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SAP S/4HANA-Transformation mit der SAP Integrated Toolchain
Die SAP S/4HANA-Transformation zählt zu den anspruchsvollsten IT-Projekten. Um Kunden den Umstieg zu erleichtern, stellt SAP Hilfsmittel in der Integrated Toolchain bereit.
Am 31. Dezember 2027 endet der reguläre Support für SAP ECC. Anschließend können Kunden zwar noch bis 2030 kostenpflichtigen erweiterten Support in Anspruch nehmen, doch langfristig ist der Umstieg auf SAP S/4HANA unausweichlich.
Viele Kunden stehen jetzt vor der Herausforderung, wie sie diesen Kraftakt stemmen sollen. Denn SAP-Umgebungen sind geschäftskritisch und meist über viele Jahre hinweg gewachsen. Zahlreiche Eigenentwicklungen und Abhängigkeiten mit Drittsystemen machen die Transformation hochkomplex. Von der Konzeption bis zum vollständigen Umzug können sich SAP S/4HANA-Projekte gerne einmal über zehn Jahre erstrecken. Selbst, wer noch möglichst lange am Bestandssystem festhalten möchte, sollte sich daher bereits heute mit der Planung beschäftigen.
So unterstützt die SAP Integrated Toolchain
Um Kunden die Transformation zu erleichtern, stellt SAP im Rahmen der Rise with SAP Journey die Integrated Toolchain bereit. Diese umfasst sowohl SAP-eigene Werkzeuge als auch Lösungen von Drittanbietern, die Unternehmen in allen Phasen ihrer Transformation unterstützen. Die Komponenten der Toolchain sind vollständig miteinander integriert und arbeiten nahtlos zusammen. Dadurch werden Silos aufgebrochen und Prozesse beschleunigt. Methodisch ist die Integrated Toolchain in der SAP Activate-Methode verankert und unterstützt deren Phasen (Discover, Prepare, Explore, Realize, Deploy, Run) mit durchgängigen Workflows und Artefakten.
Innerhalb der Toolchain dient SAP LeanIX als Enterprise Architecture Management Tool, um die aktuelle Architektur abzubilden und Transformationspfade zu planen. Mit SAP Signavio können Unternehmen ihre Geschäftsprozesse analysieren und optimieren, während SAP Cloud ALM als Steuerungszentrale für das gesamte Transformations-Projekt fungiert. Ergänzend unterstützen SAP Enable Now und WalkMe beim Change-Management. Neben den zahlreichen SAP-eigenen Tools umfasst die integrierte Toolchain zwei strategisch wichtige Partnerlösungen: Tricentis für KI-gestützte Testautomatisierung und Quality Engineering, sowie Syniti, um Datenobjekte auf SAP S/4HANA-Templates zu mappen.
QA-Aufwände werden häufig unterschätzt
Gerade die Optimierung der Qualitätssicherung (QA) spielt eine wichtige Rolle, um die Migration auf SAP S/4HANA schneller und kostengünstiger zu bewältigen. Denn Analysten zufolge macht dieser Bereich rund ein Drittel der Transformationskosten aus. Erheblichen Aufwand versursacht zum Beispiel der Parallelbetrieb von Alt- und Neu-System. Da der vollständige Umzug von großen SAP-Landschaften bis zu zehn Jahre dauern kann, müssen QA-Teams während dieser Zeit beide Umgebungen gleichzeitig pflegen.
Dabei fallen unzählige Regressionstest an, um sicherzustellen, dass Geschäftsprozesse nach einem Update noch funktionieren. Hier kann schon eine kleine Änderung tausende Testfälle nach sich ziehen. Außerdem sind kontinuierlich Vergleichstests zwischen Alt- und Neusystem erforderlich, um zu gewährleisten, dass Geschäftsprozesse auch nach der Migration noch das richtige Ergebnis liefern. Dazu kommen Datenintegritätstests, die prüfen, dass Daten korrekt übertragen wurden und nichts verloren gegangen ist.
