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Ein Überblick über die Geschichte der Serverhardware

Seit 1990 haben sich Server stark verändert und ihre Nutzungsszenarien vervielfältigt. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr über die Geschichte des Herzstücks jedes Rechenzentrums.

Weltweit gibt es Millionen von Servern, von denen viele in Serverfarmen und Datenzentren ihren Dienst verrichten. Diese Entwicklung hat sich innerhalb weniger Jahrzehnte vollzogen und hat sich auf den Aufbau von Rechenzentren und die private und geschäftliche Computernutzung überall auf der Welt ausgewirkt.

Bevor wir jedoch einen Blick auf die Geschichte des Servers werfen können, sollten wir uns klar machen, was ein Server überhaupt ist. In seiner grundlegendsten Form ist er ein Computerprogramm oder -gerät, das einem anderen Computerprogramm oder -gerät, auch als Client bezeichnet, einen Dienst zur Verfügung stellt.

Dieser Dienst kann zum Beispiel darin bestehen, dass der Server dem Client Softwareressourcen zur Verfügung stellt oder Dateien sicher zwischen Computern verschiebt.

Server zeichnen sich in der Regel dadurch aus, dass sie mit besonders leistungsstarken Prozessoren sowie Arbeits- und Datenspeichern ausgestattet sind, aber der eigentliche Unterschied zu einem normalen PC besteht nicht in der Hardware, sondern in der Aufgabe, die der Server im Netzwerk übernimmt.

Heute gibt es viele Arten von Servern, zum Beispiel Anwendungsserver, Proxy-Server, Dateiserver, Netzwerkrichtlinienserver und virtuelle Server. Wir beginnen jedoch mit dem Durchbruch der Servertechnologie: dem weltweit ersten Webserver im Jahr 1990.

Die Geschichte der Serverhardware
Abbildung 1: Die Geschichte der Serverhardware

1990: Der erste Webserver der Welt

Im Jahr 1989 erfand Tim Berners-Lee, ein britischer Ingenieur und Informatiker am CERN, das World Wide Web. Sein Ziel war es, Wissenschaftlern auf der ganzen Welt automatisierten Informationsaustausch zu ermöglichen.

Bis zum 25. Dezember 1990 hatte Berners-Lee den weltweit ersten Webserver auf einem NeXT-Computer eingerichtet; das Gerät verfügte über eine 2-GByte-Festplatte, einen Graustufenmonitor und eine 256-MHz-CPU. Der Server befindet sich immer noch im CERN und trägt ein großes weißes Etikett an der Vorderseite, auf dem steht: Diese Maschine ist ein Server. Schalten Sie ihn nicht ab!

Die erste Webseite, die jemals erstellt wurde, enthielt Informationslinks über das World-Wide-Web-Projekt und die technischen Details zum Erstellen von Webservern.

Im Dezember 1991 wurde der erste Webserver außerhalb Europas in Kalifornien im Stanford Linear Accelerator Center installiert, und Ende 1992 hatte sich das World-Wide-Web-Projekt um eine Liste anderer Webserver erweitert, die zu dieser Zeit verfügbar waren.

1993 gab CERN das World Wide Web für die öffentliche Nutzung frei und trat damit eine rasante Ausbreitung los. Im Dezember 1993 existierten weltweit über 500 bekannte Webserver. Die Zahl der Server nahm weiter zu. Ende 1994 waren über 10.000 Server mit mehr als 10 Millionen Benutzern am Netz.

1993: Die Erfindung des Rack-Servers

Die Verbreitung der Servertechnologie führte zur Entwicklung von Rack-montierten Servern, von denen der erste die ProLiant-Serie von Compaq war, die 1993 auf den Markt kam. Ein Rack-Rahmen besteht aus mehreren Einbauplätzen, von denen jeder für die Aufnahme eines Servers ausgelegt ist. Da ein einziges Rack mehrere Server übereinander gestapelt beheimatet, wird weniger Platz für die Lagerung der Maschinen benötigt.

Auf diese Weise konnten Unternehmen noch mehr Server auf kleinerem Raum unterbringen; die Aufbewahrung eines Racks auf engem Raum führt jedoch zu übermäßiger Wärmeentwicklung und erfordert spezielle Kühlsysteme, um optimale Temperaturen aufrechtzuerhalten.

