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So starten Unternehmen erfolgreich ein SAP-Projekt

Strukturierte Vorbereitung, abgestuftes Vergabeverfahren und ein durchdachtes Vertragswerk führen zur passenden Anbieterauswahl und zu einer steuerbaren S/4HANA-Migration.

In einem SAP-Projekt entscheidet die Qualität der Ausschreibung über die Vergleichbarkeit der Angebote, die Vertragsschärfe und die Anbieterführung über die gesamte Projektphase. Methodische Vorbereitung, abgestufte Vergabeschritte und eine belastbare Bewertungsmatrix führen zur passenden Anbieterwahl und zu einer tragfähigen Migration.

Bedarfsanalyse, Anbietermarkt, Anforderungsdokumente, Vertragswerk und Umsetzungsphase sind die zentralen Stationen einer SAP-Ausschreibung. Die folgenden Abschnitte zeigen, mit welchen Schritten Unternehmen Ziele und Scope schärfen, Anbieter sondieren, Angebote vergleichbar machen, Vertragsmodelle wählen und die Migration nach der Vergabe absichern.

Vom Ziel zum tragfähigen Scope

Vor jeder Ausschreibung steht die Frage, was das neue SAP-System fachlich leisten soll. Unternehmen kommen ohne fundierte Bedarfsanalyse nicht aus, denn unscharfe Anforderungen führen im weiteren Vergabeprozess zu unvergleichbaren Angeboten, falschen Aufwandsschätzungen und späteren Vertragskonflikten. Workshops mit Vertretern aus IT, Finance, Logistik, Vertrieb und Produktion bringen Prozesslandschaft, Pain Points und Geschäftsanforderungen zusammen. Eine schriftliche Zielarchitektur mit Aussagen zu Plattform-Topologie und Transformationspfad dient als Klammer für alle weiteren Schritte.

Brownfield- versus Greenfield-Bereitstellung, Infografik
Abbildung 1: Was einen Brownfield- von einem Greenfield-Ansatz unterscheidet.

Eigenentwicklungen, Add-ons und Schnittstellen prägen den Aufwand einer S/4HANA-Einführung mehr als der reine ERP-Funktionsumfang. Ein vorbereitender Readiness-Check inventarisiert Custom Code, Datenqualität, Integrationspunkte und Add-on-Bestand. Aus dieser Inventur ergibt sich die Grundlage für die Wahl zwischen Brownfield-Conversion, Bluefield-Hybridansatz und einem Greenfield-Neuaufbau. Unternehmen vor der S/4HANA-Einführung profitieren von einer kompakten Vorstudie, die diese Architekturfragen vor dem Versenden der Ausschreibungsunterlagen beantwortet.

Marktsondierung und Vorauswahl

Eine Longlist möglicher Dienstleister bildet den Auftakt der Vergabephase. Recherche im Internet, Branchennetzwerke, DSAG-Kontakte und Referenzen aus vergleichbaren Projekten ergeben eine Liste passender Anbieter. Eine Markterkundung oder ein formaler Request for Information (RFI) prüft danach, ob die geplanten Anforderungen marktreif sind, welche technologischen Optionen bestehen und welche Anbieter über die geforderten Branchen- und Methodenkompetenzen verfügen.

Bei öffentlichen Auftraggebern unterscheidet das Vergaberecht zwischen offenem und nicht-offenem Verfahren. Im offenen Verfahren findet kein vorgeschalteter Teilnahmewettbewerb statt, alle interessierten Anbieter reichen direkt ein Angebot ein. Das nicht-offene Verfahren begrenzt die Anzahl der Bieter über einen vorgeschalteten Eignungswettbewerb. Privatwirtschaftliche Auftraggeber orientieren sich am methodischen Vorgehen, ohne formelle Vergaberechtspflicht. Eine kompakte Bewertungsmatrix sortiert die RFI-Antworten und reduziert die Longlist auf eine handhabbare Shortlist.

Der Request for Proposal als Steuerungsdokument

Der Request for Proposal (RFP) versammelt sämtliche fachlichen und kommerziellen Anforderungen, die später Grundlage der Vertragsverhandlung werden. Zum Standardpaket gehören Service Level Agreements (SLA) für Verfügbarkeit und Reaktionszeiten, das Verrechnungsmodell, der Rahmenvertrag mit ergänzenden Leistungsscheinen sowie Eskalationspfade für strittige Punkte. Je dichter und konkreter die RFP-Unterlagen formuliert sind, desto vergleichbarer fallen die Angebote der Bieter aus.

