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Sicherheits-Checkliste für Data Center: 10 bewährte Verfahren

Data Center bergen verschiedene Risiken für Betreiber und Mitarbeiter. Beachten Sie deshalb zehn bewährten Verfahren bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen in Rechenzentren.

Mitarbeiter, die mit Data-Center-Anlagen zu tun haben, sind verschiedenen Risiken ausgesetzt. Daher ist ein gut strukturierter Sicherheitsplan für Rechenzentren entscheidend, um die Mitarbeiter zu schützen. Ebenso ist es für IT-Führungskräfte, Facility-Manager, Betriebsteams und Mitarbeiter unerlässlich, die Sicherheit in Rechenzentren zu verstehen.

Zu den häufigen Risiken in Rechenzentren zählen Umweltgefahren, zum Beispiel Hitze, Kälte und Lärm, sowie Fehlfunktionen von Brandbekämpfungs- und Elektrosystemen.

Die Festlegung bewährter Verfahren für die Sicherheit von Rechenzentren sowie die Ernennung eines speziellen Facility- oder Sicherheitsmanagers können dazu beitragen, Teams vor Gefahren zu schützen.

Die Bedeutung der Data-Center-Sicherheit

Unter bestimmten Umständen sind Rechenzentren eine risikoreiche Umgebung. So können beispielsweise:

  • Hochspannungsgeräte zu Stromschlägen führen.
  • Brennbare Materialien in der Nähe von heißen Geräten oder bei heißen Arbeiten Brände verursachen.
  • Unsachgemäß befestigte schwere Racks eine Gefahr für die körperliche Unversehrtheit darstellen.
  • Mangelnde Schulungen zu Unfällen aufgrund menschlicher Fehler führen.

Die Gewährleistung angemessener Sicherheitsprotokolle ist daher sowohl für die Gesundheit der Mitarbeitenden als auch für die Einrichtung selbst von großer Bedeutung. Ein gut umgesetzter Sicherheitsplan für Rechenzentren legt den Schwerpunkt auf die Sicherheit und das Wohlergehen der Menschen, verbessert die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Betriebskontinuität, schützt die Infrastruktur und gewährleistet die kontinuierliche Einhaltung von Vorschriften.

Abbildung 1: Das Personal von Data Centers sollte sich eine Reihe von Fragen stellen, bevor es eine Aufgabe ausführt, die ein gewisses Risiko beinhalten könnte.
Abbildung 1: Das Personal von Data Centers sollte sich eine Reihe von Fragen stellen, bevor es eine Aufgabe ausführt, die ein gewisses Risiko beinhalten könnte.

10-Punkte-Checkliste für die Data-Center-Sicherheit

Eine strukturierte Sicherheitscheckliste hilft Unternehmen dabei, Verfahren zu standardisieren und Risiken zu reduzieren. Die folgenden zehn Punkte decken verschiedene Aspekte ab, die in einem Sicherheitsplan für Rechenzentren enthalten sein sollten.

1. Beginnen Sie mit einer detaillierten Risikobewertung

Die regelmäßige, umfassende und detaillierte Durchführung von Risikobewertungen ist ein zentraler Aspekt der Sicherheit von Rechenzentren. Eine Risikobewertung hilft dabei, physische, umgebungsbezogene und betriebliche Risiken zu identifizieren und die Schwere jedes Risikos zu bewerten. Dies dient als Grundlage für die Kontrolle und Minimierung potenzieller Sicherheitsrisiken.

Eine Risikobewertung könnte zum Beispiel eine schlechte Luftzirkulation in einem Data Center aufdecken, die zu einer Überhitzung der Geräte und damit zu einer potenziellen Brandgefahr führen könnte.

2. Überarbeiten Sie die Sperrverfahren

Der Begriff Sperrung bezieht sich auf die Praxis, Geräte vor der Durchführung von Wartungs- oder Reparaturarbeiten auszuschalten oder stromlos zu schalten. Durch geeignete Sperrverfahren lassen sich versehentliche Einschaltungen, Stromschläge oder Geräteschäden verhindern.

