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Wie Unternehmen die Datendemokratisierung vorantreiben

In vielen Unternehmen setzt nur ein Bruchteil der Angestellten auf Datenanalyse. Um das zu ändern, sollten Firmen die Demokratisierung des Datenzugang vorantreiben.

Von der Prozessoptimierung bis zur Entscheidungsfindung – Big Data hat heutzutage einen großen Stellenwert. Die Datenmengen in Organisationen steigen immer weiter an und können interessante neue Erkenntnisse liefern: sei es zu internen Prozessen, Kundenwünschen oder auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit.

Um diese Potenziale optimal zu nutzen, müssen sich Unternehmen zunächst neuen Herausforderungen stellen. Denn mangelhafte technische Ausstattung, eingeschränkte Leistung und fehlende Datenkompetenz hemmen hier häufig die Effektivität. Das große Potenzial von Big Data und Data Analytics wird daher von vielen Unternehmen noch nicht einmal ansatzweise ausgeschöpft.

Wie kann dieses Problem gelöst werden? Der erste Schritt ist ein Wechsel des Mindsets. Viele Probleme sind darauf zurückzuführen, dass nur ein Bruchteil der Belegschaft Daten nutzt. Um das zu ändern, ist das Thema Datendemokratisierung ein wichtiges Element. Denn es bedeutet, dass alle Mitarbeiter – und nicht nur ausgewiesene Datenspezialisten – in der Lage sind, auf Daten zuzugreifen, sie zu analysieren und zu nutzen. Doch wie kann Datendemokratisierung in Unternehmen gezielt eingesetzt werden?

Die fünf folgenden Schritte sind entscheidende Bausteine auf dem Weg zur erfolgreichen Umsetzung.

Schritt 1: Ausarbeitung einer Datenstrategie

Es ist offensichtlich, dass die Erfolgschancen eines Unternehmens ohne konkrete Zielsetzung eher gering sind. Das gleiche gilt für die Datendemokratisierung: Damit diese gelingt, ist eine ausgearbeitete Datenstrategie essenziell, die sie gezielt vorantreibt.

Da jedes Unternehmen individuelle Ziele und Grundvoraussetzungen mitbringt, gibt es dafür keine Musterlösung. Der erste Schritt muss deshalb die Betrachtung des Status Quo sein: Wer ist verantwortlich für Daten? Wer hat Zugang dazu? Und wer verfügt bereits über entsprechende Kompetenz? In vielen Fällen offenbart die Analyse, dass es zwar einige Datenverantwortliche gibt, diese aber nur einen kleinen Teil der Belegschaft ausmachen. Das bedeutet im Ergebnis, dass Datendemokratisierung noch nicht Teil der Unternehmenskultur ist.

Wie der Begriff schon impliziert, beinhaltet Datendemokratisierung sowohl technische wie auch menschliche Aspekte. Natürlich sind Faktoren wie beispielsweise Organisationsziele, Sicherheitsfragen oder Arbeitsabläufe ausschlaggebend für eine Strategie. Die Gesamtheit der Mitarbeiter sollte aber im Mittelpunkt stehen. Eine gute Datenstrategie garantiert Kosteneffizienz, Geschwindigkeit und Zugang zu Daten in allen Bereichen des Unternehmens – von der Entwicklung über die Produktion bis zum Management.

Ein Chief Data Officer (CDO) fungiert als Umsetzungs- und Kontrollinstanz, der die Verantwortung für das Projekt in allen Bereichen übernimmt. Die Hauptaufgabe ist es, Daten zum integralen Bestandteil des Unternehmensalltags zu machen. Dazu gehört es auch, interne Innovationen voranzutreiben sowie die betriebliche Effizienz zu verbessern. Der CDO sorgt dafür, dass Datendemokratisierung implementiert und auch gelebt wird.

Schritt 2: Einführung der passenden Technologie

Die richtige IT-Infrastruktur ist wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Datenstrategie und richtet sich nach den Zielen des Unternehmens. Auch hier entscheidet die individuelle Situation über die optimale Lösung. Ist es sinnvoller, auf Cloud- oder eine On-Premises-Lösungen zu setzen? Laut dem Dresner Report 2021 bevorzugt derzeit der Großteil der Unternehmen Cloud-Lösungen. Oft hängt die Entscheidung jedoch von den speziellen Use Cases ab, weswegen immer häufiger hybride Lösungen verwendet werden. Dienstleister, die sowohl Cloud, On-Premises als auch hybride Lösungen anbieten, ermöglichen hier maximale Flexibilität.

Wenn es um die konkreten Programme und Anwendungen zur Datenspeicherung und -verarbeitung geht, ist es sinnvoll, die Bedürfnisse der einzelnen Abteilungen zu betrachten und nicht nur das Unternehmen als Ganzes. Manche Unternehmen schrecken vor der Koexistenz mehrerer Analyse-Tools zurück, da diese eine zusätzliche technische Herausforderung darstellen. Es lohnt sich jedoch, sich dem zu stellen, denn mit einer großen Auswahl an Tools gelingt eine situationsspezifische Datennutzung und -analyse noch exakter. Die passenden Tools können Daten außerdem so aufbereiten, dass Mitarbeiter auch mit wenigen Vorkenntnissen daraus Rückschlüsse ziehen können.

