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Unternehmen müssen bei der Planung von ERP-Patches auf dem aktuellen Stand sein

Doron Gerstel, CEO bei Panaya, erläutert im Interview, worauf Firmen bei der Auswahl eines ERP-Systems achten müssen und wohin sich der Markt bewegt.

Der ERP-Markt gilt in den Augen vieler Marktbeobachter als langweilig, viele ERP-Systeme immer noch als monolithisch. Da sich der ERP-Markt aber in einer Umbruchphase befindet, könnte dieses Image bald der Vergangenheit angehören.

Doron Gerstel, CEO beim ERP-Spezialisten Panaya, erklärt im Interview, welche Trends den ERP-Markt derzeit beschäftigen und warum eine gute Planung von Sicherheits-Patches sowie die Absicherung der ERP-Systeme von großer Bedeutung sind. Gerstel ist außerdem davon überzeugt, dass SAP HANA 2016 den endgültigen Durchbruch schafft.

Panaya bietet Werkzeuge zum Mapping und Testen von ERP-Umgebungen an. Können Sie beschreiben, wie diese Technologie – die CloudQuality Suite – funktioniert?

Doron Gerstel: Panayas Technologie basiert auf einer statischen Codeanalyse und einer Laufzeitanalyse der Nutzerinteraktion. Diese ermöglicht es uns, Nutzerinteraktionen zu erfassen und sie in Geschäftsprozesse zu übersetzen. Dies basiert auf mehr als 15.000 Anwendern und Testern, die Panaya verwenden. Die beiden Techniken können für komplexe Applikationen wie SAP und Oracle nur funktionieren, wenn Panayas Geheimzutaten zur Verfügung stehen: ein grundlegendes Verständnis von SAP sowie der Oracle E-Business Suite (EBS) und Software as a Service (SaaS).

Was macht diese beiden Komponenten so wichtig? Sie ergänzen Zusammenhänge und definieren Verhaltens- sowie Änderungsregeln. Hinzu kommt, dass es sich bei unserer Lösung um eine Cloud-basierte Anwendung handelt. Das ermöglicht uns, Verhaltens- und Codemuster von 5.000 Systemen sowie 15.000 Anwendern zu finden, die Geschäftsprozess-Validierungen mit Panaya ausführen. Das Ergebnis ist ein intelligenter Algorithmus, der dazulernt und der intelligente Services ermöglicht, um Risiken zu reduzieren.

Mit der CloudQuality Suite können Veränderungen am ERP-System simuliert werden. Was sind die wichtigsten Aspekte, auf die ein Unternehmen sich fokussieren sollte, wenn es sein ERP-System anpasst?

Gerstel: Unternehmen, die ihr ERP-System anpassen wollen, sollten frühzeitig die Bereiche identifizieren, die durch die ERP-Änderungen betroffen sein könnten. Außerdem ist es wichtig, die Auswirkungen von Änderungen auf Satellitensysteme zu bestimmen. Wer eine Veränderung am System plant, sollte außerdem prüfen, ob er Best Practices des Herstellers für aktuelle Probleme aufnehmen und abbilden kann. Es gilt zudem, sicherzustellen, dass existierende Geschäftsprozesse in einem bestehenden Testszenario abgedeckt werden. Firmen sollten gewährleisten, dass der Technical Dept so gering wie möglich ist, damit beispielsweise keine Bereiche getestet oder repariert werden müssen, die nicht genutzt werden. Schließlich muss sichergestellt sein, dass sich Business-Anwender vor dem Release abgemeldet haben.

Für viele IT-Professionals scheint ERP ein mehr oder weniger langweiliges Thema zu sein, dabei ist es ausschlaggebend für den Erfolg eines Unternehmens. Verändern Cloud-Werkzeuge dieses Image?

