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IGEL baut Plattform für sicheren Endpoint weiter aus
Auf der Now & Next in Frankfurt zeigte IGEL den Wandel vom Thin-Client-Hersteller zur Sicherheitsplattform für Endgeräte – mit neuer Kontextsteuerung und Branchenintegration.
Auf der Now & Next Konferenz in Frankfurt zeigte IGEL, wie weit sich der frühere Thin-Client-Hersteller von seinem Ursprungsgeschäft entfernt hat: Das in Deutschland verankerte Unternehmen setzt konsequent auf ein softwarebasiertes Sicherheitsmodell für Endgeräte – mit neuen Funktionen für Kontextsteuerung und Branchenintegration.
Mehr als drei Jahre nach dem Ausstieg aus der eigenen Hardwarefertigung treibt IGEL seine Transformation zum Plattformanbieter für Endpoint-Sicherheit konsequent voran. Auf der Now & Next Konferenz in Frankfurt am 16. Juni 2026 präsentierte CEO Klaus Oestermann gemeinsam mit CTO Matthias Haas und Peter Goldbrunner, Vice President & General Manager Central Europe, den aktuellen Stand der Adaptive Secure Endpoint Platform – und machte deutlich, dass das Unternehmen seine Wurzeln im klassischen Virtual Desktop Infrastructure (VDI) Geschäft zunehmend hinter sich lässt.
Die Produktion eigener Thin-Client-Hardware hatte IGEL Technology zum 31. März 2023 offiziell eingestellt; die strategische Neuausrichtung zum reinen Softwareunternehmen war im November 2022 angekündigt worden. Der Standort Augsburg, einst Produktionswerk, dient dem Unternehmen heute als zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Das globale Headquarter befindet sich im Bremer Tabakquartier.
Vom Betriebssystem zur Plattform
Im Zentrum der Frankfurter Konferenz stand die Botschaft, dass IGEL sich nicht mehr allein als Anbieter eines Betriebssystems versteht. Matthias Haas beschrieb das präventive Sicherheitsmodell als Leitprinzip des Unternehmens, das App-Bereitstellung, Sicherheit und Management miteinander verbindet. Grundlage ist weiterhin IGEL OS, ein unveränderliches Betriebssystem, das einen bekannten, richtlinienkonformen Endpoint-Zustand aufrechterhalten soll. Ergänzt wird dies um den Managed Hypervisor und Container-Unterstützung, mit denen Windows-Anwendungen sowie OT-Workloads direkt auf IGEL-Endpunkten betrieben werden können – ein Schritt, mit dem das Unternehmen den klassischen VDI-Stack zunehmend optional macht.
Neu vorgestellt wurde das Konzept der Persona Layer innerhalb eines kontextbasierten Zugriffsmodells mit vier Ebenen. Anders als bei klassischer Geräteverwaltung sollen Richtlinien hier dynamisch greifen – abhängig davon, ob ein Nutzer etwa im Büro oder in einem öffentlichen Café arbeitet. Als Beispiel nannte Haas ein Krankenhausszenario, in dem ein Gerät von wechselndem Pflegepersonal genutzt wird, während es während der Visite kurzfristig dem behandelnden Arzt zugeordnet werden kann. Die Richtlinien für solche kontextabhängigen Vertrauensstufen werden erstmals auch mit Drittanbietern wie Cisco, Forescout und Palo Alto Networks verknüpft.
Mit IGEL AI Armor kündigte das Unternehmen zudem eine in Entwicklung befindliche KI-Komponente an, die laut Oestermann unter anderem dem Schutz vor Datendiebstahl dienen soll – ein Bedrohungsszenario, das nach Einschätzung des Unternehmens zunehmend gezielt hochrangige Mitarbeiter betrifft, unabhängig von klassischer Ransomware.
Wachstum in OT und kritischen Branchen
Ein wesentlicher Wachstumstreiber liegt laut Unternehmensangaben außerhalb der klassischen IT-Arbeitsplätze. Field CTO John Walsh stellte die Erweiterung der Plattform auf Betriebstechnologie (Operations Technology, OT) vor: Die zugrunde liegende Architektur mit Control-, Daten- und Ausführungsebene soll identisch über fünf Zielbranchen hinweg funktionieren: Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Finanzdienstleistungen, Einzelhandel sowie Fertigung und Transport.
Im Gesundheitswesen hat IGEL nach eigenen Angaben in Deutschland bereits einen Marktanteil von über 50 Prozent bei rund 300 Kunden. International nannte Field CTO James Millington als Referenz einen Kunden des britischen Gesundheitsdienstes National Health Service (NHS) mit rund 50.000 Endpunkten und 8.500 Beschäftigten.
Auch das Thema Betriebskontinuität wurde prominent platziert: Mit Dual-Boot- und USB-Boot-Funktionen will IGEL Unternehmen in die Lage versetzen, nach einem Ausfall – etwa durch Cyberangriffe – innerhalb weniger Minuten wieder in eine funktionsfähige Arbeitsumgebung zurückzukehren, statt wie bislang üblich Tage oder Wochen zu benötigen.
Zur Kosteneffizienz verwies das Unternehmen auf eine eigene Erhebung, der zufolge sich durch den Einsatz der Plattform Gesamtbetriebskosten (TCO) von bis zu 65 Prozent einsparen lassen sollen; ein Großteil davon entfällt laut Goldbrunner auf Hardware- und Softwareeinsparungen sowie einen geringeren Personalbedarf im Support.
Bei der Bechtle AG wird der Aspekt der digitalen Souveränität als wesentlicher Marktvorteil bewertet. Dr. Olaf Schäfer, Business Manager Virtual Workplace in der Region Köln/Bonn, betont die Bedeutung von lokaler Entwicklung und deutschsprachigem Support, den IGEL im Gegensatz zu Herstellern aus Übersee bietet, insbesondere für öffentliche Auftraggeber und stark regulierte Branchen.