Die Cloud-Transformation bringt neue QA-Herausforderungen
Da SAP eine klare Cloud-Strategie verfolgt, steht für Kunden nicht nur ein Systemwechsel an, sondern auch ein Umzug in die Cloud. Die neue Umgebung punktet zwar mit höherer Agilität und Flexibilität, erfordert aber auch eine Cloud-Readiness. SAP stellt regelmäßig Innovationen sowie kleinere Updates bereit. Unternehmen müssen daher in der Lage sein, dieses Tempo mitzugehen und Neuerungen schnell zu testen.
Außerdem propagiert SAP einen Clean-Core-Ansatz: Das Ziel besteht darin, einen sauberen, leichter update-fähigen ERP-Kern zu etablieren, während Eigenentwicklungen und die Anbindung von Drittsystemen über die SAP Business Technology Platform (BTP) realisiert werden. Für Unternehmen bedeutet dies nicht nur, dass sie ihre SAP-Architektur umbauen müssen – sie sind auch mit einem höheren Testing-Aufwand in der Peripherie konfrontiert: Erfahrungsgemäß verfügt ein SAP-Core-System über durchschnittlich 100 oder mehr Schnittstellen zu umliegenden Systemen. Um Geschäftsprozesse End-to-End zu überprüfen, sind daher regelmäßige Integrationstests erforderlich – idealerweise mit einer integrierten Lösung, die diese Komplexität beherrschbar macht.
Beispiele aus der Praxis
Duke Energy, einer der größten amerikanischen Energieversorger, hat dank Testautomatisierung mehr als vier Millionen US-Dollar bei seiner SAP S/4HANA-Transformation eingespart. Durch eine Reduzierung des manuellen Testing-Aufwands von 1.300 Stunden auf 32 konnte das Unternehmen das Projekt sieben Monate früher abschließen als geplant und sein Alt-System früher abschalten.
Auch Siemens Healthineers, einer der weltweit größten Anbieter von Medizintechnik, setzt bereits seit vielen Jahren auf Testautomatisierung, insbesondere um Regressionstests durchzuführen und hohe Release-Geschwindigkeiten zu meistern. Das Unternehmen ist mit seiner SAP S/4HANA-Transformation bereits weit fortgeschritten, muss aber noch ein letztes ECC-System umziehen. Dabei soll die Integrated Tool Chain in allen Phasen eine wichtige Rolle spielen, vom Prozessdesign über die Migration bis hin zum kontinuierlichen Testing. Dr. Stefan Henkel, CIO von Siemens Healthineers, erklärte auf der SAP Sapphire 2025: „In Zukunft wird die integrierte Toolchain das digitale Rückgrat für unseren kontinuierlichen Betrieb und für operative Exzellenz sein.“
Angesichts der wachsenden QA-Herausforderungen vor, während und nach der Transformation wird Testautomatisierung unverzichtbar. Mit ihrer Hilfe können Unternehmen manuellen Aufwand reduzieren, kontinuierlich testen und Risiken minimieren. Die Integration einer entsprechenden Lösung in die SAP Toolchain hat strategische Bedeutung.
Testen, was wirklich wichtig ist
Ein Bereich, in dem sich Testautomatisierung während der SAP S/4HANA-Transformation besonders auszahlt, sind Regressionstests. Diese fallen sowohl im Alt- als auch Neusystem an, sobald sich Anforderungen ändern oder das System aktualisiert wird. QA-Teams stehen jetzt vor der Frage, was sie testen müssen. Wie wirkt sich die Änderung aus und welche Bereiche sind davon betroffen? Existieren bereits Test-Cases, die wiederverwendet werden können? Eine KI-gestützte Change-Impact-Analyse kann diese Fragen automatisiert beantworten. Dabei identifizieren intelligente Algorithmen, welche Tests erforderlich sind, um die größten Risiken abzudecken. So können QA-Teams unnötiges Testing vermeiden, den Umfang der Test-Suite schlank halten und in Folge den Wartungsaufwand reduzieren. Die Regressionstests laufen dann mehrmals pro Woche automatisiert über Nacht ab, ohne dass menschliches Eingreifen nötig ist.
