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KI-Agenten und neue Lizenzen: die nächste Microsoft-KI-Welle
Copilot Chat wird zum KI-Cockpit, Agenten zu Teammitgliedern – und die Komplexität steigt. Was Unternehmen bei Modellwahl, Compliance und Lizenzierung jetzt im Blick haben sollten.
Mit Copilot Wave 3 hat Microsoft im März 2026 die nächste KI-Transformationswelle angekündigt und zahlreiche Neuerungen in Microsoft 365 vorgestellt. Durch die enge Kooperation mit OpenAI fokussierte Microsoft bisher ganz auf die GPT-Modelle. Jetzt vollzieht der Hersteller einen Strategiewechsel und öffnet Copilot Chat auch für andere Technologiepartner, angefangen mit Anthropic. Ob weitere Anbieter folgen, ist noch unklar.
Nach eigenen Angaben möchte Microsoft mit dem neuen Multi-Modell-Ansatz Lock-in-Effekte vermeiden und Kunden die Möglichkeit geben, für jeden Use Case das jeweils beste KI-Tool einzusetzen. Um Komplexität zu reduzieren, wählt Copilot Chat automatisch das passende Modell aus. Wer darauf nicht vertraut, kann auch selbst entscheiden, welches Modell er nutzen will.
Die Entwicklung schreitet so rasant voran, dass sich dynamisch ändert, welches Modell gerade führend ist. Kaum jemand hat Zeit, den Überblick über die jeweiligen Vor- und Nachteile zu behalten. Daher lohnt es sich, mit spezialisierten Beratern zusammenzuarbeiten, die den Markt kontinuierlich beobachten und evaluieren.
Microsoft Agent 365: KI-Agenten werden zu Team-Mitgliedern
Copilot Chat entwickelt sich immer mehr zum zentralen KI-Cockpit. So können Anwender künftig direkt aus dem Chat heraus KI-Agenten für Microsoft Excel, Word oder PowerPoint ansteuern. Unternehmen haben ebenfalls die Möglichkeit, eigene KI-Agenten zu bauen oder Angebote von Drittanbietern über Konnektoren zu integrieren.
Zur Verwaltung der agentischen Task Force führt Microsoft Agent 365 ein. Unternehmen können den virtuellen Helfern jetzt eigene Identitäten, Lizenzen und Zugriffsrechte zuzuweisen und sie damit als digitale Mitglieder in ihre Teams integrieren. Menschen sollen dadurch nicht ersetzt, sondern unterstützt werden. Sie übernehmen die Führungsposition und arbeiten Hand in Hand mit einer agentischen Task Force, der sie sich wiederholende Aufgaben übertragen können. Das erfordert allerdings auch ein Umdenken hin zu einer stärker prozessgetriebenen Herangehensweise.
KI-Agenten richtig einsetzen
Künftig sollen KI-Agenten auch eigeninitiativ handeln. Solche autonomen Agenten erkennen relevante Ereignisse – etwa eine neue E-Mail, ein hochgeladenes Dokument oder ein anstehendes Meeting – und werden von sich aus aktiv. Solche Systeme einzuführen ist kein Selbstläufer. Mitarbeiter müssen die virtuellen Helfer richtig aussteuern und genau wissen, welchen Agenten sie am besten mit welcher Aufgabe beauftragen.
Denn ein KI-Agent kann nur das, wofür er designt wurde. Er ist auf eine bestimmte Aufgabe spezialisiert, auf eine konkrete Zielgruppe ausgerichtet und verfügt über spezifisches Wissen. Setzt man ihn außerhalb seines Scopes ein, liefert er schlechte Ergebnisse. Außerdem funktioniert ein KI-Agent nur so gut, wie die Daten, auf die er zugreift. Gerade in historisch gewachsenen IT-Umgebungen ist es daher häufig erforderlich, bestehende Informationen neu aufzubereiten, damit die KI sie überhaupt verarbeiten kann.
