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IBM und Red Hat: Übernahme schafft Synergien am Markt

Obwohl Red Hat inzwischen Teil von IBM ist, operieren beide Organisationen weiterhin getrennt. Am Markt sollen aber bald Synergien im Vertrieb ausgenutzt werden.

Open-Source-Spezialist Red Hat hat sich jüngst eingehend über das Verhältnis zum neuen Eigentümer IBM, zur wachsenden Kooperation mit Microsoft und über den Linux-Markt im Allgemeinen geäußert.

Glaubt man den Worten der Red-Hat-Verantwortlichen, hat sich durch die 34 Milliarden Dollar schwere Übernahme intern bislang wenig geändert.

„Red Hat ist weiterhin Red Hat – das ist die Kernnachricht. Zwar gehören wir zur IBM, aber wir sind innerhalb der IBM eine unabhängige Einheit und so agieren wir auch am Markt“, sagte Werner Knoblich, Vice President und General Manager EMEA, auf dem Red Hat Forum Mitte Januar in Darmstadt. „Das bedeutet, IBM ist unser Partner, so wie sie es auch schon in der Vergangenheit waren – daran hat sich nichts geändert.“

Die getrennte Unternehmensführung bedeutet jedoch nicht, dass man auch am Markt getrennt agiert. „Red Hat ist bislang nur in 37 Ländern vertreten, doch bei IBM sind es 170 Länder. Da steht uns nun ein enormer Vertriebsapparat mit einer immensen Reichweite zur Verfügung“, erläuterte Knoblich die neuen Möglichkeiten.

Hinzu kommt, dass sich immer mehr IBM-Partner zunehmend für Red-Hat-Produkte interessieren. Dazu gehören unter anderen ARS und Materna. Neue Partner sollen zum Beispiel über die beiden Distributoren Arrow und Tech Data hinzugewonnen werden.

Abbildung 1: Werner Knoblich, General Manager EMEA, verspricht sich positive Synergien durch die Übernahme.
Abbildung 1: Werner Knoblich, General Manager EMEA, verspricht sich positive Synergien durch die Übernahme.

Schulterschluss mit Microsoft

Dass Open Source inzwischen Mainstream ist, zeigte sich ebenfalls auf dem Forum: Platinsponsor für das Event war Microsoft. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen der ehemalige Microsoft CEO Steve Ballmer Linux noch als „Krebsgeschwür“ abkanzelte. Spätestens seit Microsoft vor zwei Jahren für 7,5 Milliarden Dollar die Open-Source-Entwicklungsplattform GitHub kaufte, ist klar, dass sich Microsoft von alten Feindbildern verabschiedet hat.

„Wir sind heute der weltweit größte Akteur in der Open-Source-Gemeinde“ sagt Karl Davies-Barrett, Senior Cloud Solution Architect bei Microsoft Deutschland. So arbeiten inzwischen 5.000 Mitarbeiter an der Weiterentwicklung von GitHub. Aber auch die auf Azure bereitgestellten Open-Source-Lösungen werden kontinuierlich ausgebaut. Inzwischen gibt es über 50 Angebote, zu denen unter anderem Eclipse, WordPress, Apache Hadoop, SUSE, Cloudera, Datadog und Docker gehören.

Ein weiterer Schritt war die Portierung der Microsoft-Datenbank SQL Server auf Linux. Hierfür sieht Knoblich ein gewaltiges Potenzial auf Red Hat Enterprise Linux (RHEL) zukommen: „Das ist für Microsoft ein Referenzprojekt; ein äußerst strategisches Thema.“

Folglich wächst auch das Linux-Ökosystem. Zum Beispiel sind bereits 50 Prozent aller virtuellen Maschinen (VM) in der Azure-Cloud Linux-basiert. „Wir haben Java, Tomcat, Docker Container, Red Hat Enterprise Linux, SUSE Linux und viele andere Open Source Tools in das DevTest Labor eingebracht – und sie alle funktionieren wunderbar“, sagt auch Peter Rothländer, Manager of Cloud Solutions bei der Daimler AG.

Open Source: dynamisch und agil

Rüdiger Laabs, zuständig für den Bereich Automotive bei Red Hat in Deutschland, misst besonders dem Punkt der Partnerschaften große Bedeutung zu. „Je mehr man über autonomes Fahren nachdenkt, umso mehr müssen viele Unternehmen zusammenarbeiten, denn diese Lösungen sind zu komplex, um sie effizient alleine zu lösen“, sagt er über den aktuellen Trend in dieser Branche.

Ein weiterer Punkt ist der zunehmende Einsatz von Multi-Hybrid-Cloud-Umgebungen (MHC). „Für das Managen von MHC-Umgebungen müssen die vorhandenen Lösungen permanent weiterentwickelt werden“, sagt er mit Blick auf die Open-Source-Gemeinde, die gerade hier durch ihre Offenheit, Flexibilität und Agilität punktet.

Im Gegensatz zu Anbietern von proprietären Lösungen, die an starre Roadmaps gebunden sind, können Red Hat und die Open Source Community anforderungsspezifische Lösungen für aktuelle Herausforderungen konzipieren. „Die Community entscheidet, woran sie arbeitet und was demnächst angegangen werden soll“, sagt Laabs.

OpenShift: BMW als Referenzkunde

Neben Linux ist OpenShift eines der bedeutenden Produkte von Red Hat. Hierfür ist BMW einer der Referenzkunden. „OpenShift bietet das komplette Stack und deckt alles ab, was unsere DevOps-Teams benötigen“, sagt Roland Bader, Product Owner der On-Premises Cloud bei BMW. Hierbei kann er auf stolze Zahlen verweisen. So ist deren Plattform weltweit an vier Standorten mit 21 Clustern verfügbar. 4.400 Benutzer arbeiten darauf in 4.600 OpenShift-Projekten.

Doch es gibt Konkurrenz: VMware. Der Konkurrenzkampf mit der Dell-Tochtergesellschaft verschärfte sich im vorigen Jahr, als das Unternehmen auf der VMWorld bekannt gab, dass man im Rahmen des Projektes Pacific vSphere komplett auf Kubernetes umstellt.

„Wir wollen der größte Enabler von Kubernetes werden“, sagte Joe Beda, Principal Engineer bei VMware, anlässlich der Bekanntgabe des Projektes. Dabei kennt er sich mit Kubernetes aus, denn er hat bei Google die Container-Orchestrierungsplattform entwickelt.

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