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IT-Ausfälle kosten Unternehmen Milliarden

Ungeplante IT-Ausfälle verursachen weltweit enorme Kosten für Unternehmen. Eine neue Studie von Splunk zeigt die finanziellen Folgen und die Rolle von KI bei der Ausfallsicherheit.

Das Unternehmen Splunk, das zu Cisco gehört, hat eine neue Studie zu ungeplanten Systemausfällen veröffentlicht. Dem Bericht zufolge belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten ungeplanter Ausfallzeiten für die weltweit größten Unternehmen auf 600 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 50 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

In Deutschland liegen laut der Studie die durchschnittlichen Kosten für ein betroffenes Unternehmen bei 255 Millionen Euro (295 Millionen US-Dollar) pro Jahr. Damit fallen die Schäden etwa 17 Prozent geringer aus als der europäische Durchschnitt.

Die wirtschaftlichen Folgen von Systemausfällen

Ungeplante Stillstände entwickeln sich zunehmend zu schwerwiegenden Geschäftsrisiken. Neben direkten Umsatzverlusten geraten auch die Markenreputation und der Börsenwert unter Druck.

Allein die Umsatzverluste betroffener Unternehmen in Deutschland belaufen sich laut der Studie auf jährlich 77 Millionen Euro (89 Millionen US-Dollar). Das entspricht einer Verdopplung im Vergleich zu 2024.

Die Studie nennt mehrere direkte und indirekte Kostenfaktoren, die Unternehmen nach einem Ausfall belasten. Besonders stark steigen die Aufwendungen für Sicherheit und Compliance. Die Studienautoren listen die verschiedenen finanziellen Belastungen je Unternehmen detailliert auf:

  • Ein unvorhergesehener Ausfall kostet betroffene Organisationen weltweit im Durchschnitt 15.000 US-Dollar pro Minute.
  • Der Börsenwert eines Unternehmens sinkt nach einem solchen Vorfall im Mittel um 3,4 Prozent.
  • Die Ausgaben für Lösegeldzahlungen bei Ransomware-Angriffen haben sich seit 2024 nahezu verdreifacht und liegen inzwischen bei weltweit durchschnittlich 40 Millionen US-Dollar.
  • Behördliche Bußgelder wegen Compliance-Verstößen summieren sich weltweit inzwischen auf durchschnittlich 51 Millionen US-Dollar pro Unternehmen.
Direkte Kosten von Ausfallzeiten pro Unternehmen.
Abbildung 1: Direkte Kosten von Ausfallzeiten pro Unternehmen in US-Dollar.

Neben den finanziellen Schäden steigt auch der operative Aufwand erheblich. Viele Unternehmen müssen zusätzliche Ressourcen für Fehleranalyse, Support und Kommunikation bereitstellen:

  • 89 Prozent der Technologieverantwortlichen berichten von einem deutlich erhöhten Personalaufwand zur Fehlerbehebung.
  • 90 Prozent der Unternehmen verzeichnen nach einem Vorfall einen höheren Bedarf im Kundensupport.
  • Auch die Abteilungen Finanzen (76 Prozent) und Marketing (74 Prozent) melden zusätzliche Belastungen.

Regionale und branchenspezifische Unterschiede

Je nach Region und Branche unterscheiden sich die finanziellen Folgen ungeplanter IT-Ausfallzeiten erheblich. Besonders hoch fallen die Belastungen in regulierten Märkten aus.

In der EMEA-Region liegen die durchschnittlichen Kosten pro Unternehmen bei 354 Millionen US-Dollar und damit weltweit am höchsten. Als wesentliche Ursache nennt die Studie hohe regulatorische Anforderungen und Compliance-Kosten von durchschnittlich 110 Millionen US-Dollar.

In der APAC-Region sind es vor allem Umsatzverluste, die hohe Schäden verursachen. In Nordamerika dominieren dagegen die Sicherheitskosten.

