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Warum KI nicht ohne Datenkompetenz funktioniert

Datenkompetenz entsteht nur, wenn alle Mitarbeiter in der Lage sind, mit Daten umzugehen. Wie Führungskräfte Datenkompetenz in Unternehmen etablieren.

In letzter Zeit fällt oft der Begriff Datenkompetenz, aber nur wenige wissen, was der Begriff im Unternehmenskontext bedeutet. In einer Zeit, in der Daten als das Lebenselixier von Unternehmen angesehen werden, ist es wichtig, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern helfen, Daten richtig zu nutzen.

Kein Wunder also, dass Marktforscher wie IDC erwarten, dass die Ausgaben für Big-Data- und Analytics-Lösungen bis 2020 die 200-Milliarden-Dollar-Grenze überschreiten werden. Um das Beste aus diesen Investitionen herauszuholen, müssen Unternehmen ihre Mitarbeiter darin schulen, mit Daten richtig umzugehen.

Was ist also Datenkompetenz? Im Unternehmenskontext versteht man darunter die Fähigkeit, aus Daten aussagekräftige Erkenntnisse abzuleiten und diese so anzuwenden, dass sie dem Unternehmen zugutekommen. Die meisten Unternehmen haben zwar Datenanalysten angestellt, die für das Unternehmen Erkenntnisse gewinnen sollen.

Doch echte Datenkompetenz entsteht nur dann, wenn alle Mitarbeiter in der Lage sind, sachgerecht mit Daten umzugehen, Zusammenstellungen von Daten zu interpretieren und die Ergebnisse zu präsentieren. Dazu ist es auch notwendig, ihnen die richtigen Werkzeuge, sowie die dazu notwendigen Daten zur Verfügung zu stellen.

Warum Datenkompetenz immer wichtiger wird

Daten waren schon immer wichtig und sind keine Entdeckung der jüngsten Zeit. Neu ist, dass sich heute viel mehr mit Daten machen lässt. Und das hat Auswirkungen auf die Datenkompetenz.

Zum besseren Verständnis dient ein ähnliches Beispiel aus der Vergangenheit: der Buchdruck und seine Auswirkung auf die Lese- und Schreibkompetenz. Selbst vor mehr als eintausend Jahren wussten die Menschen, dass Schreiben einen Wert hat.

Das Problem war jedoch, dass der Zugang zum geschriebenen Wort schwierig war. Jedes einzelne Buch war ein Kunstwerk, für dessen Herstellung Hunderte oder Tausende von Arbeitsstunden erforderlich waren. Aus diesem Grund lernten nur sehr wenige Menschen lesen und schreiben – nicht weil das Erlernen des Alphabets schwieriger war als heute, sondern weil der Prozess der Verbreitung und der Zugang zum geschriebenen Wort unerreichbar waren. Warum sollte damals jemand lesen lernen, wenn er keinen Zugang zu Büchern hatte?

Mit dem Aufkommen des Buchdrucks änderte sich jedoch die Infrastruktur rund um das geschriebene Wort. Jeder konnte nun zumindest theoretisch ein Buch erwerben. Je mehr Menschen Zugang zu Büchern hatten, desto mehr stieg auch die Nachfrage nach Bildung.

Ähnliches geschieht derzeit bei den Daten. In den letzten 50 Jahren war das Auffinden und Verbreiten von Erkenntnissen aus Daten teuer und erforderte Spezialisten: den Datenanalysten. Doch in den letzten fünf bis zehn Jahren hat sich dies geändert. Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Search-Funktionen haben es auch für Nichtfachleute viel einfacher gemacht, Zugang zu Daten zu erhalten und mit den Daten zu interagieren. Gleichzeitig hat sich die zugrunde liegende und unterstützende Infrastruktur zur Verbreitung der Daten stark verändert.

Wir erleben gerade massive Innovationen bei schnellen Datenbanken und auf dem Gebiet der Nutzererfahrung. Es sind diese technologischen Fortschritte im Datenumfeld, die einen besseren Zugriff auf die Daten ermöglichen und zu einer stärkeren Nachfrage nach datenkompetenten Mitarbeitern geführt haben.

Wie lässt sich erfolgreich eine Kultur der Datenkompetenz verankern?

Es gibt vier Dinge, auf die sich Führungskräfte konzentrieren sollten, wenn sie eine Kultur der Datenkompetenz im Unternehmen fördern wollen:

  1. Vorbild sein und selbst Daten nutzen: Die Nachfrage nach Daten ist wichtig, wenn es darum geht, eine datengesteuerte Kultur im Unternehmen aufzubauen. Wenn Führungskräfte zur Entscheidungsfällung Daten nutzen, werden auch die Mitarbeiter damit beginnen, Daten anzufordern. Passiert dies kontinuierlich, setzt sich langsam die Erwartungshaltung durch, dass Daten für den Entscheidungsprozess unverzichtbar sind. Um eine Kultur der Datenkompetenz umzusetzen, braucht es also Führungskräfte, die aktiv Daten anwenden und damit zum Vorbild werden, sowie Mitarbeiter, die den Wert von datengesteuerten Erkenntnissen im Unternehmen verbreiten.
  2. Unterstützung von ganz oben: Jede erfolgreiche Initiative braucht darüber hinaus auch die Unterstützung von ganz oben. Die Einstellung des CEO und des Vorstands ist entscheidend für die Veränderung der Unternehmenskultur. Sowohl der CEO als auch der Vorstand müssen Datenkompetenz fördern und sollten wissen, dass dies ein langjähriger Prozess sein kann. Datenkompetenz ist ein kultureller Wandel und lässt sich nicht von heute auf morgen umsetzen.
  3. Andere Führungskräfte einbeziehen: Nachdem die Unternehmensführung hinter der Initiative steht, müssen auch die anderen Führungskräfte mit ins Boot geholt werden und diesen Kulturwandel aktiv mitgestalten. Wenn die oberste Spitze hinter der Initiative steht und einige Mitarbeiter bereits aktiv Daten zur Entscheidungsfällung nutzen, reichen oftmals bereits Gespräche mit den anderen Führungskräften, um sie zu überzeugen.
  4. Daten sind ein universelles Hilfsmittel: Sie sollten nicht wie Gold von einigen wenigen besessen und in Tresoren (Datensilos) gehortet werden, sondern eher wie Wasser angesehen werden, das einen Wert für jeden hat, sich schnell bewegt und sich im Unternehmen ausbreitet. Geben Sie Ihren Mitarbeitern die Produkte, mit denen Daten im gesamten Unternehmen verteilt werden können. Die Technologie sollte ein Wegbereiter sein und sich darauf konzentrieren, allen Beteiligten sichere, saubere und aktuelle Daten zur Verfügung zu stellen.

