für den Erfolg der neuen 5G-Anwendungen machen. Wenn IT-Teams dank Monitoring Probleme erkennen und beheben können, bevor sie vom Endnutzer bemerkt werden, ist das prima. Noch besser ist es allerdings, wenn sie Erlebnisse schaffen, die für Mundpropaganda im Zusammenhang mit ihrer Marke sorgen.

Patrick Hubbard, Solarwinds

„Wie bei jeder neuen Technologie werden auch bei 5G immer unbekannte Faktoren im Hintergrund lauern. Das Ziel von CIOs sollte es sein, Hindernisse zu minimieren, während die IT auf dem Weg zu 5G voll durchstartet.“

Patrick Hubbard, Solarwinds

Wie bei jeder neuen Technologie werden auch bei 5G immer unbekannte Faktoren im Hintergrund lauern. Das Ziel von CIOs sollte es sein, Hindernisse zu minimieren, während die IT auf dem Weg zu 5G voll durchstartet. Ein aussagekräftiges Netzwerk-Monitoring von der Quelle bis zum Ziel wird unverzichtbar und hilft IT-Teams, unmittelbare Probleme zu beheben und gleichzeitig Experten für die 5G-Anwendungsbereitstellung zu werden.

Die Person im Kapitänsstuhl legt den Kurs fest, doch die IT-Abteilung steuert das Schiff sicher ans Ziel. Die Unternehmens-IT wird für die Geschäftswelt und die Zukunft von 5G die Richtung vorgeben und dabei mit offenen Augen vorangehen.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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