Auch zwischen den einzelnen Branchen zeigen sich weltweit deutliche Unterschiede bei den Ausfallkosten:

  • Mit 402 Millionen US-Dollar verzeichnet der Bereich Informationsdienste und Technologie die höchsten durchschnittlichen Ausfallkosten.
  • Die Energie- und Versorgungswirtschaft folgt mit 364 Millionen US-Dollar pro Unternehmen.
  • Im Einzelhandel und in der Konsumgüterbranche entstehen durchschnittliche Schäden von 357 Millionen US-Dollar.
  • Finanzdienstleister melden jährliche Ausfallkosten von durchschnittlich 309 Millionen US-Dollar.

Cyberhygiene und die Rolle künstlicher Intelligenz

Ein zentrales Problem bei der Bewältigung von Sicherheitsvorfällen ist, dass Cyberangriffe häufig zu spät erkannt werden. So gibt rund ein Drittel der europäischen Sicherheitsverantwortlichen an, böswillige Aktivitäten zunächst fälschlicherweise als gewöhnliche IT-Probleme eingestuft zu haben.

Unternehmen investieren deshalb zunehmend in KI-Werkzeuge, um Ursachen schneller zu analysieren und die Incident-Triage zu optimieren. Laut Studie liegen die jährlichen Ausgaben weltweit für entsprechende Technologien bei durchschnittlich 24,5 Millionen US-Dollar.

Organisationen mit weitreichender Erfahrung bei der Automatisierung zeigen eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Ausfällen und Sicherheitsvorfällen.

  • 74 Prozent dieser Unternehmen mussten im vergangenen Jahr keine Datenschutzverletzungen öffentlich bekannt geben.
  • 42 Prozent der Organisationen gaben an, noch nie Kunden infolge technischer Ausfälle verloren zu haben.
  • Weltweit nennen 72 Prozent der Führungskräfte End-to-End-Observability als wichtigste Investitionspriorität zur Verbesserung der Resilienz.

Der Übergang zu autonomen Systemen birgt jedoch auch Risiken. Alle befragten Technologieverantwortlichen berichten von Ausfällen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Die Studie unterstreicht daher die Bedeutung von Governance und menschlicher Kontrolle.

Weitere Marktstudien bestätigen den Trend

Die Ergebnisse der Splunk-Untersuchung decken sich mit den Trends aktueller Erhebungen aus der IT-Branche. Ein markantes Beispiel ist der 2025 Observability Forecast Report – Europe & Middle East, den der Softwareanbieter New Relic veröffentlicht (PDF) hat. Demnach belaufen sich die medianen jährlichen Kosten für hochgradig geschäftsschädigende IT-Ausfälle in Deutschland auf 169 Millionen US-Dollar. Dies stellt den dritthöchsten Wert im weltweiten Vergleich dar.

Die Belastungen durch ungeplante Stillstände treffen den deutschen Markt dem Bericht zufolge in besonderem Maße:

  • Deutschland verzeichnet diese schwerwiegenden Störungen häufiger als jedes andere europäische Land. Ganze 46 Prozent der Befragten berichten von wöchentlichen Vorfällen.
  • Dies hat massive Auswirkungen auf die Produktivität: 28 Prozent der deutschen Engineering-Teams, die sich auf Bauen, Härten und Skalieren von Software, digitalen Produkten und Cloud-Infrastrukturen konzentrieren, müssen mindestens die Hälfte ihrer Arbeitszeit für die Behebung von Infrastrukturproblemen aufwenden.
  • Im Vergleich dazu liegt der Durchschnitt für entsprechende Teams in der gesamten EMEA-Region bei lediglich 23 Prozent.

Im jährlichen Report Annual outage analysis 2026 von Uptime Intelligence gab mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Teilnehmer an, dass ihr letzter größerer Betriebsausfall mehr als 100.000 US-Dollar kostete. Bei jedem Fünften verursachte der letzter schwerwiegende Betriebsausfall sogar mehr als eine Million US-Dollar an Kosten.

Fazit

Die steigende Komplexität moderner IT-Infrastrukturen erhöht das Risiko ungeplanter Ausfälle deutlich. Unternehmen müssen deshalb stärker in Observability, Automatisierung und Cyberhygiene investieren.

Investitionen in künstliche Intelligenz allein genügen jedoch nicht. Entscheidend ist eine lückenlose menschliche Überwachung, um unvorhergesehene Systemfehler frühzeitig abzufangen.

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