Die fachliche Tiefe der Ausschreibung bestimmt, ob spätere Angebote stabil kalkulierbar bleiben. Arbeitspakete werden mit Verantwortlichkeiten und Abhängigkeiten beschrieben, technische Schnittstellen mit Protokollen und Datenvolumina benannt, Mengengerüste für Datenmigration und Stammdatenmanagement quantifiziert. Cloud-Optionen, der Bezugsrahmen rund um RISE with SAP oder GROW with SAP und die Nutzung der SAP Business Technology Platform (BTP) für Extensions gehören in den Anforderungskatalog, da sie auf Lizenz-, Betriebs- und Beratungskosten wirken.

Bewertungsmatrix und Pitch

Eine Bewertungsmatrix ordnet die eingegangenen Angebote nach mehreren Dimensionen ein. Bewertungsdimensionen sind fachliche Eignung mit Branchen- und Modulerfahrung, methodisches Vorgehen entlang SAP Activate, Beraterprofile mit nachweisbarer S/4HANA-Praxis und Referenzprojekte vergleichbarer Größenordnung. Hinzu kommen die Toolchain für Migration und Testing, Aussagen zu Knowledge Transfer, Lock-in-Risiken und das kommerzielle Modell. Eine reine Preisbetrachtung verzerrt das Bild, denn aggressive Festpreise verstecken häufig Mehraufwände in Change Requests.

Der Pitch-Termin überprüft die Angebote im direkten Austausch. Beraterprofile, die im RFP angeboten wurden, müssen vor Ort präsent sein und Fragen zur Methodik, zum Vorgehensmodell und zu kritischen Architekturentscheidungen beantworten. Ein optionaler Probierschritt in Form einer kurzen Pilotphase prüft, ob Methodik, Tempo und Kommunikationsstil zur eigenen Organisation passen.

Vertragsmodelle und Eskalation

Die Wahl des Vertragsmodells beeinflusst Steuerbarkeit und Risiko der Migration. Festpreisverträge schaffen Budgetsicherheit, setzen jedoch einen eindeutigen Scope voraus. Time-and-Material-Konstellationen (T&M) bleiben flexibel, verlagern das Aufwandsrisiko aber auf den Auftraggeber. Hybride Modelle koppeln Festpreisphasen für definierte Liefergegenstände mit T&M-Anteilen für unsichere Bereiche und sind in der Praxis das verbreitete Modell.

SLAs definieren messbare Reaktionszeiten, Verfügbarkeiten und Qualitätsschwellen. Change-Request-Mechaniken regeln, wie Änderungswünsche innerhalb des Migrationsprojekts eingepreist und freigegeben werden. Eskalationspfade mit Stop-Gates zwischen Phasen sichern dem Auftraggeber Ausstiegsoptionen. Exit-Klauseln, IP-Rechte am erstellten Customizing, Quelltexte und Architekturdokumentation gehören vertraglich fixiert, denn ein späterer Anbieterwechsel ist sonst nur unter hohen Kosten möglich.

Erfolgsfaktoren nach der Vergabe

Mit der Unterschrift beginnt die Umsetzung selbst. Ein internes Projektteam mit erfahrenem Projektleiter, fest besetztem Steering Committee und Vertretern aus den betroffenen Fachbereichen führt die Migration auf der Auftraggeberseite. Regelmäßige Statusmeetings, ein gepflegtes Risikoregister und ein zentrales Backlog für offene Punkte halten den Projektfortschritt sichtbar.

Die Akzeptanz des neuen Systems hängt stark an Change-Management und Schulungen der Endanwender. Frühzeitige Kommunikation der Veränderung, rollenbasierte Trainingspfade und Hands-on-Sessions an Testsystemen begleiten den Übergang. Test- und Cutover-Planung gehören in die ersten Projektwochen, denn Datenmigration, Schnittstellentests und Notfallszenarien beanspruchen mehr Zeit, als in initialen Aufwandsschätzungen angenommen wird.

Wirtschaftliche Wirkung der Vorarbeit

Investierte Stunden in Vorstudie, Scope-Schärfung und RFP-Qualität rechnen sich im weiteren Vergabeprozess mehrfach. Belastbare Anforderungen senken Nachverhandlungsaufwand und Change-Request-Volumen. Strukturierte Bewertungsmatrizen verkürzen die Auswahlphase und vermeiden Wiederholungen der Ausschreibung. Auf der Anbieterseite ergeben sich engere Kalkulationen, da jeder Bieter mit geringerem Risikoaufschlag rechnet.

Ein passender Partner liefert über die Migrationsphase hinaus auch in der Hypercare-Phase nach dem Go-Live und im späteren Application Management stabile Leistung. Eine sorgfältig aufgesetzte Ausschreibung mit messbaren Kriterien für Aufwand, Qualität und Methodik bildet damit die Investitionssicherheit für eine S/4HANA-Migration ab, deren Wirkung weit über die erste Vergabeentscheidung hinausreicht.

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