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Wearable-Anwendungen bieten Potenzial für das Bankenwesen

Im Bankenwesen gibt es großes Potenzial für Wearables. Apps und Anwendungen auf Smartwatches und Co. können die Branche in den kommenden Jahren grundlegend verändern.

Der Markt für digitale Wearables wächst stetig. 2018 betrug der Umsatz knapp 8,3 Milliarden US-Dollar – dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von mehr als 17 Prozent für den Zeitraum 2013 bis 2018.

Auch für 2019 wird ein erneutes Wachstum erwartet, sollte sich der Trend aus dem vierten Quartal 2018 – mit 31,4 Prozent Wachstum und damit 27,5 Prozent mehr ausgelieferten Geräten als im gleichen Zeitraum 2017 – fortsetzen.

Unternehmen können von der Implementierung von Wearables und verwandten Technologien profitieren. Gerade im Bankenwesen gibt es Potenzial. Wearables können die Branche in den kommenden zehn Jahren grundlegend verändern.

Wearables und die IoT-Revolution

Der Begriff Wearables beschreibt Endgeräte mit integrierten digitalen Technologien, die speziell entwickelt wurden, um am Körper getragen zu werden. Aus technologischer Sicht fallen Wearables in die schnell wachsende Kategorie des Internet der Dinge (Internet of Things, IoT).

Im Jahr 2017 vernetzten sich jede Sekunde 127 neue IoT-Endgeräte mit dem Internet. Business Insider erwartet, dass es bis 2025 mehr als 64 Milliarden IoT-Geräte geben wird. Der Markt und das wirtschaftliche Potenzial des IoT sind vielversprechend. Es ist davon auszugehen, dass sich ein umfangreiches Ökosystem mit zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten entwickelt, die sich Banken zu Nutze machen können.

Zahlreiche Potenziale für das Kundenerlebnis

Bereits heute bieten Wearables einfach zu bedienende Funktionen wie Zahlungen. Weitere Features sind in Planung, darunter:

  • Zahlungen: Die Near Field Communication (NFC) -Technologie ermöglicht es Verbrauchern, für Kaffee, Einzelhandelsartikel oder Dienstleistungen zu bezahlen, indem sie ihre Smartwatch einfach in die Nähe eines mit NFC ausgestatteten Point-of-Purchase-Terminals halten. Laut Schätzung werden Wearable-Transaktionen bis 2020 rund 20 Prozent aller mobilen Transaktionen ausmachen, mit einem Gesamttransaktionsvolumen von über 500 Milliarden US-Dollar.
  • Benachrichtigungen und Alerts: Wearables, insbesondere Uhren, ermöglichen Banken zuverlässigen und direkten Zugang zum Kunden. Über das Endgerät am Handgelenk empfangen Verbraucher zum Beispiel Nachrichten und Hinweise von ihrer Bank. Dazu kann die Verfügbarkeit einer Monatsrechnung ebenso gehören wie die Möglichkeit eines Dispokredits. Mit Wearables sind Banken darüber hinaus in der Lage, ihre Prozesse zur Betrugsbekämpfung zu optimieren: Anstatt verdächtige Transaktionen – von denen einige durchaus legitim sein können – automatisch zu blockieren, kontaktieren Banken den Kunden in Echtzeit, um die Sachlage zu klären und das weitere Vorgehen zu besprechen und einzuleiten.
  • Anfragen und Transaktionen: Mit Wearables können Kunden jederzeit und überall Anfragen stellen, Geld überweisen und andere Transaktionen ausführen.
  • Features zur Geolokalisierung: Wearables lassen sich geografisch tracken. Diese Funktion bietet Banken die Möglichkeit, das Kundenerlebnis zu verbessern – so können sie zum Beispiel ihren Kunden unkompliziert den Standort des nächstgelegenen Geldautomaten anzeigen. Auch unkonventionelle neue Geschäftsmodelle sind möglich: Banken haben die Möglichkeit, etwa Partnerschaften mit Einzelhändlern einzugehen und Marketingbotschaften über den eigenen Kommunikationskanal auf das Wearable des Kunden zu übertragen.

Möglichkeiten und Herausforderungen

Damit sich Wearables im Bankenwesen erfolgreich durchsetzen und bewähren, müssen sie – etwa im Vergleich zum Smartphone – genügend Funktionen anbieten, die den Kunden Mehrwert bringen und damit das Kundenerlebnis und die -zufriedenheit steigen.

Folgende Fragen sollten sich Banken stellen, wenn sie künftig Wearables einsetzen möchten:

  • Wie sieht der Funktionsumfang aus? Banken müssen dies sorgfältig abwägen, um die Erwartungen der Verbraucher sowie den Wettbewerbsdruck mit Kosten und Aufwand in Einklang zu bringen.
  • Wie funktioniert das Interface? Sogenannte Voice User Interfaces (VUI) sind besonders komfortabel und intuitiv in der Bedienung, machen sie das umständliche Eingeben von Informationen über das Smartphone überflüssig. An dieser Stelle bleibt abzuwarten, ob Banken dafür künftig (oder zumindest kurzfristig) bestehende Netzwerke anpassen können oder direkt auf sprachgesteuerte Chatbots zurückgreifen.
  • Wie steht es um die Sicherheit? Verbraucher nutzen Wearables mehrheitlich im öffentlichen Raum, wo die Netzwerksicherheit nicht gewährleistet ist. Aus diesem Grund sollten Banken sicherstellen, dass alle Daten, einschließlich PIN und Kontodaten, verschlüsselt Darüber hinaus sollten Kunden in der Lage sein, bei Verlust Wearables einen Remote Wipe aller Daten durchzuführen.

Wettbewerbsvorteile umsetzen

Aktuell steckt das Wearable-Banking noch in den Kinderschuhen. Banken, die es anbieten, haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil – vorausgesetzt, das Angebot funktioniert gut, ist einfach zu bedienen und sicher.

Mohit Joshi, Infosys

„Es ist davon auszugehen, dass sich ein umfangreiches Ökosystem mit zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten entwickelt, die sich Banken zu Nutze machen können.“

Mohit Joshi, Infosys

In naher Zukunft könnte das Wearable-Banking jedoch zum Standard für die Branche werden.

Über den Autor:
Mohit Joshi ist President and Head of Banking, Financial Services & Insurance, Healthcare and Life Sciences bei Infosys.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder und entsprechen nicht unbedingt denen von ComputerWeekly.de

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