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Konsolidierung am BI-Markt: Zahl der Visionäre geht zurück

Business Intelligence ist noch nicht an dem Punkt, wo Fachbereichsmanager ohne Unterstützung von Datenexperten sofort Auskunft erhalten. Der Markt ist aber in Bewegung.

Der Markt für Business Intelligence (BI) und Business Analytics (BA) entwickelt sich zu einem Haifischbecken. Das wurde Anfang Juni deutlich, als Salesforce für knapp 16 Milliarden Dollar Tableau Software übernahm. Schon zuvor wurden Looker von Google und ZoomData von Logi Analytics aufgekauft. Auch der auf Hadoop spezialisierte Anbieter Hortonworks wurde vom Konkurrenten Cloudera geschluckt.

Was nach „Acquisitions as usual“ aussieht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung aber als tiefer liegendes Phänomen. „Fast alle BI- und BA-Anbieter fokussieren sich auf das User Interface, also eine bessere Visualisierung oder Spracheingaben. Doch das ist nicht das Kernproblem der BI-Anwender. Diese kämpfen noch immer damit, dass die BI-Tools zu komplex sind, dass die Umsetzung von Management-Fragen in entsprechende Auswertung zu lange dauert, und dass die Ergebnisse oft an der Fragestellung vorbeigehen“, sagt Doug Henschen, Principal Analyst bei Constellation Research.

Teradata CEO Oliver Ratzesberger packt dieses Dilemma werbewirksam in sein Statement: „Hört auf, in Analytics zu investieren – investiert in Antworten.“ Doch wer sind die Anbieter, die entsprechenden Antworten und Visionen bieten – und die darüber hinaus auch in der Lage sind, ihre Visionen in konkrete Produkte umzusetzen?

Gartner: Neun Visionäre

Gartner identifizierte im Februar 2019 in seinem Magic Quadrant for Analytics and Business Intelligence Platforms die Stärken und Schwächen von 21 Anbietern. Dabei wurden neun Visionäre identifiziert. Doch nur vier trauen die Analysten auch Größeres zu: Microsoft, Tableau, Qlik und ThoughtSpot. Tableau ist inzwischen Teil von Salesforce, damit rutschte der CRM-Primus nach oben und liegt nun gleichauf mit Microsoft Power BI. Zu den weiteren Visionären, denen aber laut Gartner die Umsetzungskraft fehlt, gehören Sisense, Tibco, SAS und SAP.

Allerdings berücksichtigt Gartner bei der Bewertung nicht den Nutzen für die Anwender, sondern fokussiert sich vor allem auf das User Interface. So schreiben die Analysten, dass Augmented Analytics nach wie vor ein wesentlicher BI-Treiber sei, doch damit vereinfacht sich nur die Datenaufbereitung – nicht die Auswertung. Ein weiterer Bereich, dem sich immer mehr Anbieter widmen, ist laut Gartner die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Dies soll in diesem Jahr zu weiteren Neuanschaffungen bei den BI-Programmen führen.

Abfragen per Sprache oder automatisch

Was die Benutzeroberfläche betrifft, so gehen die Analysten davon aus, dass spätestens in einem Jahr die Hälfte aller Abfragen entweder über Automatisierungs-Tools oder natürliche Sprache erfolgt. Durch diese vereinfachte Bedienung soll eine neue Gruppe von Anwendern entstehen, was wiederum zu einer um 15 Prozent höheren Akzeptanz bei den Unternehmen führt.

Front-Office-Mitarbeiter werden am stärksten davon profitieren. Deren Mitarbeiterzahl wird zu Lasten der IT-Mitarbeiter anwachsen. Die Gartner-Analysten gehen davon aus, dass diese Tatsache viele Unternehmen dazu zwingt, ihre Organisationsmodelle zu überdenken.

Technologisch gesehen verfügen die meisten modernen BI- und BA-Plattformen über eine eigene in sich geschlossene In-Memory-Engine, womit eine hohe Performance erreicht wird und Rapid Prototyping möglich ist.