Gerstel: Zwei Aspekte sorgen für mehr Spannung auf dem ERP-Markt. Die Verschiebung zur digitalen Transformation hat signifikante Auswirkungen auf ERP-Systeme. Unternehmen, die einer digitalen Strategie folgen, müssen einen Weg finden, um mit den Geschäftsentwicklungen Schritt zu halten. Gleichzeitig müssen sie aber auch die Sicherheit und Qualität ihres ERP-Systems gewährleisten. Cloud-Tools wie die von Panaya stellen die ERP-Agilität, eine beschleunigte Verarbeitung von neuen Geschäftsanforderungen und eine insgesamt höhere Qualität von Business-Prozess-Veränderungen sicher. Dadurch unterstützen sie Unternehmen, ihre digitale Transformation zu bewerkstelligen.

Darüber hinaus ermöglichen ERP-Systeme die Nutzung neuer Technologien wie HTML5. Business-Anwender profitieren von der Einfachheit und der verbesserten Benutzerfreundlichkeit, die es ihnen erleichtert, ihre Aufgaben zu erfüllen – und das, ohne sich Gedanken über die IT und technologische Hindernisse machen zu müssen. Technologiebegeisterte können mit der neuesten Technologie arbeiten, anstatt an Alt-Systemen festzuhalten.

Sie konzentrieren sich auf SAP und Oracle EBS. Gibt es Unterschiede zwischen diesen Anbietern und deren Anwendungen, wenn ein Unternehmen Änderungen vornehmen oder ein neues ERP-System ausrollen will?

Gerstel: Bei der Auswahl eines Anbieters gibt es Vor- und Nachteile. Bei einer Entscheidung zwischen SAP und Oracle gilt es, verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Dazu zählen der Standort und die Geschäftsziele des Kunden. Ein weiterer signifikanter Unterschied zwischen den Anbietern ist ihr Cloud-Ansatz.

Sie schreiben auf Ihrer Website, dass alle Wege zu EHP7 und SAP HANA sowie S/4HANA führen. Was sind Ihre Erfahrungen mit der Übernahmerate der neuen Business Suite für SAP HANA?

Gerstel: Unsere Analyse von mehr als 5.000 Systemen und über 30.000 SAP-Landschaften zeigt, dass sich der Trend bei dem Einsatz von HANA-Datenbanken leicht verschiebt. In der ersten Hälfte des Jahres 2014 lag der HANA-Einsatz bei einem Marktanteil von 0,4 Prozent. In der zweiten Hälfte dieses Jahres konnte eine geringe Steigerung des Anteils auf 0,5 Prozent verzeichnet werden. Der immense Anstieg kam im Jahr 2015. Beinahe fünf Prozent des Marktes haben nun HANA übernommen. Dies entspricht einer Steigerung von mehr als 850 Prozent. 2016 könnte somit das Jahr sein, in dem HANA andere ERP-Systeme ablöst.

Was ist mit Oracle: Was sind Ihre Erfahrungen mit der Akzeptanz der neuen Patches und Upgrades für die Oracle E-Business Suite?

Gerstel: Basierend auf unserer Analyse von mehr als 4.000 Oracle EBS-Systemen, fanden wir heraus, dass zwar 40 Prozent der Nutzer immer noch Version 11 nutzen, die meisten Anwender aber zu 12.X gewechselt haben. Mit 42 Prozent der Anwender, bei denen 12.1 läuft, ist dies immer noch die beliebteste Version. Es ist jedoch auch ein starkes Interesse an ERP 12.2 zu verzeichnen. In 15 Prozent der Fälle ist auch diese Version bereits vorhanden. Es ist bekannt, dass Oracle in Version 12.2 die Funktion implementiert hat, Patches (Sicherheits- und Compliance-Updates) online auszuführen. Aufgrund dessen ist eine relativ schnelle Übernahme dieser Version zu beobachten. Oracle drängt seine Kunden, zu Oracle EBS in die Cloud zu wechseln.

Einige Umfragen zeigen eine drastische Erhöhung von Sicherheitsproblemen und Problemen in SAP ERP und Oracle ERP. Haben Ihre Kunden die Relevanz dieses Themas erkannt?

