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Die Zukunft von SD-WAN: Abkehr vom Standalone-Produkt

Wie geht es mit SD-WAN weiter? Außer der Marktkonsolidierung und dem Verdrängen von MPLS dürfte die Technologie sich 2019 von einem Standalone-Produkt zu einem Feature-Set wandeln.

Wer eine Prognose bezüglich Software-defined WAN für 2019 wagt, sollte wissen, dass 91 Prozent der Organisationen mit einem WAN entweder SD-WAN evaluieren, die Bereitstellung vor Ende 2019 planen oder bereits dabei sind, diese Technologie zu implementieren.

Im Folgenden erläutern wir einige Aspekte, die diese 91 Prozent von der zukünftigen SD-WAN-Entwicklung 2019 erwarten dürfen.

Laut der Untersuchung 2018-2019 WAN Economics Research Study von Nemertes Research sagten 23 Prozent der Studienteilnehmer, sie würden SD-WAN nutzen. Von diesen 23 Prozent gaben 30 Prozent an, dass sie einen Managed- oder In-Net-SD-WAN-Service nutzen – In-Net SD-WAN bedeutet, dass das Netzwerk des Service-Providers eine Rolle bei der Bereitstellung einiger oder aller SD-WAN-Funktionen spielt. Dieser Prozentsatz wird weiter steigen, wenn die Angebote der Provider ausreifen und erfolgreich bereitgestellt werden, um als Referenzen für potenzielle Kunden zu dienen.

Organisationen, die das WAN-Management bereits outsourcen, werden auf die neue Generation der Technologie umsteigen, wenn ihre Verträge erneuert werden und ihre Router das Ende der Lebensdauer erreichen, so dass diese Zahl wachsen wird. Viele Unternehmen zeigen sich auch interessierter an Managed WAN oder In-Net SD-WAN, wenn sie erkennen, dass sie zwei Jahre oder länger ein hybrides Netzwerk mit Legacy-Ausstattung und SD-WAN haben werden. Sie finden die Aussicht, die Migration und ein hybrides WAN zu verwalten, weder attraktiv noch strategisch sinnvoll.

SD-WAN und die letzte Meile

Das Problem, die Last-Mile-Konnektivität zu WAN-Standorten zu verwalten – insbesondere die Internetkonnektivität –, treibt ebenfalls die Nutzung von Managed SD-WAN auf die eine oder andere Weise. Alles in allem wünscht eine Mehrheit der SD-WAN-Nutzer (58 Prozent), das Managementproblem der letzten Meile loszuwerden. Dazu zählen die 24 Prozent, die dies über einen Managed-SD-WAN-Vertrag abdecken wollen, und die 34 Prozent, die Probleme auf der letzten Meile an einen Konnektivitäts-Aggregator auslagern möchten – ganz gleich, ob für SD-WAN in Eigenregie oder für Managed SD-WAN.

Das Schicksalsjahr für MPLS

2019 erwarten wir zum ersten Mal, dass eine eindeutige Mehrheit der Organisationen, die MPLS einsetzen, die Nutzung von MPLS reduzieren oder ganz einstellen werden, wenn sie SD-WAN bereitstellen. Derzeit haben insgesamt bereits 41,2 Prozent MPLS den Rücken gekehrt, haben dies vor oder planen, dessen Bedeutung zu reduzieren. Im Jahre 2017 waren es noch 23 Prozent.

Es scheint sicher, dass SD-WAN bald kein Standalone-Produkt mehr sein wird.

Noch bemerkenswerter ist, dass in der Nemertes-Studie von 2017 keine SD-WAN-Nutzer auf MPLS verzichtet hatten oder dies kurzfristig planten. Nun sagten 19 Prozent, sie hätten vor, MPLS im Rahmen des Rollouts von SD-WAN aufzugeben, oder hätten es schon vollständig abgeschafft.

Ein Jahr der rasanten Konsolidierung

Oracles Kauf von Talari war lediglich der jüngste Schritt auf dem Weg der Marktkonsolidierung in einem überfüllten Segment. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass die Zahl der Service-Provider, die SD-WAN anbieten, weiter wächst, liegt es auf der Hand, dass eine Reihe von aktuellen Plattform-Providern dieses Jahr auf der Strecke bleiben werden – egal, ob sie direkt am Ende ihrer Startup-Finanzierung scheitern, von einem größeren Unternehmen aufgekauft werden oder fusionieren, um mehrere kleine Marktteilnehmer zu einem größeren und zukunftsfähigeren Unternehmen zusammenzulegen.

Der SD-WAN-Markt bietet sicherlich Raum für eine breite Palette an Produktoptionen, doch bis Ende 2019 wird der Bereich wahrscheinlich um 50 Prozent schrumpfen, wobei sich am Ende die Zahl der Plattform-Provider bis 2021 bei zirka 10 einpendeln wird.

Die Zukunft von SD-WAN ist ein Feature-Set

Cisco betreibt aggressiv die Integration von SD-WAN in den Kern seiner Branch Router. Auch andere WAN-Anbieter unternehmen ähnliche Schritte. Da eine solide Mehrheit derjenigen, die SD-WAN bereitstellen, die Technologie nutzen will, um ihre Branch Router, WAN-Optimierer und Firewalls zu ersetzen, scheint es sicher, dass SD-WAN bald kein Standalone-Produkt mehr sein wird.

Es ist anzunehmen, dass WAN-Edge-Geräte SD-WAN-Funktionen als wichtige Features zur Verfügung stellen werden, zusammen mit anderen kompletten Feature-Sets. Diese Funktionen könnten direkt von der Hauptplattform oder im Stil von Network Functions Virtualization (NFV) geliefert werden – unter Verwendung der virtuellen Netzwerkfunktion (VNF) eines Partners, die über diesen Edge-Service bereitgestellt und verwaltet wird. Man könnte sie am Provider-Ende eines In-Net-SD-WAN-Service bereitstellen.

Wie auch immer Anbieter diese Funktionen implementieren, wird es bei SD-WAN in Zukunft eine deutliche Abkehr von individuellem SD-WAN per se hin zu WAN-Edge-Geräten geben – und allem, was das kombinierte Feature-Set bewerkstelligen kann. Einige Provider beginnen bereits, sich dementsprechend zu positionieren. Der Rest wird aller Voraussicht nach 2019 folgen.

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