WLAN der nächsten Generation: Wie SDN die drahtlose Landschaft verändert

SDN ist bei allen großen Anbietern im Bereich WLAN und Wi-Fi in der Planung für die Zukunft. Das drahtlose Netzwerk verändert sich.

Es steht außer Frage, dass Software-defined Networking (SDN) bei der Zukunft von Netzwerken und dem IT-Betrieb eine große Rolle spielen wird.

SDN beeinflusst die Planung der Netzwerke bereits und der Grund dafür sind zwei Eigenschaften. Zunächst einmal gibt es grundlegende Änderungen, inwiefern Netzwerke designed werden. Weil man die Kontrollschicht und die Datenebene in der Netzwerkhardware separiert, macht SDN die Netzwerke flexibler, anpassbarer und dynamischer. Es lässt sich an die Anforderungen der Applikationen anpassen.

Noch wichtiger ist vielleicht, dass SDN den Fokus bei den Netzwerken von den Layers 2 und 3 in Richtung Layer 7 verschiebt. Die Funktionalität des Netzwerks basiert auf Richtlinien und nicht auf quantitativen Einstellungen in der Management-Konsole. Die herkömmliche und in der Regel teure Strategie, bei der man das Netzwerk einfach überdimensioniert und dann hofft, dass die Anforderungen des Traffics nicht mehr steigen, funktioniert einfach nicht mehr. Wir leben nun in einer Zeit von Bring Your Own Device (BYOD), in der jeder Anwender über mehrere Geräte verfügt und mit diesen auch auf jede Anwendung zugreifen möchte. Das gilt auch für solche, die sehr hohe Ansprüche an die Latenz stellen.

Der Großteil dieser Ansprüche an die Anwendungsservices seitens der Endanwender stammt von mobilen Geräten und diese nutzen das Netzwerk via WLAN oder Wi-Fi. Deswegen muss man sich über das Resultat bewusst sein, welche Rolle SDN bei drahtlosen Netzwerken spielen wird. Wie Sie weiter unten im Artikel sehen werden, ist das bereits der Fall. Es wird sich in den nächsten Jahren zeigen, auf welche Weise sich diese Rolle entwickelt. Die entscheidenden Fragen sind: „Wie groß muss die SDN-zentrische Implementierung in der nächsten Generation der WLANs sein? Wird ein weiteres teures Upgrade auf uns zukommen?“

Kurz gesagt: „Nein!“. Auch wenn WLANs und SDN gerade erst miteinander anbandeln, stellen diverse Anbieter bereits sicher, dass sie auf lange Frist mitspielen können. Somit wird es bei der Basis zu wenig Störungen kommen.

Wie Anbieter drahtloser Komponenten SDN-Technologie nutzen

Ich konnte kürzlich mit einigen führenden Anbietern in der WLAN-Branche sprechen, welche Pläne sie für SDN haben. Nachfolgend finden Sie, was ich in Erfahrung gebracht habe:

Aruba Networks: Für Aruba, die von HP akquiriert wurden, dient SDN, um die Konfiguration und den Betrieb des Netzwerks zu vereinfachen. Größter Antreiber in diesem Gebiet ist Unified Communications (UC). Speziell geht es um die Unterstützung für das populäre Skype for Business, das früher unter dem Namen Microsoft Lync Server bekannt war. Man versucht nicht mehr, die für Lync zeitsensiblen Datenflüsse manuell zu optimieren. Die Anwender genießen die Vorteile der Programmierbarkeit von SDN, um das Netzwerk so anpassbar und effizient zu gestalten, wie das moderne WLAN-Services erfordern.

Cisco Systems: Ciscos Schwerpunkt in Sachen SDN hängt mit der Kombination aus drahtgebundenen und drahtlosen Netzwerken zusammen. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Reihe Catalyst 3850. Die damit in Verbindung stehenden Komponenten Cisco Open Networking Environment und Cisco Application Centric Infrastructure wurden durch die notwendige Programmierbarkeit der Reihe 3850 verbessert. In Bezug auf ACI ist das die Serie Nexus 9000. Wir erwarten, dass SDN-Leistungsmerkmale in alle Enterprise-Produkte von Cisco Einzug halten. Für Unternehmen dürfte spezielles Interesse bei Ciscos Application Policy Infrastructure Controller Enterprise Module für Catalyst-Switches, ASR-Router und drahtlose LAN-Controller liegen, womit Automatisierung und Management zur Verfügung stehen.