Vertrauen schaffen: Jeder KI-Agent braucht einen Owner
KI-Agenten eignen sich gut, um wiederkehrende, aufwendige oder spezialisierte Aufgaben zu übernehmen, die sonst viel Zeit und Know-how kosten. Das setzt allerdings voraus, dass sie verlässliche Ergebnisse liefern. Aber wie können Mitarbeiter KI-Agenten vertrauen, die sie nicht selbst gebaut haben? Häufig werden die virtuellen Helfer im Team oder in der gesamten Abteilung geteilt. Doch nur, wer einen KI-Agenten selbst konzipiert hat, weiß, welche Daten er nutzt, was er kann und wo seine Grenzen liegen.
Um Vertrauen zu schaffen, empfiehlt es sich, für jeden Agenten einen Verantwortlichen zu bestimmen, der dessen Funktion in einem Steckbrief dokumentiert. Wichtige Inhalte sind zum Beispiel, wie sich der Agent üblicherweise verhält, auf welche Daten er zugreift, für welche Aufgabe er geeignet ist und was er explizit nicht leisten kann. Außerdem sollten exemplarische Prompts, erwartete Antworten und die Kontaktdaten des Ansprechpartners hinterlegt werden.
Neben dem Steckbrief ist der jeweilige Owner auch für die Pflege des KI-Agenten verantwortlich. Er sollte zum Beispiel regelmäßig prüfen, ob die zugrundeliegenden Daten noch aktuell sind und die Instruktionen noch stimmen. Hat Microsoft vielleicht im Hintergrund das KI-Modell geändert, sodass sich der Agent plötzlich anders verhält? All das muss jemand im Blick behalten.
DSGVO-Compliance sicherstellen
Neben der Sicherheit und Ergebnis-Qualität stellt sich auch die Frage nach der Compliance: Wo werden die Daten verarbeitet und ist die Einhaltung der DSGVO dabei gewährleistet? Solange Unternehmen Copilot und KI-Agenten innerhalb ihrer Microsoft-Subscription nutzen, sind sie auf der sicheren Seite. Wenn sich der Tenant in einem europäischen Rechenzentrum befindet, werden die Daten auch nur innerhalb der EU verarbeitet. Optional lässt sich per Zusatzvertrag festlegen, dass Daten strikt in einer bestimmten Region bleiben.
Schwieriger wird es, sobald man das Microsoft-Ökosystem verlässt. Bei der Integration von Drittanbieterdiensten über Power-Plattform-Konnektoren endet Microsofts Verantwortung an der Schnittstelle. Was mit den Daten beim externen Anbieter passiert, müssen Unternehmen selbst prüfen und bewerten.
Lizenzierung: Je individueller, desto komplexer
Auch die Lizenzierung von Copilot und KI-Agenten ist eine Wissenschaft für sich. Microsoft bietet verschiedene Optionen – von der integrierten Lizenz pro Nutzer über Credits und Input- und Output-Tokens bis hin zu Pay-as-You-Go. Grundsätzlich gilt: Am einfachsten ist die Budgetierung über die in Microsoft 365 integrierten Lizenzen. Je individueller Unternehmen dagegen im Baukastensystem Funktionen buchen, desto komplexer wird die Kostenberechnung. Im Sonderfall kann sich eine filigrane Einzellizenzierung lohnen, zum Beispiel wenn man KI-Funktionalität nur eingeschränkt und für einen ganz konkreten Use Case einsetzen möchte. Dies sollte aber vorab genau kalkuliert werden.
Um die Lizenzierung künftig zu vereinfachen, führt Microsoft außerdem die neue Microsoft 365 E7 Suite ein. Diese richtet sich an Unternehmen, die KI flächendeckend einsetzen möchten und die Pilotphase bereits hinter sich haben. Ein spezialisierter Berater kann dabei unterstützen, verschiedene Lizenzierungsvarianten zu vergleichen und die beste Option zu ermitteln.