Gerstel: Externe Sicherheits- und Compliance-Schwachstellen gehören zu den größten Bedenken, die Unternehmen hegen. ERP-Systeme wie SAP und Oracle sind keine Inseln – während ihres gesamten Lebenszyklus sind sie erheblichen Sicherheits- und Compliance-Bedrohungen ausgesetzt. Panayas Analyse hat beispielsweise ergeben, dass 70 Prozent der Oracle EBS-Shops nicht die Sicherheits- und Compliance-Updates (Patches) installieren, die notwendig sind, um ihre EBS sicher zu halten. Wir haben sowohl bei ERP-Managern als auch bei Sicherheitsbeauftragten gesehen, dass sie ein zunehmendes Interesse an Best Practices haben, um zu gewährleisten, dass ihr ERP-System keinen Sicherheitsbedrohungen ausgesetzt ist.

Haben Sie Vorschläge, wie Unternehmen ihr ERP-System sicher halten können?

Gerstel: Unternehmen müssen bei der Planung von ERP-Patches stets auf dem neuesten Stand sein. Panaya hat sich eine neue KPI einfallen lassen: Minimum Time to Patch (MTTP), also das Mindestmaß an Zeit, um Fehler auszubessern. Wer die MTTP minimiert, bleibt sicher.

Doron Gerstel, Panaya

Oracle veröffentlicht vierteljährlich Patches. Auch SAP gibt alle zwei Jahre ein Support Package Stack heraus, das alle relevanten Sicherheits-Updates enthält. Deren Installation ist von entscheidender Bedeutung für die ERP-Sicherheit des Unternehmens.

Wer umfassende Sicherheit gewährleisten will, sollte die wichtigsten Sicherheits-Patches von Oracle oder SAP SPS direkt nach der Veröffentlichung installieren. Werden die Patches nicht installiert, bleibt eine Hintertür offen.

Bei Panaya haben wir einen einfachen Ansatz zur Bewertung der Sicherheit entwickelt. Durch die Beantwortung von vier einfachen Fragen sprechen wir eine Empfehlung für die Installation der wichtigsten Patches aus – entsprechend der Oracle EBS-Version des Kunden und der spezifischen Anforderungen der jeweiligen Branche. ERP-Manager erhalten einen Überblick darüber, was verändert werden muss, um die Sicherheit des Systems zu gewährleisten.

Können Sie abschließend drei Trends benennen, die die ERP-Entwicklung prägen?

Gerstel: Wir sehen drei große Trends, die den ERP-Markt beeinflussen:

Digitale Transformation: Die digitale Transformation stellt eine tektonische Verschiebung hin zum ERP-Denken dar. ERP-Systeme wurden darauf abgestimmt, Geschäftsanforderungen und IT-Funktionen ins Gleichgewicht zu bringen. Die Balance wird jedoch durch beschleunigte Veränderungen, angetrieben durch die digitale Transformation, gestört. Die exponentielle Zunahme neuer Geschäftsanforderungen führt zu Engpässen sowie zu einem Rückgang von Geschwindigkeit und Qualität. ERP-Systeme müssen einen Weg finden, um Engpässe, die die Agilität des ERP-Systems behindern, zu verhindern. Gleichzeitig sollten sie schnellere Änderungen und kontinuierliche Verbesserungen der ERP-Systeme ermöglichen.

ERP-Vereinfachung: Einer der größten Trends, die den Markt erobern, ist die Vereinfachung. Dies gilt sowohl für die Ebene der Geschäftsprozesse als auch für technologische Ebene. Technologien wie die In-Memory-Datenbank SAP HANA und eine Benutzeroberfläche, die responsive ist, ermöglichen der IT, besser auf Geschäftsanforderungen zu reagieren und die Agilität des Systems zu erhöhen.

Umzug in die Cloud: ERP-Systeme sind nicht länger in firmeninternen Netzwerken angesiedelt. Sie werden in die Cloud verlagert. Der Trend geht weiter in die Richtung, physische IT-Infrastrukturen in die Cloud zu bewegen. In den kommenden Jahren und mit einer Erweiterung des Angebots durch die Anbieter werden wir auch weiterhin eine Verlagerung von ERP-Installationen in die Cloud sowie den Einsatz von Cloud-Technologien sehen.

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