Extreme Networks: Extreme bietet eine SDN-Plattform an, die sich über die gesamte Produktlinie zieht, inklusive WLAN. Die Firma verwendet ein einziges Betriebssystem auf allen Hardwareprodukten. Es nennt sich EXOS. Man findet es auch auf OpenController, dem Herzstück der SDN-Anstrengungen. Die Firma richtet den Schwerpunkt speziell auf die Managementplattform NetSight und die Analyse-Software Pureview. Man weist hier wieder auf die Notwendigkeit hin, dass man bei der Verwendung von SDN alle Komponenten des Netzwerks in die Rechnung aufnehmen muss. Weiterhin ist ein Software Development Kit (SDN-SDK) verfügbar.

HP: HP nimmt Applikationen als Grundlage, um den Wert von SDN zu demonstrieren. Das neue Applikation Network Visualizer hilft in Sachen Sichtbarkeit, Diagnose, Fehlersuche, Problembehebung und aktivem Monitoring der Performance. Network Protector kümmert sich um die Security. Network Optimizer ist eine QoS-Engine (Quality of Service), die sich an Umgebungen im Bildungswesen richtet. Mobile-centric Networks ist ein Schlüsselbereich für HP. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Kollaboration und dem Teilen von gemeinsam genutzten Inhalten.

Meru Networks: Meru, das von Fortinet akquiriert wurde, weist darauf hin, der erste Anbieter zu sein, der eine Zertifizierung aus dem OpenFlow Conformance Testing Program der Open Networking Foundation (ONF ) erhalten hat. Eine nahtlose Interoperabilität ist ein großes Ziel des Unternehmens. Die Firma entwickelt auch Wi-Fi-Applikationen der nächsten Generation, die die Vorteile von SDN nutzen. 

Dazu gehört auch Collaborator, womit Skype for Business mit einem Controller kommunizieren kann. Dadurch lassen sich höher stehende QoS-Richtlinien für UC-Sitzungen durchsetzen. Mittels Personal Bonjour können Anwender von Apple-Geräten einen persönlichen, drahtlosen Netzwerkbereich aufsetzen. Gleichzeitig wird aber garantiert, dass die existierenden QoS-Richtlinien sowohl bei drahtgebundenen als auch drahtlosen Netzwerken durchgesetzt wird. Meru vertritt den Standpunkt, dass es sich vorteilhaft auf die Gesamtbetriebskosten (TCO) auswirkt, wenn man den drahtlosen Bereich mit SDN erweitert.

Jeder Anbieter hat OpenFlow und OpenDaylight als Schlüsselelemente in seiner gesamten SDN-Strategie und somit auch der drahtlosen Zukunft erwähnt. Auch wenn jeder diese Protokolle unterstützen möchte, ist es noch zu früh, transparente Interoperabilität über verschiedene Anbieter hinweg zu erwarten. Das wird erst im Laufe der Zeit mit der Weiterentwicklung von OpenFlow und OpenDaylight passieren. Eine große Rolle wird auch der harte Konkurrenzkampf in der Netzwerkbranche an sich spielen.

Tatsächlich könnten andere SDN-Protokolle als OpenFlow im Laufe der Zeit eine gewichtige Rolle spielen. Die Open-Source-Natur vieler Implementierungen ermutigt zu zahlreichen Erweiterungen, die schlussendlich proprietär bleiben könnten. Behalten Sie allerdings im Hinterkopf, dass SDN-Erweiterungen für Controller-basierte WLAN-Implementierungen keine Modifikationen an den Access Points voraussetzen. Man braucht hier lediglich Software-Erweiterungen am Controller selbst. Somit ist es irrelevant, welche SDN-Geschmacksrichtung unterstützt wird, weil es relativ einfach ist, den WLAN-Bereich mit SDN zu erweitern. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum wir dauernd so große Fortschritte bei der nächsten Generation der Wi-Fi-Komponenten sehen.

Weil es an dieser Stelle bereits so große Anstrengungen gibt, erwarten wir, dass sich alle großen Anbieter langfristig hinsichtlich SDN und WLAN gut positionieren wollen. Es ist nicht entscheidend, wie jemand SDN definiert. Klar ist auf jeden Fall schon, dass erfolgreiche Implementierungen von SDN das Konstrukt Endpunkt zu Endpunkt im Netzwerk verändern werden und zwar vom Zugriff auf den Außenbereich bis zum Herzstück. Da die Außenbereiche eines Unternehmensnetzwerks in der heutigen Zeit primär drahtlos sind, muss SDN eine zentrale Rolle bei den Implementierungen von drahtlosen LANs spielen. An dieser Stelle gibt es bereits einige Fortschritte. Die hoch motivierte Anbieter-Community wird mit hoher Wahrscheinlichkeit sicherstellen, dass Wi-Fi der nächsten Generation mit den Fortschritten bei SDN auf gleicher Höhe bleibt.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2015 aktualisiert

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