KI zu deaktivieren ist keine gute Idee
Copilot & Co. lassen sich auch komplett deaktivieren. Dadurch verzichten Unternehmen allerdings auf Komfortfunktionen wie die KI-gestützte Suche. Statt des Chat-Felds erscheint in Microsoft 365 dann lediglich die traditionelle Suchmaske mit allen bekannten Vor- und Nachteilen. Diese liefert zwar weiterhin Treffer aus Dokumenten, E-Mails und SharePoint-Seiten, kann aber weder den Kontext einer Anfrage verstehen noch Informationen aus verschiedenen Quellen intelligent verknüpfen oder zusammenfassen.
Wer KI unternehmensweit verbietet, erhöht außerdem das Risiko für Schatten-KI, die nicht von der IT-Abteilung kontrolliert wird. Denn wenn Mitarbeiter keinen offiziellen Zugang zu beliebten Large Language Models (LLM) wie ChatGPT oder Claude haben, nutzen sie gerne die öffentlichen Dienste – notfalls am eigenen Smartphone. Um solche Risiken zu vermeiden, ist es besser, KI nicht zu verbieten, sondern strategisch und kontrolliert im Einklang mit Unternehmens-Policies einzuführen.
Von Spezialisten beraten lassen
Angesichts wachsender Komplexität lohnt es sich, bei der KI-Transformation mit externen Spezialisten zusammenzuarbeiten. Diese beobachten den Markt kontinuierlich, setzen sich intensiv mit neuen Entwicklungen auseinander und haben über Partnerprogramme frühzeitig Zugang zu Insider-Informationen. Außerdem verfügen sie über Erfahrung aus vielen verschiedenen Kundenprojekten, die in die Beratung einfließt. Als Trusted Advisor können die Experten dabei unterstützen, Neuerungen zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu treffen. Das beginnt bei der Use-Case-Bewertung und erstreckt sich über die Wahl des geeigneten KI-Modells bis hin zur günstigsten Lizenzierung. Nicht immer erfordert ein Prozess zum Beispiel tatsächlich einen KI-Agenten – manchmal reicht schon eine einfache Automatisierung mit einem KI-Baustein aus.
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„Mit Copilot Wave 3, der Multi-Modell-Strategie, Microsoft Agent 365 und der neuen Microsoft 365 E7-Lizenz treibt Microsoft die KI-Transformation in hohem Tempo voran. Für Unternehmen steigen damit Möglichkeiten, aber auch Anforderungen: an die Modellauswahl, an den Umgang mit KI-Agenten, an Compliance und an die Lizenzierung.“
Tomislav Karafilov, SoftwareONE
Ein erfahrener Partner hilft Unternehmen, für jeden Anwendungsfall die passende Technologie zu wählen. Statt reflexartig auf die neuesten Hypes zu setzen, beraten externe Spezialisten individuell und zeigen, welche Entwicklungen für das Unternehmen wirklich relevant sind. Eine kontinuierliche Zusammenarbeit – etwa mit regelmäßigen Innovations-Meetings – zahlt sich aus. Denn selbst große Organisationen mit dedizierten KI-Teams stoßen an ihre Grenzen, wenn Microsoft Neuerungen im Wochen- und Monatsrhythmus vorstellt.
Fazit: KI-Einführung benötigt Strategie
Mit Copilot Wave 3, der Multi-Modell-Strategie, Microsoft Agent 365 und der neuen Microsoft 365 E7-Lizenz treibt Microsoft die KI-Transformation in hohem Tempo voran. Für Unternehmen steigen damit Möglichkeiten, aber auch Anforderungen: an die Modellauswahl, an den Umgang mit KI-Agenten, an Compliance und an die Lizenzierung. Wer von KI profitieren will, sollte sich frühzeitig einen erfahrenen Partner an die Seite holen, der den Überblick behält und die Organisation Schritt für Schritt befähigt, die richtigen Weichen zu stellen.
Über den Autor:
Tomislav Karafilov ist Principal Consultant bei der SoftwareOne Deutschland GmbH und ein erfahrener Experte für Microsoft-Technologien. Seine Expertise liegt in den Bereichen Power Platform, Microsoft 365 und Copilot. Seit 2020 wird Tomislav von Microsoft als Most Valuable Professional (MVP) in den Kategorien „Business Applications“ und „M365“ ausgezeichnet.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.