Technologien, die alle Daten an einem Ort bereitstellen und mit verschiedenen Tools verbinden können, ermöglichen effektive, hochwertige Analysen. Datenbanklösungen, die das können, sind deshalb von Vorteil. Doch welche Technologien und Tools brauche ich wirklich? Ein guter Weg, um das herauszufinden, ist es, in einzelnen Abteilungen entsprechende Technik und Tools testweise einzuführen. Das hat nicht nur den Vorteil, dass die individuellen Bedürfnisse ersichtlich werden. Die Mitarbeiter kommen hier auch erstmals mit Datenanalyse in Berührung und können die Vorteile der Datendemokratisierung am eigenen Arbeitsplatz erleben.

Schritt 3: Die Daten in den Fokus rücken

Für eine erfolgreiche Datendemokratisierung ist es unabdingbar, dass der generelle Umgang mit Daten sicher und nachhaltig erfolgt. Die Datenmenge, die jeden Tag anfällt, ist enorm groß. Am Ende des Tages wird allerdings nur ein Bruchteil analysiert und genutzt. Bevor Unternehmen also anfangen, Daten noch flächendeckender zu nutzen, sollten sie zunächst den Blick auf die bereits gesammelten Daten richten. Welche Daten sind relevant, welche können gelöscht werden? Vor allem im Zuge der Implementierung einer neuen Datenbank lohnt es sich, mit aktuellen Datensätzen zu starten und unnötigen Ballast vorher zu beseitigen.

Schritt 4: Etablierung einer Datenkultur

Datendemokratisierung stellt die Menschen in den Mittelpunkt. Das bedeutet auch, dass diese bei der strategischen Ausrichtung einer Datenstrategie wichtige Faktoren sind. Mitarbeiter müssen nicht nur Zugang zu Daten haben, sondern Datendemokratie auch leben.

Nur so erfolgt der Wechsel von datenbasierten Entscheidungen zu wirklich datengesteuerten Entscheidungen. Die Entwicklung einer Datenkultur bewirkt genau das. Mitarbeiter erkennen den Mehrwert, den die Demokratisierung mit sich bringt: Sie haben Zugang zu allen Daten und können darauf basierend konkrete Entscheidungen fällen. Und schlussendlich hilft es den Mitarbeiter auch, ihre Arbeit zu optimieren.

Mathias Golombek, Exasol AG

„Für eine erfolgreiche Datendemokratisierung ist es unabdingbar, dass der generelle Umgang mit Daten sicher und nachhaltig erfolgt.“

Mathias Golombek, Exasol AG

Indem Unternehmen gemeinsame und wiederholbare Methoden und Prozesse etablieren, um Daten im gesamten Unternehmen kontrolliert zu verteilen, sind die Mitarbeiter von Beginn an in die Datenkultur integriert, können sie miterleben und gestalten. Das Resultat: Die Mitarbeiter entwickeln ein echtes Interesse an Daten. Und wenn die Mitarbeiter ihr Bestes geben können, feiert auch das Unternehmen Erfolge.

Schritt 5: Schulung der Datenkompetenz

Das Ziel ist erreicht – die technischen Vorraussetzungen für Datendemokratisierung sind geschaffen und die Datenkultur etabliert. Es ist Zeit, den Faktor Mensch noch weiter in den Fokus zu rücken. So wie heute Englischkenntnisse in vielen Berufen selbstverständlich vorausgesetzt werden, wird in Zukunft der Umgang mit Daten zu einer immer wichtigeren Kompetenz.  Alle Mitarbeiter sollten Datenanalyse wie eine Zweitsprache beherrschen und anwenden können.

Natürlich muss nicht jeder Mitarbeiter in der Lage sein, hochkomplexe Analysen durchzuführen. Es ist ausreichend, dass jeder Mitarbeiter, die für seine Aufgaben notwendige Datenkompetenz mitbringt. Analyse-Tools können die Mitarbeiter dann bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Mit gesteigerter Datenkompetenz und entsprechenden Best Practices steigert sich die Mitarbeiter-Performance auf jeder Ebene des Unternehmens. In Kombination mit der richtigen Technik führt Datendemokratisierung auf lange Sicht somit zu größeren Geschäftserfolg.

Über den Autor:
Mathias Golombek ist Vorstandsmitglied und CTO der Exasol AG. Er verantwortet alle technischen Bereiche des Unternehmens, von der Entwicklung über den Betrieb und Support bis hin zum fachlichen Consulting. Golombek hat an der Universität Würzburg Informatik mit den Schwerpunkten Datenbanken und verteilte Systeme studiert.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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