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Wie StorPool traditionelle Storage-Hardware überflüssig macht

StorPool Storage positioniert sich als leistungsstarke On-Premises-Alternative für Unternehmen, die weder in die Public Cloud migrieren noch ihre Anwendungen umbauen möchten.

Boyan Ivanov, Boyan Krosnov und Yanko Yankulov gründeten 2011 in Bulgarien ein Unternehmen mit einem in der damaligen Zeit ungewöhnlichen Ansatz: sie wollten herkömmliche Storage-Hardware durch intelligente Software auf Standard-Servern ersetzen. Mit StorPool Storage legten sie den Grundstein für eine Plattform, die heute in über 30 Ländern im Einsatz ist.

CEO Boyan Ivanov beschreibt das technologische Erbe seines Landes mit Stolz: Bulgarien war einst das „Silicon Valley des Ostblocks“. Fabriken stellten tagsüber Konsumgüter her und nachts hochwertige IT- und Militärtechnik. Diese Tradition schuf eine Generation von Ingenieuren, deren Fähigkeiten durch Knappheit und Einfallsreichtum geschärft wurden – diese DNA steckt wohl auch in StorPool.

Das Unternehmen blieb von Anfang an auf technische Exzellenz fokussiert und mied das Streben nach schnellem Wachstum durch Venture Capital. Heute ist StorPool ein profitables, inhabergeführtes Unternehmen.

Software-defined Block Storage neu gedacht

StorPool entwickelt eine verteilte, softwaredefinierte Block-Storage-Plattform, die herkömmliche Storage-Arrays und Storage Area Networks (SAN) überflüssig machen soll. Das Grundprinzip: Statt teurer, proprietärer Hardwaresysteme nutzt StorPool Standard-Server mit direkt angeschlossenen Festplatten (HDDs) oder SSDs und bündelt diese zu einem einzigen, gemeinsamen Storage-Pool.

Die Software wird auf jedem Server im Cluster installiert und kombiniert Kapazität und Performance aller Laufwerke zu einem globalen Namensraum. Das Ergebnis ist ein leistungsfähiges, skalierbares und hochverfügbares Speichersystem – ohne Herstellerbindung. Ivanov beschreibt es als „Amazon EBS für das eigene Rechenzentrum“ – ein vollständig verwalteter Speicherdienst, der die operativen Aufgaben von Storage-Administratoren abnimmt.

Boyan Ivanov, CEO Storpool
Abbildung 1: Boyan Ivanov, CEO von StorPool, ist sich sicher, dass man mit den SDS-Lösungen des Unternehmens herkömmliche Storage-Arrays und Storage Area Networks (SAN) überflüssig machen kann.

Die technischen Leistungsdaten lesen sich vielversprechend: Typische Deployments liefern eine Latenz von unter 100-Mikrosekunden, Cluster skalieren auf Dutzende Millionen IOPS und Durchsatzraten von 100 bis 200 GB/s auf einem 20-Knoten-System – abhängig von der eingesetzten Hardware. Die Plattform ist seit 2012 im Produktionsbetrieb und hat laut eigenen Angaben eine gemessene Verfügbarkeit von 99.999 Prozent.

Skalierbarkeit ist ein weiterer Vorteil: StorPool-Cluster können mit nur zehn TB starten und online auf mehr als 50 Petabyte erweitert werden. Hardware-Refreshes, Kapazitätserweiterungen und Updates laufen nicht-disruptiv im laufenden Betrieb. Die Plattform unterstützt mehrere Protokolle (Block, File, NVMe/TCP) und verschiedene Performance-Tiers, von hochperformanten Transaktions-Workloads bis hin zu kostengünstigeren Tiers für Backup und Disaster Recovery.

StorPool bietet native Plugins für führende Cloud-Management-Plattformen: OpenStack, OpenNebula, CloudStack, Kubernetes und OnApp. Darüber hinaus werden VMware, Oracle VM, Hyper-V und XenServer unterstützt. Zu den besonderen Features zählen VolumeCare (ein eigenes Backup- und DR-Tool), umfassende Analytics- und Monitoring-Tools sowie End-to-End-Datenschutz, der unter anderem gegen Ransomware-Angriffe schützt. Die Plattform ist ISO 27001 und ISO 9001 zertifiziert.

Go-to-Market-Strategie

StorPools Zielkunden sind unter anderem Hosting-Unternehmen, Cloud-Service-Provider, Managed Service Provider (MSPs), IaaS- und SaaS-Anbieter sowie Unternehmen, die private Clouds betreiben. Rund zehn Prozent des Kundenstamms entfallen auf große Unternehmen mit eigenen IT-Teams. Zu den bekannten Kunden zählen Organisationen wie NASA, ESA, Deutsche Börse und CERN.

