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IoT Survival Guide: Vier Strategien für IT-Teams

Unternehmen mit IoT-Anwendungen stehen vor Herausforderungen. 5G löst LTE ab, Cyberangriffe werden raffinierter und dann noch KI. Gleichzeitig stehen IT-Teams unter Kostendruck.

In der aktuellen IoT-Landschaft um das Survival of the Fittest. Bei komplexer Lage ist Orientierung gefragt: Zum einen wird LTE für 5G neu umgeschichtet, zum anderen verändert künstliche Intelligenz das Terrain – als Chance und als Bedrohung zugleich. Cyberkriminelle Angriffe erfolgen raffinierter denn je, während gleichzeitig IT-Teams verschlankt werden und die Anzahl vernetzter Geräte in Dutzende Milliarden steigt. IT-Verantwortliche, die unvorbereitet sind, riskieren Fehlinvestitionen, steigende Kosten und Sicherheitslücken, die das gesamte Unternehmen gefährden.

Dieser IoT Survival Guide bündelt vier Strategien für eine sichere Navigation durch eine stark veränderte IoT-Landschaft: vom Technologiewechsel zur optimierten 5G-Variante Reduced Capability (RedCap) über Zero-Trust-Sicherheitsarchitektur hin zu KI-Integration als Frühwarnsystem und Komplexitätsreduktion statt fragmentierter Netzwerke. So können Unternehmen den Umgang mit Herausforderungen in einen Wettbewerbsvorteil umwandeln.

Strategie 1: Aufbrechen mit RedCap 5G

Genauso, wie Pfade mit der Zeit überwuchern, ist auch LTE in die Jahre gekommen. Das LTE-Frequenzspektrum wird nun für 5G neu aufgeteilt – und Unternehmen, die weiterhin auf diesen Mobilfunkstandard setzen, riskieren schlechtere Leistung, steigende Kosten und Verbindungsabbrüche. Eine verlässliche Route: Reduced Capability (RedCap). Die optimierte und kostengünstigere 5G-Variante wurde speziell für IoT-Geräte entwickelt. Dazu gehören beispielsweise Smartwatches, Kommunikationsgeräte, Industriesensoren oder Videostreaming-Kameras, die eine robuste Echtzeit-Datenübertragung bei effizienter Energienutzung erfordern. Ein einzelnes Netzwerk kann zehntausende Endgeräte unterstützen. Zusätzliche Ausfallsicherheit liefern Funktionen wie Network Slicing, eine verbesserte Uplink-Verbindung und LTE-Fallback.

Strategie 2: Nicht auf Vertrauen, sondern Sicherheit setzen

Mit wachsender IoT-Infrastruktur steigt die Angriffsfläche. Denn IoT-Geräte wie Sensoren, Kameras und Controller sind limitiert und stromsparend ausgelegt. Sie können daher keine starke On-Device-Security ausführen. Viele sind zudem noch immer mit dem Standardpasswort des Auslieferungszeitpunkts versehen, senden ihre IP-Adresse öffentlich und sind physisch leicht zugänglich. Einen Browser oder Security-Agent können sie auch nicht ausführen. Ist ein Gerät kompromittiert, ist das gesamte Unternehmen dem Risiko ausgesetzt.

Die Bedrohungslage verschärft sich zusätzlich durch KI-basierte Angriffe, die Netzwerke schneller und kreativer analysieren. Perspektivisch bedroht Quantencomputing bestehende Verschlüsselungsverfahren. Zero-Trust-Netzwerke sind vor diesem Hintergrund eine unverzichtbare Überlebensstrategie für das IoT. Anstatt davon auszugehen, dass Geräte sicher sind, sobald sie sich innerhalb des Netzwerks befinden, behandelt Zero Trust jeden Zugriffsversuch als nicht vertrauenswürdig – bis das Gegenteil bewiesen ist. Das bedeutet: kontinuierliche Verifizierung jedes Nutzers, Geräts und jeder Anwendung, kontextbasierte Zugriffsregeln nach Ort, Rolle, Gerätestatus und Tageszeit sowie das Least-Privilege-Prinzip, das Zugriff ausschließlich auf die tatsächlich benötigten Ressourcen gewährt. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sichert den gesamten Datenverkehr in öffentlichen wie privaten Netzwerken. Kompromittierte Geräte müssen segmentiert und eingedämmt werden, bevor sich ein Schaden ausbreiten kann. Dafür muss IoT-Sicherheit im Netzwerk selbst verankert sein – nicht als nachträgliches Add-on.