Etwa zu dieser Zeit begannen Unternehmen damit, ihre technologische Ausstattung zu verbessern und verlegten alle Server und Geräte in eigene Räume, die umgangssprachlich als Serverräume bezeichnet werden. Zu Beginn nutzten viele Unternehmen dafür nicht genutzte Abstellräume, doch alsbald gingen sie dazu über, Räume speziell für Server zu entwerfen und sich mit der Temperaturüberwachung und Sicherheitsfragen zu befassen. Diese Veränderung der Infrastruktur ebnete den Weg für das moderne Rechenzentrum.

2001: Der erste kommerziell verfügbare Blade-Server

Im Jahr 2000 meldeten Christopher Hipp und David Kirkeby das Patent für Blade-Server an. Ein Jahr später war der erste kommerziell erhältliche Blade-Server von RLX Technologies, dem Unternehmen, in dem Hipp und Kirkeby arbeiteten, erhältlich.

Blade-Server waren ein wichtiger Fortschritt in der Servertechnologie, da sie mehrere Einschränkungen des Rack-Server-Frameworks beseitigten. Blade-Server verwenden weniger Komponenten als Rack-Server, um den Stromverbrauch zu minimieren und Platz zu sparen.

Blade-Server passen in ein Blade-Gehäuse oder ein Chassis, das mehrere von ihnen gleichzeitig aufnehmen kann. Ein Blade-Gehäuse kann eine Vielzahl von Funktionen bereitstellen, zum Beispiel Kühlung und Netzwerkhardware. Die Gehäuse wiederum können in Racks montiert werden.

Blade-Server bieten dieselbe Leistung auf weniger Raum, so dass Unternehmen die Dichte dedizierter Server in ihren Räumlichkeiten erhöhen konnten. Die Vorteile von Blade-Servern führten zu einer massiven Effizienzsteigerung und ermöglichten Unternehmen eine effektivere und strategischere Nutzung von Computerressourcen.

2005: Das Aufkommen des Servermanagements

Nach der Erfindung des Blade-Servers konzentrierten viele Unternehmen ihre Innovationskraft eher auf die effizientere Nutzung der bestehenden Hardware, als auf das Entwickeln neuartiger Server. So bieten Server-Cluster den Benutzern höhere Verfügbarkeitsraten. Server-Cluster sind Gruppen von Servern, die zu einem einzigen System verbunden sind. Wenn ein Server ausfällt, überträgt das Rechenzentrum seine Workloads auf andere Server des Clusters.

Das Out-of-Band-Management, auch bekannt als Remote-Management oder Lights-Out-Management (LOM), rückte ebenfalls in den Blickpunkt. Damit konnte ein IT-Team Server verwalten, ändern und überwachen, ohne auch nur physisch in ein Rechenzentrum gehen zu müssen. Diese Methode der Fernverwaltung von Servern verbessert die Effizienz weiter und verringert die Anzahl der für die Serverraumverwaltung erforderlichen IT-Administratoren.

2013: Der erste softwaredefinierte Server der Welt

Im Jahr 2013 entwickelte HP Labs Moonshot, den ersten softwaredefinierten Server der Welt. Im Vergleich zu herkömmlichen Servern laufen Moonshot-Server auf energiesparenden Mikroprozessoren und verbrauchen weniger Energie und Platz. Diese Server wurden für die Bewältigung bestimmter Workloads in Rechenzentren konzipiert, wie zum Beispiel für große Informationsmengen und Hochleistungs-Cloud-Computing.

Der Software-defined Server ist im Zusammenhang einer größeren Entwicklung zu betrachten, nämlich der Virtualisierung. Ein virtueller Server oder ein Cloud-Server verfügt über alle Fähigkeiten eines hardwarebasierten Servers, zusätzlich dazu verwendet er aber Virtualisierungssoftware, um einen physischen Server in mehrere virtuelle Server zu unterteilen.

Virtuelle Server eignen sich gut für sehr variable Workloads, so dass Organisationen mit schwankenden Anforderungen die flexible Skalierung von Cloud-Servern bevorzugen; die Technologie erspart Administratoren einen großen Teil der Arbeit bei der Verwaltung physischer Server.

Die Zukunft der Server

Rechenzentren wachsen, um immer vielfältigeren IT-Infrastrukturen gerecht zu werden und Server müssen dabei Schritt halten, indem sie immer mehr Leistung und Effizienz bieten.

Die Serverhardware wird wahrscheinlich kleiner, kompakter und sogar noch einfacher werden, mit einem starken Schwerpunkt auf Virtualisierung. Wenn wir eines aus der Geschichte des Servers lernen können, dann, dass die nächste große Entwicklung bereits in den Startlöchern steht.

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