KI als Game Changer in der Qualitätssicherung
Künstliche Intelligenz wird immer wichtiger, um die Qualitätssicherung zu optimieren. Schon heute sind intelligente Algorithmen zum Beispiel in der Lage, Test-Cases selbstständig zu reparieren. Sie erkennen gebrochen Bezüge, etwa wenn sich ein Objekt verschoben hat oder in der Entwicklung umbenannt wurde, und passen den Testfall so an, dass er weiterhin funktioniert.
Large Language Models (LLM) unterstützen außerdem als Copiloten, mit denen Mitarbeitende in natürlicher Sprache interagieren können. Die smarten Assistenten sind zum Beispiel äußerst nützlich, um Testergebnisse zusammenzufassen, kritische Fehler zu identifizieren oder zu analysieren, warum diese aufgetreten sind. Darüber hinaus senken Copiloten die Einstiegshürde, indem sie Mitarbeitenden das Onboarding erleichtern oder passende Test-Cases für Anwendungsfälle vorschlagen.
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„Gerade die Optimierung der Qualitätssicherung (QA) spielt eine wichtige Rolle, um die Migration auf SAP S/4HANA schneller und kostengünstiger zu bewältigen. Denn Analysten zufolge macht dieser Bereich rund ein Drittel der Transformationskosten aus.“
Viktoria Praschl, Tricentis
Die Zukunft lieg in KI-Agenten, die weitestgehend autonom testen. Dabei lassen sich mehrere Agenten über den offenen Standard MCP (Model Context Protocol) zu durchgängig automatisierten Workflows verbinden. In der Praxis sieht das zum Beispiel wie folgt aus: Aus einer Anforderung in natürlicher Sprache – etwa einem Jira-Ticket – erstellt ein KI-Agent klar strukturierte Testfälle. Ein zweiter Agent erzeugt automatisch die dafür benötigten Testdaten, während ein dritter den Testfall in der passenden Testumgebung ausführt. Ein vierter Agent analysiert abschließend die Resultate, bewertet Risiken und erstellt einen visuell aufbereiteten Management-Report.
In diesem Workflow kommunizieren alle beteiligten KI-Agenten über die gemeinsame Sprache MCP miteinander. Dank der standardisierten Schnittstelle funktioniert die Integration ohne Scripting, sodass sich vormals isolierte KI-Funktionen einfach verbinden und nahtlos in bestehende IT-Landschaften einfügen lassen.
Fazit: Schneller transformieren und den künftigen SAP-Betrieb meistern
Grundlegende KI-Funktionen wie die Change Impact Analyse, die Selbstheilung von Testfällen oder QA-Copiloten sind im Rahmen der SAP Integrated Toolchain enthalten. Weitere KI-Agenten lassen sich über den SAP App Store hinzubuchen und als MCP Server einbinden. Die Kombination aus intelligenter Testautomatisierung mit SAP-Tools wie Signavio und Cloud ALM sorgt dafür, dass Unternehmen ihre SAP S/4HANA Transformation schneller, einfacher und kostengünstiger bewältigen können.
Durch das nahtlose Zusammenspiel innerhalb der SAP Integrated Toolchain lässt sich die Qualitätssicherung von Anfang an in den Transformationsprozess einbinden. Das schafft die Voraussetzung, um Risiken frühzeitig zu adressieren und die neue SAP-Landschaft auf einem stabilen Fundament aufzubauen. Gleichzeitig entsteht eine Architektur, die die Qualitätssicherung agil und leistungsfähig für die wachsenden Anforderungen im späteren Betrieb macht.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.