Power BI und Tableau/Salesforce führend

Der Vergleich mit dem Vorjahr gibt Rückschlüsse auf gegenwärtige Markttrends. So waren Microsoft und Tableau 2018 gleichauf, doch in diesem Jahr hat Microsoft sich von der Konkurrenz abgesetzt. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass Microsoft bei den „Fähigkeit zur Umsetzung“ höher eingestuft wurde als Tableau – das aber könnte sich jetzt als Tochter von Salesforce ändern. Ansonsten lobt Gartner das Angebot der Redmonder: „Microsoft bietet ausgezeichnete Features und die Benutzer können komplexe Analysen relativ einfach ausführen. Power BI wird auch in den kommenden Jahren einer der Top-Player bleiben.“

Die gute Bewertung von Tableau basiert auf deren umfangreicher Datenvisualisierung und einer starken Bewertung durch die Referenzkunden. Das Unternehmen hat jüngst neue Features für natürliche Spracheingabe und automatisierte Datenaufbereitung vorgestellt.

Qlik behielt seine führende Position aufgrund der von Gartner gelobten Roadmap. Seit der Übernahme von Podium Data 2018 ist man auch stärker im Markt für Datenmanagement vertreten.

Der vierte führende Anbieter ist ThoughtSpot. Das in Palo Alto ansässige Unternehmen begann 2019 mit einer Venture-Kapitalspritze von 145 Millionen Dollar. Im November 2018 brachte man ThoughtSpot 5 auf den Markt, das ebenfalls über ein neues sprachgesteuertes Analyse-Tool namens SearchIQ verfügt.

Visionäre ohne Umsetzungskraft

Die Gruppe der Visionäre, die nicht über die entsprechenden Umsetzungsfähigkeiten verfügen, wird von Sisense und TIBCO angeführt. TIBCO verbesserte sich am stärksten, was zum Teil auf deren jüngste Akquisitionen zurückzuführen ist, mit denen der Anbieter sein Angebot im Bereich Data Science, hybride Datenintegration und Stammdatenverwaltung ausbauen konnte.

Das Unternehmen aktualisierte außerdem seine Embedded Analytics Engine und veröffentlichte 2018 das KI-gesteuerte Analyse-Tool Spotfire X. Sisense ist vor allem stark im Bereich Machine Learning (ML). Im vergangenen Oktober wurde eine neue Data Cognition Engine vorgestellt, mit der große Datensätze erfasst und analysiert werden können.

Weitere Visionäre: SAS und SAP

Etwas abgeschlagen zu Sisense und TIBCO befinden sich noch SAS und SAP in der Gruppe der Visionäre. Deren Position hat sich gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Beide gehören zum BI/BA-Establishment.

Deren Leistungsumfang wird im Markt zwar geschätzt und beachtet, doch revolutionäre Veränderungen erwartet Gartner aktuell nicht von ihnen – was auch an der Kompatibilität zu bestehend Systemen liegen kann.

„SAS und SAP haben ihren festen Kundenstamm und ihre BI-Anwendungen sind in größere Business-Software-Umgebungen eingebettet, aus denen die Anwender nicht so leicht ausbrechen können“, sagt Smriti Srivastava, Analystin bei Analytics Insight über die Marktposition beider Anbieter.

Abbildung 1: Die Gartner Magic Quadranten bewerten die verschiedenen Anbieter am BI-Markt.
Abbildung 1: Die Gartner Magic Quadranten bewerten die verschiedenen Anbieter am BI-Markt.

Nächste Schritte

Qlik bietet Business Intelligence mit Datenaufbereitung an.

Yellowfin: Business Intelligence, die Geschichten erzählt.

Tableau: Business Intelligence mit intuitiver Oberfläche.

Artikel wurde zuletzt im Juli 2019 aktualisiert

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