Was kann ein nichttechnischer Mitarbeiter tun, um Datenkompetenz zu erlangen?

In einer Zeit, in der Daten als das neue Öl gelten und neue, datengetriebene Wertschöpfungsketten entstehen, ist es auch für nichttechnische Mitarbeiter wichtig, Datenkompetenz zu erwerben. Doch viele wissen nicht, wo sie anfangen sollen.

Wer besonders gründlich sein will, dem sei ein Statistikkurs empfohlen. Mittlerweile gibt es hier viele Online- oder auch Volkshochschulkurse. Mit einer Einführung in die Statistik erhält man Zugang zur Sprache der Daten und Verständnis für grundlegende Datenkonzepte.

Eine zweite, einfachere Möglichkeit, seine Datenkompetenz zu erhöhen, besteht darin, Zugang zu Daten zu erhalten – Learning by Doing sozusagen. Wer keinen Zugang zu Daten hat, sollte seinen Manager danach fragen. Sollte das Unternehmen nicht darauf ausgelegt sein, den Mitarbeitern Datenzugriff zu gewährleisten, sollte man nach den entsprechenden Technologien fragen.

In Zeiten der digitalen Transformation sind sich viele Führungskräfte durchaus bewusst, dass sich in ihrem Unternehmen etwas ändern muss. Nicht selten bewirken dann solche Anfragen nach Self Service große Veränderungen. Wer Zugang zu Daten hat, aber nicht genau weiß, wie sie zu verwenden sind, sollte sich nicht scheuen, einen Power User im Unternehmen um Hilfe zu bitten oder auch gezielt nach entsprechenden Weiterbildungsmaßnahmen zu fragen.

Christian Werling, ThoughtSpot

„Am wichtigsten ist, Datenkompetenz nicht als IT-Herausforderung zu betrachten, sondern als eine geschäftliche Herausforderung, die einem helfen kann, beruflich zu wachsen.“

Christian Werling, ThoughtSpot

Wer bereits hin und wieder mit Daten arbeitet, sollte diese häufiger nutzen. Einer der wichtigsten Aspekte beim Erlernen einer Fremdsprache ist deren Anwendung. Das ist beim Erlernen der Sprache der Daten nicht anders. Je mehr man sie tatsächlich in realen Situationen nutzt, desto mehr steigt die Datenkompetenz. Wenn Sie also sehen, dass eine Entscheidungsfindung ansteht, nutzen Sie Daten, um diese zu untermauern – genauso sollten Sie auch Ihre Kollegen oder die Vorgesetzten fragen, welche Daten deren Entscheidungen zugrunde liegen. So wird eine interne Datennachfrage kreiert, die dabei hilft, die Datenkompetenz zu steigern.

Wer Datenkompetenz erlangen möchte, sollte sich auch nicht davor drücken, seine Fortschritte zu messen. In vielen Bereichen wird ja bereits die Arbeitsleistung mit Daten gemessen, zum Beispiel im Vertrieb oder im Marketing. Das gleiche Prinzip können Sie auch zur Messung Ihrer eigenen Datenkompetenz anwenden. Erstellen Sie einen datengesteuerten Überblick über Ihre persönliche Leistung und messen Sie diese kontinuierlich. Es wird Ihnen helfen, Ihre Arbeit durch die Datenbrille zu sehen.

Am wichtigsten ist jedoch, Datenkompetenz nicht als IT-Herausforderung zu betrachten, sondern als eine geschäftliche Herausforderung, die einem helfen kann, beruflich zu wachsen. Dank KI und anderen neuen Technologien fallen die meisten IT-Barrieren für eine Interaktion mit Daten weg und die Geschäftsanwender können sich aufs Wesentliche konzentrieren, nämlich darauf, auf der Basis von Daten richtige Entscheidungen zu treffen. Datenkompetenz ist eine kritische Geschäftsanforderung. Genauso wie jeder Zweite heute im Beruf auf Fremdsprachen angewiesen ist, gehört Datenkompetenz zu den Arbeitsanforderungen von morgen.

Über den Autor:
Christian Werling ist Regional Director DACH bei ThoughtSpot. Er hat über 15 Jahre Erfahrung im Bereich Unternehmenssoftware. Darunter unter anderem QLIK, Questback, BlueYonder und Treasury Intelligence Solutions. Big Data und Analytics sind dabei stets im Fokus gewesen. Der Diplom-Informatiker startete seine IT Karriere 2002 beim globalen IT-Lösungsanbieter Hewlett Packard. Er lebt am Niederrhein und ist in seiner Freizeit begeisterter Ausdauersportler.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder und entsprechen nicht unbedingt denen von ComputerWeekly.de

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