Sperrverfahren sollten überarbeitet und standardisiert werden, um sicherzustellen, dass die Geräte bis zum Abschluss der Wartungsarbeiten ausgeschaltet bleiben. Darüber hinaus sollte das gesamte Betriebspersonal geschult werden, um die Sperrverfahren für die entsprechenden Geräte zu verstehen.

3. Führen Sie Schulungen und Überwachung für Elektroarbeiten durch

Nur qualifizierte Mitarbeiter sollten an elektrischen Arbeiten beteiligt sein. Elektrische Geräte und Systeme sind stark von Stromversorgungssystemen abhängig. Bei unsachgemäßer Handhabung können diese zu einer potenziellen Gefahr werden. Richtlinien zur elektrischen Sicherheit sollten deshalb in einen Sicherheitsplan für Rechenzentren aufgenommen werden, um die potenziellen Risiken zu minimieren.

Ein solcher Sicherheitsplan sollte auch Mitarbeiterschulungen und regelmäßige Überprüfungen der elektrischen Infrastruktur umfassen.

4. Legen Sie strenge Regeln für Heißarbeiten fest.

Heißarbeiten sind alle Tätigkeiten, bei denen Feuer, Funken oder hohe Hitze auftreten. Alle Tätigkeiten, die als Heißarbeiten gelten – zum Beispiel Schweißen, Schleifen oder Schneiden – sollten strengen Sicherheitsrichtlinien unterliegen. Bestimmte Bereiche sollten als Heißarbeitszonen ausgewiesen werden, um das Brandrisiko zu minimieren. Aus dem gleichen Grund sollten Feuerlöschgeräte wie Löschdecken oder Feuerlöscher in Reichweite sein. Überprüfen Sie vor Durchführung von Heißarbeiten den Bereich auf brennbare Materialien. Manche Unternehmen verbieten Heißarbeiten auch in der Nähe von IT-Geräten.

5. Ernennen Sie dedizierte Facility Manager

Ein Facility Manager hilft bei der Überwachung des täglichen Betriebs des Rechenzentrums und sorgt dafür, dass es effizient und sicher betrieben wird. Facility Manager überwachen die Systeme des Rechenzentrums, zum Beispiel die Stromversorgung, die Sicherheit, die Klimaanlage und den mechanischen Betrieb. Darüber hinaus sind sie für Arbeits- und Umweltschutz, Personalmanagement, Notfallvorsorge, Änderungsmanagement, Energiemanagement und Finanzmanagement verantwortlich.

Um einen reibungslosen Betrieb des Data Centers zu gewährleisten, muss der Facility Manager mit den IT-Administratoren zusammenarbeiten. Er sollte die Grundsätze der Gestaltung von Rechenzentren, bewährte Verfahren der Branche, Tools für das Management der Infrastruktur von Rechenzentren und neue Technologien verstehen. Er sollte mit allen Sicherheitsverfahren und -richtlinien gründlich vertraut sein und in der Lage sein, diese den Mitarbeitern effektiv zu vermitteln, damit sie befolgt werden.

6. Halten Sie Standards für Rechenzentren ein

Unternehmen sollten die relevanten Compliance-Standards kennen und einhalten. Zu den Standards für Rechenzentren und ähnlichen relevanten Arbeitsschutzstandards zählen zum Beispiel ISO 14001. Maßgeblich sind auch die EU-Normen der EN 50600 für Rechenzentrumsinfrastrukturen, insbesondere EN 50600-2-2 zur Stromversorgung, sowie in Deutschland die DIN-VDE-Reihe 0100 (Planung/Errichtung, Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600) und DIN VDE 0105-100 (Betrieb und wiederkehrende Prüfungen). Sie alle tragen zur Sicherheit der Mitarbeiter und der Infrastruktur bei.