Strategie 3: KI als Frühwarnsystem

Wer sich in unbetretenes Gelände vorwagt, schickt zunächst Auskundschafter vor, um Risiken und Chancen früh zu erkennen. In der heutigen IoT-Welt übernimmt KI genau diese Rolle. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem IoT immer komplexer wird: Die Datenmengen wachsen, die Zahl der Geräte steigt und die Anforderungen an ohnehin schon schlanke IT-Teams nehmen zu. Vorausschauende KI-Analyse erkennt Anomalien und prognostiziert Fehler, bevor sie zu Ausfällen werden – das senkt Betriebsunterbrechungen und Kosten.

Joe Wilke, Ericsson

„Überleben und IoT-Erfolg auf komplexem Terrain basieren nicht auf Einzellösungen. Es braucht einen integrierten Ansatz, der die relevanten Bereiche zusammenführt.“

Joe Wilke, Ericsson

Routineaufgaben wie Bereitstellung, Firmware-Upgrades und Compliance-Abgleich lassen sich automatisieren, sodass IT-Teams Kapazitäten für wertschöpfende Aufgaben gewinnen. Natural-Language-Interfaces ermöglichen es, das Netzwerk direkt zu befragen – das reduziert den Schulungsaufwand und beschleunigt die Fehlerbehebung. Edge-Intelligenz analysiert Daten lokal (zum Beispiel Komprimierung von 4K- und 8K-Video oder die Unterstützung autonomer Robotik), sodass der Betrieb weiterläuft, selbst wenn das Wide Area Network (WAN) ausfällt.

Menschliche Aufsicht und angemessene Schulungen für die jeweiligen Anwendungsfälle werden weiterhin benötigt, doch die Widerstandsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit in unsicherem Terrain steigen erheblich.

Strategie 4: Ballast abwerfen – Netzwerke konvergieren

Je schwerer das Gepäck, desto langsamer das Tempo. Viele Unternehmen tragen heute einen erheblichen Ballast mit sich: WLAN für eine Gerätegruppe, LTE für andere. Oder sie nutzen private Mobilfunknetze für kritische Assets. Jedes Netzwerk hat seinen eigenen Verwaltungsaufwand, das bedeutet doppelte Tools, diverse Verträge, mehr Arbeitsstunden – in Summe mehr Kosten.

Wer Konnektivität in einer einzigen, effizienten Architektur vereint, reduziert Betriebskosten und gewinnt Überblick. Zentralisierte Managementplattformen gewährleisten Sichtbarkeit und Kontrolle über tausende von Geräten. Mehrere WAN-Optionen – 5G, WLAN, Satellit – und Link Bonding sorgen gleichzeitig für ununterbrochene Konnektivität. Und ein konvergiertes Netzwerk kann sich an neue IoT-Anwendungsfälle anpassen, ohne von Grund auf neu aufgebaut werden zu müssen. Fragmentierung bedeutet zusätzliches Gewicht auf den Schultern – Konvergenz schafft Geschwindigkeit, Effizienz und Zukunftssicherheit.

Fazit

Überleben und IoT-Erfolg auf komplexem Terrain basieren nicht auf Einzellösungen. Es braucht einen integrierten Ansatz, der die relevanten Bereiche zusammenführt. Unternehmen, die auf den vorgestellten vier Strategien aufbauen – RedCap als zukunftssicherer Technologiepfad, Zero Trust als strukturelle Sicherheitsgrundlage, KI als prädiktives Frühwarnsystem und Netzwerkkonvergenz als operativer Effizienzgewinn – werden nicht nur bestehen. Sie gehen gestärkt, agil und wettbewerbsfähig aus dieser IoT-Expedition hervor.

Über den Autor:
Joe Wilke ist VP und Head Sales Engineering PCN, EMEA, bei Ericsson. Sein Team bündelt Produkte, Dienstleistungen, Erfahrung und Expertise, um Chancen im Kontext von 5G und der Digitalisierung der Industrie zu nutzen.

Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.

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