Das Unternehmen setzt auf einen Direktvertrieb statt auf ein breites Partnerökosystem, arbeitet aber in spezifischen Kontexten mit Anbietern wie HPE und Oracle zusammen. Das Lizenzmodell ist flexibel: StorPool kann sowohl als Abonnement als auch als Perpetual-Lizenz erworben werden. Ein Alleinstellungsmerkmal ist der Managed-Service-Ansatz: StorPool übernimmt Deployment, Monitoring, Patching und Upgrades der Kundenumgebungen vollständig remote – eine Parallele zum Betriebsmodell von Hyperscalern wie AWS.

Geografisch ist StorPool in über 30 Ländern aktiv und unterstützt eine Infrastruktur, die mehr als eine Million Endnutzer bedient. Das Team ist mit rund 60 Mitarbeitern auf Bulgarien und die USA verteilt. Ivanov verweist darauf, dass das Unternehmen auf der Marketing- und Vertriebsseite gegenüber US-amerikanischen Wettbewerbern Aufholbedarf hat: „Bulgarien ist nicht so bekannt für Vertrieb und Marketing wie unsere Freunde in den USA.“ Dennoch wächst StorPool stetig und wurde drei Jahre in Folge unter Europas am schnellsten wachsenden Unternehmen gelistet.

Eine besondere Marktchance ergibt sich aktuell durch die VMware-Lizenzpolitik unter Broadcom: massive Preiserhöhungen treiben viele Unternehmen dazu, Alternativen zu evaluieren. StorPool sieht darin eine historische Chance. „VMware hat über 300.000 Kunden“, sagt Ivanov. „Wenn der Preis zehnmal höher wird, ist das existenzbedrohend.“ Das Unternehmen positioniert sich als stabile, leistungsstarke On-Premises-Alternative für Unternehmen, die weder in die Public Cloud migrieren noch ihre Anwendungen neu entwerfen wollen.

StorPool Storage versus VMware
Abbildung 2: StorPool möchte mit seinen Lösungen auch Kunden ansprechen, die aktuell über einen Wechsel von VMware-/Broadcom-Produkten nachdenken.

Wettbewerb und Marktpositionierung

Im Markt für Software-defined Storage (SDS) konkurriert StorPool mit Lösungen wie Ceph (Open Source), Excelero, Simplyblock, OpenEBS sowie den Storage-Angeboten großer Hersteller wie NetApp, Pure Storage, Hitachi Vantara und DataCore. Das Unterscheidungsmerkmal: StorPool bietet laut eigenen Angaben eine höhere Performance – die Latenz liegt nach eigenen Angaben bei der Hälfte standardmäßiger NVMe-Speichergeräte – kombiniert mit einem vollständig verwalteten Service-Ansatz, der den administrativen Aufwand auf Kundenseite minimiert.

Das Unternehmen positioniert sich bewusst nicht als Universallösung, sondern als Speicherlösung für spezifische, anspruchsvolle Anwendungsfälle: Datenbanken, große virtualisierte Umgebungen und latenzempfindliche Applikationen. Der Total Cost of Ownership (TCO) kann im Vergleich zu traditionellen SANs und All-Flash-Arrays laut StorPool deutlich gesenkt werden, da auf kostspielige Proprietär-Hardware verzichtet wird.

Stiller Champion aus Bulgarien

StorPool ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür, dass technologische Innovation und nachhaltige Unternehmensführung nicht zwingend aus dem Silicon Valley kommen müssen. Das Unternehmen aus Sofia hat in über einem Jahrzehnt eine Plattform aufgebaut, die auf Augenhöhe mit den Schwergewichten der Storage-Industrie mitspielt – profitabel, eigentümergeführt und mit einer klaren technischen Vision.

Was StorPool fehlt, ist die Sichtbarkeit, die US-amerikanische Konkurrenten durch massive Marketingbudgets erzeugen. Was es hat, ist ein Produkt, das in einer der anspruchsvollsten Kategorien der IT-Infrastruktur überzeugt – und eine wachsende Kundenbasis, die das bestätigt. Angesichts des VMware-Umbruchs und der steigenden Nachfrage nach flexiblen, kosteneffizienten Storage-Alternativen dürfte StorPools stille Revolution lauter werden.

StorPool stellte seine Produkte im Rahmen der IT Press Tour (in Sofia) vor, die mehrmals im Jahr Besuche bei Start-ups und IT-Unternehmen organisiert.

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