Für die Arbeitssicherheit in Rechenzentren gibt es kein einzelnes Spezialregelwerk, sondern ein Zusammenspiel aus allgemeinem Arbeitsschutzrecht und RZ-spezifischen Regelwerke. Das sind unteranderem:

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)
  • Arbeitsstättenregeln (ASR):
    ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände
    ASR A2.3 Fluchtwege und Notausgänge
    ASR A3.4 Beleuchtung und Sichtverbindung
  • Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV)
  • Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS):
    TRBS 1111 Gefährdungsbeurteilung
    TRBS 1201 Prüfungen und Kontrollen von Arbeitsmitteln und überwachungsbedürftigen Anlagen
  • DGUV Vorschrift 3, Elektrische Anlagen und Betriebsmittel (PDF)
  • DIN VDE 0105-100 Betrieb von elektrischen Anlagen (Überblick)
  • EN 50600 Data Centre Facilities and Infrastructures (Überblick)

Die kontinuierliche Einhaltung von Standards ist entscheidend, um die Anpassung an sich ändernde Sicherheitsvorschriften zu gewährleisten.

7. Implementieren Sie Notfallmaßnahmen

Es besteht immer die Möglichkeit, dass etwas schiefgeht. In solchen Fällen sollten Unternehmen einen Aktionsplan parat haben. Das bedeutet, dass Pläne für den Fall eines Brandes, einer Überschwemmung, eines Erdbebens oder eines anderen Notfalls entwickelt werden müssen.

Ein Unternehmen kann auch Notfallübungen durchführen, um die Wirksamkeit und Effizienz dieser Pläne zu testen.

8. Stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter über die richtige persönliche Schutzausrüstung (PSA) verfügen.

Bestimmte Arbeiten in Rechenzentren – zum Beispiel Elektroarbeiten, Heißarbeiten, Arbeiten in der Höhe und das Heben schwerer Lasten – erfordern möglicherweise persönliche Schutzausrüstung. PSA ist unerlässlich, um die Sicherheit der Mitarbeitenden in risikoreichen Umgebungen zu gewährleisten. Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern daher geeignete Ausrüstung zur Verfügung stellen.

Bei Elektroarbeiten kann zum Beispiel die Verwendung von isolierten Handschuhen und dielektrischem Schuhwerk erforderlich sein, um das Risiko eines Stromschlags zu verringern. Bei Heißarbeiten können Schweißhelme und -decken erforderlich sein.

Die PSA sollte außerdem regelmäßig überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie die Mitarbeiter weiterhin angemessen schützt.

9. Führen Sie regelmäßige Sicherheitsschulungen durch

Regelmäßige Schulungen zu Sicherheitsverfahren tragen dazu bei, das Unfallrisiko zu verringern. Dazu gehören Schulungen zur Erkennung von Risiken, zu Sperr- und Notfallverfahren, zur Einhaltung von Sicherheitsstandards, zur Arbeit in der Höhe sowie zur ordnungsgemäßen Verwendung von PSA.

Da nicht jeder Mitarbeiter denselben Risiken ausgesetzt ist, sollten die Schulungen auf die spezifischen Aufgaben der einzelnen Mitarbeiter zugeschnitten sein. Durch regelmäßige Schulungen wird außerdem sichergestellt, dass das Thema Sicherheit für jeden Mitarbeiter im Vordergrund steht.

10. Führen Sie regelmäßig Sicherheitsaudits durch

Durch regelmäßige Sicherheitsaudits lässt sich sicherstellen, dass alle bestehenden Pläne und Verfahren ordnungsgemäß befolgt werden. Planen Sie Audits ein, um Sicherheitssysteme, Ausrüstung und die Einhaltung von Standards zu überprüfen. Werden Mängel oder Verbesserungsmöglichkeiten festgestellt, sollten Korrekturmaßnahmen ergriffen werden, um Pläne oder Verfahren zu aktualisieren. Eine Organisation kann auch von der Beauftragung eines externen Auditors profitieren, um eine objektivere und unabhängigere Überprüfung zu erhalten.

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